VISION 20003/2009
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Leben für das Paradies

Artikel drucken Die singenden Mönche von Heiligenkreuz

Im Jahr 2008 eroberten die jungen Mönche von Heiligenkreuz mit ihren gregorianischen Gesängen die Pop-Charts. Genau ein Jahr danach präsentieren sich 22 Mönche in einem sehr lesenswerten Buch der Öffentlichkeit. Nach ihrem Millionenerfolg erhielten die unfreiwillig zu Popstars gewordenen Mönche zahllose E-Mails, Briefe und Telefonanrufe. Die Menschen erzählten, wie sehr sie der Gesang der Mönche ergriffen habe, wie sehr sie bewegt, erschüttert, berührt worden seien.

Häufig finden sich Bekenntnisse wie: “Bei dieser Musik spüre ich etwas aus einer anderen Welt, obwohl ich eigentlich an nichts glaube und Atheist bin!" Dauernd werden die Mönche gefragt: “Warum tun Sie das?" “Was ist das Geheimnis Ihres Lebens?" “ Warum sind diese Lieder so überirdisch schön?" Die Mönche hätten diese Fragen gerne beantwortet, aber dazu fehlte leider die Zeit.

Pater Karl Wallner, Rektor der Päpstlichen Hochschule in Heiligenkreuz, gibt im Vorwort zu Chant - Leben für das Paradies Antwort. Er erzählt die Entstehungsgeschichte des Buches: “Wir Mönche allein hätten kaum unbefangen erzählen können, wie wir nun einmal schlecht und recht versuchen, für den lieben Gott da zu sein, und was wir mit unseren Liedern und unserem Leben zuletzt sagen wollten. Bernhard Meuser, der bereits ein mitreißendes Buch über die Benediktusregel (Christ sein für Einsteiger) verfaßt hat, schien uns der richtige Mann zu sein, um gläubige und ungläubige Menschen in die geheimnisvolle Welt eines Zisterzienserklosters einzuführen. Natürlich haben wir Mönche auch über dieses Buch heiß diskutiert - ob ein solches Projekt nicht eitel oder indiskret ist. Nein, ist es nicht. Wenn wir uns durch diese oft sehr persönlichen Zeugnisse aussetzen, so geschieht das um Gottes willen. Er arbeitet mit normalen Leuten - solchen mit Kanten, Spleens und Anfechtungen..."

Wer die Lebensgeschichten der 22 Portraitierten liest, wird erstaunt sein, wie unterschiedlich die Wege sind, die sie ins Stift Heiligenkreuz geführt haben. Der Leser begegnet dabei sehr interessanten und reifen Persönlichkeiten, die ihn nicht nur hinter hohe Klostermauern blicken lassen, sondern ihm auch einen Blick in das Herz der Portraitierten gewährt.

P. Samuel etwa, der aus der berühmten Rennfahrerdynastie Rindt stammt, war vor seiner Klosterzeit Chefredakteur eines Biker-Magazins und Pater Raphael, ein Ostberliner Künstler, bekam kurz vor der Wende einen Auftrag der Staatsbank der DDR.

Alle 22 Mönche haben eine wirklich interessante Lebensgeschichte zu erzählen. Der Leser begegnet dabei innerlichen Menschen, von denen manche lange mit ihrer Berufung gerungen hatten, bemerkenswerten Persönlichkeiten wie etwa P. Karl Wallner, den Meuser mit der Überschrift vorstellt: “Wie man einen Tornado vor ein Kloster spannt."

Bei der Präsentation des Buches dankte Abt Gregor Henckel-Donnersmarck dem Autor und meinte, er habe durch sein Buchprojekt die portraitierten Mitbrüder in großartiger Weise ermuntert, Zeugnis zu geben. Wer die 22 Portraits aufmerksam liest, kann da nur beipflichten: Mit diesem Buch ist dem Autor ein echtes Meisterwerk geglückt.

Christoph Hurnaus

Chant - Leben für das Paradies. Von Bernhard Meuser, Verlag Pattloch 2009, 160 Seiten, 15,40 Euro.

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