VISION 20002/2016
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Höchste Zeit, sich mit dem Islam auseinanderzusetzen

Artikel drucken Wenn zwei Kulturen aufeinander treffen (Christof Gaspari)

Zunächst kamen sie als Gastarbeiter, die Muslime: billige Arbeitskraft, um unsere Wirtschaft zu pushen. Sie würden wieder heimkehren, dachte man und zerbrach sich nicht weiter den Kopf über sie. Durch Zuwanderung, vor allem aus Nordafrika und der Türkei nahm die Zahl der Muslime in Europa weiter zu. 2006 waren es 16 Millionen in der EU, sechs davon in Frankreich und vier in Deutschland.

Schwere Unruhen in den Vororten französischer Städte und Ghettobildung in deutschen Städten wiesen auf Probleme bei der Integration hin. Sie wurden aber heruntergespielt und als Folgen sozialer Benachteiligung gedeutet. Wer dies anders sah, bekam die Punze „fremdenfeindlich“.
Der im Vorjahr einsetzende Strom von Zuwanderern (allein in Deutschland geschätzte 1,1 Millionen, wieder überwiegend Muslime) sowie die Ereignisse in der Sylvesternacht in Köln und anderen deutschen Städten machten endlich deutlich: Es ist höchste Zeit, sich mit dem Islam auseinanderzusetzen, einer stark prägenden Religion, die von einem großen Teil der Muslime befolgt wird.
Das säkulare Europa ist das nicht gewöhnt. Hier lässt man den eigenen Glauben, die christlichen Wurzeln unserer Kultur verdorren, ja man verleugnet sie. Während immer mehr Kirchen zugesperrt, verkauft, umgewidmet oder – wie in Frankreich – dem Verfall preisgegeben werden, wächst die Zahl der Moscheen – meist finanziert von Saudi-Arabien oder Qatar, die eine strenge Koranauslegung befürworten. Dort werden auch die Imame ausgebildet, die dann die Marschroute vorgeben.
Und so verändert sich langsam unser Lebensraum, nicht überall, keine Frage. Aber in vielen Ballungszentren. Ganze Stadtteile ändern ihr Aussehen im Gefolge des Zuzugs. Dieser und die höhere Geburtenfreudigkeit der muslimischen Familien prägen nun das Bild in den Klassenzimmern.  In Wien kamen 2013 auf 27.000 katholische Schüler der 5. bis 9. Schulstufe bereits 16.100 Muslime. In den Volksschulen ist der muslimische Anteil noch höher:  24.000 zu 18.000. In deutschen und französischen Städten beherrscht der muslimische Nachwuchs sogar die Szene.
Natürlich haben sich auch viele Muslime integriert. Sie sprechen wie wir, kleiden sich wie wir, arbeiten neben uns und mit uns zusammen… Vielfach sind es allerdings jene, die ihren Glauben nicht besonders ernst nehmen, also säkularisiert sind – wie ein Großteil unserer Mitbürger ja auch. Sie passen gut in unsere Produktions- und Konsummaschinerie. Daher erhoffen sich die politisch Verantwortlichen auch, dass die Integration der Muslime über diese Schiene laufen werde: Sie  würden mit der Zeit ebenso glaubenslos werden wie Europas Taufscheinchristen.
Ob sich das so abspielen wird, ist mehr als fraglich. Muslime haben nämlich nicht Jahrhunderte der Glaubensunterwanderung hinter sich wie wir Europäer. Für sie sind Koran und Scharia, das religiöse Gesetz der Muslime, nach wie vor Grundpfeiler der Lebensgestaltung, die nicht nur das Privatleben betreffen, sondern das öffentliche Leben prägen sollen. Typisches Beispiel:  Die Art, wie muslimische Länder die Menschenrechte deuten. 1990 beschlossen 57 Mitgliedsstaaten der Islamischen Konferenz eine Erklärung, in der die Scharia das Maß der Dinge ist. Darin heißt es etwa: „Das Leben ist ein Geschenk Gottes, und das Recht auf Leben wird jedem Menschen garantiert. Es ist die Pflicht des einzelnen, der Gesellschaft und der Staaten, dieses Recht vor Verletzung zu schützen, und es ist verboten, einem anderen das Leben zu nehmen, außer wenn die Scharia es verlangt.“ (Art 2a) Das bedeutet: kein Lebensschutz für Muslime, die sich zu Christus bekehren. Die UNO-Erklärung der Menschenrechten sieht das anders.
Bei näherer Betrachtung wird deutlich: konsequent gelebter Islam ist mit der Demokratie unvereinbar (siehe S. 12). Es reicht nicht, den Zuwanderern zu sagen: Ihr müsst euch an unsere Spielregeln halten (leider geschieht das heute aus falsch verstandener Toleranz vielfach zu wenig konsequent). Auf Dauer werden überzeugte Muslime darauf hinarbeiten, auf demokratischem Weg ihre Vorstellungen umzusetzen. Ein legitimes Anliegen, das nicht groß hinausposaunt wird. Wer Muslime in Europa integrieren will, darf ihnen daher nicht nur mit weltlichen Spielregeln kommen. Er muss ihnen ein besseres Lebensmodell anbieten, das auch einen Glaubensbezug hat. Den Ungläubigen gegenüber fühlt sich ein gläubiger Moslem überlegen.
Und damit sind wir bei den Chancen, die sich im Zuge der Flüchtlingskrise eröffnen. Wer die Entwicklung nüchtern analysiert erkennt: Zwei unvereinbare Gesellschaftsmodelle können nicht unter einem Dach zusammenleben, wie es sich die glaubenslose Multi-Kulti-Ideologie erhofft. Wollen wir, dass die zugewanderten Muslime in Europa heimisch werden, müssen wir sie vertraut machen mit den Quellen unserer Kultur. Und diese sind nun einmal christlich und kommen uns von einer Person zu: von Jesus Christus. Weil das auch in unseren Breitegraden mittlerweile weitgehend unbekannt ist, muss diese Info auch unter unseren Landsleuten wieder verbreitet werden. Daher die dringende Notwendigkeit, den Appellen zur Evangelisation Folge zu leisten.
Selbst Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel rief zu mehr christlichem Engagement auf, als sie beim Bürgerdialog in Bern vorigen September sagte: „… haben wir doch auch den Mut zu sagen, dass wir Christen sind, haben wir doch den Mut zu sagen, dass wir da in einen Dialog eintreten. Dann haben wir doch auch, bitte schön, die Tradition, mal wieder in den Gottesdienst zu gehen oder bisschen bibelfest zu sein…“
Mit dieser Aufforderung hat Frau Merkel zweifellos recht (man würde ihr allerdings gern den Ball zurückspielen und mehr Christliches in die deutsche Familien-, Bildlungs- oder Lebensschutzpolitik einfordern). Ihr Appell ist allerdings weitgehend ungehört verhallt, weil die meisten Europäer heute nichts mit einer solchen Aufforderung anfangen können. Und dabei wären tatsächlich alle zu einem neuen Aufbruch eingeladen.
Hören wir, was Papst Franziskus sagt: „Ich lade jeden Christen ein, gleich an welchem Ort und in welcher Lage er sich befindet, noch heute seine persönliche Begegnung mit Jesus Christus zu erneuern oder zumindest den Entschluss zu fassen, sich von ihm finden zu lassen, ihn jeden Tag ohne Unterlass zu suchen. Es gibt keinen Grund, weshalb jemand meinen könnte, diese Einladung gelte nicht ihm, denn niemand ist von der Freude ausgeschlossen, die der Herr uns bringt.“ (Evangelii Gaudium 3)
Genau darum geht es: Sich von Jesus Christus finden und Freude schenken zu lassen. Wir Christen glauben an einen Gott, der uns nahe sein, uns überreich Seine Liebe schenken will, weil Sein Wesen die Liebe ist. Das ist die Frohe Botschaft, auf die unsere muslimischen Bürger Anspruch haben und von der sie auch begeistert sein werden, wenn man sie ihnen überzeugend – eben selbst überzeugt, freudig und vor allem aus Liebe  (siehe S. 8) – nahebringt.
Es würde sie von einer  falschen Vorstellung, die sie sich von Gott machen, befreien. Und dazu müssen wir beitragen. Denn wir wissen: In Jesus Christus hat sich Gott einmalig und unüberholbar offenbart. Alles, was sich danach als Offenbarung ausgibt, ist entweder Menschenwerk oder Inspiration durch den Widersacher. Wenn der Koran behauptet, Jesus sei nicht der Mensch gewordene Gott, sondern ein Prophet, und Er sei nicht am Kreuz für unsere Rettung gestorben, so verkündet er eindeutig eine Irrlehre. Über sie urteilt der Apostel Johannes: „Wer ist der Lügner, wenn nicht der, der da leugnet, dass Jesus der Christus ist? Das ist der Antichrist, der den Vater und den Sohne leugnet. Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht.“ (1Joh 2,22f)
Damit ich nicht missverstanden werde: Den Islam als Irrlehre zu bezeichnen, bedeutet nicht, Muslime gering zu schätzen. Im Gegenteil: Sie verdienen es, dass man ihnen aus ihrem fehlgeleiteten Glauben Wege zum wahren Gott eröffnet. Das Zeugnis bekehrter Muslime beweist, welche Befreiung das für sie bedeutet.     
Lassen sich die großen Migrationsbewegungen und die schrecklichen Ereignisse in der muslimischen Welt in unseren Tagen (siehe S.11) nicht vielleicht als Weckruf an eine verschlafene Christenheit deuten? Als Versuch Gottes, uns in Erinnerung zu rufen, dass es in der Gottesfrage um eine Entscheidung auf Tod und Leben geht? Dass es nicht reicht, sich damit zu beruhigen, dass die Muslime ohnedies einer „abrahamitischen Religion“ anhängen. Als ob es bedeutungslos wäre, dass Jesus der einzige Weg zum Vater ist!
Es gibt in unseren Tagen allerdings Christen, die bereit sind, ihr Leben dafür einzusetzen, damit diese Botschaft zu den Muslimen gelangt. Etwa jene Christen, die nach der Einnahme von Aleppo durch Islamisten  in der Region blieben, mit dem Hinweis, Gott wolle sie an dieser Stelle haben, um die christliche Botschaft in Wort und Tat weiterzugeben.  Sie wurden misshandelt, geköpft und gekreuzigt – und legten sterbend Zeugnis für Christus ab. (PURmagazin 11/15)
Dieses Zeugnis der verfolgten Christen, der unzählig vielen Märtyrer in unseren Tagen ist kostbar. Wir sollten es uns immer wieder in Erinnerung rufen. Es führt uns Wohlstandschristen vor Augen, wie kostbar der Glaube an Jesus Christus ist. Dass es sich lohnt, alles für ihn einzusetzen und hinzugeben. Und dass es unsere Pflicht ist und unsere Freude sein sollte, diese Kostbarkeit weiterzuschenken – denn, wie Papst Franziskus sagt: „Niemand ist von der Freude ausgeschlossen, die der Herr uns bringt.“


Unterscheiden lernen
Man hat heute vielfach keine Ahnung davon, dass dieselben Namen und Worte – und zwar so wichtige wie Abraham, Offenbarung und Frieden – im Christentum und im Islam nicht dieselbe Bedeutung haben. Allzu oft wird die Ansicht vertreten, dass jede Religion eine authentische Offenbarung Gottes sei, aber in je unterschiedlicher Ausprägung. Gott würde sich demnach an die jeweiligen kulturellen Bedingungen in der Menschheit anpassen.
Wer sich diesem Ansatz verschreibt, ist nicht mehr in der Wahrheit. Dann meint man, dass der Islam nach denselben Prinzipien funktioniere wie das Christentum. Und das ist falsch. Diese Zweideutigkeit findet man heute sowohl in der Kirche wie in der Welt.
Annie Laurent
Auszug aus einem Interview  in L’Homme Nouveau v. 2.1.16


Wertvolle Information
Wer sich näher mit diesem Themenkreis auseinandersetzen will, dem sei die von Missionspriestern von P. Josef Herget herausgegebene Reihe Christentum und Islam empfohlen. Die Hefte stellen Heilige vor, die mit dem Islam in Berührung gekommen sind und sich für die Mission engagiert haben oder sie stellen Aspekte der unterschiedlichen Sichtweisen von Islam und Evangelium in wichtigen Fragen gegenüber: Maria, Jesus und der islamische Prophet Isa, Gottesbild im Koran und Neuen Testament, Stellung der Frau…
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