VISION 20004/2017
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Der Garten Eden – bald verwüstet?

Artikel drucken Über die lebenswichtige Botschaft des Schöpfungsberichts (Von Christa Meves)

In allen Bereichen beobachten wir Grenzüberschreitungen: in der Nutzung natürlicher Res­sour­cen, in der Gentechnik, im Umgang mit der Geschlechtlichkeit… Die Folgen – überwiegend negativ, denn die Schöpfung unterliegt einer von Gott gestifteten Ordnung, die nicht beliebig verändert werden darf.

Das 1. Kapitel von Genesis ist so etwas wie eine Überschrift von Gottes Plan mit dem Menschen, eine Zuweisung an Sein so besonderes Geschöpf Mensch. Hier ist das Wesen des Gartens Eden umschrieben, wenn dieses Wort zunächst auch noch nicht genannt wird: Es handelt sich um das herrliche, das erhabene, um das unendlich wunderbare Kunstwerk Gottes auf diesem kleinen erkalteten Planeten. Wie ein köstlicher Garten ist die Schöpfung – schön und nutzbar wie ein Paradies – der Pflege des Menschen anvertraut! Schöpfung, eben ein Garten Eden.
In Gen. 2, 15-17 heißt es dann: „Gott nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bebaue und bewache. Und Gott gab dem Menschen dieses Gebot: ,Von allen Bäumen des Gartens darfst du essen. Vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen aber darfst du nicht essen. Denn am Tage, da du davon issest, musst du sicher sterben’.“
Hier weitet sich der Text noch zu einer weiteren allgemeingültigen Symbolik aus: Im Garten Eden hält der Schöpfer – bei all dem vielen Spielraum – dennoch für den Menschen ein Verbot für unumgänglich!
Deshalb müssen wir genauer fragen: Was will mit der Wortwahl des Begriffs „Garten Eden“ in aller Tiefe ausgesagt werden?
Dazu kann die Frage dienen: Was ist überhaupt allgemein das Charakteristische eines Gartens? Vor allem seine Umgrenztheit! Er ist umsäumt, mit Zäunen, Büschen oder Gräben. Darüber hinaus zeichnet er sich durch Nutzbarkeit aus: Pflanzen für unsere Ernährung, als Weideplatz für Nutztiere, am meisten aber durch die Pflanzung von Blumen – auf Schönheit, Kultiviertheit hin liebevoll angelegt. Das Wesen des Gartens: Er ist ein Ort sorgsamer Pflege und durch Umzäuntheit charakterisiert. Der Garten Eden ist also in diesem Zusammenhang nicht nur Sinnbild für die Schöpfung, sondern es wird durch das Verbot, die Früchte des einen Baumes nicht zu essen, auf die Begrenztheit des Spielraums für den Menschen hingewiesen.
Das heißt: Gottes Schöpfungsordnung bedarf der Beachtung. Und die Grenzen geben die Naturgesetze, denen die Schöpfung unterliegt, ja auch in der Tat her, vollzieht sich doch die gesamte Natur um uns herum nach ehernen Ordnungen, die wir respektieren müssen, wenn ihre Früchte und die Art ihrer Funktionen uns dienstbar sein und unser Tun nicht etwa schädliche Auswirkungen haben sollen. Besonders der Baum der Erkenntnis und seine Früchte stehen hier für die Vollmacht Gottes über sein Schöpfungswerk.
Der Spielraum des Menschen in Gottes Garten mit all der herrlichen Handlungsfreiheit ist vom Menschen nicht eigenmächtig veränderbar; denn dieser Raum ist lediglich eine Leihgabe. Damit darf der Mensch nicht in angemaßter Autonomie umgehen! Er muss hinauffragen, bevor er etwas verändert! Die Ökosysteme sind vom Schöpfer sorgfältig aufeinander abgestimmt. Sie lassen sich nicht wahllos auseinander reißen, ohne dem Ganzen zu schaden. In diesem Bild wird Gottes unaufgebbare Vorrangstellung und die Notwendigkeit über das Einhalten der durch die Schöpfungsordnung bedingten Grenzen klargestellt.
Zwar billigt der Schöpfer dem Menschen mit einem weiten Spielraum herrliche Handlungsfreiheit zu. Er darf als Gottes Abbild gewissermaßen auf Augenhöhe mit dem Herrn leben und agieren. Aber das darf nicht so weit gehen, dass der Diener sich über den Herrn setzt, wie Christus dies später klar ausspricht.
Der Garten Eden umschreibt die Schöpfung als Ordnungsrahmen, damit aber auch als Schutzraum Gottes für den Menschen. Er beschenkt den Menschen sogar mit schöpferischen Aufgaben, aber nachdrücklich in harmonischem Verbund mit dem Künstler selbst – eben mit Ihm gemeinsam. Durch die Entfaltung seiner Begabungen wird Adam – damit ist jeder von uns gemeint! – geradezu zu einem Mitkreator des Schöpfers. Auch dass Adam den Tieren Namen gibt, steht für den hohen Rang dieses Dienstes, die die Freude des Menschen an Erfindung und wissenschaftlichem Ein­falls­reich­tum einschließt. Das ist mit der Zuweisung „fruchtbar zu sein“ im weitesten Sinn des Wortes gemeint, lässt sich aber auch im wörtlichen Sinn verstehen.
In schönster Bereicherung dieser heilen Welt in Gottes Nähe und unter Seiner Regie wird nun noch ein weiteres Geschenk hinzugefügt: Adam erhält eine völlig zu ihm passende Gefährtin.
Ein wenig muss ich auch darauf eingehen, damit wir Gottes Drama mit dem Menschen im Garten Eden in all seiner Relevanz für uns heute gut verstehen. Das wird in den Versen Gen 2,18 bis 25 dargestellt. „Dann sprach Gott: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht…“
Diese Stelle sagt Folgendes aus: Die Schaffung der Gefährtin enthält in genialer Symbolik das glückhafte Aufeinander-Bezogensein von Mann und Frau, ja, sie macht die noch heute bestehenden angeborenen, typischen Wesensunterschiede von Mann und Frau sichtbar – mit all den typischen Charakterunterschieden, die besonders beim Verfüh­rungsakt sichtbar werden: Die Frauen erweisen sich grundsätzlich, aber deshalb auch in ihren negativen Aspekten als hellhöriger, gesprächiger, vertrauensseliger und beeinflussbarer als die Männer. Gerade durch diese Eigenschaften ist weiblicher Charakter auch leichter ansprechbar für gefährliche Intrige, wie die Schlange sie plant. Nicht dass das grundsätzlich bedenkliche Eigenschaften der Frauen sind.
Verschiedenheit zwischen Mann und Frau sind auf Ergänzung angelegt, und deshalb z. B. zur Elternarbeit – in dieser Form von Gemeinsamkeit – besonders geeignet. Wie sehr es stimmt, dass Gott den Menschen in zwei Geschlechtern schuf, kann die Forschung heute nachweisen. Die Genesis weiß also bis heute die nun auch wissenschaftlich begründbare Wahrheit: „Als Mann und als Frau schuf er sie!“ Und die unbefangene Nacktheit des Paares am Anfang dient darüber hinaus als Symbol für die in sich harmonische Reinheit bei allem Tun in der Gottesnähe – auch in Bezug auf die eheliche Sexualität im Dienst des Fruchtbarseins.
Aber wie bringt sich der Mensch damals – und heute in ähnlicher Weise – immer wieder um das Glück eines solchen Schutzraums bei Gott – eben um den Garten Eden direkt, den es gewissermaßen hinter seinem Haus auch heute noch gibt?
Am Beginn des Dramas taucht die Schlange auf, ein Tier listiger als alle anderen, für diese hinterlistige Aktion ausgewählt vom Satan, der hinter der Szene die Strippen zieht! Ja, es gibt ihn – den Teufel – selbst wenn man heute in Deutschland in die Gefahr gerät, seine Stelle als Religionslehrer zu verlieren, wenn man das den Kindern vermittelt.
Dass der Teufel sich beim Sündenfall der Schlange bedient, zeigt symbolisch eine große weitere allgemeine Wahrheit auf: Auch die Natur – zu der das Tier Schlange gehört, bedarf der Einbindung in die Zügel des Schöpfers, obwohl Er ihr auch viel Entfaltungsspielraum und Entwicklungsmöglichkeiten eingeräumt hat. Unter Umständen kann auch sie aus der Bahn geraten. Natur ohne Gott kann vom Bösen benutzt werden. Genau dies bedeutet Gottes Warnung an Adam und Eva, sich an Seine Gebote zu halten, an Seine Konzepte und Gestaltungsformen als dem Besitzer des Garten Edens!
Wie bringt die Schlange ihr Vernichtungswerk im Dienst von Diabolos zustande? Damit müssen wir uns beschäftigen, weil es ja noch heute bei uns täglich tausendfach geschieht. Als erstes: Sie verlockt, bietet etwas Neues an, etwas Unbekanntes, Besseres als das, was Gott eingerichtet hat. Wie gemein ist diese elende Täuschung, die in grausamer Ent-Täuschung enden wird! Die Schlange putscht unser natürliches Bedürfnis nach Neuem – wie unsere Sprache so richtig weiß – zur Neugier auf! Sie reizt damit auch unsere Lust auf mehr Besitz. Es geht hier bei den Entscheidungen unseres Lebens um egozentrische Bedürfnisbefriedigung, bei der ein Hinauffragen zu Gott vergessen wurde. Nicht Gottes Reich dominiert dabei in unseren Herzen!
Was bietet die Schlange? Sie bietet, klüger zu werden – klüger als Gott, nur durch ein ganz klein bisschen Eigenmächtigkeit und Ungehorsam. „Merkt ja doch keiner“, denken auch wir heute, wenn wir in Versuchung geraten, etwas zu tun, was nur ein bisschen nicht koscher ist! „Machen sie doch alle“ – wird den modischen Fallen dann hinzugefügt! Hier beim Sündenfall geht es eben darum, nicht Gott, sondern der Schlange Glauben zu schenken.
Es gilt also zu begreifen: Wenn wir uns in der Nähe zu Gott befinden, im Gottgehorsam also, dann befinden wir uns im Garten Eden, dann entsteht seelische Sicherheit, aber ohne des Schöpfers Um­zäunung zu beachten, ohne uns Seiner Ordnung zu unterstellen, geht alles in Wirrnis unter. Der Mensch verliert jeglichen Maßstab. Und das kennzeichnet Gott in der Aussage: Dann müsst ihr sterben! Ohne Gott zu sein, heißt, geistig tot zu sein!
Als Gesellschaft geschieht das ja auch in der Tat: Niedergang und schließlich Untergang der entsprechenden heidnisch gewordenen Gesellschaft! Dem einzelnen Menschen wiederum geht die Orientierung verloren, was viel selbstgemachtes Leiden zur Folge hat. Verloren geht auch die Hoffnung auf ein ewiges Leben in Gottes Nähe. Sogar das Selbstbewusstsein – für kraftvolles Tun so dringlich erforderlich – ist durch die negativen Erfahrungen mit sich selbst schließlich ebenfalls futsch: Falsch, unwiderruflich falsch war das, weiß das aufgewachte Gewissen. Weniger als nichts ist dabei herausgekommen! Du bist ein elender Wicht – es bleibt dir keine andere Wahrheit als diese!
Wenn wir überheblich, eigenmächtig und dumm unsere Verbindung zu Gott aufgeben – wie es heute mehr als oft passiert –, wird die Schlange im Leben ohne Gott gewissermaßen zum Dauergast. Nach dem Sündenfall hat der Mensch seine Beheimatung in Gottes Geist aufgegeben und sich damit der Nähe des Schöpfers und Seiner Segnungen enthoben! Er hat diese verspielt. Wie deutlich wird das sichtbar, bei den vielen Grenzüberschreitungen heute – z. B. durch die Atombombe, das Aufbrechen des Genoms, um heile Menschen zu züchten, durch die Entfesselung der Sexualität ab der Kindheit! Ohne auf Gottes mahnende Stimme zu hören, liefert sich der Mensch der groben Seite der Natur aus, die sich ihm dann von ihrer erbarmungslosen Eigenschaft her zeigt.
So ist auch Adam jenseits vom Garten Eden zum Abrackern zwischen „Dornen und Disteln“ verurteilt. Denn nun regiert auch in ihm allein die Natur, die sein Wille nicht mehr beherrscht: Das Ego ist sein Götze! Anmaßend, selbstherrlich, geld- und raffgierig – süchtig, süchtiger, am süchtigsten in aller Vielfalt der Verelendungen: von der Trunk- bis zur Fresssucht, durch Vergötzung der Sexualität. Krank und traurig, so, so traurig – das ist dann des Menschen Schicksal, seelisch und geistig verzweifelnd. Jeder dritte Europäer heute sei depressiv. Und er schafft sich neue Götter: vom PC zum Satanismus, von der Homosexualisierung zu Gender-Mainstreaming.
Aber selbst gegen die in all ihrem dummen Hochmut sich immer neu aus dem Garten Eden herauskatapultierenden Menschen ist unser Gott auch heute unendlich barmherzig: Auch heute sind diese grausigen Zustände in wunderbarer Weise abstellbar für jeden Einzelnen wie für Gesellschaften, die umkehren, Buße tun und ihre Sünden unter das Kreuz legen. Seit Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist, seit Er seine Leiblichkeit für uns Arme hingeopfert hat, verwehrt der Engel mit dem Flammenschwert dem reumütig Zurückkehrenden nicht den erneuten Zugang zu Seinem Paradies, zum Garten Eden. Und das heißt vor allem: im Einklang mit dem Herrn die Schöpfungsordnung zu akzeptieren. Schon in diesem Leben können wir in diesem „Garten“ wohnen, wenn wir uns – durch unsere veränderte Haltung – in täglicher Liebe, in Lobpreis, Dankbarkeit und Wachheit mit unserem Herrn verbinden. Dieses Paradies, Gottes Schutzraum, hat für jeden Platz; denn Er ist ja bei uns in Gestalt seines Heiligen Geistes. Für jeden von uns, für jeden noch so schweren Sünder besteht diese Möglichkeit: zurückzufinden und sich vom barmherzigen Gott vom Kreuz her – sogar bei Rückfällen – wieder heilen zu lassen.
So dürfen wir trotz aller Rückfälle bei immer nötigem und wachem Eingeständnis unserer Würdelosigkeit und rückfälliger Sündenlast am Osterfest jubeln: „Heut schleust er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis. Der Cherub steht nicht mehr dafür. Gott sei Lob, Ehr und Preis.“

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