VISION 20002/2017
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Aufruf zum Kampf gegen die Kultur des Todes

Artikel drucken (Kardinal Robert Sarah)

Heute ist die Euthanasie zum neuen ideologischen Kampf der westlichen Postmoderne geworden. Wenn ein Mensch seinen Lebenslauf auf dieser Erde beendet zu haben scheint, meinen manche Organisationen unter dem Deckmantel, sein Leiden zu erleichtern, dass es besser sei, ihn umzubringen. In Belgien ist dieses Recht, das gar kein Recht ist, soeben auf Minderjährige ausgeweitet worden! Unter dem Vorwand, einem leidenden Kind zu helfen, ist es möglich, es kaltblütig zu töten.
Die Anhänger der Euthanasie wollen ausblenden, dass die Palliativversorgung heutzutage bestens an diejenigen angepasst wird, die keine Hoffnung mehr auf Heilung haben; der eiskalte und brutale Tod ist zur einzigen Antwort geworden.
Die Euthanasie ist das schrillste Anzeichen einer Gesellschaft ohne Gott, einer untermenschlichen Gesellschaft, die die Hoffnung verloren hat. Ich bin noch immer darüber verblüfft, wie sehr diejenigen, die diese Kultur propagieren, sich mit einem guten Gewissen umhüllen und sich ein leichtfüßiges Heldengebaren einer neuen Humanität geben.
Durch eine Art seltsamen Rollentausch werden die Menschen, die für das Leben kämpfen, zu Scheusalen, die man zur Strecke bringen muss, zu Barbaren aus einer anderen Zeit, die den Fortschritt ablehnen. Mithilfe der Medien suggerieren die Wölfe, dass sie großherzige Schafe an der Seite der Schwächsten sind! Doch der Plan der Förderer von Abtreibung, Euthanasie und all den Verstößen gegen die Würde des Menschen ist noch gefährlicher.
Wenn wir aus der Kultur des Todes nicht aussteigen, läuft die Menschheit in ihr Verderben. Zu Beginn dieses dritten Jahrtausends gilt die Vernichtung von Leben nicht mehr als Barbarei, sondern als Fortschritt der Zivilisation; unter dem Vorwand, es gäbe ein Recht auf individuelle Freiheit, gibt das Gesetz dem Menschen die Möglichkeit, seinen Nächsten zu töten. Die Welt könnte zu einer regelrechten Hölle werden.
Es handelt sich nicht mehr um einen Verfall, sondern um eine Schreckensdiktatur, um einen programmierten Genozid, für den die westlichen Mächte verantwortlich sind. Dieser erbitterte Kampf gegen das Leben stellt eine neue entscheidende Etappe in dem erbitterten Kampf gegen den Plan Gottes dar.
Dennoch stelle ich bei all meinen Reisen ein Erwachen der Gewissen fest. Die jungen Christen Nordamerikas treten zunehmend in den Vordergrund, um die Kultur des Todes zurückzudrängen.
Gott schläft nicht.

Auszug aus Gott oder Nichts - Ein Gespräch über den Glauben. Von Robert Kardinal Sarah, 399 Seiten, fe-Medienverlag, 18.30 Euro

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