VISION 20002/2013
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Kein Präjudiz für den Nachfolger

Artikel drucken (Bischof Marc Aillet)

Ich glaube nicht, dass die Entscheidung des Papstes, den Weg für eine Neuregelung eröffnet, welche die Dauer des Dienstes für den Nachfolger des Petrus festlegt – und das aus mehreren Gründen: So hat der Papst in gewisser Weise auf seinen Vorgänger Bezug genommen und gesagt, dass der Petrus-Dienst nicht nur durch Worte, Handlungen und Werke geleistet werden kann, sondern auch durch Leiden und Gebet. Er hat damit den Mut Johannes Paul II. hervorgehoben, der trotz seiner krankheitsbedingten Beeinträchtigungen bis zum Ende die Stellung gehalten hat.
Gleichzeitig hat er klargestellt, es sei aufgrund seines Kräfteverfalls besser, möglichst schnell für seine Nachfolge zu sorgen, in einer Zeit, in der sich unsere Welt so rasch verändert. Das bringt keineswegs eine neue Spielregel für die Kirche. Denn der einzige, der seinen Dienst direkt von Christus übertragen bekommt, ist der Papst – wenn auch aufgrund der Wahl durch die Kardinäle.
Die Bischöfe hingegen werden vom Papst ernannt, auch wenn sie dadurch keineswegs Untergebene des Papstes, sondern Diener Christi werden. Da sie ihre Beauftragung vom Papst empfangen, können sie auch bei ihm ihren Rücktritt einreichen. Der Papst jedoch demissioniert nicht, sondern er verzichtet auf sein Amt – eine Entscheidung, die niemand annehmen muss.
Das bedeutet, dass der Papst dank seines Charismas unterscheiden kann, was Christus ihm unter den jeweils gegebenen Umständen nahelegt zu tun. Wir können annehmen, dass Christus Papst Johannes Paul II. eingeladen hat, bis zum Ende zu bleiben, Benedikt XVI. hingegen, vorzeitig sein Amt niederzulegen.

Msgr. Aillet ist Bischof von Bayonne, Lescar und Oloron (Frankreich), sein Beitrag ein Auszug aus einem Interview in L’Homme
Nouveau v. 2.3.13

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