VISION 20006/2014
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Erlebten Sie schon mal unbändige Freude?

Artikel drucken Erinnerung an einen großen Moment (Christa Meves)

In einem Interview wurde ich kürzlich von einem Journalisten gefragt, ob es zwischen all den von mir geschilderten Anzeichen eines Ausverkaufs des Christentums in Europa durch einen atheistischen Zeitgeist nicht doch einmal ein Ereignis gegeben habe, das mich mit unbändiger Freude erfüllt habe. Schon während dieser Frage stand mir unmittelbar ein solches – hell wie ein aufbrechendes Licht – vor Augen. Ich will es gern einmal schildern.

Gerade war mir in den 80-ger Jahren zu Ohren gekommen, dass der  Vater einer Schülerin in einer bayerischen Schule den Antrag gestellt habe, dass das Kreuz aus dem Klassenraum entfernt werden möge, da es ein Symbol der Zugehörigkeit zum Christentum sei und damit andersgläubige oder ungläubige Kinder doch zu sehr belaste. Gerade auch damals war wieder eine Religionslehrerin entlassen worden, weil sie im Unterricht ihren Schülern erzählte, dass Gott einen Widersacher habe. Eine andere hingegen war zur Rektorin avanciert, nachdem sie in ihrem Unterricht darauf beharrte, dass Christus keineswegs auferstanden sei, sondern dass seine Jünger sich das in all ihrer Trauer über die Hinrichtung ihres Freundes  ausgedacht hätten.
Gerade dies alles war mir untergekommen, als das Datum der Papstwahl durch das Konsortium in Rom bekanntgegeben wurde. Wie dringlich schien in solcher Situation ein neuer, Orientierung gebender Oberhirte in Rom.
Nun fieberten wir in unserer kleinen Diaspora-Gemeinde diesem Tag entgegen. „Es könnte vielleicht der Kardinal Ratzinger werden“, meinte jemand im Gemeinderat schüchtern. Die Mehrheit widersprach: „Einen Deutschen? Einen Mann aus einem durch den Holocaust in alle Ewigkeit stigmatisierten Land? Undenkbar!“ Mit einer solchen Gnade unseres Gottes sei gewiss nicht zu rechnen, war die Quintessenz der Überlegungen.
Aber warum nicht wenigstens heimlich wünschen und dafür beten, kam es mir nach der Heimkehr in den Sinn? Es war mir nämlich bekannt, mit wie viel klarsichtigem Widerstand gegen die zersetzenden Einwirkungen des Zeitgeistes dieser Präfekt der Glaubenskongregation in Rom bereits durch viele Jahre hindurch gewirkt hatte. Es war für uns schon manche Erleichterung gewesen, dass bei strittigen Fragen, die neu herauf brandeten, dieser Mann Gottes bereits mit Eindeutigkeit für die Glaubenswahrheit des Lehramtes eingetreten war.
Kürzlich war mit Billigung und auf Anordnung von Papst Johannes Paul II. ein Lehrschreiben an die Bischöfe über die Stellung der Kirche zur Homosexualität herausgegeben worden. Dieses Lehrschreiben enthielt eine bibeltreue Antwort auf die Herausforderung des Zeitgeistes – drohte doch in Grenzbereichen der Katholischen Kirche sich ideologische Verwirrung breit zu machen: „Die Kirche,“ heißt es dort, „steht zentral in organischem Zusammenhang mit der Sichtweise der Heiligen Schrift. Nach dem Buch Genesis sind die Menschen Gottes Geschöpfe und dazu berufen, in ihrer geschlechtlichen Bezogenheit aufeinander die innere Einheit des Schöpfers widerzuspiegeln. Sie tun dies in einzigartiger Weise in ihrer Mitwirkung mit Ihm bei der Weitergabe des Lebens und zwar im Akt des gegenseitigen sich Schenkens in der Ehe.“
Neben dieser Möglichkeit bibeltreuer Orientierung gibt das neue Schreiben seelsorgerische Anweisungen für die Begleitung von Menschen mit homosexuellen Neigungen durch individuelle Mitsorge, Beratung durch das Gebet, den häufigen ehrfürchtigen Empfang des Bußsakraments, vor allem aber in der Ermunterung und dem Beistand beim Tragen des Kreuzes; „denn dies sei der Weg für alle jene, die Christus nachfolgen.“
Nun beteten wir täglich im Hinblick auf die anstehende Papstwahl um die Wahl unseres Favoriten.
Am Morgen davor sitzen wir gespannt vor dem Fernseher. Der weiße Rauch aus dem Vatikan hatte den Abschluss der Beratungen des bischöflichen Konsortiums angekündigt. Da öffnet sich die Balkontür im Vatikanfenster vor einer atemlos wartenden Menge auf dem Petersplatz. Dann die Stimme des bischöflichen Berichterstatters. Er verkündigt, ja, er beginnt sehr langsam getragen und feierlich mit dem Vornamen des gewählten Papstes: Er ruft: „Jooo-sepha.... Den Nachnamen Ratzinger habe ich nicht mehr gehört. Die Freude überflutet mich in ihrer unfass­lichen Realität und raubt mir geradezu die Sinne. „Deo gratias!“ jauchzt, schluchzt, jubelt es in uns mit der vor Begeisterung hochspringenden Menge. Alles in uns wird zum Gesang:

Weicht, ihr Trauergeister!
Denn mein Freudenmeister,
Jesus, tritt herein.
Denen, die Gott lieben,
muss auch ihr Betrüben
lauter Freude sein.

Duld ich schon hier Spott und Hohn,
dennoch bleibst du auch im Leide,
Jesu, meine Freude.


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