VISION 20003/2009
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Gottesbegegnung im Gefängnis

Artikel drucken Torsten Hartung: Aus einem Leben in der Finsternis in ein Leben des Lichts (Von Alexa Gaspari)

Als Torsten Hartung nach der Messe weiter hinten aufsteht, um vorne am Mikrofon sein Zeugnis über Gottes Barmherzigkeit zu geben, weiß ich, daß ich mich getäuscht hatte. Er ist nicht der abgezehrte, verdrossen wirkende Mann in der Bankreihe neben mir, den ich vor der Messe für Hartung gehalten hatte, als der Pfarrer Grußworte in dessen Richtung sprach. Nach 14 Jahren Haft kein Wunder, war mein Gedanke. Der nun nach vorne geht, ist jedoch ein locker wirkender, schlanker Mann mit einem markanten Gesicht. Er lächelt. Seinem Zeugnis und seinen Ausführungen später beim Interview lausche ich gespannt.

Torsten Hartung wurde 1962 im ostdeutschen Schwerin geboren. Er und seine drei Geschwister wachsen in einer ungläubigen, gewalttätigen Familie auf. Die Eltern, erzählt er, hatten selbst keine Liebe erfahren und konnten sie daher auch nicht weitergeben. Ständig gab es Ehestreit: Nach einem solchen kommt der 7jährige Torsten eines Tages mit einer kaputten Brottasche heim. So sehr der kleine Bub sich auch vor dem daraufhin einsetzenden Gewaltausbruch der Mutter zu schützen versucht, er wird so lange geschlagen, bis er ein geschwollenes Auge hat und aus Nase und Ohren blutet.

Sätze wie: “Wir haben dich eh nie gewollt", “du bist an allem schuld" und: “Ich bring' mich um, dann bist du schuld"prasseln auf den Buben nieder. Als die Mutter den Gashahn aufdreht, schrillen bei Torsten die Alarmglokken: Das wird gefährlich. Trotz der Ohrfeigen der Mutter versucht er, den Gashahn abzudrehen. Schließlich stürmt die Mutter mit den Worten: “Ich häng' mich auf - und du bist schuld" aus der Küche und die Treppe hinauf. Aufhängen, Seil - also Messer mitnehmen, überlegt Torsten in seiner Panik, schnappt ein kleines Messer und eilt der Mutter nach.

Am Dachboden steht diese schon auf einem Sessel mit der Schlinge um den Hals. Die Versuche des Buben, an der Mutter hochzuklettern, um das Seil durchzuschneiden, schlagen fehl. Verzweifelt schnipselt er am anderen Ende des Seils herum. Da hört er die scharfen Worte der Mutter: “Hör damit auf, die Wäscheleine gehört dem Müller." Da wird ihm klar: Sie wollte sich gar nicht umbringen, sondern ihm nur Angst und ein schlechtes Gewissen machen.

Wer meint, damit hätten die Schrecken des Tages ein Ende gehabt, irrt. Als der Vater heimkommt, verlangt die Mutter die Bestrafung des Buben für sein angeblich ungehöriges Verhalten. Und so bezieht Torsten nochmals Prügel. An diesem Tag stirbt sein Vertrauen in die Mutter. Von nun wächst der Haß.

“Diese Begebenheit war für die Prägung meines Gerechtigkeitssinns von entscheidender Bedeutung," erklärt Torsten. Die Aggression und die unkontrollierte Wut, die er zu Hause erlebt, prägen von da an Torstens Verhalten: In der Schule ist er der Klassenclown und Anführer, wenn es um Streiche geht. Wenn er schon keine Liebe bekommt, will er wenigstens Aufmerksamkeit erregen. Man beschwert sich bei den Eltern über ihn, was stets häusliche Gewalt zur Folge hat. Je mehr er daheim geprügelt wird, desto mehr wird Torsten selbst zum Schläger. Seinem jeweiligen Gegenüber gibt er stets zu verstehen: “Wenn du gewinnen willst, mußt du mich totschlagen."

Prügeln, stehlen, lügen prägen die nächsten Lebensjahre. Mit 15 wirft ihn der Vater nach einer heftigen Abreibung aus der Wohnung. Nach einigen Nächten auf Parkbänken geht Torsten heim und erklärt den Eltern, sie seien gesetzlich verpflichtet, bis zu seinem 18. Lebensjahr für ihn zu sorgen. Ab nun ist das Verhältnis von Eltern und Sohn noch näher am Gefrierpunkt.

Mit 18 wird er zum ersten Mal wegen Diebstahls für 10 Monate eingesperrt, beim zweiten Mal sind es schon ein Jahr und 10 Monate, beim dritten fast 3 Jahre, Gewalt und Körperverletzung waren im Spiel gewesen - wie daheim.

1983 übersiedelt er mit einem Mädchen in eine andere Stadt. Er meint, er könne seinem alten Leben entfliehen. Doch er nimmt seine Geschichte im Gepäck mit. Seelische Blockaden verhindern Prüfungserfolge. 1985, bei einem vorgetäuschten Versuch, die Grenze nach Westdeutschland zu überschreiten, läßt er sich bewußt erwischen und rechnet damit, daß er nach politischer Haft abgeschoben wird. So ist es dann auch: 15 Monate später erklärt er, gute Kontakte zu Menschenrechtsorganisationen zu haben - und wird tatsächlich in den Westen abgeschoben.

Wir schreiben 1990: Depression und Sinnlosigkeit beherrschen seinen Alltag. Alles ist ihm mittlerweile egal denn auch er ist allen egal. Faust und Luzifer fallen ihm ein: Ist das real? fragt er sich, gibt es den Teufel? Wenn ja, dann kann er seine Seele haben. Im Gegenzug verlangt er vom Bösen 18 Monate lang, wie ein König zu leben.

Und tatsächlich: Kurz darauf ergeben sich Verbindungen zu Kriminellen. Er soll Luxusautos “besorgen" und sie nach Rußland und in arabische Länder liefern. Die Sache kommt ins Rollen: Torsten kennt zwei hochkarätige Autoknacker und arbeitet selbst an der Logistik des “Unternehmens": Er organisiert das reibungslose Autoverschieben inklusive Versicherungsbetrug.

Mit diesem einträglichen Geschäft verdient er bald bis zu 150.000 Mark pro Woche. “Es öffneten sich alle Türen, aber in mir drinnen machte sich eine umso größere Leere breit, je mehr Geld ich verdiente," so beschreibt Torsten heute seinen damaligen Zustand. Er ist der Kopf der Organisation und läßt sich das auch von keinem streitig machen. Allerdings ist da einer - er heißt Dieter wie Torstens Vater -, der seine Position infragestellt. Um klarzustellen, daß hier nur einer das Sagen hat und um die Gruppe zu disziplinieren, erschießt Torsten den Mann in Rußland. Schrecklich!

Als wäre nichts geschehen, fährt er drei Wochen später mit der Freundin nach Mallorca. In der Kirche von San Salvador, in die sie bei einem Ausflug geraten, spürt er plötzlich eine unbekannte Art von Geborgenheit und Wärme. Und in einer Virtrine liest er Dankschreiben für Gebetserhörungen. Da formuliert auch er eine Bitte auf einem Zettel: “Ich wünsche mir ein Leben in Glück," - denn der Geldregen, den er derzeit genießt, macht ihn nicht glücklich.

Beim Paragleiten am nächsten Tag stürzt er ab - eigentlich ein tödlicher Unfall, den er jedoch wie durch ein Wunder überlebt. Erstaunlicherweise erklärt ihm seine ungläubige Freundin, daß Gott wohl noch einen Plan mit ihm haben dürfte...Wessen Worte das wohl waren ?

Drei Wochen später, im Oktober 1992, fliegt alles auf und er wird von Interpol in Schweden verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert. Als Kopf der Bande kommt er sofort in Einzelhaft - für insgesamt vier Jahre, neun Monate und zwei Tage. In dieser Zeit sieht er nur das Wachpersonal, das ihm das Essen bringt. “Unerträglich?" frage ich. “Nein, eine gnadenreiche Zeit!" erklärt mir Torsten: “Ich fing an zu leiden. Konnte aber mit meinem Leid nirgendwo hingehen, kein Vis-à-vis, keine Beziehung zu Gott. Alles fiel auf mich zurück. Ich fing an, mir Fragen zu stellen: Warum verhalte ich mich so?" So beginnt er, Tagebuch zu schreiben, versucht Antworten in seiner Geschichte zu suchen. Nach fast fünf Jahren - insgesamt ist er fast sechs Jahre in Untersuchungshaft, da er sechs Prozesse hat - meint er zu wissen, wer er ist.

“Das war nicht einfach, was ich da gesehen habe. Ich bin nämlich in meinem Leben keinem bösartigeren Menschen als mir selbst begegnet." Er erkennt die Prägung durch die gewalttätigen Eltern, also seine Opferrolle. Aber er erkennt sich auch als Täter, sieht die Verletzungen, die er hundertfach anderen zugefügt hatte. “Die Schuld die ich sah, erdrückte meine Seele."

Ostern 1998: Im Gefängnis wird ein Jesusfilm gezeigt. Torsten schreibt ins Tagebuch: “Jesus, gib auch mir eine zweite Chance. Schenk auch mir ein neues Leben!" Kurz darauf, am 15. Mai in seiner Zelle - das Leintuch, das er wegen der Hitze über's Fenster gehängt hat, legt sich im leichten Luftzug an das Fensterkreuz - sieht Torsten das Kreuz und sagt zu Jesus: “Wenn es Dich gibt, schenk' mir ein neues Leben. Schau, was ich für ein Leben gehabt habe. Es hat mir wehgetan und ich habe anderen wehgetan."

Bilder aus der Kindheit, von den eigenen Verletzungen und denen, die er anderen zugefügt hat, ziehen an ihm vorüber. “Schau," sagt er zu Jesus, “Ich habe über Tod und Leben entschieden, habe mich über Dich gestellt. Es tut mir leid!" und er fängt an zu weinen. Erlösende Tränen.

Auf einmal hört er eine Stimme, deutlich und laut: “Ja, ich weiß!" Er erschrickt, versteckt sich, zittert, weiß aber eindeutig: Es war Gottes Stimme, eine Stimme voll Liebe und Barmherzigkeit. Gott weiß alles, wird ihm bewußt. Er kennt mein Leben, meine Gedanken, die Schuld meiner Eltern - und meine große Schuld. “Mein ganzes Weltbild, mein Wertemaßstab von früher ist in diesem Moment zusammengefallen."

Als er am nächsten Tag in den Gefängnishof kommt, ist die Welt verändert: der Himmel herrlich blau, die Wolken so wunderbar geformt, das Grün der Bäume so intensiv. Er lacht und freut sich über das Gänseblümchen, das er pflückt. “Warum ich das früher nicht wahrgenommen hatte? Weil der Schleier der Sünde über mir lag. Aber Gott hat ihn an diesem 15. Mai weggenommen."

Für die Mitgefangenen aber hat er durchgedreht, ist offenbar verrückt. Tatsächlich, meint Torsten, hatte ihn Gott ver-rückt: nämlich von einer tristen Wahrnehmungsebene auf eine herrliche, eine, auf der er nun die Schönheit der Schöpfung erkennt. Ein Sozialarbeiter, der mitbekommt, was sich bei Torsten getan hat, bringt ihm eines Tages eine Bibel. Zunächst kann er damit nichts anfangen.

Ständig beschäftigt ihn nun die Frage: Was ist an diesem 15. Mai geschehen? Als er nun eines Tages auf dem Bett liegt, die Bibel geschlossen in der Hand, hört er wieder dieselbe Stimme: “Nimm und schlag' auf!" Torsten tut es und liest: “Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist er treu und gerecht. Er vergibt uns die Sünden und reinigt uns von allem Unrecht." (1.Joh 1,9) Ist das die Antwort? Ist alles vergeben? “Ich war ja kein kleiner Sünder. Drei Monate habe ich versucht, in diesem wunderbaren Buch Antworten zu finden."

Im Jänner 1999 wieder die Stimme: “Nimm und schlag' auf." Und da steht: “Ihr wart tot infolge eurer Verfehlungen und Sünden... Aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet, nicht aus eigener Kraft - Gott hat es geschenkt - nicht aufgrund eurer Werke, damit keiner sich rühmen kann..." (Eph 2)

Vom Tod zum Leben: Rational ist all das nicht zu erklären. Für Torsten gibt es nun keine Zweifel mehr: “Es war der Tag der Wahrheit. Ich rief meinen Anwalt an, weil ich ein Lebensgeständnis ablegen wollte," erinnert er sich.

Bei der Urteilsverkündung wird dieses Geständnis wohl auch eine Rolle gespielt haben: nicht lebenslänglich, sondern 15 Jahre. Für Torsten allerdings gibt es keinen Zweifel, daß Gott ihm mit diesem milden Urteil eine zweite Chance geben wollte. Weil ihm die Untersuchungshaft angerechnet wird, bleiben ihm noch etwas mehr als acht Jahre im Gefängnis. In dieser Zeit bereitet sich Torsten auf die Taufe vor - aber in welcher Konfession? Nachdem er sich mit der Geschichte und der Lehre der Kirche beschäftigt hatte, wird ihm klar: “Für mich war es einfach zu sehen, daß von Petrus, der von Jesus eingesetzt worden war, bis Johannes Paul II. ein roter Faden durchgeht. In dem Moment war mir klar, daß ich mich katholisch taufen lasse."

“Wieso warst du sicher, daß du Gottes Wort gehört hast?" frage ich ihn. “Es war immer die gleiche Stimme. Ich habe auch immer gefragt: Ist das nun Gott wohlgefällig oder nicht?" An geistlicher Begleitung mangelt es ihm, Gott sei Dank, nicht: Da ist zunächst ein alter Priester, der ihn taufen, firmen und später auch trauen wird, dann Mutter Veronique, Priorin eines kontemplativen Ordens in Marseille, der er geschrieben hatte und die ihm geistliche Unterweisung angedeihen läßt. Außerdem studiert er intensiv die Bibel und die Geschichten der Heiligen.

Im Juni 2000 wird Hartung im Gefängnis getauft: Mutter Veronique gibt ihm als seine geistige Taufmutter den Namen Petrus Maria. Stellvertretend für sie begleiten ihn Mitgefangene bei der Tauffeier. Im Dezember 2001 weiht er sich dem Herzen Mariens. Noch im Gefängnis bittet er Gott um Weisung, welche Aufgabe er später übernehmen soll. Und die Antwort: “Geh' dorthin zurück, wo ich dich getroffen habe."

Nach 14 Jahren Haft wird er vorzeitig entlassen. Ohne Arbeit und ohne Dach über dem Kopf steht er da. Eine christliche Frau nimmt ihn zunächst auf. Es bedrängt ihn jetzt die Frage an Jesus: Was soll ich als nächsten Schritt tun? Da lädt ihn ein Freund ein, mit einer Pilgergruppe nach Medjugorje zu fahren. Dort, so hört er, sei die Muttergottes seit 1981 Jugendlichen erschienen. Nach kurzem Zögern - er hat ja kaum Geld - beschließt er, sich die Reise zum Geschenk zu machen. Und er bittet Gott, ihm dort weitere Schritte zu zeigen.

Die Reise scheitert beinahe. Bei der Paßkontrolle entdeckt man, daß er - fälschlicherweise - noch auf der Fahndungsliste steht. Der Irrtum ist schnell aus dem Weg geräumt. Um den Grund der Verzögerung zu erklären, erzählt er den Pilgern später seine Geschichte. Der südkoreanische Priester, der die Gruppe begleitet, lädt Torsten daraufhin in seine Heimat ein um dort Zeugnis über sein Leben und seine Bekehrung zu geben.

Nach dem für Torsten sehr bewegenden Aufenthalt in Medjugorje geht es also nach Korea. Wie er dort während seines dreimonatigen Aufenthaltes seine jetzige Frau Claudia kennen- und liebenlernt, ist eine eigene wunderbare Geschichte, die ich vielleicht ein anderes Mal erzählen werde. Schon im Gefängnis hatte Torsten nämlich Gott gebeten, ihm eine betende, katholische Frau zur Seite zu stellen. Und auch Claudia, eine Koreanerin, hatte Gott um einen gläubigen Ehemann gebeten. Jedenfalls sind in diesen Tagen des Koreaaufenthaltes die Fügungen Gottes für beide nicht zu übersehen. Und so heiraten sie im Dezember 2007 und weihen ihre Ehe der Muttergottes.

Was nun die derzeitige Tätigkeit Torstens anbelangt, ist folgendes zu berichten: Er ist tatsächlich dorthin zurückgekehrt, wo er Gott kennengelernt hatte: ins Gefängnis: “Ich arbeite in einer Jugendstrafanstalt mit 350 Jugendlichen. Zwei Tage sind dort die eigentlichen Seelsorger tätig - und ich an drei Tagen. Die restliche Zeit studiere ich Theologie." Sein Ziel ist es, Religionslehrer zu werden, damit er einmal selbständig eine Familie ernähren kann. Denn derzeit leben er und seine Frau von der Sozialhilfe.

“Wie kommst Du an die Jugendlichen heran?" frage ich. “Zunächst begleite ich sie, damit sie ihre Verwundungen anschauen können. Ihr Verhalten ist ja Ausdruck tiefer Verletztungen in der Kindheit. Das meiste wird durch Drogen, Aggression, Alkohol verdrängt oder sie fallen in Depression. Da ist es wichtig, gut hinzuhören, sie in ihre Kindheit zu führen, um sich diese anzuschauen." erklärt er eifrig.

“Der nächste Schritt ist dann das Erkennen, daß sie Täter sind. Und dann gilt es, beides emotional zu verknüpfen: ,Kannst du dich erinnern, wie du dich gefühlt hast, als dir das als Kind widerfahren ist?' frage ich dann. ,Kannst du dir vorstellen, wie sich die Menschen gefühlt haben, denen du ähnliches angetan hast? Sie hatten gleiche Gefühle wie du.'

Dieses Verknüpfen der Gefühle öffnet das Gewissen. Bei den meisten gibt es ja nur emotionales Ödland. Und dieses muß man bewässern, damit Blumen und Grünland wachsen. Dann wird das Bewußtsein für ihre Schuld geweckt und es kommt Gott ins Spiel."

“Sprichst du mit ihnen über Gott?" frage ich. “Selbstverständlich. Das akzeptieren die Burschen auch, zuerst zwar meist skeptisch. Aber dann nehmen sie von sich aus Gott mit ins Boot und dürfen im Gefolge Wunder im eigenen Leben erfahren. Das ist sehr bewegend," meint er liebevoll.

Wieviele Jugendliche das sind? “Rund 40 zwischen 14 und 24 Jahren. Schrecklich, was die in ihrer Kindheit erlebt haben. Da ist einer, der mit 15 jemanden umgebracht hat, furchtbar, aber er ist schon als Kleinkind mit der Brechstange verprügelt worden. Das, was die Burschen ausleben, haben sie meist selbst erlebt. Sie haben nichts anderes kennengelernt," sagt er verständnisvoll.

Das Ziel ist nicht nur, die Burschen auf dem Weg der Selbst- und der Gotteskenntnis zu begleiten, sondern ihnen auch Perspektiven nach der Entlassung zu eröffnen. “Mit dem Don-Bosco-Jugendhilfswerk bemühen wir uns, für geeignete Jugendliche nach der Entlassung eine Lehrstelle zu finden.

Dringend brauchen wir ein Haus, um Burschen, die aus dem Gefängnis entlassen werden, unterzubringen, ein Haus der Barmherzigkeit. In ihm sollten die Jungen in einer familienähnlichen Struktur leben, essen, beten und arbeiten nach dem Motto: ,Willkommen zuhause. Das ist eure neue Familie.' Jeweils ca. 12 sollten es sein, weil sonst die familienähnliche Struktur verlorenginge und das Zusammenleben mehr zum betreuten Wohnen werden würde. Das wäre aber nicht so gut. Wenn ich eine Vater- und Claudia eine Mutterolle dabei übernehmen könnten, dann sehr gerne. Dazu haben wir einen Verein gegründet der ,Maria hilf-t' heißt, gemeinnützig, mildtätig, und kirchlich anerkannt ist."

Das Wohlwollen des Justizministeriums und des Bischofs von Sachsen haben sie bereits.

Und Claudias Aufgabe? Sie hat ja von ihrem Bischof einen Missionsauftrag für Deutschland bekommen : “Wenn Torsten in eine Situation kommt, wo Gottes Wille nicht klar erkennbar ist, bete ich um die Unterscheidung der Geister. Außerdem bete ich immer, wenn er bei den Jugendlichen im Gefängnis ist," freut sie sich in ihrem besonders netten Deutsch. “Sie ist mein betendes Rückgrat," ergänzt Torsten und fügt lächelnd hinzu: “Ehe ist ja Ergänzung. Claudia heißt Tchang Hi, die vernünftige Frau. Ich habe ja eine gewisse Unvernunft in mir. Sie muß durch ihr Vernünftigsein ausgeglichen werden. Gott ist sehr praktisch, wie man sieht."

Wie wichtig Torstens Arbeit für “sein" Gefängnis ist, wird deutlich, als er sich lächelnd über das Mikrofon beugt und fast beschwörend bittet: “ Es ist das Gefängnis Regis, was so viel heißt wie König. Hinter den Mauern sind Königskinder verborgen. Gott sagt: Wenn sich ein Sünder bekehrt, wird im Himmel ein Engelschor erklingen. Da im Gefängnis so große Sünder sitzen - was für ein Potential für himmlische Chöre ist dann dort vorhanden! Wenn Gott sagt: Wenn die Sünde groß ist, dann ist die Gnade übergroß - dann ist hinter diesen Mauern ein enormes Potential an Gnade verborgen. Betet für uns!"

Warum hat Torsten solche Erfahrungen? Warum nicht ich? werden sich manche fragen. Wenn ein Mann mit dieser Lebensgeschichte umkehren kann, sich von Gott geliebt fühlt und Seine Barmherzigkeit erfährt, ist das nicht ein großer Trost für alle von uns, ein Zeichen Gottes für alle? Ja, wenn wir Gott entgegengehen: Eltern, deren Kinder einen falschen Weg gehen, Menschen, die meinen, irreversibel durch schlimmen Erfahrungen geprägt oder alle, die meinen, ein hoffnungsloser Fall zu sein.

Spenden an: Verein “Maria hilf-t", Kt. Nr: 7642900 BLZ: 86010090, Postbank Leipzig, (In Öst. Spenden: unter “ Verein Maria hilf-t" an Vision 2000)

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