VISION 20006/2016
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Ein großes Wunder

Artikel drucken Ein Kind, das nur sechs Wochen lang lebte

Befruchtete Eizelle, Fötus, Embryo: Medizinische Begriffe für Entwicklungsphasen des Ungeborenen. Abtreibungsbefürworter verwenden sie gern, um zu verbergen, worum es wirklich geht: um ein Kind! Denn Frauen erwarten nun einmal Kinder – von Anfang an und für immer liebenswert. Ein Zeugnis.

Es war der vergangene 24. Februar als wir bewegt, verängstigt und aufgeregt „schwanger seit 2-3 Wochen“ gelesen haben. Ich, die ich eine ängstliche Person bin, geriet zur Abwechslung wieder mal in Panik. Ich wusste, dass dieser Moment kommen würde, haben mein Gatte Francesco und ich doch unsere Sexualität immer mit lauterer Offenheit für das Leben ausgelebt. „Und nun? Werde ich eine gute Mutter sein? Werde ich in der Lage sein, das Kind großziehen zu können? Das Leben wird sich ändern… und was ist mit meiner nicht gerade stabilen Gesundheit? Schaffe ich das?“
Ja, ich hatte Angst, aber nach und nach, Minute für Minute begann sich in meinem Herzen das Bewusstsein Platz zu machen, dass ich Mama geworden war. Mein Mann und ich waren nun Eltern. Ein Bewusstsein, das jegliche Furcht in Hoffnung und Freude verwandelte. Wir weinten und umarmten uns. Es war unser Kind.
Endlich wussten wir beide mit Sicherheit, etwas Gutes in unserer Existenz vollbracht zu haben, etwas, das weit über unser Verständnis hinausreichte, wir waren Mitarbeiter dieses großen Geheimnisses, welches das Leben ist, wir hatten mit Gott „mitgearbeitet“, und diese Größe enthüllte Er uns, zerbrechlich und aufgeregt wie wir waren.
Wir begannen Pläne zu schmieden, über einen Namen zu phantasieren, die ersten Arztbesuche festzulegen und Untersuchungen zu fixieren. Wir begannen, unsere Leben auf diesen Spross hin auszurichten, der im Bauch war. Francesco kam von der Arbeit und beugte sich sogleich über meinen Bauch, küsste ihn und sagte zum Kleinen: „Du bist klein wie ein Böhnchen, du bist unser Böhnchen“. Und ich begann von Beginn an all die positiven Aspekte aufzunehmen, all die , welche mit der Schwangerschaft verbunden waren: „Liebling… machst Du mir noch eine Rückenmassage? Weißt Du, dem Böhnchen gefällt das immer so gut…“. Wir lebten in einem ungetrübten Klima, entspannt und in Dankbarkeit für das empfangene Geschenk. Ja, das Leben ist ein Geschenk, das man aus ganzem Herzen lieben muss, mit ganzer Kraft, mit dem ganzen Geist.
Es kam die erste Untersuchung, und mit ihr auch die harte Wahrheit: „Es ist zu klein, wächst nicht. Probieren wir diese Behandlung.“ Mir hat es das Herz zerrissen und ich suchte Zuflucht in den Armen meines Mannes. Es wollte nicht wachsen, ich weinte und hatte das Gefühl, dass die Sache nicht gut ausgehen würde. „Komm, Kleiner, wachs, los!“.
Es war die sechste Schwangerschaftswoche, am 3. März, als ich begann, diese seltsamen Schmerzen wahrzunehmen. Wir fuhren in die Notaufnahme, ich bekam eine Spritze mit Progesteron und eine Untersuchung, bei welcher sie meinen Mann nicht dabei sein ließen, ich wurde mit Frechheiten und Herablassung behandelt und zum Schluss sagten sie mir: „Das ist ein schweres Vorzeichen einer Frühgeburt.“
Wir fuhren nach Hause, ich rief meine Familie an und meine Mutter litt am Telefon mit mir mit. Es endete so, dass ich stundenlang im Badezimmer blieb, unter Tränen und heftigen Schmerzen, während wir unser kleines Böhnchen verloren, ohne etwas dagegen unternehmen zu können. Francesco hat ihn schließlich geborgen. Es war bereits Morgen.
Es gibt keinen wirklichen Grund für die spontane Fehlgeburt. Wir haben mehrere Ärztemeinungen eingeholt und uns wurde gesagt, dass es schlichtweg eine Frage der Wahrscheinlichkeit ist. Tags darauf kehrten wir nach Umbrien zurück, zu unseren Verwandten. Wir haben dies als Trauerfall durchlebt. Wir haben Giuseppe Maria (Josef-Maria) an einem Ort beigesetzt, der uns allein gehört, und einen blühenden Baum darüber gepflanzt.

Warum haben wir beschlossen, darüber zu schreiben und eine solch delikate Angelegenheit öffentlich zu machen? Weil auch wir selbst, auch wenn wir abgeklärt sind und es angenommen haben, diese Mitteilung brauchen, aber auch, um gegenüber all jenen Müttern zu bezeugen, welche dieselbe Erfahrung gemacht haben und ihnen Trost zu geben.
Denn vom ersten Augenblick an haben Francesco und ich uns gesagt, dass Kinder kein Geheimnis sind und dass wir, so uns der Herr andere schenken wird, sie zählen werden, beginnend mit jenem einzigartigen kleinen Böhnchen, das unwiederholbar und vor allem unersetzlich ist. Giuseppe Maria ist uns in das Reich des Vaters vorangegangen, er betrachtet ihn und tritt für seine Familie bei ihm ein.
Die Priester, die uns nahe sind, haben nicht abgelassen, uns daran zu erinnern, dass dieses Leben nicht verloren ist, es gibt dieses Leben, und es ist in das Haus des Vaters zurückgekehrt. Sie haben uns durch Gebet unterstützt und hatten Worte ewigen Lebens und der Hoffnung für uns. Dank auch an jene Freunde, die ich via Facebook kennengelernt habe, die unser Leid aufgenommen haben und viele andere. Wir haben die Zuneigung und die Verbundenheit so vieler Personen erfahren. All das wegen eines winzigen Böhnchens, eines, das die Abtreibungsbefürworter „Zellklumpen“ zu nennen wagen!

Nun möchte ich zu euch sprechen, liebe Mütter, die ihr beabsichtigt, so ein winziges Kind zu beseitigen. Ich spreche zu euren Herzen, zu dem Geheimnis, das euch zu Müttern macht. Ihr, die ihr in Verzweiflung lebt, hört nicht auf jene, die euch eine Lüge vorschlagen, die nur dem Anschein nach als ein Gut erscheint. Fallt nicht darauf rein. Macht euch nicht dieses Verbrechens schuldig – ein Kind, das löscht man nicht aus! Gut, wir können es verschwinden lassen, aus dem Weg räumen, wir können uns weigern, es zu lieben, aber die Wahrheit ist stärker als unser Egoismus: das Kind ist ein Geschenk, das man nicht tötet, nicht verkauft, das man auch nicht kauft, sondern das man in unendlicher Unentgeltlichkeit lieben darf.
Das Leben ist so dermaßen empfindlich, es hat sich im Bauch festgeklammert, hat sich in eurem Schoß eingewoben, es ist Blut von eurem Blut. Wendet euch an eine Pro-Life-Organisation wie etwa Jugend für das Leben! Sie werden euch alle nötigen Unterstützungen geben, welche ihr benötigt. Atmet erst einmal ruhig durch, spürt das Leben das durch euch entsteht: zwei Personen in einem einzigen Körper!, öffnet eure Herzen und denkt euch in dieses Wunder hinein: ihr seid Mütter!

Du fehlst mir, Kleines, ich hätte Dir sagen wollen, wie gern ich Dich hatte, seit dem ersten Moment an, dass wir Dich angenommen haben wie das kostbarste Geschenk, und ich hoffe, Dich eines Tages umarmen zu können. Ich würde Dir so gerne sagen, dass, als wir zusammen waren, unsere Zeit erfüllt war, auch wenn sie kurz war, es war wie ein Atemzug der Ewigkeit. Ich hätte Dich so gerne kennenlernen wollen, Deine Gesichtszüge, mir Deiner Mängel gewahr werden, mit Dir spielen, Dir die Welt zeigen, Dein kleines Händchen in meiner haltend.
Ich hätte so gerne Stress wie alle anderen gehabt aus Zeitmangel, und wäre so gerne jene Art von Mutter gewesen, die nie die Wohnung aufgeräumt hat, aber deren Wohnung immer nach frischer Wäsche riecht, gerade aufgehängt. Ich danke Dir, denn Du hast mir Gelegenheit gegeben, mich noch mehr in Deinen Vater zu verlieben. Ich möchte Dir „Servus“ sagen, unser Liebster, und ich hätte Dich recht bald aus dem Nest geworfen, aber wir haben Dich auch vorzeitig gehen lassen.
Wir werden immer an Dich denken, und wir vertrauen uns Deiner Fürsprache an; Du kennst die Pläne und die Wahrheit, welche Dir enthüllt ist!
Mama und Papa
Rachele Bruschi und Francesco Santoni

Italienisches Original: https://mienmiuaif.wordpress.
com/2016/06/16/un-miracolo-grande-come-un-fagiolino/
Aus dem Italienischen übersetzt von Mag. Michael Gurtner

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