VISION 20001/2017
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Das geistliche Niveau hoch halten

Druckansicht Die Sehnsucht der Menschen nach Gebet ist groß (Johannes Hartl)

Der Autor leitet das Gebetshaus Augsburg, das sich in den letz­ten Jahren zu einem Zentrum der Evangelisation und Glaubenserneuerung entwickelt hat.  Im Folgenden reflektiert er seine Erfahrungen:
Fragt man nach den „Erfolgsfaktoren“ des Gebetshauses, so wäre meine Theorie, dass sie unter anderem mit unten stehenden Eigenschaften zu tun haben.

1. Spirituell: (…) Der Spiritualitätsmarkt boomt. Während die kirchlichen Mitarbeiter meist alle Hände voll damit zu tun haben, die Erwartungen geistlich nur oberflächlich interessierter Traditionschristen zu bedienen, fehlen Ressourcen, Sprachfähigkeit und pastorale Modelle, geistlich Suchende anzusprechen.
Unsere Erfahrung im Gebetshaus ist: Es gibt unendlich viele Menschen, die sich brennend für Gebet und Spiritualität interessieren. Doch sie finden kaum Orte, an denen sie pulsierendes geistliches Leben erfahren. Orte, an denen das geistliche Leben jedoch pulsiert, sind ausnahmslos Orte, zu denen Menschen hinströmen. Jesus musste keine Flyer drucken, die Menschen kamen einfach so. Im Gebetshaus wurde zu keiner Zeit versucht, möglichst viele Menschen anzusprechen.
Unsere wöchentlichen Vortragsabende begannen mit einer 15-teiligen Serie über Christologie. Jedes Mal gab es eine Stunde Lobpreis. Wir rufen Menschen zum Fasten und zu entschiedener Jesusnachfolge auf. Es ist ein großer Irrweg, zu meinen, man erreiche Menschen, wenn man das geistliche Niveau nach unten schraubt. Das Gegenteil ist der Fall. Menschen suchen die spirituelle Dimension und haben ein erstaunlich gutes Gespür dafür, wo etwas strahlt.
Deshalb gibt es keine wirksame Erneuerung der Kirche ohne geistliche Erneuerung. Der entscheidende Faktor für die Entwicklung des Gebetshauses sind die jährlich 8 760 Stunden Gebet. Alles äußere Wachstum ist nur Folge von und Überfluss aus lang anhaltendem, intensivem geistlichen Leben vieler leidenschaftlicher Beter. Dieser erste Grund ist wichtiger als die anderen fünf addiert.
2. Biblisch: Wenn das Wort nicht so missverständlich wäre, könnte man auch das Adjektiv „evangelikal“ einsetzen. Die wissenschaftliche Theologie in allen Ehren: Es gibt eine Kraft des Wortes Gottes, die sich nur dem erschließt, der kindlich glaubt. Im Gebetshaus wird gelehrt und verkündet, was in der Bibel steht. Wir glauben, dass das grundsätzlich stimmt. Auch viele Katholiken haben kaum eine Ahnung, was die Botschaft des Christentums eigentlich ist. Das Evangelium hat nichts von seiner Kraft verloren, es muss nur gepredigt werden. Es muss auf eine solche Weise gepredigt werden, dass es zu einer Entscheidung auffordert. Dem volkskirchlichen Vorurteil, jeder Getaufte sei auch ein Christ, kann nur durch die Betonung der Notwendigkeit einer echten Bekehrung begegnet werden.
Es besteht ein großer, spürbarer Unterschied zwischen Menschen, für die Jesus wirklich der Herr ihres Lebens (mit allen Lebensbereichen!) ist und solchen, bei denen das nicht der Fall ist. Während jeder Mensch im Gebetshaus willkommen ist, ist Mitarbeit nur möglich, wenn man tatsächlich Nachfolger Jesu ist.

Auszug aus Die Tagespost v. 22.12.16
Wir empfehlen die Lektüre der Tagespost, die dreimal pro Woche erscheint und das Weltgeschehen informativ und aus christlicher Sicht beobachtet. In der zitierten Ausgabe bringt Die Tagespost einen Schwerpunkt zum Thema Mission.

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