VISION 20006/2011
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Keuschheit: anspruchsvoll – und befreiend

Artikel drucken Ein alternativer Lebensstil im Porno-Zeitalter

Keusch zu leben, ist keine leichte Sache in der sexgesättigten Welt unserer gegenwärtigen westlichen Kultur. Es ist unmöglich, durch ein Einkaufszentrum zu gehen, sich dem Computer oder dem Fernsehen zuzuwenden, einen Blick auf Annoncen zu werfen oder sich in einer Buchhandlung umzusehen, ohne mit sexuellen Bildern jeder Art bombardiert zu werden.
Pornographie war nie stärker verbreitet, fast bis zu epidemischen Ausmaßen. Sie verdunkelt die authentische sexuelle Ausdrucksweise und fördert Selbstbefriedigung, sexuelle Intimität außerhalb der Ehe und die Trennung der Leben spendenden und Liebe schenkenden Bedeutung sexueller Beziehungen. Die Herausforderung, unter diesen Umständen keusch zu leben, ist schwer für jeden: ob alleinlebend, verheiratet oder gottgeweiht. Die Welt um uns fördert verzerrte Vorstellungen über unseren Leib und über unsere Beziehungen – Vorstellungen, die bewirken können, dass Menschen ihr Gleichgewicht verlieren, und die zulassen, dass schädliche Anschauungen von Sexualität Einfluss gewinnen.
(…)
Die Keuschheit drückt die Achtung für andere Menschen und für ihre Fähigkeit zur Selbsthingabe aus. Sie verbürgt uns, dass wir um unser selbst willen geliebt sind und dass wir andere um ihrer selbst willen lieben, und nicht nur wegen des Vergnügens, das sie bereiten können.
In einer Kultur, die alle Dinge sofort haben will, lehrt uns die Keuschheit zu warten. Wollen wir sexuelle Betätigung jetzt sofort oder wollen wir etwas mehr, auch wenn es mehr Zeit verlangt, dies zu bekommen? Keusch zu leben bedeutet nicht, dem Druck nachzugeben, der von Freunden kommen kann, die meinen, sich in sexuelle Beziehungen einzulassen, drücke Männlichkeit oder Weiblichkeit aus.
Das heutige Vorurteil gegen die Keuschheit ist besonders verwirrend wegen der in ihm liegenden Sicht der Geschlechtlichkeit: dass wir nämlich jeden anderen zum Vergnügen „abschleppen“ können. Das ist nicht nur ein Angriff auf die Würde der benutzten Person, sondern es hält auch den, der einen anderen benutzt, in den Fesseln dieses Verhaltens, und das verursacht körperlichen, emotionalen und psychologischen Schaden.
Ferner darf die versklavende und süchtig machende Wirkung der Pornographie, besonders im Internet, nicht bagatellisiert oder leicht genommen werden, auch wenn sie weit verbreitet ist.
Die Keuschheit verlangt dauernde Disziplin. Sie bedeutet die rechte Ordnung unserer Herzen: Gib Gott den Vorrang, und alles andere wird folgen! Keusch zu leben bedeutet, entsprechend dem Plan zu leben, nach dem Gott uns geschaffen hat. Die Anstrengungen, den Geschlechtstrieb zu beherrschen, führen Männer und Frauen allmählich zu sexueller Reife und bringen inneren Frieden.
Keuschheit ist eine dauernde Herausforderung. Heute keusch zu leben, bedeutet gegen den Strom zu schwimmen! Wir sind berufen, Jesus zu folgen und so der gängigen Kultur zu widerstehen. Wenn wir Gelassenheit und Freude finden wollen, müssen wir in Übereinstimmung mit dem Willen Gottes leben. Er hat uns geschaffen nach Seinem Abbild, und wenn wir in Übereinstimmung mit Seinen Geboten leben, werden wir glücklich sein. Natürlich: Jesus hat nicht gesagt, dass es leicht sein wird. In der Tat sagte er: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mk 8,34).
Keuschheit ist eine Herausforderung – aber sie ist nicht unmöglich. Wir können uns mit Freunden umgeben, die ebenfalls in keuscher Weise leben wollen, mit Menschen, die uns auf unserem Weg unterstützen wollen. Wir können uns schamhaft kleiden, in der Erkenntnis, dass wir alle nach dem Bild und Gleichnis Gottes geschaffen sind und dass unser Leib heilig ist.
Wir können klug auswählen, womit wir uns vergnügen, indem wir schauen, was den menschlichen Geist aufbaut und Wahrheit, Schönheit und Güte ausdrückt. Insbesondere können wir unsere Einheit mit Christus leben, indem wir regelmäßig die Sakramente empfangen, besonders das Sakrament der Versöhnung.
Die Übung, nicht nur unsere Sünden der Unreinheit zu beichten, sondern auch mit unserem Seelenführer unsere Versuchungen zu besprechen, kann helfen, Geist und Herz zu reinigen. Das kann uns Demut lehren, die wir brauchen, um unsere Schwachheit anzunehmen, während uns zugleich die Kraft des Herrn geschenkt wird, um in der Keuschheit zu wachsen.

Auszug aus „Pastoral Letter to Young People on Chastity“ der Kanadischen Bischofskonferenz in der übersetzten Fassung veröffentlicht in FMG-Information Mai 2011.

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