VISION 20006/2010
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Im feindlichen Umfeld entschieden die Lehre vertreten

Artikel drucken Die Sexualität – Angelpunkt der Auseinandersetzungen (John-Henry Westen)

Erfolgreich wird der Kampf für eine Kultur des Lebens nur dann sein, wenn es der Kirche gelingt, den Menschen die Augen dafür zu öffnen, daß ihr Einsatz für das Leben eigentlich ein Engagement für die wahre Liebe ist, jene, nach der sich jeder Mensch im Grund seines Herzens sehnt. Eine Herausforderung für die Hirten.

Fast der gesamte Kulturkampf ist auf die Sexualität konzentriert: Abtreibung, Empfängnisverhütung, Ehebruch, Pornographie, Promiskuität, Sexualerziehung, Scheidung, Homosexualität, In-Vitro-Fertilisation, auch die Forschung an embryonalen Stammzellen. All das steht im Zusammenhang mit Sexualität.
Als ich diese Beobachtung des Philosophen Peter Kreeft zum ersten Mal hörte, erinnerte ich mich an die selige Jacinta Marto, die Seherin in Fatima. Von ihr wird die Feststellung berichtet: „Es kommen mehr Leute in die Hölle, weil sie Sünden des Fleisches begehen als aus irgendeinem anderen Grund.“ Aber, warum?
Papst Johannes Paul II. hat in seiner Theologie des Leibes geschrieben, die Vereinigung von Mann und Frau in der Ehe sei ein primäres Bild der trinitarischen Beziehung, das in die Menschheit eingeprägt ist. Die Väter beschreiben die Trinität als Vater, der den Sohn vollkommen liebt, und als Sohn, der den Vater vollkommen liebt, und diese vollständige Hingabe Ihrer selbst als den Heiligen Geist. Die Ehe ist auch ein Schlüsselbild der Beziehung Christi zu seiner Kirche.
Nun, wenn Sie Satan wären und hätten als Ihr erstes Ziel, die Menschheit vom Himmel und von Christus wegzulenken, welchen Bereich würden Sie dann wohl angreifen? Sie würden wohl versuchen, das wichtigste Abbild der trinitarischen Beziehung zu verfälschen und die Beziehung Christi mit seiner Kirche. Dieser Schauplatz ist es daher, auf den wir unsere Bemühungen konzentrieren müs?sen, um Menschen für Christus zurückzugewinnen. Die Art und Weise, in der wir die Wahrheit der Kirche über Sexualität mitgeteilt, bzw. gar nicht kommuniziert haben, hat leider vielfach dazu beigetragen, die Mehrheit der Katholiken zu verlieren.
Wo haben wir den Kampf in der Kommunikation verloren? Vor allem überall dort, wo man glaubte, es sei klug oder bequemer, umsichtig oder seelsorglich angebracht zu schweigen, um die vorherrschende Kultur zu beschwichtigen.
In ihrer überwiegenden Mehrheit haben Bischöfe und Priester im Westen nicht gegen die Empfängnisverhütung und für die Offenheit für das Leben argumentiert. Sie haben es versäumt, gegen die In-Vitro-Fertilisation zu argumentieren und die Achtung vor der Methode der Zeugung, die Gott bestimmt hat, entschieden zu unterstützen. Sie haben nicht gegen homosexuelles Handeln argumentiert und damit für die Keuschheit inmitten von schweren Versuchungen, nicht gegen die Sittenlosigkeit und für die Bewahrung des reinen Blickes.
Und was ist aus diesen Versäumnissen geworden? Hat das Schweigen der Kirche zum kulturellen Frieden in diesen Fragen geführt? Nein. Die grassierende Praxis der Empfängnisverhütung hat unweigerlich zum Abtreibungs-Holocaust geführt. Unkontrollierte Sittenlosigkeit und das völlige Fehlen der Bewahrung des reinen Blickes hat uns die nahezu weltweit grassierende Pornographiesucht eingebracht. Die In-vitro-Fertilisation bescherte uns die Forschung an embryonalen Stammzellen. Die Akzeptanz homosexueller Handlungen hat zur Homo-„Ehe“ und in verschiedenen Ländern sogar zu Einschränkungen der Freiheit der religiösen Praxis geführt.
Wo können wir damit beginnen, die Verzerrung der Sexualität im kulturellen Tsunami umzukehren? Wir müssen mit „Caritas in veritate“, mit der Liebe in der Wahrheit, beginnen. Es ist die Antwort Christi, Seiner Mutter und die der Kirche.
Es ist durchaus nicht Liebe, wenn man seinen Kindern erlaubt, sich völlig ungebührlich zu betragen. Als Vater von sieben Kindern gebe ich zu, daß es oft einfacher ist, sich abzuwenden und ein Fehlverhalten absichtlich nicht zu bemerken. Aber aus Liebe müssen Eltern ihre Kinder korrigieren und disziplinieren.
Das gilt auch für die Kirche, vor allem für ihre Hirten. Diese Väter der Seelen müssen die Herde weiden, müssen die Wahrheit lehren – so schwierig und politisch unkorrekt dies auch sein mag. Das ist wahre Liebe. Es ist schmerzhaft, daß wir offensichtlich in Zeiten leben, von denen der heilige Paulus in 2Tim 4,3 warnte, wenn er sagte: „Denn es wird eine Zeit kommen, in der man die gesunde Lehre nicht erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen immer neue Lehrer sucht, die den Ohren schmeicheln …“
Aber der Apostel der Heiden gebot dem Bischof Timotheus streng, seinen Dienst der Evangelisierung trotzdem zu erfüllen: „Ich beschwöre dich bei Gott und bei Christus Jesus, dem kommenden Richter der Lebenden und der Toten, bei seinem Erscheinen und bei seinem Reich: Verkünde das Wort, tritt dafür ein, ob man es hören will oder nicht; weise zurecht, tadle, ermahne, in unermüdlicher und geduldiger Belehrung.“ (2Tim 4,1-2)

John-Henry Westen
Der Autor ist Chefredakteur von LifeSiteNews.com. Sein Beitrag ein Auszug aus seinem Vortrag beim V. Welt-Gebets-Kongreß für das Leben in Rom (5.-10. Okt. 2010).

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