VISION 20002/2013
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Garant der Wahrheit

Artikel drucken Milde und Güte als Markenzeichen (Gabriele Kuby)

Papst Benedikt XVI. legt sein Amt nieder, der zweite Papst in der Geschichte der Kirche, der lebend aus dem Amt scheidet. Ich hatte damit gerechnet, seit sein Bruder Georg vor nicht allzu langer Zeit andeutete, es sei durchaus denkbar, dass sein Bruder zurücktrete, wenn seine Kräfte nachlassen.
Als ich dem Heiligen Vater am 31. Oktober 2012 gegenüber stand, war ich getroffen von seiner Zerbrechlichkeit. Er schien nur noch Geist zu sein, der mit äußerster Anstrengung und völliger Hingabe seine Pflicht erfüllte, einige Dutzend Menschen persönlich zu begrüßen.
Dennoch habe ich gehofft, dass er noch bleibt. Sein Glaube, sein überragender Geist, der splendor veritatis seiner Sprache, seine Demut, seine Standhaftigkeit, seine Bereitschaft, das schwere Kreuz zu tragen, das dieses Amt ihm auferlegte, waren ein Licht, das über die ganze Erde leuchtete und weiter leuchten wird.
Dass sein eigenes Volk ihn mit ununterbrochenem medialem Trommelfeuer be­kämpft und geschmäht hat, daran dürfte der überaus feinfühlende Mensch Joseph Ratzinger mit am meisten gelitten haben. „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“, heißt es im Johannes-Prolog über den Sohn Gottes. Als dessen Stellvertreter hat er sein Schicksal geteilt. Wie Jesus hat er Verrat erlitten durch einen, den er „wie einen Sohn“ geliebt hat.
In seiner Rücktrittserklärung sagt Papst Benedikt: „Ich bin mir sehr bewusst, dass dieser Dienst wegen seines geistlichen Wesens nicht nur durch Taten und Worte ausgeübt werden darf, sondern nicht weniger durch Leiden und durch Gebet.“ Natürlich hat er zu allen Zeiten seines Lebens gewusst, was es verlangt, mit vollständiger Hingabe in der Nachfolge Christi zu stehen. Das Leiden wird dadurch nicht weniger schmerzhaft, aber das Wissen um seine Fruchtbarkeit gibt die Kraft, es zu tragen.
Papst Benedikt XVI. hat die Gläubigen unermüdlich dazu aufgerufen, in eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus einzutreten, aus dieser Liebesbeziehung tatsächlich zu leben. Das ist ohne Gebet, ohne Wissen, was wir glauben, nicht möglich. Sein letzter großer Versuch, in den Menschen die Bereitschaft zu wecken, dem Herrn, der anklopft, die Tür zu öffnen (Off 3,20), war die Ausrufung des Glaubensjahres. Aber es ist in Deutschland ein Ruf ohne Echo. Die Kirche, gelähmt durch staatlich garantierten Reichtum, bürokratische Apparate, Lavieren mit der Wahrheit und Heidenangst vor den Medien, scheint nicht mehr durchlässig zu sein für die inspirierten Wegweisungen ihres obersten Hirten. Verweltlichung – was ist das?, fragen jene, die in der Welt sind und von ihr.
Dies war ein Papst, dessen Geist in einem ununterbrochenen Strom als „cooperator veritatis“ mit Milde und Güte die Menschen auf den schmalen Weg zu Gott gewiesen und gezeigt hat, dass dieser Weg tatsächlich begehbar ist. All die Kritiker und Reformer, die die Kirche dem Zeitgeist anpassen möchten, rufen die Menschen auf den breiten Weg. Dieser hat nur den Nachteil: er führt nicht zu Gott. Der Philosoph Dietrich Hildebrand sah dies „als den großen säkularen Irrtum unserer Zeit: die Vorstellung, dass die Religion dem Menschen angepasst werden sollte und nicht der Mensch der Religion.“
Wenn es einen Menschen gibt, der die Pflicht erfüllt, die er als Willen Gottes erkennt, dann ist das Joseph Ratzinger. Auch diese revolutionäre Entscheidung, hat er, nachdem er sein Gewissen wiederholt vor Gott geprüft hat, ganz gewiss nur getroffen, weil er zu der Erkenntnis gekommen ist, so der Kirche am besten zu dienen. Er tritt von der sichtbaren Bühne ab und lässt uns wissen, dass er in der Verborgenheit mit gleicher Hingabe sein Leben für die Kirche aufopfert. „Was mich betrifft, so möchte ich auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen.“ Den Urbi et Orbi-Segen zu Ostern werden wir von einem neuen Papst empfangen. Es wird kein Deutscher sein, und das ewige überhebliche Genörgel deutscher Katholiken wird ins Leere gehen. Wie schade, dass wir die Chance verpasst haben, uns an diesem großen Papst aufzurichten!     


340 Audienzen, 1491 Ansprachen, 54 Reisen…

Der Heilige Vater verfasste während dieser Zeit 17 Motu Proprio, 116 Apostolische Konstitutionen und 144 Apostolische Schreiben. Der Papst schrieb 278 öffentliche Briefe, etwa an katholische Kirchenvertreter, Patriarchen der östlichen Kirchen oder auch Staatspräsidenten. 242 Botschaften sandte der Nachfolger Petri in die Welt hinaus.
Ganz voran stehen die 3 Enzykliken, die weltweit auch von kirchenfernen Kritikern äußerst positiv aufgenommen wurden. Seine Jesus-Trilogie wurde in 20 Sprachen veröffentlicht und erreicht mit Millionenauflagen Gläubige in 72 Ländern.


Papst Benedikt XVI. leitete 352 liturgische Feiern, stand seiner Kirche in 340 Audienzen zur Verfügung (Auslandsreisen und Privataudienzen exklusive) und sprach 550 Personen selig und 39 heilig. Neben 27 besonderen öffentlichen Gebeten und 352 Predigten betete der Heilige Vater 452-mal den Angelus (bzw. Regina Coeli) mit den Gläubigen. In noch nicht einmal 8 Jahren hielt der mittlerweile fast 86-jährige Oberhirte sage und schreibe 1.491 Ansprachen.


Und als ob die Arbeit in Rom nicht aufreibend genug wäre, unternahm dieser Mann von zarter Konstitution während seiner Amtszeit 24 Papstreisen außerhalb Italiens (22 Länder) und 30 Reisen innerhalb Italiens.

Der 265. Papst der Kirchengeschichte gab bei den verschiedenen Begegnungen, die im Vatikan und in Castel Gandolfo stattfanden, mindestens 18 Millionen Menschen Hoffnung und Vertrauen. Nicht zu vergessen, sind die Treffen mit den Abermillionen von Gläubigen während seiner Reisen in Italien und der Welt.


Dieser Papst scheute keine Mühen, den Menschen zu begegnen und ihnen auch mit seinem schriftlichen Werk die Inhalte christlichen Glaubens näher zu bringen. Zuletzt erreichte der Heilige Vater 2,7 Millionen Internetnutzer, die seinem Twitter-Account folgten.
Kath.net v. 23.2.13

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