VISION 20003/2009
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Ausgestattet mit Vollmacht und Gnade

Artikel drucken Die Erneuerung der Priester als besonderes Anliegen

Briege McKenna, eine heute 65jährige irische Klarissenschwester, (Portrait 5/97) hält seit 30 Jahren in der ganzen Welt Einkehrtage für Priester, um den Heiligen Geist auf sie herabzurufen. Unzählig viele Priester weltweit durften auf diesem Weg eine Erneuerung ihrer Berufung erleben. Ein Gespräch über ihre Erfahrungen:

Mit welcher Schwierigkeit sind Ihrer Meinung nach die Priester heute besonders konfrontiert?

Sr. Briege McKenna: Mit der Gleichgültigkeit der Menschen in einer säkularisierten Welt. Den Missionaren, besonders in Afrika, sage ich oft, daß sie es sehr gut hätten: Wenn sie eine Einkehr, eine Bildungsveranstaltung, ein Treffen organisieren, kommen die Leute zu Hunderten. Aber wieviele Priester in unseren alten, christlichen Ländern des Westens sind alleingelassen, wieviele entbehren jegliche soziale Anerkennung? Wenn sie in ihren zahlreichen Pfarren etwas anbieten, wer kommt denn da schon? Zehn, vielleicht 20 oder 30 Leute, wenn es gut geht.

Wenn Sie da nicht eine ganz tiefe und innige Beziehung zu Jesus haben, werden Sie entmutigt sein. Das geht nicht anders. Wenn man das Feuer nicht nährt, erlischt es. Und so sage ich den Priestern: “Vor allem, bleiben Sie im Gebet. Verbringen Sie viel Zeit mit Jesus. Er wird Sie mit den notwendigen Gnaden beschenken." Schon allein durch das Beten, erfahren die Priester, wie ihre Hoffnung wächst. Wenn sie allerdings nicht beten...

Besteht die Gefahr, daß sie dann den Glauben verlieren?

Sr. Briege: Das ist die zweite Krise, die das Priestertum durchmacht. Viele Priester sind nicht mehr davon überzeugt, daß Jesus sie gerufen und mit Vollmacht und besonderen Gnaden ausgestattet hat. Oft sage ich ihnen: “Wissen Sie, werte Väter, wären Sie Autoverkäufer, Sie würden keine guten Geschäfte machen, weil sie keineswegs überzeugend wirken! Sie müssen von der Schönheit des Geschenks ihres Priestertums überzeugt sein. Für viele ist die Begegnung mit Ihnen, die einzige Gelegenheit, Gott kennenzulernen." Und ich füge hinzu: “Ich liebe die Kirche, sie ist ein wahres Geschenk für uns, allerdings fürchte ich fast, daß ich mehr von der Schönheit des Priestertums überzeugt bin als Sie selbst. Glauben Sie doch, verkünden Sie - und die Menschen werden kommen!"

Das Priestertum ist weder ein Recht, noch ein Job, es ist ein Anruf, ein Sakrament, das nur Gott schenken kann. Es ist ein außerordentliches Geschenk, von dem man allzu oft nur die Verpackung betrachtet, ohne sich die Mühe zu machen, es zu öffnen. Wie hat doch der Pfarrer von Ars gesagt? “Wenn mir ein Priester und ein Engel begegnen, dann grüße ich zuerst den Priester. Denn der Engel ist zwar ein Freund Gottes, der Priester aber steht an Gottes statt."

Ja, man muß beim Pfarrer von Ars nachlesen - noch und noch: “Ach, wie groß ist doch der Priester! Würde er sich selbst erkennen, er würde sterben... Gott gehorcht ihm: Er spricht zwei Worte und unser Herr steigt vom Himmel hernieder."

Wie kann ein Priester seinen Glauben und seine Priesterweihe erneuern?

Sr. Briege: Eine der größten, den Priestern geschenkten Gnaden ist die Ausgießung des Heiligen Geistes. Johannes Paul II. hat einmal gesagt, daß jeder Priester eine persönliche Begegnung mit Jesus Christus braucht. Genau das ist ja die Gabe, die der Heilige Geist schenkt. Nach Seiner Auferstehung war Jesus sehr enttäuscht. Er hatte Seine Macht bekundet, Wunder gewirkt - und nun muß Er sehen, wie amorph, ja erloschen Seine zwölf Apostel sind. Daher sagt Er ihnen: “Wartet hier auf mich, ich werde euch meinen Geist senden." Und das geschah dann auch am Pfingstsonntag. Und genau das geschieht weiterhin in der Taufe durch den Heiligen Geist.

Das 2. Vatikanische Konzil war eine wunderbare Gnade. Monatelang konnte man mit Papst Johannes XXIII. beten, um den Herrn zu bitten: “Schenk uns ein neues Pfingsten." Als dieses dann auch tatsächlich stattfand, waren die Priester wie versteinert. Viele Laien haben freudig geantwortet, aber nicht ihre Hirten... Erst kürzlich habe ich das in Lateinamerika festgestellt: tausende Laien, oft sehr arme, haben diese Herabkunft des Heiligen Geistes erlebt, die Priester aber sehen das eher als einen Virus an, den sie nur ja nicht selbst erwischen wollen. Also ich bete dafür, daß sie ihn erwischen, diesen Virus der Erneuerung im Heiligen Geist - und daß Er sie niemals mehr verlassen möge!

Sie haben selbst schwere Glaubensanfechtungen erlebt. Was hat Sie diese Krise gelehrt?

Sr. Briege: Krisen können sehr lehrreich sein. Die Krise, durch die ich hindurch mußte, hat mir insbesondere die Barmherzigkeit geschenkt - und zwar für jene, die in Krisen stecken. Vor allem Priester. Manchmal läßt der Herr die Unzufriedenheit, den Zweifel zu, damit man um Hilfe betet, damit man innehält und sich heilsame Fragen stellt: Warum bin ich überhaupt Priester? Wieso mache ich eigentlich, was ich tue? Man ist immer in Gefahr, der Lauheit, der Mittelmäßigkeit zu verfallen, unglücklich mit dem eigenen Glaubensleben. Diese Unzufriedenheit kann dazu verhelfen, nach der Quelle lebendigen Wassers zu suchen. Wer allerdings nicht durstig ist, wird nicht nach einem Getränk suchen.

Der Glaube kann vertrocknen...

Sr. Briege: Ja, und es ist gut, das zu wissen. Denn man darf nur ja nicht Glaube mit Gefühlen verwechseln. Im Wort Gottes werden Sie nie den Satz finden: “Deine Gefühle haben dich gerettet" oder “deine Gefühle haben dich geheilt". Jesus spricht zu den Menschen nur von ihrem Glauben. Zu glauben heißt, an dem festzuhalten, was man nicht sieht.

Auszug aus einem Interview, das Luc Adrian mit Sr. Briege in “Famille Chrétienne" Nr 1454 geführt hat.

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