VISION 20006/2012
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„Der Platz ist für Michi“

Artikel drucken Eine Geste, die uns sehr bewegt hat: (Robert Schmalzbauer)

Manchmal sind es nur kleine, ja winzige Dinge, die in unserem Leben eine tiefgreifende Veränderung bewirken. Für andere unbedeutend, ja beinahe lächerlich und doch, wahrscheinlich wegen ihrem Gehalt an Liebe, bedeutungsvoll. So ein unscheinbares Erlebnis hatten Michi und ich im dritten Ehejahr. Wir waren gerade in Frankreich in der Gemeinschaft Verbe de Vie, wo wir mit unseren beiden ersten Kindern, damals noch ganz klein, ein Ausbildungsjahr machten. In dieser Gemeinschaft lebten Priester, zölibatäre Brüder sowie Schwestern und auch Familien.
Bei einer gemeinsamen Mahlzeit war ich gerade beim Löffeln meiner Suppe, als Michi überraschend dazu kam. Sie war bei den Kindern gewesen und als sie eingeschlafen waren, hatte sie sich entschlossen, doch mit uns zu essen. Neben mir saß eine Ordensfrau. Als sie merkte, dass Michi hereinkam, packte sie ihren Teller und setzte sich auf einen anderen Platz. Michi war das sehr unangenehm. Sie wollte nicht, dass sich die Schwester beim Essen stören ließ, doch diese bestand darauf: „Der Platz neben Robert gehört Michi!“ Irgendwie ist das klar und doch, dass eine geweihte Person aufsteht um unsere Ehe zu achten, war absolut ungewohnt.
Kurz darauf gab es ein Einkehrwochenende für Familien. Bei den bisherigen Wochenenden für Jugendliche, Singles, Kinder, Priester, Erwachsene waren wir immer voll im Einsatz. Doch diesmal sollte es anders sein. Der kleine Akt der Schwester kam zu seiner Entfaltung. Es war umwerfend zu erleben, mit wieviel Liebe wir in diesen Tagen verwöhnt wurden – einfach „nur“, weil wir Familie waren. Mit dieser selbstverständlichen Achtung wurde uns die Würde und Größe der Berufung „Ehe“ vermittelt.
Nochmals, der Platzwechsel der Ordensfrau, mag auf den ersten Blick lächerlich klingen, aber dahinter war etwas unbeschreiblich Schönes zu lesen: Ihre Störung war weniger wichtig, als das Beisammensein des Ehepaares. Sie als gottgeweihte Person wollte uns dienen – nicht wegen einer besonderen Leistung, sondern wegen unserem Wert als Ehepaar und Familie.
Johannes Paul II. und Papst Benedikt verkünden, wie bedeutend  Ehe und Familie für unsere Zeit sind: „Die Zukunft der Menschheit führt über die Familie!“ (JPII) Sie ist erste Zelle der Liebe und des Lebens. Sie ist missionarisch, zuallererst durch ihr Sein! Wenn sie wahrhaft ihre Berufung lebt, können andere Menschen – zuerst natürlich die eigenen Kinder – die Liebe Gottes sehen und erfahren!
Im Dienst der andern an uns haben wir verstanden, wer wir sind. Das hat uns geprägt, unserem Leben eine neue Richtung verliehen. Wir haben die Freude am Ehe- und Familie-Sein entdeckt!
Diese Erfahrung war so groß, dass wir sie nicht für uns behalten wollten. So ist der Dienst an den Familien unsere Lebensaufgabe geworden. Ehe und Familie, du bist kostbar und wertvoll. Das ist die Basis unserer Familiennachmittage der Gemeinschaft Immaculata, vom Jungfamilientreffen in Pöllau und der Angebote der Initiative Christliche Familie.



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