VISION 20005/2011
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Zu unserem Helfer hinfinden

Artikel drucken Gott „funktioniert“ nicht einfach auf Knopfdruck (Christa Meves)

Mir hat Gott noch niemals geholfen“, sagt unvermittelt eine mir unbekannte etwa 40-jährige Frau, die mir in der Bahn gegenübersitzt und meine Broschüre Was Gott dir schenkt, erspäht hat. Sie schaut mich dabei geradezu trotzig-anklagend an.

„Das ist ja auch nicht so ohne weiteres möglich“, wage ich zu entgegnen. Mein Gegenüber freut sich über die gelungene Provokation: „Und doch soll er die Gerechtigkeit in Person sein, heißt es doch. Geht das etwa zusammen?“ Ein triumphierender Blick soll mich außer Gefecht setzen.
„Aber vielleicht sperren Sie Gott so aus, wie mich aus dem Abteil, indem Sie es für besetzt erklärten, nur weil Sie allein sein wollten,“ erinnere ich lächelnd an die Szene, die sich zuvor zwischen uns abgespielt hat. Die Frau schweigt verblüfft, fragt aber nach einer Weile, nun in nachdenklichem Ton: „Wie meinen Sie das?“ So gab sie mir Gelegenheit zu einer kleinen Laienmission:
Meine Mitreisende hat ja mit einer Beobachtung recht: Gott ist gewiss nicht unser Wunscherfüllungsgehilfe. Er reagiert selten einmal wie ein Zauberkünstler auf Knopfdruck, wenn wir in die Hände klatschen und Ihn auffordern: „Nun mach mal! Bitteschön, ich gebe Dir Gelegenheit, mir zu präsentieren, dass Du der Allmächtige bist!“ Gegen solche Anmaßung aus Menschenmund pflegt Gott taub zu sein – vermutlich aus Liebe zu Menschen mit unangemessenen Forderungen. Denn gewiss will Er solche verwöhnende Ansprüche, die die innerseelische Entwicklung blockieren, nicht unterstützen.
Gott will vielmehr eingelassen werden, wenn Er anklopft, so hat Er uns in der Offenbarung des Johannes 3,20 vermittelt: „Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir.“
Nur also wenn wir Ihm aufmachen, kann Er uns beschenken!
Doch wie lässt sich das in unserem Leben bewerkstelligen?
„Aber wie soll ich das anstellen?“, fragt denn auch meine Mitreisende.
Nun, indem wir in aller Demut versuchen, uns unserem Herrn anzunähern, indem wir versuchen etwas von Ihm zu verstehen. Und das funktioniert nur, wenn wir uns mit den Berichten und Aussagen beschäftigen, in denen Er direkt über sich und Sein Vorhaben mit uns Menschen gesprochen hat. Wir müssen uns also an die Heilige Schrift heranmachen, den Aussprüchen der Propheten nachsinnen, uns mit Davids Befindlichkeit identifizieren, vor allem aber den Aussagen und Ereignissen des Neuen Testaments nachlauschen, oft, täglich, morgens und abends, und uns Zeit nehmen, in die Texte hineinzudenken, sie zu verstehen suchen. Auf diese Weise wird unweigerlich das Interesse daran wach.
Die wachsende Wissbegier beginnt dann, uns anzutreiben. Wir beginnen mit den nun aufkommenden Fragen „Fachleute“ zu konsultieren – Priester und überzeugte Laien. Wir gehen auf die Suche nach Predigten und nach Glaubensformen, die dem Bedürfnis nach Annäherung entsprechen. Wir suchen Heiligtümer auf. Ein solches Bemühen bedeutet, unversehens ein Sensorium für das Walten unseres leisen Gottes zu entwickeln.
Und plötzlich erlebt man bestaunenswerte, beglückende „Zufälle“ als „wunderbar“ im wahrsten Sinne dieses Wortes. Zum Beispiel: Man entgeht mit knapper Not einem lebensgefährlichen Unfall, eine Arbeitsstelle bietet neue Entfaltungsmöglichkeiten, eine Freundschaft tut sich auf. Man stellt fest: Beglückende Umstände mehren sich, manchmal so überraschend, dass man spontan dankbar in die Knie geht und nur noch zu stammeln vermag: „Oh mein Gott!“
Durch eine äußerlich nur unscheinbare, aber letztlich durch eine entscheidende Lebensveränderung haben wir – so nennt das Jesus – ein Stück „Himmelreich“ gewonnen, lediglich dadurch, dass wir uns dem wartenden Gott zugewendet, und dem leise Anklopfenden aus freiem Entschluss die Tür zu unserem Abteil geöffnet haben!
Wir haben unser hochmütiges Alleinseinwollen durch ein sich dem Anklopfenden öffnendes Erleben überwunden!
Wie viel mehr Möglichkeiten haben wir nun dadurch, Gott direkt anzusprechen, wie viel mehr Antworten, wie viel mehr Hoffnung ergibt sich durch seine Nähe – auch dazu, dass wir erhört werden können – jedenfalls wenn wir nichts Unbilliges, nichts Unerfüllbares erbitten.
Erst wenn diese Situation eingetreten ist, schlägt die Stunde zu einem echt angemessenen Gebet. Dann erst kommt alles Bitten aus dem Raum einer erlauschten seelischen Tiefe des Hörens, Verstehens, des Annäherns auf dem Boden eines erhöhten Bezugs zur Heiligen Dreifaltigkeit! Nun kann der Weg zu einem erfüllten Lebensziel in vollem Bewusstsein seines Sinnes beginnen.
„Geöffnete Ohren, klarsichtige Augen – ein von intellektueller Verblendung befreites Herz brauchst Du,“ ruft uns Christus mit seinen Wundern in vielen Gleichnissen zu. „Denn das ist die Voraussetzung dafür, dass sich Meine Rettung für dich in dir verwirklichen kann!“

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