VISION 20001/2015
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Schwanger – müssen die beiden dann heiraten?

Artikel drucken (Alain Bandelier)

Trotz aller Verhütungspropaganda kommt es auch heute immer wieder zu unerwarteter Schwangerschaft bei recht jungen Mädchen. Stellt sich die Frage: Muss das Paar dann auch unbedingt heiraten?

Eigentlich würde man denken, dass sich so eine Frage heute nicht mehr stellt: Die überall vermittelte Sexualerziehung (sie ist, nebenbei bemerkt, weniger Erziehung als Information, noch dazu eine irreführende), die Werbung für Verhütung bei Minderjährigen, die Allgegenwart des Kondom­angebots – unternimmt man heute nicht alles , um „zufällige“ Schwangerschaften zu verhindern? Eben nicht – und es ist bedrückend festzustellen, mit welcher Unreife und Leichtfertigkeit, junge Leute ein Kind ins Leben rufen. Gleichzeitig muss man ihnen gratulieren und sie ermutigen, wenn sie bereit sind, zu den Folgen ihres riskanten Handelns zu stehen und es dem kleinen Wesen ermöglichen zu leben. Denn nur allzu oft versuchen die nächsten Angehörigen, sie davon abzuhalten.
Zugegeben, die jungen Eltern haben zweifellos einen Fehler gemacht, aber das Leben eines Kindes ist nie und nimmer ein Fehler. Es ist ein Geschenk Got­tes.
Müssen nun aber die jungen Leute auch heiraten? In einem Brief stellt man mir die Frage sehr eindringlich: „In meinem Umfeld gab es mehrere ,rasche’ Eheschließungen. Jedes Mal wurde der Bursch gedrängt, die ,Verantwortung zu übernehmen’ (sprich das Mädchen zu heiraten) ohne die Möglichkeit, eine Alternative zu wählen. Das wirft die Frage auf, wie frei er noch ist. Sicher sollte er an der Erziehung des Kindes mitwirken, für dessen emotionale und materielle Bedürfnisse aufkommen, aber es ist nicht seine Pflicht, sich unauflöslich an die Mutter des Kindes zu binden. Das bekommt man allerdings kaum zu hören, obwohl es andererseits die Burschen recht einfach aus ihrer Verantwortung zu entlassen scheint.“
Man muss zwei sehr unterschiedliche Situationen unterscheiden: Da ist der Fall der jungen Eltern, die vorhatten, später zu heiraten. Die Schwangerschaft wird da den vorgesehenen Zeitplan verändern oder einen Termin setzen, wo es noch keinen Zeitplan gibt. Aber eine Entscheidung lag vor bzw. man war am besten Weg dahin. Wird in einem solchen Fall kirchlich geheiratet, ist es wichtig, für eine wirklich gute christliche Ehevorbereitung zu sorgen. Wegen der besonderen Umstände darf man keineswegs darauf verzichten. Im Gegenteil: Da erst wird deutlich, dass noch viel zu geschehen hat, damit es zu einer Beziehung unter Erwachsenen kommt.
Leider gibt es auch Fälle, in denen hinter der „Beziehung“ kein oder kaum ein Engagement stand. Eine solche Liaison endet meist nicht in einer Ehe, die auf einer „endgültigen und aus­schließlichen Bindung“ beruht, sondern in einer Trennung. Wahrscheinlich waren nur Gefühle im Spiel, eine sinnliche Anziehung, eine Zuneigung ohne Perspektive, ein Moment der Schwäche in den risikoreichen und zweideutigen Situationen, in die man heute so leicht gerät.
Unter solchen Bedingungen ist es klar, dass die jungen Leute nicht heiraten sollten. Noch weniger darf man sie „verheiraten“. Das würde die Eheschließung zu einer Veranstaltung degradieren. Das Paar wäre mit großer Wahrscheinlichkeit dazu verurteilt, bald auseinanderzugehen oder resigniert und verbittert nebeneinander dahinzuleben.
Schließt man eine solche Ehe in der Kirche, wird wegen fehlender Einwilligung später wohl deren Nichtigkeit festzustellen sein. In so einem Fall geht es vor allem darum, für das Baby zu sorgen – und für die eigene Person. Dann wird man ja sehen, ob in ein oder zwei Jahren noch immer von Ehe die Rede ist.
Aus: Famille Chrétienne v. 11.-17.7.09

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