VISION 20004/2017
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Kindergebet würde die Welt retten

Artikel drucken Miss Marykutty, eine Inderin, die 6 Millionen Kindern und Jugendlichen von Jesus erzählt hat (Von Alexa Gaspari)

Kaum jemand hat wohl so viel Erfahrung mit Kindern gemacht wie Miss Marykutty P.V.. Diese gottgeweihte Inderin hat nämlich in ihrem Leben zu ca. sechs Millionen Kindern und Jugendlichen von Gottes Liebe gesprochen. Dazu war sie in den letzten 23 Jahren in 20 Ländern unterwegs.
Und doch hatte ich noch nie von ihr gehört, als ich sie in unserer Pfarre in Maria Enzersdorf getroffen habe. P. Leo Liedermann aus Seckau hatte so begeistert und mit so viel Hochachtung von ihr gesprochen, dass ich beschloss, diese Frau mit dem großen Herzen für Kinder und Jugendliche zu interviewen.
Im Franziskaner-Kloster kommt mir Marykutty gleich liebenswürdig lächelnd entgegen, und wir setzen uns in eine stille Ecke. Man sieht ihr kein Alter an. Dafür strahlt sie Sanftmut und Ruhe aus. Sie scheint eine mit ihrem Leben zufriedene Frau zu sein. Gerne und unkompliziert erzählt sie aus ihrem Leben, von den Kindern und Gotteserfahrungen.
Geboren ist sie im Süden von Indien, in der Provinz Kerrala, wo die meisten Christen Indiens beheimatet sind. An ihre Familie hat sie schöne Erinnerungen. Sie ist die dritte von neun Geschwistern. Die Großeltern leben im selben Haushalt. Den Glauben, so meint sie, habe sie vor allem vom Großvater vermittelt bekommen. Er achtete sehr auf Disziplin und die Einhaltung der christlichen Werte im Leben der Kinder. „Da wir ihn sehr geliebt haben, haben wir ihm auch gerne in all diesen Dingen gehorcht. Überhaupt, dass wir unsere Großeltern hatten, war ein großer Segen für uns,“ meint sie lächelnd.
Mit vier Jahren bettelt sie ihre Schwester so lange an, bis diese sie erstmals in die Hl. Messe mitnimmt. „Die Kirche war 3 km entfernt,“ erzählt sie, „und nur zu Fuß zu erreichen. Der Pfarrer war ein Großonkel, der oft zuhause mit uns Kindern gespielt hat. Während er über Gottes Wort predigte und alle Leute ihm intensiv zuhörten, entstand in mir der große Wunsch, eines Tages auch in der Kirche von Gottes Liebe erzählen zu dürfen.“
Mit zwölf kommt die große Enttäuschung, als ein Missionspriester in der Schule zu den Buben über die Priesterberufung spricht und sie erfährt, dass sie als Mädchen nicht Priester werden kann und daher wohl nie in der Kirche zu den Menschen über Gott wird sprechen dürfen.
Das macht sie sehr traurig. Draußen im Hof schaut sie in den blauen Himmel und sieht ihn offen und voll mit hunderten Engeln, die sich alle um die in purpurne Gewänder gehüllte Muttergottes scharen. In ihrem Geist formt sich das Wort: „Alles ist möglich mit Gott.“ Und Gott, so meint sie heute dankbar, hat ihren Wunsch sehr ernst genommen und – auf besondere Art – erfüllt. Mit knapp 25 hat sie schon in etwa 100 Kirchen von Gottes Liebe erzählen dürfen.
Der Weg dorthin führt über die charismatische Erneuerung und ein College-Studium in Cochin zum Master of Education. Von guten Priestern geführt, reift in dieser Zeit ein tiefer Glaube in ihr heran. „Ich habe Jesus damals anlässlich eines charismatischen Seminars im College sehr persönlich kennengelernt. Die regelmäßigen Gebetstreffen, das Wort Gottes zu lesen und zu meditieren, all das faszinierte mich. Die Bibelverse offenbarten mir Got­tes Plan für mich. Vier Jahre hindurch bekam ich zu Weihnachten immer den gleichen, für mich gezogenen Bibelvers: ‚Suchet zuerst das Reich Gottes und Seine Gerechtigkeit und alles andere wird euch dazugegeben’.“ Immer stärker fühlt sie, dass Gott sie bittet, zu den Menschen zu gehen, um ihnen von Ihm zu erzählen.
So beginnen sie und Mitstudenten in die Slums der Stadt zu gehen, um den Ärmsten von Gottes Liebe zu erzählen. Bei diesen Gelegenheiten übernimmt sie die Betreuung der Kinder, damit ihre Freunde tiefere Gespräche mit den Erwachsenen führen können. „Ich sang mit ihnen, erzählte Bibel-Geschichten oder las ihnen vor. Da gab es ganz Kleine, aber auch 14-Jährige. Ich stellte fest, dass diese Kinder wunderbar frei beten konnten und war tief berührt.“
Eines Tages kommt eines dieser kleinen Kinder und erzählt von einem Mann, der in der Siedlung angekettet ist. Psychisch behindert ist er gefährlich aggressiv. „Das Kind fragte, ob wir nicht für diesen Mann beten könnten. Und so beteten wir für den 50-Jährigen. Eines Tages sagt eines der Kinder: ,Jesus bittet uns, diesen Mann freizulassen.’ Niemand wollte das so recht glauben. Doch auch andere Kinder – alle zwischen sechs und acht – sprachen von diesem Wunsch Jesu.“
Zunächst sind alle Leute dagegen. So verspricht sie, ihre Brüder und andere Helfer würden auf ihn aufpassen, wenn man ihm die Ketten abnimmt, und ihn, falls es Probleme gibt, gleich wieder anhängen. „Er bekam gute Kleider, wurde von den Brüdern nett hergerichtet, man nahm ihm die Ketten ab – und er blieb ganz ruhig. Ja, er wurde nie wieder aggressiv und verhielt sich ab da ganz normal.“
„Diese Heilung hat mein Herz tief gerührt,“ setzt sie fort. Es hat aber auch die Slumbewohner zum Nachdenken gebracht. „Ab da respektierten sie uns und unseren Glauben wesentlich mehr. Sie suchten das Gespräch, und ihr Glaube wuchs. Ich lernte in den Slums, dass das Gebet von Kindern sehr mächtig ist.“
In dieser Zeit bereitet sie sich auf ihre Arbeit als Lehrkraft vor und geht auch in Schulen, um Kindern von Gott zu erzählen. 1979 hat sie einen Traum: Sie ist umgeben von spielenden Kindern auf der einen Seite einer Schlucht. Da sieht sie, wie ein wildes Tier sich langsam nähert, um sich auf sie und die Kinder zu stürzen. „Ich pfiff und die Kinder verstanden gleich, dass sie über eine schmale Holzlatte auf die andere Seite der Schlucht flüchten sollten. Drei Kinder unter drei Jahren konnten nicht so schnell laufen, waren vor Angst wie gelähmt. Ich hob sie auf und lief mit ihnen. Die Bestie war hinter mir her, aber ich konnte nicht so schnell laufen. Die Kinder auf der sicheren Seite mussten die Holzlatte einziehen, um das Tier abzuhalten. So hatte ich keine andere Möglichkeit, als hinunter zu springen. Darauf war das wilde Tier sehr böse und knurrte mich an.“
Miss Marykutty spielt mir das anschaulich vor, mit verärgertem Knurren und bösen Blicken. Der Traum geht noch weiter: „Daraufhin machten die geretteten, größeren Kinder eine menschliche Leiter hinunter zu uns und holten die kleinen Kinder zu sich hinauf, in Sicherheit. Ich war glücklich.“
Dieser Traum geht ihr einfach nicht aus dem Kopf. Schließlich deutet ein Priester den Traum: „Du sollst für alle Kinder beten und ihnen helfen. Sie werden in der Welt bedroht und verfolgt.“ Dieser Auftrag, so meint sie, war die Basis für die folgenden Jahrzehnte, in denen Kinder ihr Hauptanliegen sein werden.
Vertrauen ins Gebet wird ein Grundpfeiler ihres Dienstes. Schon als Lehrerin in der Volksschule erfährt sie dessen Kraft. Eines Tages hat ein Kind eine massive allergische Reaktion, schwillt am ganzen Körper an. Schnell trägt sie es zu dessen nahegelegenem Wohnhaus. Auf dem Weg dorthin betet sie mit drei Kindern, die sie begleiten, für die kleine Nirmala. Zu Hause angekommen, will die Mutter ihre Tochter übernehmen – doch die Schwellung ist verschwunden! Unter Tränen erzählt die Mutter, diese Allergie sei lebensgefährlich, erfordere einen sofortigen Spitalsaufenthalt, noch nie sei die Schwellung von selbst vergangen. Nirmala wird übrigens nie wieder allergische Reaktionen bekommen. Wunderbar!
Nachdem ihr Gott Menschen schickt, die sich auch dem Dienst an Kindern widmen wollen, beginnt sie in den 80-er Jahren mit „Conventions“, großen Treffen für Kinder und Jugendliche von 12 bis 16. Gleich beim ersten Mal kommen 2.500 zusammen. „Wir sprachen über Gottes Liebe, wir beteten für sie. Wir wollten erreichen, dass die Kinder Jesu Spuren folgen, das Evangelium ernst nehmen sollten. So erzählten wir, wie Jesus als Heranwachsender war: gottesfürchtig, hilfsbereit, begierig zu lernen. Solche Eigenschaften wollten wir in den Kindern wecken.“
Der Tagesablauf: Gespräche wechselten mit Gruppenaktivitäten, dann Hl. Messe, am Abend Anbetung. „Das war der Moment, wo viele Kinder von Gott berührt wurden. Viele konnten Jesus sehen! Ihr Glaube wuchs sichtbar, ihre Beichten waren beeindruckend. Ihre Einstellung zum Leben veränderte sich.“ Die Früchte dieser Zusammenkünfte sind bemerkenswert: Sogar nichtchristliche Zeitungen in Indien bringen positive Artikel. Ein paar Burschen werden interviewt und erzählen offen über ihre Erfahrungen mit Jesus und wie sie sich selbst verändert haben: vorher undiszipliniert, uninteressiert, in schlechter Gesellschaft – jetzt aber wollten sie wie Jesus sein.
„Der Hl. Geist empfahl uns, gute Führungskräfte unter den Jugendlichen auszubilden. So haben wir die Jugendlichen des ersten großen Treffens vier Jahre lang begleitet und begonnen, sie in einwöchigen Kursen als Leiter und Betreuer für jüngere Kinder auszubilden.“ Damit hat sich ihr Traum bewahrheitet, dass ältere Kinder jüngeren zur Seite stehen. „Von diesen Jugendlichen, die wir begleitet haben, sind mittlerweile einige hundert Priester, Ordensmänner und -frauen geworden,“ berichtet sie strahlend.
Nach drei Jahren in einer Schule, in der sie Englisch und Naturwissenschaften lehrt, beschließt sie, diesen Job aufzugeben. Sie spürt, sie sollte ganz für den Hl. Geist arbeiten. Nun ungebunden, folgt sie diesem Ruf als „single dedicated person“, eine einzelne, geweihte Person, die keinem Orden angehört. „Ich hatte den Eindruck, sonst nicht die Freiheit zu haben, mich in der Weise für Christi Werk einsetzen zu können, wie Gott dies für mich vorgesehen hatte.“
Ohne Gemeinschaft war es natürlich riskanter. „Aber wenn ich wirklich Seinen Wunsch erfülle, werde ich auch die Gnade bekommen, das leben zu können. Und so hat Gott mir im Lauf der Jahre so viele gute Schwestern und Brüder zur Seite gestellt und mich vor vielen Gefahren beschützt, gewarnt oder durchgetragen.“ So z.B., als im eigenen Zentrum eine Decke einstürzt und Miss Marykutty nur um Zentimeter verfehlt. Ein anderes Mal träumt sie mehrmals, sie werde in einem Zimmer überfallen. Einmal sollte sie in einem Zimmer übernachten, verweigert dies aber, als sie es als den Raum ihrer Träume erkennt... Später erfährt sie, dass sich ein Mann in dem Haus eingemietet hatte, der ihr Übles hatte antun wollen. Denn Katholiken sind in Indien mit nur knapp 2% eine Minderheit, die zunehmend verfolgt wird. Mein Gegenüber bleibt da gelassen: „Ich bin überzeugt, Gottes Schutz und Geleit ist viel größer als alles, was mir zustoßen könnte. Er  gibt mir Zuversicht und Halt.“
Als sie mit einer Gruppe von Freiwilligen um einen Namen für die Zusammenkünfte der Jugend betet, kristallisiert sich die Bezeichnung Christeen heraus: „Christus für Teenager“ und „Teenager für Christus“ in einem Wort kombiniert. Das beschreibt eine Erneuerungsbewegung, die Jugendlichen helfen soll, sich durch verschiedene Grundlagenprogramme und Einkehrtage einen auf Christus zentrierten Lebensstil anzueignen. Mehr als sechs Millionen Teenager in über 30 Ländern wurden bisher durch Christeen erreicht. Laien, Priester und Ordensleute, die ihr Leben diesem Dienst an Jugendlichen geweiht haben, arbeiten nach dem Motto mit: „Bring Kinder und Jugendliche zu Gott, und sie werden Ihm die Welt bringen.“
Die Begeisterung der Jungen steckt dann auch deren Eltern an. Daher gibt es nunmehr auch für sie Einkehrtage. „So wird die ganze Familie erneuert, denn nicht selten entstehen die Probleme der Kinder ja im Elternhaus. Seit 20 Jahren machen wir nun Familieneinkehrtage. Ich bin immer wieder überrascht zu sehen, dass Kinder die Kanäle sind, durch die ganze Familien zu Gott finden. Aus dem Gebet der Kleinsten baut Gott Schutzdämme um Familien.“
Bei allen Treffen erlebt Miss Marykutty, wie mächtig das Gebet der Kleinen ist: „Eines Tages kamen Fernsehleute, keine Christen, in die Schule, wo gerade eine Einkehr für die Kleinsten im Gang war. Einer der Männer geht zum Pult, reißt das Mikrophon an sich und stellt die Kinder aggressiv zur Rede. Was da vorgehe? Ich wurde sofort verständigt. Es sei eine äußerst ungute Situation, die Medienleute äußerten sich auch massiv gegen die Schulleitung. Mir fällt das Bibelwort ein, dass das Gebet der Kleinsten mächtig sei und Feinde in die Flucht schlagen kann. Also hole ich die zwei Kleinsten, zwei und vier Jahre alt – und ihr Gebet ändert die Situation schlagartig. Kaum hatten die Kleinen ihr Halleluja und Jesus zu beten begonnen – nicht einmal eine Minute,“ flüstert Marykutty heute noch ergriffen, „packten die Fernsehleute kommentarlos alles ein und suchten das Weite.“
„Wenn kleine Kinder in all unseren Familien beten und Gott loben würden, geschähe nicht soviel Schreckliches auf der Welt,“ versichert sie. „Aber das Kindergebet in den Familien fehlt leider,“ fügt sie bedauernd hinzu.
Und dann erzählt mein Gegenüber von noch einem Projekt: „Kinder, die im Jahr 2000 geboren wurden, die Millenniumskinder, sind etwas Besonderes,“ erklärt sie. „2012 dachten wir also daran, dass Jesus mit 12 Jahren in der Synagoge zu den Menschen gesprochen hat. Er hat weise gesprochen und auf Glaubensfragen antworten können. Also haben wir vor 5 Jahren ein Programm für die damals 12-Jährigen begonnen und es Y12 genannt! (Y steht für year – Jahr). Ziel des Programms ist es, in den nächsten Jahren die Millenniumskinder (viele Tausende) zu begleiten und ihnen zu helfen, disziplinierte, gläubige und verantwortungsvolle Menschen zu werden. Für 2033 – das goldene Jubiläum des Leidens und Sterbens Christi – ist eine Weltevangelisation mit vielen Aktivitäten angesagt. Marykutty hofft, dass die Millenniumskinder ab 2030, wo immer sie sind, die Welt für Ihn zu gewinnen versuchen und, wenn möglich wie Jesus, drei Jahre ihres Lebens Gott schenken werden.
Mittlerweile gibt es die ganz großen Treffen – 1994 sangen und beteten 23.000 Jugendliche gemeinsam – nicht mehr. Jetzt kommen meist „nur“ rund 500 bei den Einkehrtagen zusammen, „damit wir uns intensiver um sie kümmern und sie zu einer persönlichen Gotteserfahrung führen können,“ erklärt sie lächelnd. Es gibt mehr Gebet, Anbetung, Bibelstunden, geistige Beratungsgespräche, Beichte, Eucharistie, das Miteinanderteilen, Musik und persönliche Zeugnisse.
Bei den Einkehrtagen kommt es immer wieder zu wunderbaren Spontanheilungen. Da gibt es etwa den Fall des Buben mit den deformierten Füßen. Er konnte kaum gehen und war mit seiner Mutter 30 Stunden im Zug angereist, um am Treffen teilnehmen zu können: „Nach der Kommunion am ersten Tag bat ich die Kinder, mir nachzusprechen: ‚Jesus, liebe mich, Jesus, berühre mich, Jesus, heile mich’ – einfache Gebete. Da steht der Bub plötzlich auf und kann aus der Kirche zu seiner Mutter laufen. Diese ist in Tränen ausgebrochen. Der Bub kam dann wieder zurück , um die Messe weiter mitzufeiern. Eine wunderbare Heilung!“
Noch eine Begebenheit sei berichtet: 2013 muss Marykutty zu einem Treffen nach Dubai fliegen. Beim Ausräumen ihres Schreibtisches wegen eines Umzugs findet sie ein paar Tage vorher ein Faltmesser und steckt es ein. Es ist die Erinnerung an ein Mädchen, das von ihrer Mutter als Baby in einen Mistkübel weggeworfen worden war und sich als hasserfüllte Heranwachsende vor­genommen hatte, die Mutter zu ermorden. Nach einem Jugendtreffen von Christeen – dort erfährt sie, dass Gottes Liebe zu ihr weit, weit größer ist als die jeder Mutter – vergibt sie ihr und übergibt Marykutty das Messer als Zeichen, dass sie es ernst meint. Das steckt nun in der Tasche und sie vergisst darauf bis sie zurTaschenkontrolle im Flughafen kommt: Sie darf ja kein Messer mithaben. Der Verlust dieses Andenkens an die wunderbare seelische Heilung des Mädchens würde sie aber sehr treffen. Sie betet heftig – und das Screening „übersieht“ das Messer. Unbehindert passiert sie die Kontrolle. Ein kleines Wunder?
Bei den vielen Flügen gibt es scheinbar hoffnungslose Situationen: Da hat der Veranstalter einer länger als geplant dauernden Einkehr in Australien versäumt, Marykuttys Abflugticket zu ändern. Sie muss aber dringend zurück nach Indien, zu einer Veranstaltung. Es ist Sommerbeginn: alle Maschinen nach Singapur hoffnungslos überfüllt, keine Chance. Marykutty vernimmt jedoch eine innere Stimme, die ihr sagt, sie solle einfach zum Flughafen fahren und um einen Platz in einem Flugzeug von Melbourne nach Singapur bitten. Im Flughafen verlegt sie sich natürlich zunächst aufs Beten und tatsächlich verschafft ihr eine Bodenhostess in allerletzter Minute den letzten Platz in einer Maschine…
Die Geschichte, die mich am meisten beeindruckt hat, trug sich jedoch bei einer Taxifahrt während eines Monsunregens zu. Die Flüsse führten Hochwasser. Bei einer Brücke kommt das Taxi ins Rutschen, der Fahrer verliert die Kontrolle über den Wagen, das Taxi stürzt in den Fluss, der Fahrer springt rechtzeitig aus dem Auto. Der Nichtschwimmerin Marykutty gelingt das nicht, sie fällt mit dem Taxi in die Fluten. Spontan fällt ihr Jesaja 43,2 ein: „Wenn du durchs Wasser schreitest, bin ich bei dir, wenn durch Ströme, dann reißen sie dich nicht fort.“ „Das ist jetzt dran,“ sagt sie zu Jesus. Und irgendwie gelingt es ihr, aus dem Wagen zu kommen. Doch sie kann ja nicht schwimmen, stellt aber zu ihrer Überraschung fest: unter ihren Füssen ist Sand. Und so watet sie, bis zur Brust im Wasser, an Land. Dort warten ganz aufgeregt Menschen, die hilflos zugesehen hatten: Sie sei offensichtlich eine wunderbare Schwimmerin, meint einer. „Nein“, antwortet sie, „Ich kann gar nicht schwimmen, musste es auch nicht, das Wasser ist mir nur bis zur Brust gegangen.“ Und da wird sie aufgeklärt: Der Strom ist schon an sich vier Meter tief und bei Hochwasser noch viel tiefer. „Ach so,“ meint da die Nichtschwimmerin, „dann hat wohl Jesus Seine Hand unter meine Füße gehalten.“
Jetzt habe ich eine letzte Frage an mein Gegenüber: „Wie hat ihr großes Lebenswerk ihren eigenen Glauben geprägt, verändert?“
Ohne zu zögern antwortet sie: „Von Anbeginn an hat Gott meinen Glauben durch dieses Werk gestärkt. Ich spüre immer deutlicher, dass Gott mich immer mehr liebt. Und so mache ich weiter, ohne müde zu werden. Das ist eine besondere Gnade. Ich weiß, ich bin eine einmalige Person, mit der Gott einen besonderen Plan hat. Aber das gilt für jeden Menschen! Ich soll nur meinen Teil von Got­tes Plan erfüllen. Er ist immer bei mir. Ich bin nie allein. Gott braucht uns. Wir machen all das gemeinsam. Gott bedient sich meiner, nicht weil ich so heilig bin, auch wenn ich mich darum bemühe. Alles was man sieht, entsteht aus Gnade. Und ich vertraue darauf, dass Er der wahre lebendige Gott ist, den ich in mir spüren kann.“ Lachend fügt sie hinzu : „Er ist doch nicht tot oder verschwunden. Er ist die Kraft, die ich um mich herum erkenne.“
Beten wir für Marykuttys Wirken und für die Christen in Indien, denn ihre Situation wird schwieriger. „Aber wir haben keine Angst. Wir tun ja Gottes Werk,“ ergänzt sie vertrauensvoll.



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