VISION 20004/2010
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Der selige P. Ruiz & Gefährten

Artikel drucken Botschaft an uns (Von P. Gottfried Egger OFM)

Am 10. Juli 2010 jährt sich zum 150. Mal der Todestag der Franziskaner-Märtyrer von Damaskus: P Emmanuel Ruiz und Gefährten. Außer dem Vizepfarrer P. Engelbert Kolland, der Österreicher war, waren alle Spanier. Zu den Märtyrern gehörten auch die drei leiblichen Brüder Massabki: Franziskus, Mooti und Raffael, Maroniten, die für die Franziskaner in der Klosterschule und im Konvent S. Paul, Bab Touma in Damaskus arbeiteten. Sie alle blieben ohne Ausnahme bis zum letzten Atemzug Jesus treu, denn die Mörder verlangten von ihnen allen, dem christlichen Glauben abzuschwören. Wie kam es damals zu den Christenverfolgungen und dann zum Martyrium der Klosterinsassen? Die islamisch-synkretistischen Drusen lebten seit vielen Jahrhunderten im Libanon mit den maronitischen Christen (seit dem Mittelalter sind sie mit der Kirche Roms verbunden) recht friedlich zusammen. Im türkischen Reich gab es im 19. Jahrhundert Reformbestrebungen, alle religiösen Minderheiten den übrigen Staatsbürgern in allem gleichzustellen. Das wäre vor allem den Christen zugute gekommen. Für die islamische Welt war dies so etwas wie ein offener Affront. Die Christen waren für sie während 1200 Jahren Bürger zweiter Klasse. Die Moslems in Syrien, vor allem die Drusen, gingen zu offenem Angriff über. Der Gouverneur von Beirut stellte sich an die Spitze der Aufständischen, die vom 30. Mai bis zum 26. Juni 1860 christliche Dörfer überfielen, brandschatzten, plünderten und die Bevölkerung schändeten. Es gab an die 6.000 Opfer.
Am 9. Juli marschierten die aufgebrachten Drusen auch in Damaskus ein. Sie ermordeten dabei zahlreiche Christen. Unter ihnen waren auch die acht Franziskaner und ihre Laienmitarbeiter vom Kloster St. Paul in Bab Touma.
Am Nachmittag des furchtbaren Tages des 9. Juli 1860 versuchten aufgebrachte türkische und drusische Horden das christliche Kloster St. Paul zu stürmen. Doch vergebens. Sie konnten weder die stark verriegelten Tore aufbrechen, noch die wehrhaften Klostermauern erstürmen. Dadurch wurde ihre Wut nur größer. Die Klosterbewohner drinnen waren sich der ernsthaften Lebensgefahr bewußt.
Abd-el-Kader ein edler Moslem, rettete zusammen mit seinen algerischen Soldaten viele Christen. Bis zur Nacht des 10. Juli verließ er sieben Mal sein Haus, um Christen zu sich nach Hause oder auf die Zitadelle der Stadt in Sicherheit zu bringen. Hunderten von Familien rettete er das Leben. In der Mordnacht waren mehr als 12.000 Menschen auf der Zitadelle, dazu etwa 3.000 in seinem eigenen Haus.
P. Guardian Emmanuel wies das freundliche Angebot des edlen Emirs (Prinz) zurück, er vertraute auf das wehrhafte Kloster und die Beliebtheit der Minderbrüder auch bei der islamischen Bevölkerung. Er konnte allerdings nicht vorhersehen, daß man ihn und seine Mitbrüder auf gemeine Art verraten würde: Ein ehemaliger Mitarbeiter des Klosters verriet den Drusen ein geheimes Hintertürchen des Klosters, wo sie gut eindringen konnten.
Zunächst fielen die drei maronitischen Brüder Massabki den mörderischen Drusen zum Opfer. Sie gingen mit den Worten in den Tod: „Wir haben nur eine Seele, wir dürfen sie nicht verlieren, indem wir unseren Glauben leugnen. Wir sind Christen und als Christen wollen wir sterben.“
Der Guardian, P. Emmanuel Ruiz, der gerade dabei war, die Hostien vom Tabernakel zu kommunizieren, um das Allerheiligste vor der Profanierung zu schützen, wurde in der Klosterkirche von den Eindringlingen überrascht. Diese forderten ihn auf, seinem christlichen Glauben abzuschwören. Der tapfere Franziskaner legte seinen Kopf auf den Altar und ein starker Axthieb trennte ihn vom Leib.
P. Peter Soler, der in die Klosterschule geflüchtet war, wurde dort aufgespürt und mit folgenden Worten angesprochen: „Verleugne deine Religion und nimm unseren Propheten Mohammed an!“ Der Franziskaner gab mutig zur Antwort: „Das darf nicht sein, daß ich eine solche Gottlosigkeit tun würde. Ich bin Christ und ziehe vor zu sterben.“ Er wurde mit dem Schwert erschlagen.
Augenzeugen berichten, daß P. Nicanor Ascanio von den Schergen gedrängt wurde, von Christus abzulassen. Der arabischen Sprache noch nicht so mächtig, verstand er es vorerst nicht. Er ließ die Verfolger die Worte wiederholen. Sobald er sie begriffen hatte, rief er: „Ich bin Christ, tötet mich!“
Den jüngsten Bruder, P. Nicola Alberca, ermunterten sie Christus zu verlassen und ihre Lehre anzunehmen. Klar und entschieden gab dieser zur Antwort: „Wenn ich tausend Mal den Tod erleiden müßte, ich würde meinen Herrn nie verraten.“ Sogleich schossen sie auf das wehrlose Opfer.
Die beiden Laienbrüder wollten sich auf dem Kirchturm des Klosters in Sicherheit bringen. Als die Schergen sie dort aufspürten und dann merkten, daß Br. Francisco Pinazo nicht vom Glauben ließ, schlugen sie mit Stöcken auf ihn ein und warfen ihn anschließend kopfüber vom Turm des Paulusklosters hinunter auf das Straßenpflaster. Auch Br. Juan Jaime Fernandez wurde brutal geschlagen und vom Kirchturm geworfen. Er hatte dann noch lange zu leiden. Ein Türke spaltete ihm anderntags den Schädel.
Der selige Engelbert floh über die Dächer, um in der Nachbarschaft Schutz zu finden. Auch dort wurde er aufgespürt und von etwa 20 Drusen und Türken umkreist. Einer legte ihm den Gewehrkolben ans Herz. Der Selige schob ihn mutig zur Seite und sagte zu seinem Verfolger: „Freund, was hab ich Dir getan, daß du mich töten willst?“ Verblüfft gab ihm dieser zur Antwort: „Nichts, aber du bist Christ! Tritt auf das Kreuz und wir wissen, daß du Christus abschwörst!“
Engelbert gab klar und deutlich zur Antwort: „Ich bin ein Christ, ich bleibe Christ. Noch mehr, ich bin ein Diener Christi, Priester der katholischen Gemeinde hier.“ Dreimal wurde mit einer Doppel?axt auf ihn zugeschlagen. Jedes Mal wurde er neu aufgefordert Christus abzuschwören. Jedes Mal gab er mit überzeugter Stimme zur Antwort: „Nein, niemals!“
Am 2. Mai 1926 verlas Papst Pius XI. das Dekret, daß das Martyrium der acht Franziskaner von Damaskus anerkannt wurde. Als der maronitische Erzbischof von Damaskus von der Seligsprechung der acht Franziskaner hörte, wies er auch auf die drei Brüder Massabki hin. Die drei maronitschen Brüder, die für die Franziskaner arbeiteten, lebten überzeugt den christlichen Glauben und gingen dafür auch in den Tod. Das bewegte den Bischof, den Papst auch um die Seligsprechung dieser drei mutigen Laien zu bitten. Der Papst gewährte es. So wurden dann die acht Franziskaner zusammen mit den drei Maroniten zur Ehre der Altäre erhoben.

Der Autor wirkt im Franziskaner-Kommissariat des Hl. Landes für die Schweiz

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