VISION 20002/2014
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Er wird dir vorausgehen

Artikel drucken Über den Schutzengel (P. Nicolas Buttet)

Engel sind zwar wieder „in“, aber eher in esoterisch angehauchten Kreisen. In der kirchlichen Verkündigung kommen sie nur selten vor. Die Wenigsten wissen wohl, wozu Schutzengel gut sind. Gedanken dazu im folgenden Beitrag.

 Der erste Dienst unseres Schutzengels ist es, Gottes Angesicht zu schauen, Ihn zu loben und anzubeten. Er nimmt damit an der himmlischen Liturgie teil, jener Liturgie, in die das Gebet der Kirche hier auf Erden einstimmt. Bossuet hat einmal gesagt, dass „der Engel unseren Gebeten seine Flügel leiht, damit sie sich erheben, seine Kraft, um sie zu unterstützen, seine Inbrunst, um sie zu beleben.“

Weiters betet unser Schutzengel Jesus an, der auf dem Altar und im Tabernakel gegenwärtig ist. Der heilige Pierre-Julien Eymard stellte fest: „In eurer Unfähigkeit, Jesus im Allerheiligsten so anzubeten, wie Er es verdienen würde, ruft doch euren guten Engel an, diesen getreuen Begleiter eures Lebens. Er wird überglücklich sein, schon hier auf Erden das zu tun, was er mit euch auf ewig in der Herrlichkeit tun wird.“

Die erste Mission des Schutzengels ist es, die Person, die ihm von Gott anvertraut worden ist, zur Heiligkeit und zum ewigen Leben zu führen. „Ich werde einen Engel schicken, der dir vorausgeht. Er soll dich auf dem Weg schützen und dich an den Ort bringen, den ich bestimmt habe. Achte auf ihn, und hör auf seine Stimme! Widersetz dich ihm nicht! Er würde es nicht ertragen, wenn ihr euch auflehnt; denn in ihm ist mein Name gegenwärtig.“ (Ex 23,20)

Unser Schutzengel ist somit ein Werkzeug der Vorsehung Gottes für uns: Er ist „der Diener der Fürsorge Gottes für jeden und jede“ (Benedikt XVI.) – sowohl geistig wie leiblich. Er ist sowohl Beschützer wie Lehrer, Freund und Führer.

Ein besonderer Dienst unseres Engels besteht darin, uns zu helfen und uns im geistigen Kampf, den wir gegen die Versuchungen und den Versucher führen, zu verteidigen. Charles Péguy hat einmal einem Freund anvertraut: „Ich habe einen unglaublichen Schutzengel… Bei drei Gelegenheiten habe ich gespürt, wie er mich angepackt, mich herausgerissen hat aus etwas, was ich wollte, aus gründlich vorher überlegten Handlungen.“

Bei dieser Gelegenheit sei insbesondere angemerkt, dass man den Schutzengel anrufen kann, er möge unsere Fantasie und unsere Erinnerungen behüten, um uns vor Albträumen und zwanghaften Vorstellungen zu schützen. Die lichten Engel ebenso wie jene der Finsternis können nämlich in unsere Psyche wirken, Gedanken und Gefühle hervorrufen. Niemals jedoch haben sie Zugriff auf unsere Geistseele, die allein Tempel Gottes ist.

Unser Schutzengel berät und ermutigt uns in der Erfüllung unserer jeweiligen Standespflichten. Dazu schrieb der Philosoph Jacques Maritain: „Wenn wir eine plötzliche (und gute) Inspiration haben, so kann sie zweifellos rein natürlichen Ursprungs sein. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass sie uns öfter, als wir glauben, von unserem Schutzengel ins Ohr geflüstert worden ist.“

Schließlich kann unser Schutzengel auch besondere Aufträge bei anderen Personen erledigen. Papst Pius XI. erzählte einmal: „Wenn wir mit jemandem zu sprechen haben, der für unsere Argumente schwer zugänglich ist und für den unser Reden umso überzeugender sein muss, sollten wir unseren Schutzengel anrufen. Wir vertrauen ihm einfach die ganze Angelegenheit an. Wir bitten ihn, beim Schutzengel desjenigen, den wir treffen werden, einzutreten. Sobald das Einvernehmen zwischen den Engeln hergestellt ist, wird das Gespräch einfacher verlaufen.“

 Der Autor ist Gründer der Gemeinschaft „Euchariste" in St. Maurice/Wallis, sein Beitrag der Zeitschrift „Famille Chrétienne“ (v. 28.9.-4.10.13) entnommen.

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