VISION 20005/2014
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Eine Vision von Liebe

Artikel drucken Über die Theologie des Leibes

Wer den Fernsehapparat aufdreht, ins Kino geht, im Internet surft oder in Zeitschriften blättert – Sex, wohin man schaut. Kaum jemand kann sich dem entziehen…
In den letzten Jahren haben sich auch die Schulbehörden bemüßigt gefühlt, schon die Kleinsten in die Welt der sexuellen Spiele zu drängen. Und all das segelt unter der Flagge der Liebe.
Die Kirche? Ach, was das betrifft, ist sie zu vergessen – so jedenfalls das weitverbreitete Klischee. Und dabei: Im Grunde genommen ist sie die Botschafterin schlechthin, wenn es um die alle Menschen bewegende Frage nach der Liebe geht. Wie relevant deren Aussagen auf diesem Gebiet – und somit auch auf dem Gebiet der Sexualität – sind, wird jedem klar, der das Buch Eine Vision von Liebe von Birgit und Corbin Gams zu lesen bekommt.
Flott geschrieben, übersetzt es die „Theologie des Leibes“, die Papst Johannes Paul II. viele Jahre hindurch in seinen Katechesen während der Generalaudienzen entwickelt hat, in eine für den Normalverbraucher verständliche Sprache. Mit dieser Theologie des Leibes wollte der Papst „unser Herz weiten, damit wir den Menschen, die Liebe und die Sexualität so verstehen, wie Gott sie gedacht hat,“ halten die Autoren fest. Endlich ist es also gelungen, das sechste Gebot so darzustellen, dass Gott nicht als Spielverderber dasteht, sondern als einer, der Wege weist, wie unser Sexualleben erfüllt gelebt werden kann.
Wichtig sei zunächst die Erkenntnis, dass alles, was wir anderen über uns mitteilen wollen, nur über den Leib vermittelt werden kann. Dazu zählt natürlich auch das Reden. „Mit seinem Leib kann der Mensch schützen und nähren, Liebe empfangen  Wert und seine Würde.“ Damit ist klargestellt, dass die Kirche, der ja die Botschaft von der Liebe aufgetragen ist, nicht leibfeindlich sein kann.
Und in diesem Zusammenhang kommt der Liebe von Mann und Frau eine besondere Bedeutung zu. Denn die „Bibel vergleicht die Liebe, die Gott zu uns hat, mit der Liebe eines Bräutigams zu seiner Braut. Sie vergleicht die tiefe Einheit von Christus und Seiner Kirche mit der sexuellen Vereinigung von Mann und Frau in der Ehe.“ Kann man Schöneres von ihr sagen?
Damit ist aber auch schon eine der Grundbotschaften des Buches angesprochen: Wer wirklich ernsthaft über ein erfülltes Sexualleben nachdenken will, darf diesen Hintergrund nicht ausblenden. Für das heutige Verständnis von Sex ist das natürlich starker Tobak. Denn wir seien, wie die Autoren richtig feststellen, heute leider von der Sicht geprägt: „Sex ist einfach etwas, was man tut. Sex wird zu einer bloßen Handlung, die einer am anderen vollzieht..“
Auf diese Weise degradierten wir einander jedoch zu Objekten. Solange die Faszination der Entdeckung des Partners im Vordergrund steht, mag dies überspielt werden. Aber auf die Dauer werde dadurch Frust erzeugt, insbesondere die Frauen fühlten sich „benutzt“.
Es gehe also darum, dass „wir als Ehepaar verstehen, dass die sexuelle Vereinigung in der Ehe eine ,Sprache’ ist und nicht etwas, das man einfach ,macht’,“ halten die Autoren fest – eine Sprache der Liebe, die unbedingte Annahme und Hingabe zum Ausdruck bringt.
Die in der Schöpfung grundgelegte Polarität von Mann und Frau bezeichnen Birgit und Corbin Gams als „prickelnde Mischung“, in der die Partner jeweils Träger einer Botschaft für den anderen sind. In diesem Zusammenhang möchte ich Ihnen, liebe Leser, nicht vorenthalten, was die Autoren über die Schönheit der Frau zu sagen haben. Sie sei ein Abglanz der Schönheit Gottes – und somit nicht nur körperliche Schönheit. Um wahre Schönheit zu sein, müsse sie auch mit der „Schönheit der Seele und dem Wesen“ der Person einhergehen. Zitiert wird in diesem Zusammenhang die Schauspielerin Audrey Hepburn: „Um attraktive Lippen zu haben, sprich liebenswürdige Worte. Um reizende Augen zu haben, suche das Gute im Menschen…“  
 Ja, die Herausforderung unserer Zeit ist es, tiefer über die Liebe nachzudenken. Vier Merkmale stellen Birgit und Corbin Gams ins Zentrum ihrer Betrachtung über die Liebe. Sie müsse „frei, bedingungslos, treu und lebensspendend“ sein. „So buchstabiert man Liebe.“ Auf diesem Hintergrund lässt sich dann auch leicht erkennen, wie wenig viele Beziehungen, die heute unter der Flagge „Liebe“ segeln, diese Bezeichnung auch tatsächlich verdienen.
Zusammenfassend: Ein lesenswertes Buch, das Christen ein geeignetes Rüstzeug zu geben vermag, um in Debatten um „Love, Sex und so“ – wie sich eine zweifelhafte Aufklärungsschrift der Bundesregierung nennt – bestehen zu können.
CG

Eine Vision von Liebe – Theologie des Leibes nach Johannes Paul II. Von Birgit und Corbin Gams, fe-medienverlag, 192 Seiten, 12,80 Euro.

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