VISION 20001/2012
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Der Selige Carl Lampert

Artikel drucken Botschaft an uns (Von P. Gaudentius Walser OFMCap)

Sonntag, 13. November 2011 Feier der Seligsprechung des Märtyrers Provikar Dr. Carl Lampert in der Pfarrkirche Dornbirn (Vorarlberg), wo er von 1918 bis 1930 als Kaplan gewirkt hatte. Die Teilnahme des Volkes war erhebend, getragen von Freude und Dankbarkeit! Große Konzelebration: 31 Bischöfe mit Kardinal Angelo Amato, der im Namen von Papst Benedikt XVI. das Seligsprechungs-Dekret verkündet hat. Carl Lampert besiegelte sein Martyrium mit der Erkenntnis: „Ich liebe meine Kirche. Ich bleibe meiner Kirche treu und auch dem Priesteramt. Ich halte zu Christus und liebe die Kirche Jesu!“
Carl Lampert, ist am 9. Jänner 1894 in Göfis bei Feldkirch geboren , dem „Sonnendorf“, aus dem 49 Priester und 71 Ordensfrauen stammen. Da der Ortspfarrer Mayer schwer krank war, versorgte als „Vicarius“ ein Kapuziner, P. Laurentius Eller aus Graun (Südtirol) die Pfarre. Carl war seine erste Taufe. Von P. Laurentius wird überliefert, dass er sehr viel betete für die Heiligung der Priester!
Carl stammte aus einer einfachen, armen Bauernfamilie mit sieben Kindern, von denen drei im Kindesalter gestorben sind. Sein Vater war Stückwerker, eine harte Arbeit, und betrieb daneben eine kleine Landwirtschaft. Der Bruder von Carls Mutter war Dekan Josef Amann in Bregenz. Da Carl in der Volksschule der beste Schüler war, hat der Onkel dafür gesorgt, dass der Bub in das Gymnasium von Feldkirch kommt.
Seine Gymnasialstudien schloss Carl 1914 mit der Matura in Feldkirch ab. Gefördert durch seinen Onkel und dank des Gebets der Mutter, die sehr für den Sohn geopfert hat, kam Carl dann in das Priesterseminar nach Brixen. Dort hat er die philosophischen und theologischen Studien glänzend bestanden und 1918 abgeschlossen.
Fürstbischof Franz Egger erteilte ihm die Priesterweihe in Brixen am 12. Mai 1918. Im selben Jahr wurde er Kaplan in Dornbirn. Dort unterrichtet er in mehreren Schulen. Er war sehr beliebt. Ich selbst war jahrelang in Dornbirn und habe viele Leute gekannt, die bei ihm in die Schule gegangen sind oder ihn als Jugendseelsorger erlebt hatten. Alle waren beeindruckt von seiner Offenheit, Geselligkeit, Menschlichkeit und Fröhlichkeit. Er war ein ausgezeichneter Prediger und Sänger.
Ich bin 1936 Ministrant geworden und habe öfter bei ihm ministriert und war dabei sehr beeindruckt von seiner verinnerlichten Art des Zelebrierens. Seine fulminanten Predigten haben mir tief imponiert. Er hat sicher zu meiner Priesterberufung beigetragen.
Der Salzburger Erzbischof Sigismund Waitz sandte Lampert 1930 nach Rom zum Studium des Kirchenrechtes. Dort wurde er sehr wegen seiner Liebenswürdigkeit, seinem Fleiß, seiner Gewissenhaftigkeit und Treue zur Kirche geschätzt. Wegen seines vornehmen Charakters wurde er „Carlo bello“ genannt! Er wurde Advokat der „Sacra Romana Rota“ und Sekretär der „Agentia Romana“, d.h. Vermittler des „Curien-Verkehrs“ der Österreichischen Diözesen mit dem Vatikan.
Erzbischof Sigismund Waitz berief Lampert 1935 nach Innsbruck zurück, als Offizial des kirchlichen Gerichtes. Mit dem Hereinbrechen des Nationalsozialismus kam es zu den ersten Spannungen.
Der neuernannte Bischof Paulus Rusch hatte Carl Lampert nämlich 1939 zum Provikar der Apostolischen Administratur Innsbruck-Feldkirch bestellt. Bischof Rusch selbst wurde von den Nationalsozialisten nie anerkannt, ja völlig ignoriert, quasi als nicht existent angesehen. Daher übernahm Provikar Lampert die volle Verantwortung für das Kirchengebiet im Auftrag von Bischof Rusch.  Der Gauleiter aber war Lamperts erklärter Feind. Kennzeichnend sein Ausspruch: „Mit diesem Pfaffen werde ich schon fertig werden.“ Öfter sagte er auch: „Der Kopf muss fallen.“ Hofer hat daher all die Leidensjahre Lamperts hindurch dafür gesorgt, dass dieser nicht mehr los­kommt und zum Tode verurteilt wird.
Die Nationalsozialisten hatten nämlich sofort bemerkt, dass Lampert durch seine Grundsatztreue und seinen Gerechtigkeitssinn den Nationalsozialismus durchschaut und den Leuten gesagt hatte, was da auf sie zukommt. Bei einer Primizfeier in seinem Heimatort – ich war damals dabei – wurde er von der Gestapo abgeholt und nach Bregenz zum Verhör gebracht. Da er auf seinen Grundsätzen beharrte, wurde ihm verboten, in seine Heimat zurückzukehren.
Man brachte ihn nach Innsbruck, wo er im Gefolge dreimal von der Gestapo verhaftet wurde. Das erste Mal, weil er als einziger gegen die Aufhebung des „Klosters der ewigen Anbetung“ protestiert hatte. Auf die Worte des Gauleiters: „Was tun denn die Weiber dort den ganzen Tag,“ gab Lampert ruhig die Antwort: „Sie tun das, was wir beide zu wenig tun: beten.“
Nachdem er also dreimal im Gestapogefängnis in Innsbruck inhaftiert worden war, wurde Lampert am 28. August 1940 in das KZ-Dachau eingeliefert und fünf Tage später in das gefürchtete KZ-Sachsenhausen-Oranienburg überstellt – für Lampert ein wahres Golgotha, mit schweren Folterungen! Das sei die schrecklichste, grausamste Zeit gewesen, die er je erlebt hat, wurde berichtet: Schikanen, Folterungen, Erniedrigungen. Fünfmal wurde er so zusammengeschlagen, dass er bewusstlos am Boden liegenblieb.
Kurz vor Weihnachten wurde er aber von dort nach Dachau zurückgebracht, wo er fast ein Jahr lang blieb. Ich habe später mehrere KZ-Priester kennengelernt. Sie berichteten, Lampert habe eine solche Glaubenshaltung, Menschlichkeit, Güte und Barmherzigkeit  ausgestrahlt, dass selbst die Lager-SS über diese Haltung und Charakterstärke erstaunt war.  
Im KZ Dachau waren sehr viele Polen, polnische Priester, die enorm schikaniert wurden. Und es war Lampert, der sich ihrer sehr angenommen, sie getröstet und viel – und zwar in lateinischer Sprache – seelsorglich unter ihnen gewirkt hat.
Anfang August 1941 kommt er von Dachau nach Stettin in Verbannung. Zunächst Aufenthalt im Karolusstift, wo er sich rasch mit dem örtlichen Klerus befreundete. Auf Betreiben von Gauleiter Hofer wurde er dort von einem Spitzel belästigt, um einen Vorwand für ein Todesurteil zu haben. Dieser erstellte ein „Lügenprotokoll“, das Carl Lampert neuerdings in das Gestapogefängnis brachte, wo am 20. Dezember 1943 das 1. Todesurteil verhängt wurde.
Im Jänner 1944 erfolgte die Überstellung in das „Reichskriegsgefängnis“ in Torgau. Grausam die Verhöre, unmenschlich die Beschimpfungen und Verurteilungen. Kommissar Trettin stellte ihm die Frage. „Was schätzen Sie höher: Hitlers Mein Kampf oder die Bibel?“ Die Antwort Lamperts: „Hitlers Mein Kampf ist Menschenwort und predigt den Hass! Die Bibel ist Gotteswort und predigt die Liebe!“
Generalstabsrichter Dr. Lueben hat das Todesurteil damals nicht unterschrieben... „Die Angeklagten (Lampert und zwei Kapläne) sind keine Verbrecher, ihre Tragik besteht allein darin, dass sie katholische Priester sind. Sie sind keines Verbrechens schuldig!“
So verzögerte sich die Hinrichtung, eine qualvolle Wartezeit: Die drei Priester (Lampert, P. Fried­rich Lorenz und Kaplan Herbert Simoleit) wurden nach Halle an der Saale gebracht und am 13. November 1944 enthauptet. Carl Lampert in seinem letzten Brief: „Liebe, was leidest du im Hass dieser Zeit, Hass dieser Zeit, wie quälst du die Liebe der Ewigkeit!“ Oft schreibt er in seinen Briefen: „Der Herrgott möge meinen Feinden verzeihen!“
Sein Martyrium – eine Leidenszeit von 4 Jahren – fand in der Seligsprechung am 13. November Anerkennung und Verehrung.
Inwiefern kann Carl Lampert ein Vorbild für unsere Zeit sein? Gerade heute, da die Kirche in einer solchen Krise, und zwar einer Glaubenskrise, steht, hat Carl Lamprecht etwas zu sagen. Die jetzige Krise hat ja nicht in erster Linie das Volk provoziert, sondern der Klerus. Wenn aber der Glaube sinkt, sinkt auch die Sittlichkeit. Sünden hat es immer gegeben. Dass man aber jetzt auch Verbrechen gegen das Leben sanktioniert, das ist neu. In dieser Situation hat uns Carl Lampert mit seinem unbedingten Eintreten für Wahrheit und Gerechtigkeit Wesentliches zu sagen.


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