VISION 20005/2011
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Der heilige Maximilian Kolbe

Artikel drucken Botschaft an uns (P. Gottfried Egger OFM)

Am 14. August, Vorabend von Maria Himmelfahrt, jährte sich heuer zum 70. Mal der Todestag des politischen Häftlings 16670 in Auschwitz: In der Todesbunker-Zelle 18 war ihm eine tödliche Phenolspritze verabreicht worden. Er war freiwillig für den Ehemann und Vater zweier Söhne, Franciszek Gajowniczek – er wird überleben–, in den Tod gegangen. Alle im Lager litten zwar unter Hunger, aber freiwillig durch Hunger zu sterben, das konnten sich weder die Nazi-Schergen, noch die Mithäftlinge vorstellen.
Gut 10 Tage vor dem Tod des Franziskaners beteten und sangen seine 9 Mithäftlinge im Todesblock Marienlieder. Täglich wurden Tote weggeschleppt. P. Maximilian, Zeit seines Lebens kränklich, überlebte alle. Er tröstete seine Mithäftlinge, sprach sie von ihren Sünden los, segnete die Verstorbenen und betete für sie. Mit der Zeit wurde das Singen und Beten immer schwächer. Zuletzt war es nur noch Geflüster. Nach 10 Tagen lebten noch vier Häftlinge, halb bewusstlos. P. Maximilian hatte die Augen offen, als ihm am Vorabend des Festes Maria Himmelfahrt, die Todesspritze verabreicht wurde.
P. Maximilian war vom Geist Jesu so durchdrungen, dass er in der Hölle von Auschwitz die Geistesgegenwart hatte, sein Leben für den Nächsten hinzugeben. Von seinem Herrn und dessen Mutter bekam er die Kraft, die Qualen des Hungertodes auf sich zu nehmen. Seine Lebenshingabe war ein reines Opfer der Nächstenliebe!
Raimund – so sein Taufname – wurde am 7. Jänner 1894 in Pabianice bei Warschau in Polen geboren. Sein Vater Julius Kolbe war von Beruf Webermeister. Er war mit Maria geb. Debrowska verheiratet, sehr fromme Eheleute. Ihnen wurden drei Söhne geschenkt: Franz, Raimund und Josef. Raimund war ein Lausbub immer zu Streichen aufgelegt. Er machte seinen Eltern nicht wenige Unannehmlichkeiten, war kaum zu bändigen. Eines Tages sagte er zur Mutter: „Weißt du, Mama, als du mich letzthin fragtest, was wohl aus mir noch werden würde, hat es mir sehr weh getan. Ich habe die Gottesmutter gefragt: Sie ist mir erschienen. In den Händen hatte sie zwei Kränze, einen weißen und einen roten; sie schaute mich liebevoll an und fragte mich: ‚Welchen willst du? Der weiße bedeutet, dass du die Reinheit bewahren wirst; der rote, dass du als Märtyrer stirbst.‘ Da habe ich zur Gottesmutter gesagt: ‚Ich wähle beide.‘ Da lächelte sie und verschwand.“
Raimund war ein intelligenter, äußerst aufgeweckter Junge, konnte jedoch zunächst nicht einmal in die Schule, weil das Geld dazu nicht reichte. Da der älteste Bruder Priester werden wollte, musste man vorerst diesem eine gute Schulbildung ermöglichen. Als Raimund einmal beim Dorfapotheker Einkäufe erledigte, war dieser erstaunt, dass der Knirps die lateinischen Namen der Arzneien so geläufig hersagen konnte. Der verblüffte Apotheker fragte ihn, in welche Schule er gehe. Raimund erklärte ihm: „Ich muss daheim bleiben, meinen Eltern helfen. Aber mein Bruder besucht die Schule und darf Priester werden. Meine Eltern sind zu arm, um uns beide studieren zu lassen.“ Der gute Apotheker war daraufhin so gerührt, dass er Raimund anbot, ihm Lateinstunden zu geben und finanziell zu helfen, damit er das Gymnasium besuchen könne.
Ein wichtiges Ereignis für Raimund und seinen Bruder Franz war die Volksmission der Franziskaner in Pabianice. Diese Söhne des hl. Franz von Assisi konnten die Brüder so für das franziskanische Ideal begeistern, dass sie am Franziskaner-Knabenseminar in Lemberg, um Aufnahme baten. Bereits mit 17 wurde Raimund ins Noviziat der Franziskaner aufgenommen. Er erhielt den Namen Maximilian Maria. Am 11. September 1911, genau vor 100 Jahren, legte er seine zeitlichen Gelübde ab. Die Oberen schickten den talentierten Bruder zum Studium nach Rom. Innerhalb von nur fünf Jahren schloss dieser zwei Doktorate ab: in Philosophie und in Theologie.
Der junge Ordenskleriker war kränklich, litt an Lungentuberkulose. Immer wieder kam es zu Blutstürzen. Trotz seiner angeschlagenen Gesundheit wurde er 1918 in Rom zum Priester geweiht. Kurz vorher hatte P. Kolbe die „Militia Immaculatae“ (Miliz der Unbefleckten) gegründet. Deren „Ritter“ sollten für die Selbstheiligung, die Bekehrung der Sünder, die Einheit der getrennten Christen, um den Schutz der Immaculata gegen die Machenschaften der Freimaurer arbeiten und kämpfen.
Nach dem Urteil der Ärzte war der Heilige im Juli 1919 so krank, dass er nur noch drei Monate zu leben hätte. Sie empfahlen ihm deshalb, nach Polen heimzukehren. Es war ein Wunder, dass er noch weitere 22 Jahre lebte.
Zuhause in Krakau setzte er sich trotz der Krankheit für die Verbreitung der Miliz ein. Für sie brachte er die Zeitschrift Ritter der Unbefleckten heraus. 1924 erreichte sie eine Auflage von 12.000 Exemplaren, ein Jahr später waren es bereits 30.000. Die Artikel für die Zeitschrift schrieb er meist selbst. In einfacher Sprache versuchte der Franziskaner, seiner Leserschaft die wichtigsten Glaubenswahrheiten zu vermitteln. Dabei setzte er sich für eine gesunde Marienfrömmigkeit ein und gab seinen Lesern Ratschläge, wie sie die Weihe an die Immaculata leben sollten.
Da sich das Kloster in Krakau für das sich ausbreitende Werk zu klein zeigte, wurde der Heilige nach Grodno versetzt. Ein weiteres Wunder geschah: Die Zahl der Ordensberufungen nahm rasant zu. Als die Räumlichkeiten im Kloster in Grodno zu eng wurden für die Druck- und Verlagsarbeiten der Zeitschrift Rycerz (Ritter), die bereits in 60.000 Exemplaren gedruckt wurde, sah sich dieser Presseapostel um eine neue Lösung um. Die Vorsehung kam ihm in der Großzügigkeit eines Fürsten zu Hilfe, der ihm ein weites Gelände schenkte, das westlich von Warschau lag. Dort entstand sein neues Pressezentrum, die Klosterstadt Niepokalanow, die Stadt der Unbefleckten.
Am 7. Dezember 1927 fand die Einweihung und der Einzug der ersten Ordensgemeinschaft statt: 18 Laienbrüder und zwei Priester. P. Maximilian war der Guardian. In Niepokalanow gab es Werkstätten für Schneider, Mechaniker, Schuhmacher, Maurer – ja sogar eine Feuerwehr. Eine Reihe von Brüdern arbeitete als Drucker, Schriftsetzer und Journalisten. Die Auflage des Ritters erreichte kurz vor 1939 eine Million, nebenbei erschienen noch 11 andere periodische Publikationen. Die Stadt der Unbefleckten wurde mit 762 Mitgliedern, zum größten Kloster der Welt.
1930 reiste P. Maximilian nach Japan. Genau einen Monat nach seiner Ankunft in Nagasaki telegraphierte er schon seinem Heimatkloster: „Wir versenden heute die erste Nummer des Ritters auf Japanisch. Es lebe die Immaculata!“
1936 kehrte er nach Polen zurück. Er ahnte, dass seine Zeit befristet sein würde. Im September 1939 wurden P. Kolbe und einige Mitbrüder als Staatsfeinde von der Gestapo verhaftet, nach drei Monaten aber wieder entlassen. Im Mai 1941 war die Gestapo wieder an der Klosterpforte. Br. Ivo, Pförtner und Sekretär von P. Kolbe meldete ihm: „Sie kommen.“ Dieser nahm die Nachricht gelassen auf und antwortete mit gütiger Stimme: „So, gut, mein Kind, ich komme. Maria!“
Zusammen mit vier Mitbrüdern kam er zuerst in das gefürchtete Pawiak-Gefängnis, das größte deutsche Gefängnis in Polen. Von dort aus wurde er nach Auschwitz überführt. In der „Hölle von Oswiecim“ wurden während der Kriegsjahre 4 Millionen Menschen grausam ermordet. Kolbe war einer von ihnen, der politische Häftling Nr. 16670.
An einem Juniabend gelang einem Mithäftling die Flucht aus der „Hölle“. Da man ihn nicht aufspüren konnte, mussten für ihn 10 andere in den Hungerbunker, unter ihnen Franz Gajowniczek, der um seine Frau und Kinder weinte. P. Maximilian trat vor den Lagerkommandanten hin, der ihn anbrüllte: „Was will das Polenschwein?“ Kolbe gab leise zur Antwort: „Ich bin schon alt, katholischer Priester. Ich möchte an die Stelle dieses Mannes treten, denn er hat Frau und Kinder“, und trat den Weg in den Hungerbunker an. Menschlich kaum zu fassen, ein Zeugnis wahrer Nächstenliebe, radikaler Nachfolge Christi. Es gibt keine größere Liebe…
Vollkommen nackt wurden sie in den Bunker gestoßen. Das Echo ihrer Gebete und Gesänge drang in andere Zellen. So etwas war noch nie dagewesen! Statt Fluchen und Stöhnen war Singen und Beten zu vernehmen. „Unter deinem Schutz und Schirm flehen wir o heilige Gottesgebärerin…“ Kolbe machte seinen Mithäftlingen Mut: „Vertraut der Muttergottes und sie wird euch helfen, dass ihr durchhaltet.“ Da man den Bunker wieder für andere Verurteilte brauchte und P. Kolbe, wie erwähnt, als einziger noch lebte, tötete man ihn mittels Giftspritze. Am nächsten Tag, am 15. August 1941, am Fest Maria Himmelfahrt, wurde er wie die andern Mithäftlinge verbrannt.
1971 wurde P. Maximilian Maria Kolbe selig-, und am 10. Oktober 1982 heiliggesprochen. Papst Paul II. sagte anlässlich der Heiligsprechung: „In einer Welt des Hasses hat dieser Mensch mit der Nummer 16670 den schwierigsten und größten Sieg errungen, den Sieg der Liebe, die verzeiht.“

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