VISION 20006/2013
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Habt Mut Euch zu binden

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Was ist die Ehe? Eine richtige Berufung, genauso wie es das Priesteramt und das Ordensleben sind. Zwei Christen, die heiraten, haben in ihrer Liebesgeschichte den Ruf des Herrn erkannt; die Berufung, aus zwei Menschen, einem Mann und einer Frau, ein Fleisch, ein Leben werden zu lassen. Und das Sakrament der Ehe umhüllt diese Liebe mit der Gnade Gottes, verankert sie in Gott selbst. Dieses Geschenk, die Gewissheit dieses Rufes ist ein sicherer Ausgangspunkt, man braucht sich vor nichts zu fürchten; gemeinsam kann man alles bewältigen!
Nehmen wir unsere Eltern, Groß- und Urgroßeltern: sie haben unter sehr viel ärmeren Bedingungen geheiratet, als wir sie heute haben, manche im Krieg oder in der Nachkriegszeit. Einige von ihnen sind ausgewandert, wie meine Eltern. Wo haben sie bloß die Kraft dazu gefunden? In der Gewiss­heit, dass der Herr bei ihnen war, dass Gott die Familie mit dem Sakrament der Ehe gesegnet hat, und dass auch die Sendung, Kinder in die Welt zu setzen und großzuziehen, gesegnet ist. Mit dieser Gewissheit konnten sie auch die schwersten Prüfungen bestehen. Es waren einfache, aber wahre Gewissheiten; und diese Gewissheiten bildeten die Säulen, auf die sich ihre Liebe stützte. Sie hatten kein einfaches Leben; es gab Probleme, viele Probleme. Aber diese einfachen Gewissheiten halfen ihnen, weiterzumachen. (…)
Nur auf diesem moralischen und spirituellen Fundament lässt sich gut und solide bauen! Diese Grundlage wird heute von den Familien und der sozialen Tradition nicht mehr gewährleistet. Im Gegenteil: die Gesellschaft, in die ihr hineingeboren wurdet, tritt nicht mehr für die Familie ein, sondern für die individuellen Rechte – die Rechte des Individuums –; sie gibt Beziehungen den Vorzug, die nur solange dauern, bis die ersten Schwierigkeiten auftauchen.
Und daher spricht sie von Zweierbeziehungen, von Familie und von Ehe oft auch auf oberflächliche, ja zweideutige Weise. Man muss sich nur gewisse Fernsehsendungen ansehen, dann sieht man, welche Werte das sind! Wie oft hören Priester – und das ist auch mir passiert –, wenn sie zu jungen Paaren, die heiraten wollen, sagen: „Euch ist klar, dass die Ehe für ein ganzes Leben ist?“, die Antwort: „Na ja, wir lieben uns schon, aber… wir bleiben solange zusammen wie die Liebe hält. Und wenn sie erlischt, dann gehen wir eben wieder getrennte Wege.“ Das ist purer Egoismus: wenn ich nichts mehr fühle, breche ich die Ehe ab und vergesse einfach, dass wir „ein Fleisch sind, das nicht getrennt werden kann.
(…) Das andere Problem ist die Kultur des Provisorischen: es scheint, als wäre nichts endgültig. Alles ist provisorisch. Wie ich bereits gesagt habe: solange die Liebe dauert. Einmal habe ich gehört, wie ein Seminarist – ein sehr guter übrigens – sagte: „Ich will Priester werden, aber nur für zehn Jahre. Dann überlege ich es mir wieder.“ Das ist die Kultur des Provisorischen, aber Jesus hat uns nicht provisorisch gerettet: er hat uns endgültig gerettet! Doch der Heilige Geist hat immer wieder neue Antworten auf die neuen Herausforderungen!
(…) Man darf keine Furcht davor haben, endgültige Schritte wie den der Ehe zu tun: vertieft eure Liebe, respektiert ihre Zeiten, ihre Ausdrucksformen, betet, bereitet euch gut vor, aber vertraut auch darauf, dass euch der Herr nicht allein lässt! Lasst ihn eintreten in euer Zuhause wie ein Mitglied eurer Familie; Er wird euch immer zur Seite stehen.
Ansprache des Papstes vor Jugendlichen vor der Basilika Santa Maria degli Angeli in Assisi am 4.10.13

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