VISION 20003/2016
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Gebet, das täglich Leben rettet

Artikel drucken Erfahrungen vor einer Abtreibungsklinik in Wien (Herbert Heißenberger)

Seit 18 Jahren im Einsatz für den Gebets- und Beratungsdienst vor einer Wiener Abtreibungsklinik weiß der Autor Be­scheid über die zentrale Bedeu­tung des Gebets bei dieser le­bensrettenden Aufgabe. Im Folgenden sein Zeugnis.

In meinem beruflichen Einsatz für den Lebensschutz bildet das Gebet gleichsam die Grundlage und die notwendige Voraussetzung für diesen Dienst an den betroffenen Müttern und Vätern in Not. Dies vor allem aus zwei Gründen:
1. Wir stehen an einem Ort, an dem seit dem Jahr 1979 eine ungeheure Last an Schuld aufgetürmt wurde. Bedenken wir: Allein an dieser Abtreibungsstätte am Wiener Fleischmarkt wurden an die 350.000 Kinder im Mutterschoß getötet. (Österreichweit liegt die Zahl in Millionenhöhe.) Jedes dieser Kinder hat Vater, Mutter und Verwandte sowie weitere Personen, die von seiner Existenz wussten und in unterschiedlichem Maß in diese Sünde verstrickt sind.
2. Jede rein menschliche Anstrengung auf politischem oder gesellschaftlichem Gebiet kann das Ruder in der Abtreibungsfrage kaum mehr herumreißen. Dies zeigt die Erfahrung der letzten Jahrzehnte überdeutlich. Zu viele Menschen in unserem Land haben sich in ihrem irregeleiteten Denken mit der Realität des Tötens der ungeborenen Kinder abgefunden, angefreundet oder sehen darin gar ein Recht der Frau.
Eine mächtige Abtreibungslobby mit unheilvoller Vernetzung in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien sorgt für die entsprechende Propaganda. Leider tragen die Lauheit vieler Christen und das weitgehende Schweigen der Kirche erheblich zu dieser Verwirrung bei. Gott allein kann uns von dieser enormen Schuldenlast erlösen und die verwirrten Herzen der Menschen bekehren und heilen.
Wenn wir verstanden haben, dass das Übel der Abtreibung als geistlicher Kampf zu sehen ist, dann müssen wir auch zu den Mitteln greifen, die Gott uns gibt: Das Kreuzesopfer Christi, das Gebet, besonders der Rosenkranz, das Fasten, unsere Opferbereitschaft. Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern dass dieser umkehrt und gerettet wird. Gottes Wille muss auch unser Wille sein. Nur in dieser rechten Herzenshaltung  sollen wir an jene Orte gehen, wo das unschuldige Kind getötet wird und so viele seelisch tief verwundet werden und ihr ewiges Seelenheil in höchste Gefahr bringen.
Dann spielt es keine Rolle, dass wir vor der Abtreibungsklinik nur wenige sind, denn immer noch gibt es viele gutgesinnte Menschen in unserem Land, die in Klöstern, in unseren Anbetungskapellen oder zu Hause die Anliegen des Lebensschutzes im treuen Gebet mittragen. Dann ist es egal, wie mächtig die radikalen Abtreibungsbefürworter sind, denn Gott war mit David, und Goliath wurde besiegt.
Ich sehe in den Müttern und Vätern, die zur Abtreibungsklinik kommen, Unglückliche, die der Hilfe in ihrer schwierigen Situation bedürfen, aber viel mehr noch des Erbarmens und der Gnade Gottes, dass sie ihr verkehrtes Denken ablegen und das neue Leben, das ihnen anvertraut wurde, annehmen können.
Wir sehen im Abtreibungsarzt und im Personal der Abtreibungsklinik nicht einen Feind, sondern jemanden, der dringend der Umkehr bedarf und das Gebet besonders nötig hat.
In 18 Jahren Beraterdienst vor Österreichs ehemals führender Abtreibungsklinik durfte ich wiederholt die Erfahrung machen, dass das Gebet, das Anbieten von Hilfe für die Mütter sowie der Wahrheit dienende Informationen der Gnade Gottes den Weg in die Herzen bahnen.
Wie viel Schönes und Ermutigendes durften wir in diesen Jahren erleben: Mütter, die in letzter Sekunde trotz ihrer Nöte ein entschiedenes Ja zu ihrem Baby sagten; einen mutigen Vater, der nach einem Gespräch in die Abtreibungsklinik zurückeilte und von den Ärzten die Unterlassung der Abtreibung an seiner Frau, die bereits unter Narkose war, verlangte und überglücklich mit ihr den Schreckensort verließ, nachdem sie aus der Narkose erwacht war und freudig festgestellt hatte, ihr Baby noch unversehrt im Schoß zu tragen; oder jenen jungen Vater, der nach der Abtreibung mit seiner Partnerin die Klinik verlassen hatte und eine halbe Stunde später zurückkam, um von mir einen Rosenkranz zu erbitten, den ich ihm gerne überreichte.
Mit Freude denke ich an eine Mutter, die an jenen Ort zurückgekommen war, an dem sie ein halbes Jahr zuvor abgetrieben hatte – wieder schwanger. Doch dieses Mal kam sie nicht, um das Schreckliche neuerlich zu tun, sondern um unsere Hilfe zu suchen. Es war ihr nach der Abtreibung sehr schlecht gegangen und sie erinnerte sich an unser Hilfsangebot, wusste aber nicht, wo sie uns finden konnte. So fuhr sie zur Abtreibungsklinik in der Hoffnung, uns dort anzutreffen.
Zwei Zeugnisse von betroffenen Müttern will ich noch anführen, die die Wichtigkeit und Notwendigkeit des Gebetes vor der Abtreibungsklinik unterstreichen:
Eine junge Frau verließ eilig die Abtreibungsklinik und überreichte im Vorbeigehen unserem Mitarbeiter, der direkt neben dem Klinikeingang betete, einen Zettel, auf den sie geschrieben hatte: „Danke, dass sie hier sind! Ich konnte es meinem Baby nicht antun, egal wie meine Lage ist. Bitte, bleiben sie immer bei dieser Türe stehen!“
Vor einer weiteren Abtreibungsstätte in Wien ereignete sich Ähnliches. Eine Frau verließ das Abtreibungsgebäude in der Nähe des Wiener Westbahnhofes und überquerte die Straße. Sie ging direkt auf unseren Mitarbeiter zu, der dort täglich betet. Dieser erwartete, beschimpft zu werden, da dies öfter vorkommt. Stattdessen wandte sich die Frau freundlich an ihn: „Ich muss mich bei ihnen bedanken, weil ich aufgrund ihrer Person mein Kind nicht abgetrieben habe!“ Unter Tränen reichte sie ihm die Hand und verabschiedete sich.
Neben diesen schönen Einzelzeugnissen hat sich der Abtreibungsbetrieb am Fleischmarkt in diesen Jahren unseres Einsatzes um 70 bis 80 Prozent verringert. Bestürmen wir den Herrn im Gebet, dass Er dem Töten an diesem Ort ein Ende setzt und eine neue Kultur des Lebens in unserem Land erblühen lässt.


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