VISION 20001/2010
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Der wahre Jesus fasziniert Muslime

Artikel drucken Erfahrung eines Missionars mit Muslimen (Von P. Josef Herget CM)

Christentum und Islam: Das ist seit Jahrhunderten Begegnung und Konfrontation von zwei Offenbarungen, zweier Heilsangebote. Beide erheben einen Absolutheitsanspruch und fordern zur Entscheidung heraus: entweder-oder.
Der Islam ist von seinen Anfängen her ein sozio-politisches, religiöses, ja, militärisches Projekt. Das geht sowohl aus dem Koran wie der Sunna, die die Überlieferung des Lebens und der Worte Mohammeds umfasst, ganz klar und eindeutig hervor. Daher gehört auch für einen Muslim Religion, Politik und Kultur untrennbar zusammen.
Ein Austritt aus dem Islam ist daher nicht möglich. Wer trotzdem den Islam verläßt, verläßt nicht nur eine Religion, sondern er stellt sich außerhalb der islamischen Gemeinschaft, der Umma, auf die Seite der Feinde. Er ist somit ein Abtrünniger, ein Verräter. Er macht sich des Hochverrats schuldig und hat damit sein Leben verwirkt.
Von Anfang an besiegte dieses religiös-politische Gebilde, das die islamische Gemeinschaft darstellt, einen Nachbarstaat nach dem anderen und eignete sich alles an, wessen es habhaft werden konnte.
Die rasche, umfassende Ausbreitung des Islam in der Frühzeit ist in der Geschichte einmalig. Dieser Erfolg stärkte das Selbstbewußtsein und das Sendungsbewußtsein der islamsichen Gemeinde und gilt für Muslime bis heute als empirischer Beweis für die Unwiderstehlichkeit des Islam und für den Willen Allahs für die rasche Ausbreitung seiner wiederhergestellten Religion über das Antlitz der Erde.
Innerhalb von nur 100 Jahren drang der Islam über Vorderasien, Nordafrika nach Spanien und bis nach Frankreich vor. Das geschah weithin in christlichen Ländern und auf Kosten des Christentums. Dieser Vorstoß konnte erst 732 durch Karl Martell bei Tours und Poitiers aufgehalten werden. In jahrhundertelangen Kämpfen gelang es den Islam aus Europa zurückzudrängen.
Christentum und Islam wollen nicht nur Ausdruck privater Glaubensansichten oder Glaubensüberzeugungen sein. Sie wissen sich von Gott mit der für alle Menschen bestimmten Wahrheit beauftragt. Religion - religio -, Gottesverehrung könnte man ja wählen, aber Offenbarung nicht. Sie ist entweder Offenbarung - oder sie ist es nicht. Beide Bekenntnisse wollen Heilsangebot sein, das heißt Aufforderung und Einladung, Befehl und Angebot Gottes an die Menschen. Das zu glauben oder es abzulehnen, bedeutet nicht nur Annahme oder Ablehnung einer religiösen Meinung, sondern Gehorsam oder Ungehorsam gegenüber Gottes Willen und Wort.
Dieser radikale Absolutheitsanspruch der beiden Religionen ist ganz ernstzunehmen. Zwischen diesen beiden Bekenntnissen, den beiden Botschaften gibt es kein „Sowohl-als-Auch“, sondern nur ein „Entweder-Oder“.
Außerdem versteht sich der Islam nicht als neue Religion, sondern als Reinigung der ursprünglichen Religion Adams. Daher heißt es auch im Islam: Die Religion Allahs ist der Islam.
(…)
Der Islam ist mit 1,3 Milliarden Anhängern die zweitgrößte Religion der Welt. Mehr als ein Fünftel der Menschheit folgt dem Islam. Aufgrund der hohen Geburtenraten und der Bekehrungen ist er auch die am schnellsten wachsende Religion. Kaum ein Mensch, der aus dem Islam kommt hat Jesus Christus jemals kennengelernt. Muslime haben keine Ahnung davon, daß Jesus ihr Heiland und Erlöser ist. Sie kennen weder sein Leben noch seine Botschaft, sondern sie kennen nur den Propheten Isa. Aber das ist nicht unser Herr Jesus Christus, der Sohn Gottes. Es ist ein islamischer Prophet.
Das, was Muslime über die Lehre des Christentums und über Jesus Christus im besonderen hören und was sie vom Leben der Christen zu sehen bekommen, stammt aus folgenden Quellen:
- Aus der Lehre des Koran, ausgelegt von islamischen Lehrern an islamischen Schulen oder von Imamen in den Moscheen;
- von der eigenen Familie, den Nachbarn, der islamischen Gesellschaft und deren Medien;
- von den Christen selbst.
Nur leben die Christen in den islamischen Ländern meist als Minderheit in großer Furcht. Sie weigern sich geradezu, den Muslimen gegenüber ihren Glauben zu bezeugen. Bis heute werden sie vielfach gedemütigt und von islamisch-fundamentalistischen Gruppen verfolgt. Darum leben sie in aller Stille und halten zu ihrer Umgebung so viel Abstand wie möglich.
Zumeist sind ihre Türen und Herzen vor den Muslimen verschlossen. Sie wollen nur ja keine Probleme bekommen, einfach nur in Frieden leben. Nach all dem, was die Christen im Vorderen Orient durch die Jahrhunderte hindurch erlebt haben, ist diese Haltung menschlich gesehen nur allzu verständlich. Und doch: Richtig ist sie nicht.
Wir müssen also festhalten: All die erwähnten Quellen zeigen den Muslimen nicht das wahre Christentum.
Kommen Muslime dann aber in ein christliches Land - lernen sie dann das Christentum kennen? Hier stoßen wir auf ein großes Problem: Für Muslime in ihrem eigenen Umfeld ist alles Islam. Kommt daher ein Muslim nach Europa, so ist für ihn alles, was da so geschieht, Christentum: die Nackten auf den Plakaten, das voreheliche Zusammenleben von Männern und Frauen, die bauchfreie Kleidung - für ihn schockierend, aber Christentum.
Alles, was unseren Alltag prägt, ist für den Muslim Christentum. Es dauert lange, bis er versteht, daß zwar die westliche Kultur vieles dem Christentum verdankt, daß aber das Leben bei uns nicht mit dem Christentum gleichzusetzen ist.
Erst wenn er Christen erlebt, die das ungeborene Leben schützen, sich über Kinder freuen und die Familie hochhalten, die sich also anders verhalten, als dies heute üblich ist, dann will er mehr wissen - und zwar auch über Jesus. Das geht nämlich Hand in Hand. Ja, dann interessiert er sich auch für das Evangelium. Und beginnt er einmal darin zu lesen, dann kommt er - das ist jedenfalls meine Erfahrung - nicht mehr von Ihm los. Jesus fasziniert ihn, er will dann immer mehr über Ihn hören. Solchen Menschen den Glauben der Christen nahebringen zu dürfen, ist etwas Wunderbares.
Viele Muslime sind Suchende, haben schon in ihrer Heimat etwas von Ihm gehört und sind deswegen von dort weggegangen. Damit Muslime zum Glauben finden, muß er Menschen begegnen, die ihren Glauben an Jesus Christus auch wirklich leben.

P. Josef Herget
P. Josef Herget ist Gründer des Instituts St. Justinus, das sich der Evangelisierung unter Muslimen widmet.
Sein Beitrag in dieser Nummer besteht aus Auszügen aus Vorträgen von P. Joseph Herget  bei dem Kongreß „Treffpunkt Weltkirche 2006“ in Augsburg (1. Teil) und bei der Sommerakademie 2008 des „Linzer Priesterkreises“ in Aigen (2. Teil). Dieser Vortrag kann auch auf CD bei Radio Maria Österreich (01 7107072) in Wien bestellt werden.

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