VISION 20005/2014
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Pater Josef Kentenich

Artikel drucken Botschaft an uns (Von Eva und Erich Berger)

Papst Paul VI. am 24. Mai 1972: „Das Leben von Pater Josef Kentenich lässt sich in einem bedeutungsvollen Wort zusammenfassen, das auf seinem Sarkophag steht: Dilexit Ecclesiam –  Er liebte die Kirche.“ Diese Liebe zur Kirche hat er durch die internationale Schönstatt-Bewegung die er 1914 gegründet hat, vielen Menschen in allen Kontinenten weiter gegeben.
Das Leben von Josef Kentenich in Stichworten: Geboren am 16. November 1885 in dem kleinen Dorf Gymnich in Deutschland, lebte er vom neunten Lebensjahr an fünf Jahre im Waisenhaus in Oberhausen. 1899 trat er in das Kolleg der Pallottiner in Ehrenbreitstein ein.  1904 begann er sein Noviziat. Nach sechs Jahren harter Prüfungen – gesundheitliche Probleme, jahrelange Glaubenskämpfe und zunächst Verweigerung der Zulassung zur Priesterweihe – wurde er am 8. Juli 1910 zum Priester geweiht. Es ist der Beginn einer Lebensbahn, die fast 60 Jahre später mit seinem plötzlichen Tod am 15. September 1968, unmittelbar nach der Feier der heiligen Messe auf Berg Schönstatt, ihre Vollendung findet.
Latein- und Deutschlehrer, Spiritual im Studienheim der Pallottiner in Schönstatt, Gründer der Schönstatt-Bewegung. Bekannter Exerzitienmeister für Priester in den zwanziger und dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts. Verfolgter des Nationalsozialismus. Gefangener im Konzentrationslager Dachau. Internationaler Apostel (1947 - 1952). Verbannter in Milwaukee (1952-1965). Rehabilitiert im Jahr 1965, arbeitet er in den letzten drei Lebensjahren in Deutschland.
Am 18. Oktober 1914 wagt er mit einigen Schülern einen mutigen Schritt. In einer kleinen Kapelle in Schönstatt bitten sie die Gottesmutter, sich hier niederzulassen, hier in ihrer Mitte zu wirken und sie zu brauchbaren Werkzeugen in ihrer Hand zu erziehen. Sie selbst wollen entschlossen nach Standesvollkommenheit streben. Ob sie diese Bitte annimmt? Das ist die bange Frage an diesem 18. Oktober – ihre Herzen haben Feuer gefangen für dieses „Liebesbündnis“.
Der erste Weltkrieg, schon voll entbrannt, bringt die Bestätigung der Wirksamkeit des neuen Miteinanders im Liebesbündnis: „Nichts ohne dich – nichts ohne uns“ lautet die Kurzformel, die sich auch in den schwierigsten Verhältnissen in der Kaserne und im Schützengraben bewährt.
Sehr bald wird aus der Kapelle ein Gnadenort, an dem die Got­tesmutter den jungen Männern die Gnade der Beheimatung, die Gnade der seelischen Wandlung und die Gnade der apostolischen Fruchtbarkeit schenkt. Die Sehnsucht Pater Kentenichs in der Gründungsstunde wird nach und nach Wirklichkeit. Die Kapelle in Schönstatt ist heute Ursprungsort einer weltweiten Bewegung für Männer und Frauen, Jugendliche, Familien, Schwes­tern und Priester. Inzwischen ist Schönstatt in 130 Ländern vertreten und es gibt 200 Schönstatt-Kapellen auf der Welt.
Die Sehnsucht Pater Kentenichs geht aber darüber hinaus. Für ihn soll die Kirche beseelende Kraft der Gesellschaft sein – und er setzt sich voll dafür ein. In den 1930er Jahren nimmt ein Drittel der deutschen Priester an seinen Exerzitienkursen teil, tausende persönliche Gespräche während der Nachtstunden. Später meint er, während der unter Tags gehaltenen Vorträge habe er sich erholt.
In der Zeit des Nationalsozialismus merken die Machthaber, dass Menschen, die Kontakt zu Schönstatt haben, für das NS-Gedankengut verloren sind. Es dauert einige Zeit, bis sie den Kopf ausforschen können, zu dezentral ist Schönstatt aufgebaut. Doch 1941 wird er verhaftet, 1942 kommt er ins KZ Dachau.
In Dachau arbeitet er einfach weiter – unter ständiger Lebensgefahr baut er im Lager internationale Gruppen auf und inspiriert seine Bewegung mit Gebeten und Abhandlungen, tausende Seiten werden geschmuggelt.
Ein Priester fragt Pater Kentenich: „Werden wir hier wieder lebend herauskommen?“ Pater Kentenich: „Das ist nicht die Frage. Die Frage ist, ob wir hier den Willen Gottes erfüllen!“
Die beseelende Antriebskraft für Pater Kentenich ist seine Sendung: „Meine Sendung war es und ist es, der Welt das Mariengeheimnis zu künden! Meine Aufgabe ist es, die Gottesmutter zu künden, sie unserer Zeit zu entschleiern als die Dauerhelferin des Heilandes beim gesamten Erlösungswerk, als die Miterlöserin und Gnadenvermittlerin; die Gottesmutter, die tief mit dem Heiland geeint eine Zweieinheit mit der spezifischen Sendung, die sie von ihrem Schönstattheiligtum aus hat für die heutige Zeit!“
Pater Kentenich ist immer bereit, sich von Gott führen zu lassen – Zeitenstimmen, Seelenstimmen und die Seinsordnung geben ihm Orientierung:
„Gelesen und studiert habe ich zweifellos viel, unheimlich viel, mehr jedenfalls als die meisten Zeitgenossen... Aber nicht in und aus Büchern gewöhnlicher Art – das geschah tatsächlich ganz, ganz selten – sondern meist, fast ausschließlich in und aus Seelen, aus gesunden und kranken, aus hochstrebenden und gedrückten Seelen jeglichen Standes, sowie in und aus dem Buche des Zeitgeschehens.“
Pater Kentenich beschreibt sich selbst so: „Wer mich zeichnen will, muss es so tun: das Ohr am Herzen Gottes und die Hand am Puls der Zeit.“
Ein damals junger Schönstatt-Pater, den er ausbildete, Pater Boll, beschreibt die Fähigkeit seines Lehrers, immer den Willen Gottes erlauschen zu wollen: „Er ist stets geöffnet für alles Neue. Der Wille Pater Kentenichs, alle Lebensäußerungen, von woher auch immer, vorurteilslos aufzunehmen, sie mit dem Eigenen zu vergleichen und darin entweder Bestätigung oder In-Fragestellung zu entdecken, sich ergänzen und bereichern zu lassen, war bis zum Schluss stark und ungebrochen. Dabei frappierte mich immer neu, wie in der Begegnung mit dem Neuen seine eigenen Positionen sozusagen wieder „flüssig" wurden, wenn er vergleichend und abwägend erzählte, auf welche Lebensbeobachtungen sie ursprünglich zurückgingen.“
„Dilexit ecclesiam“ – er liebte die Kirche! Auf Wunsch von Pater Kentenich steht dieses Wort auf seinem Sarkophag. Nach 14 Jahren in der Verbannung soll diese Aussage seine ungebrochene Liebe zur Kirche bezeugen.
14 Jahre im Exil in Milwaukee, USA: Das Heilige Offizium hatte die Trennung des Gründers von seinem Werk verfügt, mit harten Auflagen. Es gab keine formale Anklage, keine Möglichkeit sich zu rechtfertigen oder aufzuklären, kein gerechtes Verfahren – einfach ein Dekret. Vermutlich waren es die angeblich „modernistischen Ideen“, vor deren Auswirkungen das Helige Offizium Angst hatte und das unbeugsame Sendungsbewusstsein Pater Kentenichs: „Wer eine Sendung hat, muss sie erfüllen, auch wenn es in den tiefsten und dunkelsten Abgrund geht, auch wenn Todessprung auf Todessprung dafür verlangt wird.“ Seine Rehabilitierung ist erst 1965 in der Endphase des II. Vatikanischen Konzils möglich. Kardinal Bea, Prag: „Ohne das Konzil wären Sie nie verstanden geworden.“
„Wie soll das geschehen?“ Diese Frage, vor 2000 Jahren von Maria gestellt, ist heute aktueller denn je. Pater Kentenich ist kein Phantast. Für ihn ist klar, dass in einer Umbruchszeit dieser Größenordnung, in der viel zusammenbricht eine neue Welt entstehen wird. Er ermutigt, am Bau dieser neuen Welt mitzuarbeiten, an dem Liebes-, Allmachts- und Weisheitsplan Got­tes gerade in der heutigen Zeit zu glauben.
Die Idee der Gründungsstunde Schönstatts, die Gottesmutter zu bitten, sich hier an diesem Ort Schönstatt niederzulassen und von hier aus als Erzieherin zu wirken, haben inzwischen unzählige Menschen aufgegriffen. Sie bitten Maria, in ihrem Haus zu wohnen. Sie richten dafür ein „Hausheiligtum“ ein, in dem sie wie im Urheiligtum in Schönstatt die Gnaden der Beheimatung, der seelischen Wandlung und der apostolischen Fruchtbarkeit schenkt. Ein die ganze Welt umspannendes Netzwerk christlicher Häuser – kann das nicht einen wichtigen Beitrag leisten, damit die Kirche Seele der Weltkultur wird?
Kardinal Joseph Ratzinger sagt 1982 über Pater Kentenich: „Die Zukunft der Kirche kann und wird nur aus der Kraft derer kommen, die tiefe Wurzeln haben und aus der reinen Fülle des Glaubens leben ... Möge Maria, die Mutter der Kirche, von der er sich immer führen ließ, ... durch ihren treuen Diener, Pater Josef Kentenich, vielen den Weg in die Liebe zur Kirche auftun, damit neue Glaubenskraft und Glaubensfreude unser Volk und Land erfülle.“

Der Prozess zur Seligsprechung von P. Josef Kentenich wurde 1975 eröffnet. Die Autoren sind Leiter der Schönstatt-Bewegung in Österreich.

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