VISION 20001/2010
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Einleitung

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Seit der letzten Ausgabe gab es einige bemerkenswerte Ereignisse, die uns veranlaßt haben, diesen Schwerpunkt zu gestalten. Da war das Kreuz-Urteil des Menschengerichtshofs (EuMRGH) in Straßburg. Er gab einer italienischen Beschwerdeführerin recht, die verlangt hatte, das Kruzifix in der Klasse ihrer Kinder von der Wand zu nehmen. In allen Instanzen war sie in Italien mit ihrer Forderung abgeblitzt. Der EuMRGH gab ihr mit einstimmigem Votum recht und verurteilte Italien zu einer Strafzahlung und in weiterer Folge zur Abnahme der Kreuze in den Schulen. Unwillkürlich fragt man sich: Hat sich Europa total von seinen christlichen Wurzeln abgewendet?

Und dann gab es ein zweites viel kommentiertes Ereignis: Das Votum der Schweizer Bürger gegen den Bau von Minaretten in ihrem Land, mit 57,5 % ein unerwartet deutliches Ergebnis. Es kam zustande, obwohl sich ein Großteil der Medien, der politischen Elite, aber auch der kirchlichen Hierarchie für den Bau stark gemacht hatte.

Beide Entscheidungen lösten heftige Debatten aus, die wichtige Aspekte des gesellschaftlichen Zusammenlebens, unseres Rechtssystems, des Stellenwerts von Glaube und Religion betreffen.

Für Christen geht es da um zentrale Fragen: Ist unser Glaube nur eine Religion wie viele andere auch? Was unterscheidet ihn insbesondere vom Islam, der in Europa so dynamisch voranschreitenden Religion? Welchen Stellenwert hat der christliche Glaube im säkularisierten Europa? Wer ist die letzte Instanz, wenn es um die Ausgestaltung des religiösen Lebens geht - die jeweilige Gemeinschaft selbst oder der Staat?

Auf einige dieser Fragen werden wir auf den folgenden Seiten nach einer Antwort suchen und hoffen, daß diese Suche auf Ihr Interesse stößt.

Christof Gaspari

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