VISION 20003/2016
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Zeit finden, um innerlich zur Ruhe zu kommen

Artikel drucken Im Gebet Gott näher kennenlernen (Johannes Hartl)

Ein christliches Leben ist nicht möglich ohne Gebet. Und was nicht real in Zeit und Raum stattfindet, das ist vielleicht frommes Gefühl und unverbindlicher Wunsch. Doch real wird eine Beziehung zu Gott dort, wo konkrete Zeiten des Tages und der Woche ausschließlich dem Gebet gewidmet werden.
Es verwundert niemanden, dass das Erlernen einer Fremdsprache oder das wöchentliche Fitnesstraining tatsächliche Übung und wiederholte Routine erfordern. Niemand würde erwarten, dadurch sportlich zu werden oder abzunehmen, dass man ein Buch darüber gelesen hat und nunmehr überzeugt ist. Konkrete Veränderung des Lebens beginnt bei konkreten Verhaltensänderungen. Dieser Schritt lautet also: Nehmen Sie sich regelmäßig, möglichst täglich, Zeit für das persönliche Gebet. Wie lange genau diese Zeit ist, ist nicht entscheidend. Entscheidender ist, dass die Zeit stattfindet, denn der Mensch ist ein Gewohnheitstier.
Wählen Sie jedoch eine Zeitspanne, die lange genug ist, um innerlich etwas zur Ruhe zu kommen. Zwei Minuten werden dafür zu wenig sein. Für mich selbst wäre ein Tag ohne einer Stunde Gebetszeit nicht vorzustellen. Genau so geht es meiner Frau, die Mutter von vier kleinen Kindern ist. Eine Stunde, das erscheint Ihnen als viel Zeit? Es ist bedeutend weniger Zeit als der durchschnittliche Konsum an Fernsehen und Internet pro Tag.
Doch die Frage, woran unser Herz hängt, wird an der Frage unserer Prioritäten in der Zeitplanung sichtbar. Eben was wir „heiligen“.
Der nächste Schritt letztlich hat mit dem „Forschen“ und „Suchen“ zu tun, von dem die Sprichwörter sprechen. Der Vorschlag lautet: Lernen Sie Gott kennen! Lernen Sie ihn dort kennen, wo er sich am klarsten offenbart. Und das ist in der Heiligen Schrift.
Ein Hinweis ist dabei wichtig: Die Bibel ist eine Sammlung aus Büchern, die zueinander gehören. Durch einzelne Bibelstellen lässt sich beinahe jeder Unsinn behaupten. Doch das symphonische Gesamt der Heiligen Schrift zeichnet ein faszinierendes und vielschichtiges Bild von Gott.
Haben Sie keine Angst: Man muss kein Theologe sein, um die Bibel zu verstehen. Beginnen Sie mit dem Neuen Testament. Lesen Sie jeden Tag zwei Kapitel und lassen Sie das Gelesene in ihr Gebet, Ihren Dialog mit Gott einfließen. Wer täglich vier Kapitel liest, ist in einem Monat durch das Neue Testament. Wer 80 Stunden lang liest – so lange sieht ein Deutscher pro Monat fern –, hat die gesamte Bibel in normalem Tempo gelesen. Haben Sie das Neue Testament einmal durch, beginnen Sie noch einmal von vorn. Und danach können Sie sich an das Alte Testament wagen.
Lesen Sie in dieser Reihenfolge, denn das Alte Testament wird nur verständlich im Licht Jesu Christi und seiner Botschaft. Und wann immer Sie an eine Facette Gottes kommen, die Sie befremdet oder eine Stelle, die Sie nicht verstehen, werten Sie es als Chance. Gott ist größer als unser Verstand, er sprengt unsere Kategorien.

Aus dem Buch: Gott Ungezähmt S. 205f. Siehe auch Besprechung S. 20.

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