VISION 20006/2008
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Wie eine lebende Fackel

Artikel drucken Heinz Hein: Viel Gebet und ein starker Glaube ließen ihn einen Flugzeugabsturz überleben (Von Alexa Gaspari)

Man kann mit ihm mitleiden, sich mit ihm freuen und immer wieder auch lachen: engagiert, humorvoll und voll Temperament erzählt Heinz Hein aus seinem Leben - und man hat nicht den Eindruck, einem schwer körperbehinderten Mann gegenüberzusitzen. Immerhin ist er vor 1,5 Jahren als lebende Fackel schwerverletzt aus einem Flugzeug gekrochen. Beeindruckt bin ich, als er erzählt, er habe trotz Beinprothese nur mit den Resten seiner steif gebliebenen Finger für uns aufgewaschen und das Haus geputzt. Fürsorglich mit einem Glas Hollersaft versorgt, lausche ich dann der Geschichte seines Lebens.

1960 im niederösterreichischen Amstetten geboren, wächst er in Aschbach-Markt auf und geht dort in die Volksschule. Sein Elternhaus bezeichnet er als desolat: Der Vater, Gärtnermeister, ist schwer alkoholkrank, randaliert täglich bis in die Morgenstunden. Einmal zerschlägt er dabei die Wohnungseinrichtung. Kein Wunder, daß der kleine Heinz und sein jüngerer Bruder verzweifelt sind, werden sie doch auch in der Schule wegen des Vaters verspottet. Nicht selten denkt Heinz, es wäre besser, nicht zu leben.

Die Mutter - wenig zu Hause - flüchtet in den Beruf. Mit 10 schickt sie ihn in ein katholisches Internat in der guten Absicht, ihn von den argen Zuständen daheim fernzuhalten. Doch der Bub - er hängt sehr an der Mutter - ist über die Trennung verzweifelt. “Warum in eine Klosterschule? Sind die Eltern gläubig?", frage ich. Nein, der Glaube ist zu Hause kein Thema, erinnert sich Hein - außer, daß die Kinder sonntags mit einem Schilling für den Klingelbeutel in die Messe geschickt werden. Der Schilling landet regelmäßig im Kaugummiautomaten. Den Kirchenbesuchen kann er nichts abgewinnen.

Der Wechsel von zu Hause ins Internat bringt ihn vom Regen in die Traufe: Vor allem zwei Erzieher terrorisieren ihn durch Brutalität und Kälte. “Watschen kommen mit der Rückhand, daß es mich hingeschmissen hat," erinnert er sich. Drei Jahre eines kindlichen Martyriums muß er aushalten, bis seine Mutter ein Einsehen hat und ihn heimholt. Hier sind allerdings die Verhältnisse so schlimm, daß er mit 15 Jahren manchmal an Selbstmord denkt. Starke Abneigung gegen die katholischen Kirche ist eine der Folgen der Internatsjahre.

Nach der Schule beginnt er eine Lehre als Büchsenmeister. Daß sie eher ein Kindheitswunsch war, sich aber nicht als Broterwerb eignet, merkt er bald. Ein Spitalsaufenthalt nach einem Mopedunfall bringt ihn auf die Idee, sich zum Krankenpfleger ausbilden zu lassen. So beginnt er nach der Gesellenprüfung als Büchsenmeister mit der Krankenpflegerschule. Dort lernt er seine zukünftige Frau kennen. 1981, Heinz ist 21, beginnen beide - er als Krankenpfleger, sie als -schwester - ihre Tätigkeit im Spital von Kirchdorf.

Trotz starker Turbulenzen in ihrer Beziehung heiraten die beiden 1986, den Schwiegereltern zuliebe auch kirchlich. Gleich danach tritt der Frischverheiratete allerdings aus der Kirche aus.

Und das kam so: Nachdem er schon alle interessanten Sachbücher der Spitalsbibliothek in seinen langen Nachtschichten ausgelesen hatte, stößt er eines Tages auf die Bibel. Er beginnt zufällig mit der Bergpredigt: Selig die Friedfertigen, die Sanftmütigen, liest er. Als er das sieht, explodiert sein Groll gegen die Kirche. “Das Höchste sei die Liebe, stand da. Aber was ich erlebt hatte, war Eiseskälte und Brutalität, das Gegenteil von dem, was Jesus seinen Jüngern mitgegeben hatte." Für ihn ist also klar: Die Katholische Kirche ist verlogen, der Kirchenaustritt die logische Folge. Weil ihm aber die Bibel gefällt, wechselt er in die evangelische Kirche - ohne Marienverehrung, Rosenkranzbeten, Sakramente. “Jahrelang habe ich die Bibel von vorne bis hinten und von hinten bis vorne gelesen," erzählt er.

In der jungen Ehe stellen sich bald zwei Söhne ein. Hausbau und eine 1,5jährige Ausbildung in Linz nehmen seine ganze Zeit in Anspruch. Nicht nur deswegen zerbricht bald seine Ehe. Die Frau verläßt ihn, als die Buben 6 und 7 Jahre alt sind. Heins Bemühungen, die Ehe zu retten kommen zu spät. Als auch ein vom Pastor geleitetes Versöhnungsgespräch total scheitert, ist der verlassene Ehemann auch von der evangelischen Kirche enttäuscht. Die Ehe wird geschieden, obwohl Heinz das gar nicht wollte. Alles, was ihm im Leben wichtig war, was er sich seit der Kindheit gewünscht hatte, ist jetzt verloren: Nestwärme, Geborgenheit, eine intakte Familie.

Die Trennung von Frau und Kindern bricht ihm das Herz. Die Folge: schwere Depressionen, Selbstmordgefährdung... Zwei Dinge halten ihn vom Selbstmord ab: Die Verantwortung den Kindern gegenüber und der Gedanke, daß es ihm nicht zustehe, sein Leben selbst zu beenden. Dafür läßt er sich total fallen, sucht Ablenkung in Sexabenteuern mit wechselnden Freundinnen. “Jetzt ist alles wurscht, war die Devise. Vielleicht kriegst Aids, habe ich mir gedacht und hätte das gar nicht so schlecht gefunden." Auch eine Art von Selbstmord.

Eine der Freundinnen animiert ihn zum Pendeln, führt ihn zu Wahrsagern, läßt Horoskope erstellen. So rutscht er in die Esoterik ab und wirkt an “Familienaufstellungen" mit. “Offenbar war ich so eine Art Medium und konnte Dinge übernatürlicher Art wahrnehmen. Ich war recht stolz darauf," erzählt er, weiß aber mittlerweile: Hände weg davon, weil da gefährliche geistige Kräfte am Werk sind, die sich des Mediums bedienen. Erkannt hat er das allerdings erst im Rückblick.

Bei einem Badeurlaub mit einer Freundin in Jugoslawien landet er in Dubrovnik und sieht dort ein Schild: Richtung Medjugorje. Von dem Ort hatte er schon gehört, von einer Kollegin die über die Marienerscheinungen - “Lächerlich" war damals sein Kommentar - erzählt hatte.

“Gemma dort auf an Kaffee und fahren dann weiter," beschließen Heinz und die Freundin. An den Kaffee wird ein Spaziergang auf den “Erscheinungsberg" angehängt. Heinz setzt sich dort hin: “Die Freundin wollte, daß wir gleich wieder zurückgehen, ich nicht. Ich habe an diesem Ort eine besondere Kraft gespürt. Ein bis dahin nicht gekanntes, tiefes Glücksgefühl und Freude erfüllten mich," erzählt er mir.

Zwei Jahre vergehen, bis er wieder nach Medjugorje kommt. Diesmal zwei Tage allein. Obwohl er immer noch über die Katholische Kirche schimpft, macht er das Programm mit: Heilige Messe, ja sogar Beichte. Verschmitzt lächelt er: “Ich war damals sozusagen interkonfessionell, habe mir alles a Bisserl ang'schaut."

Schließlich geht er, bloßfüßig, noch einmal auf den Erscheinungsberg. Da geschieht es: Plötzlich kann er intensiv beten, Tränen überströmen sein Gesicht, von der Umwelt nimmt er kaum etwas wahr - daß er sich Dornen eintritt, merkt er erst später - und so wandelt er lange betend und bittend umher. Er bittet etwa für das total zerstrittene deutsche Pärchen vom Campingplatz, das ihn um Gebet gebeten hatte, für seine todkranke atheistische Schwägerin: sie möge doch noch zum Glauben finden und mit den Sterbesakramenten versehen ohne Schmerzen sterben.

Welche Macht das Gebet hat, merkt er, als er das deutsche Paar wiedersieht: Sie hatten sich versöhnt. Später werden sie heiraten. Wunderbar auch die Entwicklung der Schwägerin: Sie, die jedem Glaubensgespräch aus dem Weg gegangen war, erlebt eine spontane Bekehrung und stirbt nach Erhalt der Krankensalbung friedlich in den Armen ihres Mannes. Auch andere seiner Bitten werden erhört. Nach seiner dritten Medjugorje-Reise tritt Heinz Hein im Jahr 2000 wieder in die Katholische Kirche ein.

Was ihn letztlich dazu bewegt hat? “Daß es auch gute Leute in der Kirche gibt, daß die Lehre der Kirche wahr ist, daß es in der Katholischen Kirche auch Freude gibt. All das habe ich zunächst in Medjugorje, wo alles hell, freundlich und voll spürbarer Liebe war, kennengelernt." Nachdenklich fügt er hinzu: “Wegen meiner Verletzungen und den Erlebnissen meiner Kindheit, konnte ich vorher nicht sehen, wie viele gute Leute es in der Kirche gibt. Es war eine Kehrtwendung um 180 Grad. Nun begann ich, all das zu praktizieren, was die Muttergottes in Medjugorje sagt: den Rosenkranz beten, fasten, beichten, zur Eucharistie gehen."

In Medjugorje rät ihm jemand Exerzitien zur inneren Heilung zu machen, da er seelisch so verletzt sei. Die ersten Exerzitien bei Sr. Usha sind ein Meilenstein auf dem Weg seiner Bekehrung. “Das ist meine Heimat", sagt er sich. Er besucht weitere Exerzitien, kommt jedesmal bereichert und verändert heim. Seine seelische Heilung schreitet voran. Er erlebt: Kranke werden geheilt, Besessene befreit, Charismen geschenkt. Der Heilige Geist wirkt. “Große Gnaden und mystische Erfahrungen habe ich in diesen Jahren seit meiner Bekehrung geschenkt bekommen".

Nun weiß er, wie er eindringlich erklärt, daß die Lehre der Kirche wahr ist: “Ich weiß vor allem um die unglaubliche Kraft einer guten Beichte." Weiters erzählt er: “Ich hatte eine Beziehung zu einer jungen Frau. Eines Tages spricht mich ein Mann aus der Gebetsgruppe an: ,Du bist doch verheiratet. Das Sakrament der Ehe - bis der Tod euch scheidet - gilt. Du solltest keine Freundin haben.' Der spinnt, habe ich mir gedacht. Er glaubt doch nicht im Ernst, ich laß die hübsche Freundin, mit der alles super ist, gehen. Da müßte ich ja einen Vogel haben. Aber dann ist plötzlich der Groschen gefallen: Der hat doch recht. Ich habe sofort die Beziehung beendet. Seither bin ich alleine. Nach meiner Scheidung konnte ich lange nicht allein sein, ich hatte ein starkes Bedürfnis nach Partnerschaft und Sexualität. Daß ich nun allein glücklich sein kann, wurde mir geschenkt." Es klingt überzeugend, als er fortfährt: “Das ist die wahre Freiheit. Die Menschen heute glauben, Freiheit bedeute, sich alles herausnehmen zu können, alles zu machen, was machbar ist. Das stimmt nicht. Es macht unfrei und abhängig." Daß er widerstehen könne, wo er vorher abhängig war - “das genieße ich sehr."

Und er fügt hinzu: “Vorher war ich schüchtern, introvertiert. Innerhalb weniger Jahre bin ich ein komplett anderer Mensch geworden. Ich habe mit all den sündhaften Dingen, die ich vorher gemacht habe, aufgehört." Wer dem begegnet, der die Wahrheit ist, kann zwischen Gut und Böse unterscheiden. Die Altlasten sind beseitigt: keine Esoterik mehr, keine Frauenbekanntschaften.

Nun hat er gefunden, was er stets gesucht hatte: den Herrn und den wahren unverfälschten Glauben der Urkirche. Darauf legt er jetzt wert: “Heut geh' ich in Kirchen, wo der Priester wirklich die Lehre der Kirche hochhält und verkündet, was im Evangelium und im Katechismus steht. Zu den Modernisten geh' i gar nicht," bekräftigt er entschieden.

Wie alle wirklich Bekehrten, will er das, was er selbst geschenkt bekommen hat, weitergeben. “Es gibt so viele suchende, frustrierte, unglückliche Menschen." Also gründet er eine Gebetsrunde, organisiert Einkehrtage, Exerzitien...

“Jessas, jetzt hab' ich Ihnen noch gar nichts vom Flugzeugunfall erzählt," lacht er plötzlich und ich lache mit, obwohl dieser Absturz ja alles andere als zum Lachen war.

Mit einem Sportflugzeug war er und ein Pilot auf dem Weg nach Kroatien, als das Unglück geschieht. Sie wollen auf einer Insel landen, als das Flugzeug abstürzt, neben der Landebahn auf steinigem Boden - Gott sei Dank nicht auf einem der vielen Felsen. Ein Glück auch, daß das Flugzeug ein neues Modell mit einem Rumpf aus Karbonfaser ist: Die Fahrgastzelle verformt sich daher nicht. Doch die Kraftstoffleitung über seinem Kopf reißt und Benzin regnet auf ihn herab - “wie bei einer Dusche" - und beginnt sofort zu brennen.

Angegurtet, ist er zunächst unfähig zu reagieren: die Knochenbrüche und anderen Verletzungen registriert er dabei gar nicht. Nur das Feuer! Hoffentlich ist die Rettung schon unterwegs, der Fluplatz ist ja nur 400 Meter entfernt! Aber es kommt niemand: “Heinz, jetzt ist's aus mit dir, jetzt verbrennst. Noch eine Minute, dann ist es vorbei," denkt er.

“Meine rechte Hand war nur mehr ein Klumpen. Die Fingernägel sind abgefallen, die Knochenspitzen haben schon rausg'schaut. Ich hab' abgeschlossen und nichts mehr getan." Plötzlich kommt aber doch Energie auf: “Heinzi, wenn du jetzt nichts machst, ist es wirklich vorbei!" - und wer hätte uns dann dieses Zeugnis geben können?

Mit den kaum mehr vorhandenen Fingern öffnet er den Gurt, steigt über den bewußtlosen Piloten, der dabei munter wird. Beiden gelingt die Flucht aus dem Flieger. Irgendwie registriert er, daß es in seinem rechten Bein knirscht und kracht (mehrere Knochenbrüche!). Die mit Benzin durchtränkte Kleidung verbrennt und fällt vom Körper ab. Wie eine lebende Fackel habe er ausgeschaut, hört er später.

Er muß warten, bis das Benzin ganz verbrannt ist. Die Hose kann er herunterreißen. Er setzt sich. An sich herunterblickend merkt er, daß die rechte Körperseite “wie bei einem Michelin-Manderl anschwillt und schwarz ist. Ich hab gestunken, wie wenn man am Grill was verbrennt. Die Haut war aufgeplatzt wie bei zu lange gekochten Würsteln und blutete aus unzähligen Wunden."

Nachdem er den Flieger verlassen hat, setzen auch die Schmerzen ein, steigern sich. Trotz der Hitze ist ihm eiskalt, er zittert am ganzen Körper. Aus seiner 30jährigen Erfahrung als Krankenpfleger - er hat im OP bei vielen Unfällen assistiert - weiß er, daß er mit solchen Verbrennungen dem Tod geweiht ist. “Ich wußte ja, daß ich ein großes Flüssigkeitsdefizit hatte. Schon vor dem Flug und nun durch die Verbrennungen. Ohne Infusionen kein Überleben." Auch im Schockraum des Krankenhauses in Split bekommt er zunächst keine Infusion. “,Heinzi du kannst dich vergessen,' habe ich mir gesagt." Die Ärzte sind ratlos. Er wird in Tiefschlaf versetzt.

Ein Monat später erwacht er in der Intensivstation des AKH. Die kroatischen Ärzte hatten ihn aufgegeben, mußten ihn schon reanimieren. Doch die, von den Freunden organisierte österreichische Ärzteflugambulanz fliegt ihn auf die Verbrennungsintensiv des AKH. Der dort bereits wartenden Mutter sagt man jedoch, sie dürfe sich keine Hoffnung machen, ihr Sohn würde nur mehr Stunden leben. Weil man ihm aber die bestmögliche Hilfe angedeihen läßt, überlebt er - entgegen allen Prognosen. Als Heinz Hein munter wird, spürt er einen tiefen Frieden und Freude. Und dabei erfährt er: das rechte Bein mußte unterhalb des Knies amputiert werden, fast 85 Prozent der Haut war verbrannt, die Finger fehlten ganz oder teilweise, ein Teil des Bauches war bis ins Fettgewebe verkohlt und mußte entfernt werden.

Irgendwie wirft ihn das aber nicht aus der Bahn. Es gibt ja Prothesen! Er spürt, daß er getragen ist durch die Gebete von vielen Menschen. Er spürt den Heiligen Geist. Psychisch geht es ihm gut. Viele seiner Besucher sind bei seinem Anblick so entsetzt, daß er sie trösten und aufbauen muß - er, der doch “halbert hin ist".

Er kann das Lachen nicht ganz unterdrücken, als er erzählt: “Manchmal habe ich mir gedacht: wann geht's denn endlich wieder hoam, damit ich mich von euch erholen kann." Über viele Besuche freut er sich jedoch sehr: über P. James, Traude Schröttner, P. Florian, P. Zacharias, Sr. Usha.

Der Professor, der ihn behandelt hatte, erzählt ihm, er hätte eigentlich keine 5 Prozent Überlebenschance gehabt. “Sie müssen eine starke Psyche oder einen starken Lebenswillen haben, um sowas zu überleben, meint er. “,Nein,' habe ich gesagt, ,das ist nicht mein Verdienst. Der Glaube und die Gnade des Heiligen Geistes geben mir Kraft und Gelassenheit. Als der Unfall passiert ist, war ich sicher, daß ich sterben muß, aber es hat mir nichts ausgemacht. Ich war nicht traurig oder verzweifelt. Ich bin zwar ein Mensch, der gern lebt, mit beiden Beinen im Leben steht - kein Asket: geh gern auf ein Schnitzel, trink gern ein Bier, hab gern ein schönes Auto, fahr gern auf Urlaub ans Meer. Aber wenn ich hätte sterben müssen, wär' mir das kein Problem gewesen. Wer wirklich glaubt, daß das Leben nach dem Tod nicht aufhört, braucht keine Angst zu haben'."

“Ich hatte eine tiefe Gelassenheit gleich nach dem Unfall," setzt er fort. “Sie hat mich alles ertragen lassen, als ich wieder aufgewacht bin. Hab kein Radio, keinen Fernseher gebraucht. Bin einfach glückselig dagelegen. Obwohl ich Schmerzen hatte und die Verbandwechsel sehr schmerzhaft waren. Aber psychisch ist es mir gutgegangen. Hatte nie depressive Phasen." Man kann es kaum fassen.

Die Heilung geht schneller vonstatten als erwartet. Die Opiate läßt er viel früher weg, als die Ärzte es für möglich halten. Das Jahr vergeht: 4 Monaten Intensivstation im AKH, kurze Zeit auf der normalen Station, 1,5 Monate im Spital in Kirchdorf und 3 Monate im Rehabilitationszentrum. Statt der vorhergesagten 1,5 Jahre, die er brauchen würde, um auf eigenen Beinen (sprich: einer Beinprothese) zu stehen, verläßt er nach der halben Zeit das Spital.

Mittlerweile hat er in einem behindertengerechten Auto schon 20.000 Km in Österreich zurückgelegt, um über die Freude in seinem Leben Zeugnis zu geben. “Wir regen uns wegen der kleinsten Dinge auf, kommen mit kleinsten Problemen nicht zurecht und Sie haben so ein schweres Schicksal zu tragen. Sie sind ein glücklicher Mensch und strahlen das so aus. Das gibt mir viel Kraft," meint ein Zuhörer nach seinem Zeugnis.

Lachend erzählt Hein: “Einer hat gesagt: ,Wissen's, wie Sie da rein'kommen sind bei der Tür', hab ich mir dacht: Na so ein armer Teufel! Aber dann, als Sie geredet hab'n, bin i' d'raufkommen, daß ja nicht Sie der arme Teufel sind, sondern wir'."

Ich frage ihn nach einem abschließendem Wort: “,Wenn Ihr mich sucht mit ganzem Herzen mit ganzer Kraft, dann laß ich mich finden' - Ich habe Ihn gefunden und viel innere Heilung bekommen. Habe das alte Leben hinter mir lassen können. Meine Behinderungen? Ich erlebe sie nicht als Behinderung. Ich bin ein glücklicher Mensch, freue mich jeden Tag, wenn ich aufstehe, bin nicht deprimiert oder ang'fressen. Ein Sachverständiger hat mich unlängst für die Versicherung untersucht. Da gibt es genaue Kriterien. Alles wurde gemessen: ,Wenn ich alles zusammen zähle', hat er gemeint, ,dann komm' ich auf 350 % Behinderung'."

Heinz schmunzelt: “Ich bin körperlich ein bisserl lädiert, aber alles was ich machen kann, mach ich selber." Wirklich erstaunlich, denke ich: Er schaut nicht zurück auf das, was war, denkt nicht, was hätte sein können, sondern freut sich schon jetzt auf das Wohnmobil, mit dem er nächstes Jahr nach Medjugorje fahren möchte. Zum 25. Mal!

Als ich Traude Schröttner, die ihn kennt, seinetwegen anrufe, sagte sie mir: “Nach dem Unfall ist sein Glaube offensichtlich noch mehr gewachsen. Je mehr man Heinz wegnehmen mußte, desto mehr hat er an Freude geschenkt bekommen. Er führt ein Leben in Gott. Wahrhaft Gott ergeben."

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