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Immer mehr italienische Ärzte weigern sich abzutreiben

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Die vom italienischen Gesundheitsministerium in seinem letzten Bericht veröffentlichten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 234.801 Abtreibungen 1982, 131.018 im Jahr 2006 und 127.038 im Vorjahr (immer noch eine von vier Schwangerschaften).

(...) Rund 70% der Gynäkologen lehnen es ab, Abtreibungen durchzuführen. Die Ablehnung aus Gewissensgründen nimmt weiter zu. Zwischen 2003 und 2007 ist in den öffentlichen Spitälern der Anteil der Gynäkologen, die das Umbringen von ungeborenen Kindern (nur in Spitälern ist es legal) ablehnen, von 58,7% auf 69,2% gestiegen. Und 80% der Gynäkologiestudenten sind Frauen - und sie lehnen es alle ab, Abtreibungen durchzuführen.

Was die Anästhesisten, die an solchen Eingriffen mitwirken, anbelangt, so ist bei ihnen der Anteil der Ablehnung auf 50,4% gestiegen. Darüberhinaus nimmt die Zahl der Apotheker, die den Verkauf der “Pille danach" ablehnen, laufend zu.

In Kampanien, der Region um Neapel, ist der Anteil der Gynäkologen, die Abtreibungen ablehnen, im Zeitraum 2003-2007 von 44 auf 83% angestiegen, in Sizilien von 44 auf 84 Prozent. Im Zentrum von Rom liegt der Anteil sogar bei 100%.

In der Lombardei, jener Region, die seit 15 Jahren von einer herausragenden Persönlichkeit der Bewegung “Communione e Liberazione", Roberto Formigoni, geleitet wird, wurde der Kampf gegen die Abtreibung besonders geschickt geführt: Da man das Gesetz nicht beseitigen konnte, wurde alles unternommen, um seine Anwendung so schwierig wie möglich zu gestalten. Tatsächlich sind heute alle Direktoren der öffentlichen Spitäler gegen die Abtreibung und unter den Gynäkologen liegt der Anteil bei 70%.

Vor der Abtreibung muß die schwangere Frau eine Ultraschall-Untersuchung durchführen lassen. Bei dieser Gelegenheit sieht sie das Kind, das in ihr lebt, und es müssen sieben Tage vergehen, bis sie sich endgültig für die Abtreibung entscheidet. Ein Gynäkologe, Dr. Enzo Bon erklärt:

“Es ist eigentlich ganz normal, daß sich die Ablehnung aus Gewissensgründen in der Ärzteschaft verbreitet. Die Fortschritte beim Ultraschall haben deutlich gemacht, daß der Embryo von der Empfängnis an ein Lebewesen ist. Schon nach kürzester Zeit kann man sein Gehirn erkennen, seine Wirbelsäule, seine Hände. Die Mütter sehen, wie sich ihr Kind am Bildschirm bewegt, die Ärzte und die Schwestern, deren Berufung es ist, diese Kinder zur Welt zu bringen, sie alle reagieren auf all das viel sensibler als früher. Eine Kultur des Lebens nimmt Konturen an."

Denis Sureau Auszug aus L'Homme Nouveau v. 24.5.08

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