VISION 20005/2011
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Der Weltjugendtag mit dem Papst in Madrid

Artikel drucken (Petra Lorleberg; Christof T. Zellenberg)

Vor den Augen der Welt wurde offenbar: Die Kirche ist jungIn den meisten deutschsprachigen Medien stiefmütterlich behandelt, wenn nicht sogar – wie im ORF – richtig verzeichnet, hat der Weltjugendtag in Madrid deutlich gezeigt: Es gibt Millionen Jugendliche, die nach der Wahrheit suchen, die Kirche und ihre Lehre ernstnehmen, den Papst als Stellvertreter Christi ansehen und ihn lieben. Im Folgenden einige Schlaglichter auf dieses bewegende Geschehen, das Grund zur Hoffnung gibt.

Der Jubel der Weltjugendtagspilger für ihren Papst wirkt regelrecht unermüdlich. Begeisterte Gesichter, wohin man schaut. Überall internationale Begegnungen und jede Menge Hilfsbereitschaft. Wenn die jungen Menschen keine gemeinsame Sprache finden, dann ersetzen sie die Kommunikation mit einem Lächeln. Und wenn dann wieder irgendwo gesungen wird, kann sowieso jeder mit in die Hände klatschen.
Man gewöhnt sich an diese Fröhlichkeit. Doch immerhin: die Jugendlichen haben anstrengende Anreisen hinter sich, kämpfen mit Jetlag, mit Massenquartieren ohne jeden Komfort, mit langen Wegen in überfüllten Verkehrsmitteln, mit verpassten Mahlzeiten, mit stundenlangem Warten, mit Großveranstaltungen ohne Sitzmöglichkeiten. Und sie müssen anstehen für das Trinkwasser, das bei Temperaturen gegen 40 Grad völlig unentbehrlich ist.
Man gewöhnt sich auch an diese Friedlichkeit. Doch immerhin: oft sind es nur wenige hundert Meter bis zu den demonstrierenden Krawallmachern. Und immerhin: man hält im restlichen Europa seit einiger Zeit den Atem an wegen randalierender Jugendlicher und hilfloser Polizei. Man überlege sich für einen Moment, diese Hunderttausenden von Jugendlichen würden – aber das tun sie ja nicht. Darauf kann man sich verlassen.
Der Weltjugendtag sei ja nur eine Art christliches Woodstock, wurde im Vorfeld moniert. Warum denn nicht? Ein friedliches und fröhliches christliches Festival wäre doch schon ein Wert an sich. Aber schaut man genauer hin, entdeckt man Tieferes. Da hat sich gestern ein junger Erwachsener spontan dazu entschieden, seine verpasste Firmung nachzuholen. Er wird sie heute von einem Bischof empfangen. Da bekannte eine Pilgerin in der Katechese mit Kardinal Schönborn vor tausend Jugendlichen, dass sie sich nun taufen lassen wird.
Doch da ist noch mehr, noch Tieferes, und es muss einmal thematisiert werden: die jungen Pilger beten. Mitten in dem Trubel gehen sie in die Kirchen, immer wieder herrscht dort gesammelte Stille. In den normalen Kirchen, wohlgemerkt. Denn in den extra für die Anbetung reservierten Kirchen trifft man auf ein völlig unerwartetes Problem: Sie sind überfüllt. Man kommt nur unter großen Schwierigkeiten hinein.
Der Weltjugendtag ist mehr als nur ein christliches Festival. Er ist Himmelsfenster. Alles ganz normal?

Petra Lorleberg


Kath.net v. 19.8.11Madrid im August – brütende Hitze. Unser Taxifahrer erzählt uns, auf der Fahrt vom Flughafen ins Zentrum, normalerweise sei die Stadt um diese Jahreszeit wie ausgestorben. Die Madrilenas fliehen vor der Hitze ans Meer.


Aber diesmal ist alles anders. Je näher wir zum Stadtzentrum kommen, umso mehr Jugendgruppen ziehen an uns vorbei. Bunte Kleider, viele Fahnen aus allen Teilen der Welt, witzige Hüte und vor allem eines sehen wir sofort: unendlich fröhliche, strahlende, lachende, junge Gesichter. Vergessen ist der graue Alltag zu Hause, die Sorgen, die Probleme. Hier herrscht Fröhlichkeit vor, freudige Erwartung und ein tiefer Geist der Gemeinschaft. Wir sind wie eine große Familie, die Familie der Weltkirche und wir warten auf unseren Vater, den wir lieben und verehren, unseren Papst.
Egal wo wir hinkommen, kaum sieht man andere Weltjugentagsteilnehmer, lächelt man sich zu, kommt ins Gespräch, falls die Sprachen zu verschieden sind, dann mit Händen und Füßen oder jubelt sich fahnenschwenkend von einem U-Bahn-Bahnsteig zum anderen zu. Brasilianer singen mit Italienern, mit Afrikanern, mit Kubanern, mit Australiern, mit Mexikanern, mit Amerikanern, natürlich auch mit den Spaniern und vielen anderen.
Was hören wir von zu Hause? Es wird wenig berichtet in den Medien und wenn, dann über die vielen Gegendemonstranten, die angeblich hier sind. Wir sind erstaunt, wo stecken sie? Wir haben von ihnen gehört, es sollen tausende sein aber sie tauchen nirgends auf.
Gottseidank, plötzlich sehen wir ein kleines Grüppchen von ihnen, ca. 7 Personen, die verbissen zu Boden schauend, mit seltsamen T-Shirts durch die Reihen der Millionen begeisterten Gläubigen, gehen. Niemand nimmt von ihnen Notiz.
Und dann kommt endlich der Papst. Am Alcala Tor steht unser Vater. Bescheiden, schüchtern winkt er den Millionen zu. Alle Straßen sind verstopft. Unendliche Begeisterung. Der Hauptruf dieser Tage erschallt zum hundertsten Mal: Esta es la juventud del papa – Hier ist die Jugend des Papstes! Sie ist gekommen, aus allen Teilen der Welt und sie jubelt bei seinen Worten auf.
Es sind ernste Worte: Wir sollen uns nicht dem Mainstream der Welt anpassen, wir sollen uns nicht mit dem Mittelmaß zufrieden geben sondern nach Heiligkeit, nach der wahren Größe im Herrn, streben. Wir sollen die Kirche lieben und ihr treu sein, denn Christus können wir vorzüglich nur innerhalb der Kirche begegnen.
Die Jugend versteht und sie liebt ihren Papst für seine klaren Worte. Er fordert – sogar beim letzten Treffen, kurz vor seinem Heimflug. Er trifft die fast 30.000 freiwilligen Helfer, um ihnen zu danken aber auch um noch mehr von ihnen zu fordern. Er entschuldigt sich dafür aber er meint, er wäre nicht der Papst und würde seiner Sendung untreu werden, wenn er nicht fordern würde, darum geht hinaus in die Welt, zurück in Eure Heimatländer und Pfarren und verkündet, was Ihr gesehen habt, dass Ihr Christus in seiner Weltkirche begegnet seid und entzündet bei denen, die nicht kommen konnten, bei denen die vielleicht in Dunkelheit sitzen, das Feuer der Liebe Christi zu seinen Kindern. Unglaublicher Jubel braust auf. Der Papst ist selber überwältigt. Der Kardinal von Madrid wird später sagen, der Papst hatte Tränen in den Augen, als er endgültig abreisen musste. Die Jugend hört auf seine Stimme und seine Worte fallen sichtbar, wie Samen auf fruchtbares Land. Die Kirche lebt, sie hat Zukunft und sie ist jung.
Bei der Vigil am Samstagabend braust plötzlich ein Sturm auf. Der Papst wollte gerade mit seiner Homilie beginnen. Plötzlich peitscht ein unglaublicher Schüttregen über das Flugfeld der 4 Winde. Der Sturm reißt Zelte nieder. Der Papst sitzt zusammengesunken auf seinem Thron.
Er wirkt so klein und zierlich, fast zerbrechlich aber er lächelt und seine Augen schweifen in die Ferne. Sein Redemanuskript wellt sich und löst sich in seinen Händen langsam auf.
Helfer versuchen ihn notdürftig mit Schirmen zu schützen. Keine Chance, auch der Papst ist durchnässt und durch den Sturm wankt die große Altarbühne bedenklich. Zweimal bitten Sicherheitsleute den Papst sich zurückzuziehen, er aber weist das kategorisch von sich. Er bleibt bei seiner Jugend, er hält aus, wenn sie aushalten und sie danken es ihm mit Jubelrufen, die sogar das Brausen des Sturmes übertönen.
Als sich die Naturgewalten endlich beruhigen dankt der Papst den weit über eine Million Gläubigen, dass sie bei ihm geblieben sind und dem Regen getrotzt haben. Welch großes Beispiel für die Weltkirche, auch gegen die Stürme unserer Zeit, steuert der Papst das Schiff der Kirche und seine Kinder bleiben bei ihm – wollt auch Ihr weggehen, fragt Jesus seine Jünger – Herr, wohin sollen wir gehen, nur Du hast Worte des ewigen Lebens, antworten diese.
Heute ist dieses Bild lebendig geworden. Auf einem Flugfeld vor den Toren Madrids. Die Jugend der Welt lässt sich nicht beirren, durch die Zurufe der Unzufriedenen, der ewig Nörgelnden, der Initiativler jedweder Couleur.
Zwei Millionen sind es am letzten Tag bei der großen Abschlussmesse. Die Weltkirche hat ihr Haupt erhoben. Christus hat sich uns gezeigt, in seiner Kirche. Und die Kirche ist jung, sie ist begeistert, sie ist treu und sie will glauben und aufbauen, nach vorne gehen, der Heiligkeit zustreben. Die Kirche ist kein Auslaufmodell, sie hat Zukunft – hier ist die Jugend des Papstes, des Stellvertreters Christi. Hören auch wir auf ihn und auf die Kirche und folgen wir ihrem Triumphzug bis zur Wiederkunft des Herrn!

Christof T. Zellenberg
Der Autor ist Direktor für Russ?land u. Osteuropa in Wien für eine internationale Bankengruppe und Mitarbeiter von www.kath.net

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