VISION 20002/2012
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Auf Mission unter den Indios

Artikel drucken P. Alois Hoellwerth im Dienst an den an den Armen der Dritten Welt, vor allem den Kindern (Von Alexa Gaspari)

Sonntag Abend: Sendung „Lebensbilder“ bei Radio Maria. Mein Mann und ich haben P. Alois Hoellwerth von den „Missionaren der Diener der Armen der Dritten Welt“ und Michael Kain, den Österreichverantwortlichen der Bewegung, im Studio zu Gast. Er kommt aus Peru und wirbt hier für die Missionare, die in den Anden unter den Armen wirken. Der sympathische Jungpriester mit seinem ruhigen, liebevollen, überzeugenden Auftreten gefällt uns auf Anhieb – und ich beschließe spontan, ihn auch um ein Interview für VISION 2000 zu bitten.
So treffen wir uns am nächsten Tag in den Räumlichkeiten von „Missio“, wo er einen Termin hat. Dort setzen wir uns in der geräumigen Empfangshalle zu einem gemütlichen Gespräch zusammen. Ich bin gespannt zu erfahren, wie es den jungen Österreicher nach Peru verschlagen hat.
Zunächst aber zur Vorgeschichte des Missionars: Alois ist das dritte von fünf Kindern und kommt 1979 in Ried im Innkreis zur Welt. Aufgewachsen ist er in einem Dorf im Innviertel, Oberösterreich. Die Eltern sind sehr religiös und können ihm zunächst einen selbstverständlichen, natürlichen Glauben an Gott vermitteln, geprägt vom Familiengebet und der gemeinsamen Sonntagsmesse. Nach der Erstkommunion wird er Ministrant, ist von der Liturgie beeindruckt. Mit zehn kommt er, wie schon der Vater und seine Brüder nach Salzburg ins Borromäum, ins Internat. Am Wochenende ist er zu Hause.
Im ersten Internatsjahr geht er noch freiwillig und gern in die Frühmesse, liest während der geistlichen Lesung, die nach der Studierzeit angeboten wird, mit Begeisterung Heiligengeschichten. Rückblickend stellt er fest, dass Gott wohl schon damals eine geistliche Berufung in sein Herz gelegt hat. Das Ambiente dieses Jahres prägt ihn tief in seinem Inneren, mehr als ihm selbst klar ist.
Dann aber wendet sich mit 12, 13 Jahren das Blatt: Ab da haben die Gleichaltrigen, das Halbwüchsigenmilieu, die supercoole Musik das Sagen. Schon bald sind die Wochenenden von ausgiebigen, ausgelassenen Disco-Besuchen geprägt. Den Eltern zuliebe geht er zwar weiter am Sonntag in die Messe, ansonsten aber interessiert ihn nichts mehr an der Kirche. Er findet das alles, wie die meisten Gleichaltrigen, eher langweilig. Nach kurzer Überlegung fügt P. Alois hinzu: „Eine gewisse, scheinbar erfolglose Suche blieb aber wohl bestehen.“
Neben der Jugendszene interessiert er sich für Kunst, vor allem für Malerei. Nach der Matura winken Militär- oder Zivildienst. Da er erst einmal weg von allem Gewohnten, weg von zu Hause sein will, um Neues zu erleben, bietet sich ihm ein 14-monatiger Auslandzivildienst in Norddeutschland an: ein Friedensdienst, wie es genannt wird, in einem ehemaligen Konzentrationslager. Er war sich natürlich nicht wirklich bewusst, was da auf ihn zukommen würde, eine ernste Auseinandersetzung mit der Geschichte, vor allem mit großem Leid. Diese Konfrontation bringt den jungen Alois sehr zum Nachdenken über den Sinn des Lebens.
Andrerseits aber gibt es das Nachtleben mit der dortigen Jugend, die Tecno-Szene, viele feuchtfröhliche Feiern. Er bewegt sich in zwei sehr gegensätzlichen Welten. Damals ist sein Glaubensleben auf  „null“ – und dennoch ist da im Hinterkopf der Gedanke, die einzige Antwort auf das viele Leid in der Welt, müsste ein Gott sein, der Mensch geworden ist und sich aus Liebe zu den Menschen hingegeben hat. Aber wirklich daran glauben, kann er noch nicht.
Auf Grund verschiedener Umstände wird er von Gedanken der Sinnlosigkeit so geplagt, dass er eines Tages an allem verzweifelt und sein erstes Gebet als Anfrage formuliert: „Entweder gibt es einen Gott, der mich hört und mir heraushilft, oder es schaut traurig aus mit meinem Leben und ich sehe überhaupt keinen Sinn darin.“
„Da hat es dann einen Knackpunkt in meinem Leben gegeben,“ erzählt P. Alois und tut sich sichtlich schwer, die Glaubenserfahrung, die ihm damals geschenkt wurde, zu beschreiben: „Es war eine Begegnung, wo ich die Kraft des Glaubens, die Nähe und Liebe Gottes, die Kraft des Gebetes erfahren habe.“ Er spürt: Gott ist da, Er bedeutet nicht nur „bestenfalls eine Vertröstung auf später, nach dem Tod.“ Diese Erfahrung ist der Beginn eines sehr persönlichen Gebetslebens.
Nach dem Zivildienst geht es zurück in die Heimat. Kunststudium? Nein. Erst einmal bricht er – ohne den Kontakt zu seinen besten Freunden zu verlieren – seinen früheren Lebenswandel ab. Das Gebet bringt einen Umschwung ins  Leben. Er hat nun die Kraft, dort nein zu sagen, wo er bisher Mitläufer war und wie die meisten seiner Freunde das Glück im häufigen Discobesuch gesucht hatte. Im Rückblick meint er dazu nachdenklich: „Das Disco-Gehen ist eher zu einem Zwang ausgeartet. Keiner hat dort die Erfüllung gefunden. Es war fast wie vorgeschrieben.“
So will er nicht mehr weiterleben. Aber was soll er nun tun? Einer seiner älteren Brüder lebte damals schon im Kloster. Er schickt ihm die Adresse der „Gemeinschaft der Seligpreisungen“. Dort könnte er ein Jahr lang seinen Glauben vertiefen. Ja, das ist es! Was sein Glaube wirklich ist, das will er jetzt wissen. In der Gemeinschaft erlebt er, wie nahe Gott den Armen ist. Diese Nähe könnte zu seiner Berufung gehören…
 Dort hört er auch von der Gemeinschaft der „Arche“, die Jean Vanier gegründet hat und in der schwerstbehinderte Menschen mit nicht Behinderten in familiärer Umgebung zusammenleben. In einem der Arche-Dörfer wird er Assistent, wie das genannt wird. Fünf geistig behinderte Menschen leben hier gemeinsam mit drei bis vier Assistenten in familienähnlicher Atmosphäre. Einerseits geht es um die Pflege der Menschen, die darauf angewiesen sind, andererseits um ein gemeinsames Leben. Bei einer Einkehrwoche mit Jean Vanier überlegt er ernsthaft, ob das nicht sein Weg sein soll.
In dieser Zeit stößt er in einer Benediktinerabtei auf Rundbriefe der „Missionare der Diener der Armen der Dritten Welt“. Der Altprior der Abtei, ein Freund von P. Salerno, dem Gründer dieser Gemeinschaft, erzählt ihm voll Begeisterung von der Bewegung. Der junge Alois fühlt sich sofort vom Dienst an den Armen, den Straßenkindern, von den Zeugnissen der jungen Mitarbeiter, sowie von der einfachen, aber klaren Spiritualität der Missionare sehr angesprochen.
„Haben Sie da eine Berufung gespürt?“ frage ich. P. Alois gibt mir zu verstehen, dass er seine Berufung eher erst im Rückblick erkannt hat: „Der Punkt ist: In dem Augenblick, da ich in Norddeutschland so sehr die Leere in meinem Leben gespürt habe, habe ich in der Tiefe gewusst, dass es so nicht weiter gehen kann. Später habe ich im Rückblick gesehen, wie sich in den letzten beiden Jahren mein ganzes Leben zum Guten verändert hat. Denn da ist jemand, der mich begleitet, aber auch frü­her schon begleitet hat, ohne dass ich es wahrgenommen habe. Ich hatte bis dahin keine Verbindung zwischen Gott und meinem Leben gesehen. Ich dachte Gott geht mein Leben nichts an, Er ist ja viel zu weit weg.“
Die Erfahrung der wirksamen Nähe Gottes habe eigentlich alles verändert, wie er nochmals betont: „Wenn Gott mir wirklich so nahe ist, wenn das Leid des Mensch gewordene Got­tes am Kreuz nicht irgend etwas Abstraktes ist, sondern mit meinem Leben jetzt zu tun hat, wenn die Erlösung meine Erlösung hier und jetzt ist – ja, wenn das der Glaube ist, dann will ich mein Leben hingeben, um ein Mittel zu sein, damit auch anderen Menschen diese Erfahrung ermöglicht wird. Das war meine Berufung zum religiösen Leben.“
Er setzt sich also mit der Bewegung der Missionare in der Schweiz in Verbindung, bekommt Bücher zugeschickt, die ihn in seiner Absicht, sich das Werk näher anzusehen, bestärken. Ein Pater der Bewegung kommt zu einem Einkehrtag in die Schweiz und lädt ihn schließlich nach Spanien ein, wo sich in die Nähe von Toledo das Priesterseminar der Bewegung befindet.
Wieso nicht nach Peru, wo die Gemeinschaft wirkt? Verständnisvoll lächelnd, erklärt mir der junge Priester: „Man muss zuerst von Gott erfüllt sein, Ihm dienen wollen. Dann erst kann man sein Leben den Armen geben.“ Der Dienst an den Armen muss gleichsam Frucht der Ganzhingabe sein, klärt mich P. Alois auf. Insofern kann man die Bewegung der Missionare auch schon in Spanien kennenlernen. „Der Dienst an den Armen ist einfach eine Weiterführung der Nächstenliebe, die ich mit allen Brüdern und Schwestern in der Gemeinschaft lebe.“ Er betont: „Es gibt nicht: Dienst an den Armen auf der einen Seite und christliches Leben auf der anderen Seite. Wenn ich es nicht schaffe, meine Brüder im Gemeinschaftsleben zu lieben, ist auch meine Liebe zu den Armen nicht wahr. Und noch mehr hängt mein Dienst bei den Armen mit der Liebe zusammen, die ich für Gott habe.“
Er ist nun 23 und kommt in Spanien mit allem gut zurecht: mit der Spiritualität (das Kreuz annehmen, Christus nachfolgen), dem Gemeinschaftsleben (sehr international) und den drei Grundpfeilern der Bewegung: der Heiligen Eucharistie, der Jungfrau Maria und dem Papst.  
Dann aber geht es nach Peru. Zehn Jahre ist das nun her. Er kommt in Cusco, der ehemaligen Hauptstadt des Inkareiches an, wo die Gemeinschaft auf 3350 Metern ihren Hauptsitz hat. Sein erster Eindruck: „Man sieht oft Bilder von Armut im Fernsehen oder in Zeitungen, aber wenn man dann an Ort und Stelle ist, mit den Leuten in Kontakt kommt, ihre Hütten sieht, dann merkt man, dass die Bilder nicht an die Wirklichkeit heranreichen.“
Die ersten Besuche in den Behausungen der Indios zeigen ihm die große herrschende Armut: ein einziger Raum – meist ohne Einrichtung – dient den oft kinderreichen Familien zum Wohnen, Schlafen, Kochen – auch das Kleinvieh (falls vorhanden) hält sich dort auf. Als Alois P. Giovanni Salerno, den Gründer der Missionare, einen Monat nach seiner Ankunft in Peru kennenlernt, begrüßt dieser ihn schon von weitem fröhlich mit den Worten: „Die erste Blume aus Österreich!“ Ja, Alois ist auch bis jetzt der erste Österreicher, der in die Gemeinschaft eingetreten ist.
Zunächst lernt der künftige Missionar alle Tätigkeitsbereiche der Gemeinschaft kennen: Bei den Kindern, die in der Gemeinschaft leben und lernen, fängt er an. Es sind Waisen- und Straßenkinder, deren Schicksal Padre Salerno zu Beginn der 80er Jahre so nahe gegangen ist, dass er die Gemeinschaft gegründet hat. Wie oft hatte er Waisenkinder in entlegenen Hütten angetroffen, ganz allein ihrem Schicksal ausgeliefert?! Oder er war Kindern begegnet, die sogenannte Patrons – sie hatten den Eltern vorgetäuscht, für Ausbildung zu sorgen – wie Sklaven hielten und misshandelten, Mädchen, die von den eigenen Verwandten missbraucht wurden oder reichen Studenten zur Unterhaltung dienen muss­ten. „Viele der Mädchen, die jetzt bei uns leben, wären sonst zur Prostitution gezwungen worden,“ erzählt P. Alois. Viele Kinder müssen mit Straßenarbeit für den Unterhalt der Familie sorgen und sehen niemals eine Schule.
In diesem ersten Jahr des Erfahrung Sammelns erlebt P. Alois auf Missionsfahrten mit der Wandermuttergottes die unglaubliche Armut der einheimischen Familien in den Dörfern. Er begegnet aber auch dem zum Teil tiefen Glauben der Indios. „Der Glaube der einheimischen Bevölkerung ist beeindruckend. Es ist ein einfacher Glaube, der ihnen rasch einen Zugang zum Gebet ermöglicht. Wenn ihnen jemand das Evangelium verkündet, finden sie schnell einen direkten Draht zu Gott, auch zum Sakrament der Versöhnung, vor allem die Kinder. Auch ihre Gastfreundschaft ist umwerfend. Da wird sofort nur das Beste für die Missionare aufgeboten, einfach berührend!“ Dem junge Alois wird klar, wie sehr die Armen Menschen brauchen, die ihnen von Gott erzählen.
Alles was er gesucht hatte, findet er nun hier: den Dienst an den Armen verbunden mit einem einfachen geistlichen Leben. Daher ist nach diesem ersten Aufenthalt in Peru klar: Das ist sein Weg, seine Berufung. Er möchte bei den „Missionaren Diener der Armen der Dritten Welt“ eintreten und Priester werden, Gott in seinem Leben wirken lassen. Daher sind auch seine nächsten vier Jahre der Priesterausbildung in Spanien und weitere zwei dem Studium in Rom gewidmet. Seit 2010 lebt er nun in Cusco. Am 3. Juli 2011 wurde er im Beisein seiner Familie und seiner Freunde in der Kathedrale von Toledo zum Priester geweiht.
Über seine Bewegung erzählt er mir nun: Gegründet wurde sie von P. Salerno, der dem Wunsch der Kirche nachkommen wollte, die Kirche unter den Allerärmsten gegenwärtig zu machen. Heute bestehe sie aus verschiedenen Gemeinschaften von Gläubigen, die sich durch Versprechen binden: Priester, Seminaristen, zölibatäre Brüder, Schwestern, sowie Missionars­ehepaare. Einige Brüder leben kontemplativ. Jede Gemeinschaft hat ihr eigenes Zentrum. Missionarische Tätigkeiten außer­halb der Heime werden sowohl von Schwestern als auch von Brüdern und Priestern ausgeübt. Derzeit leben 12 Missionarsfamilien, etwa 100 Schwestern, 15 Priester, 2 Diakone, 11 Seminaristen in den Gemeinschaften. Ihre Ordensregel baut auf der Hl.  Schrift, vor allem den Evangelien und dem Buch der Nachfolge Christi des Mystikers Thomas von Kempen auf.
Wie viele Kinder werden denn ungefähr betreut?“ erkundige ich mich. Da sei zunächst die „Bubenstadt“, erzählt P. Alois, mit einem Missionszentrum, einem Kinderheim, einer Schule, Werkstätten zur Berufsausbildung (Bäckerei, Tischlerei, Keramikwerkstätte). 200 Buben kommen in die Schule, 40 leben intern dort. Dann die Schule für Mädchen mit über 350 Schülerinnen, die dort zu essen bekommen. Mehr als 40 von ihnen wohnen im Internat. Die Mitglieder der Gemeinschaft (Patres, Brüder,  Schwestern und Ehepaare) bemühen sich, den Kindern die Wärme einer Familie zu bieten, aber auch eine christliche Bildung zu vermitteln. P. Salerno schreibt in seinem lesenswerten Buch: „Das Fehlen der Zuneigung ist der furchtbarste Hunger.“ Den gelte es, so gut wie möglich zu stillen.
P. Alois ist derzeit für 17 Burschen im Kleinen Seminar verantwortlich: „Sie sind zwischen 13 und 18, sind aus Ministrantengruppen hervorgegangen und interessieren sich für eine Priesterberufung.“ Diese Berufung zu klären, sie gegebenenfalls zu fördern, zu unterstützen, gehört nun zu P. Alois schönen Aufgaben: „Ich glaube, es gibt genug Menschen, die schon in frühen Jahren eine Priesterberufung empfinden, sie aber nicht richtig wahrnehmen, weil sie mit niemanden darüber reden können,“ weiß er ja aus eigener Erfahrung.
Wie spielt sich nun aber die Mission in den Dörfern ab und wie kommt man dorthin? „Sind die Missionare noch wie einst P. Salerno mit dem Pferd in unwegsame Gebiete, die von niemanden sonst aufgesucht werden unterwegs?“ frage ich mein Gegenüber. Er beruhigt mich: „Jetzt fahren wir meistens zwei, drei Stunden mit dem Jeep. Dann geht es meist auch noch eine Strecke zu Fuß. Selten, dass Pferde benötigt werden. Wir gehen immer mindestens zu zweit oder zu dritt auf Mission, Priester, Brüder oder kleine Seminaristen. Dort geht es dann nicht um große Aktivitäten, die Leute schauen vielmehr auf unser christliches Zeugnis, auf die Einheit, die wir bilden, die christliche Liebe und das Gebet, das wir leben und darauf, wie wir ihnen unsere Gaben bringen. Das strahlt auf die Menschen aus und bewirke, dass sie uns vertrauen, betont P. Salerno immer wieder.“
Vor allem für die Kinder, die verwahrlost, ausgesetzt, ausgebeutet waren, ist es ein wichtiges Zeichen, dass es da Männer und Frauen gibt, die zu ihnen stehen, die ihr Leben für ihre Sicherheit und Geborgenheit hingeben. „Wie lange bleibst du noch?“ ist eine immer wieder gestellte Frage der Kinder, erzählt P. Alois, der sich schon darauf freut, seine Schützlinge  bald wiederzusehen.
Es berührt die Menschen in den Dörfern, wenn sie feststellen, dass es Menschen gibt, die ihre Zeit, ihr Leben für sie einsetzen, die jeden von ihnen so ernst nehmen, als sei er der Einzige. So hat P. Alois z. B. die Weihnachtstage des vergangenen Jahres in zwei Andendörfern bei den Indios verbracht. Ein schöne Zeit. Die Patres empfinden überhaupt kein Überlegenheitsgefühl gegenüber den Armen, das merke ich an P. Alois liebevoller Art: „In Wahrheit, werden wir weit mehr von den Armen beschenkt, als wir ihnen geben können. Ihnen verdanken ich ja meine Berufung. “
Die Kraft für dieses Werk wird in der täglichen gemeinsamen Heiligen Messe, der Anbetung, den gemeinsamen und auch stillen Gebetszeiten gesucht, „um nicht dem Aktivismus zu verfallen“, wie der Pater betont. „Es braucht die enge Gottesbeziehung, um das leben zu können. Wenn ich nicht meinen Glauben hätte, wüsste ich gar nicht, was ich den Armen dort sagen könnte. Das Beste, was ich ihnen geben kann, ist der christliche Glaube. Viele meinen, man sollte zuerst das Elend beseitigen – eine Idealvorstellung, die leider nie zustande kommt – und den Armen erst dann den Glauben verkünden. Das ist total verkehrt. Wenn wir den Armen nicht zuerst Gott bringen – es ist übrigens das Erste, was sie von uns erwarten – dann machen wir sie noch ärmer. Die Armen müssen durch uns erfahren, welche Liebe Christus für jeden von ihnen hat. Viele Indios nehmen lange Fußmärsche auf sich, nur um einen Priester zu sehen. Und außerdem: Wenn ich zu den Armen gehe, um ihnen das Evangelium zu bringen, dann hat dies ohnedies zur Folge, dass ich bei ihnen bleibe und versuche, ihre Situation zu verbessern oder, wenn möglich, zu lösen. Es gibt allerdings schreckliche Situationen, wo es uns an Worten fehlt. Dann bleibt uns immer noch, in der Kraft des christlichen Glaubens bei ihnen zu stehen, mit ihnen auszuharren, ihnen zu dienen mit dem, was wir haben: dem eigenen Leben.“
Kann man nicht angesichts dieses Elends und der Ungerechtigkeiten an Gott verzweifeln? Die Antwort kommt prompt: „Ich sehe das gerade umgekehrt. Wenn ich Gott nicht hätte oder mit ihm hadern würde, hätte ich keine Kraft, um bei den Armen zu sein. Daher: Wenn Gott mir die Kraft gibt, diesen Dienst in allen möglichen und unmöglichen Situationen bei den Armen zu machen, dann eben, weil Gott die Armen besonders liebt. Gott hat ja nicht die Armut, das Elend geschaffen. Gott hat diese Welt mit allem Schönen und Guten erschaffen. Die Armut und das Elend haben wir verursacht. Liegt es nicht an uns, es wieder gutzumachen?“
Und P. Alois beschließt seine Überlegungen mit den Worten: „Wir fragen oft, was macht denn Gott für diese vielen Armen? Antwort: Er hat uns gemacht: Jeder von uns hat die Möglichkeit, Werkzeug Gottes zu sein, um sich für die Armen, die Unterdrückten einzusetzen, um die Liebe Gottes, die besondere Liebe Gottes für die Armen der Welt sichtbar zu machen. Da kann wirklich jeder beitragen: z.B. durch Aufopfern von Leid, Schmerz oder Ärger für den Dienst der Missionare. Gott braucht uns alle.“
Kontakt: Familie Kain, Tel: 05442 67811; Msptm.oesterreich aon.at

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