VISION 20005/2017
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Die Zukunft gehört der sakramentalen Ehe

Artikel drucken Weil die Ehe kein weltlich Ding ist: (Christof Gaspari)

Mittlerweile können in 22 Ländern der Welt gleichgeschlechtliche Paare nach staatlichem Recht eine „Ehe“ eingehen. Die Liste wird wohl noch länger werden, denn die Gender-Ideologie – sie hat die Forderung einer „Ehe für alle“ auf ihre Fahnen geschrieben – macht weltweit Druck. Ist das nun eine Katastrophe?

Katastrophe für wen? Zunächst einmal sicher für all jene, die keinen festen weltanschaulichen Standpunkt haben. Zwar denkt derzeit nach wie vor die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung, wenn man von Ehe spricht, an den Bund von Mann und Frau, und hält diese Konstellation für normal. Aber es ist in keiner Weise gewährleistet, dass sich diese Sichtweise auf Dauer auch hält. Die Erfahrungen in der Abtreibungsfrage haben es deutlich gezeigt: Anfangs von der überwiegenden Mehrzahl der Leute abgelehnt, hat sich die Einstellung zur Tötung ungeborener Kinder mittlerweile umgekehrt. In den meisten Ländern Europas gibt es längst keine Mehrheit mehr für die Abschaffung dieses scheinbaren Rechts der Frau.
Ähnliches wird sich aller Voraussicht nach bei der „Ehe für alle“ abspielen. Man wird sie weiter pushen, in den Medien ihre Verdienste loben, sie in Kinder- und Schulbüchern als normale Selbstverständlichkeit darstellen, durch „wissenschaftliche“ Untersuchungen belegen, dass sie den Kindern dieser Paare zuträglich ist – und die allgemeine Meinung wird auch in dieser Frage kippen. Erste Vorzeichen für einen Meinungswandel kann jeder schon jetzt feststellen: Wer es wagt, Kritik an  gleichgeschlechtlichen Beziehungen zu äußern, wird staunend erkennen, wie oft er auf Widerspruch stößt – und häufig auf sehr heftigen. Und das durchaus bei Personen, die sich selbst in keinerlei Weise gleichgeschlechtlich betätigen.
Mit der „Ehe für alle“ wird im Grunde genommen ein Weg fortgesetzt, der spätestens seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts fast überall beschritten worden ist. Der erste Schlag gegen die Ehe erfolgte durch die systematische Erleichterung der Scheidung. Ihre Zahl stieg enorm an, gleichzeitig wuchs die Zahl der nicht-ehelichen Partnerschaften, die deutlich weniger stabil sind. Diese Labilität untergrub immer mehr die Bedeutung der auf dem Standesamt geschlossenen Ehe. Die Kluft zum katholischen Verständnis von Ehe wuchs.
Durch die Einführung einer „Ehe für alle“ wird dieser Prozess im Grunde genommen nur fortgesetzt. Zugegeben auf einschneidende Weise, weil das Zusammenleben als Paar bisher selbstverständlich gleichbedeutend mit Mann+Frau war. Damit hat die weltliche Vorstellung die Ehe ihrer wesentlichen Merkmale beraubt: dass sie auf der fruchtbaren Polarität von Mann und Frau aufbaut und dass sie durch ihre Beständigkeit einen Raum der Geborgenheit, der unbedingten Zugehörigkeit für den einzelnen bildet. Weltlich gesehen, ist das eine Katastrophe. Es wird – wie historische Vorbilder zeigen: man denke an die sittliche Verlotterung bei Griechen und Römern – zu einem kulturellen Niedergang führen.
Für uns Christen jedoch ist es eine Chance, unser Verständnis von der Ehe nicht mehr so stark aus den Usancen des gesellschaftlichen Umfelds, sondern aus den Quellen unseres Glaubens zu beziehen.
Was das bedeutet? Uns auf den Ursprung zu besinnen. Auch als man Jesus nach der Ehe gefragt hat, bezog Er sich auf das, was der Schöpfer am Anfang im Sinn gehabt hatte. Und da wird in der Heiligen Schrift unmissverständlich gesagt: Gott hat den Menschen als Mann und Frau geschaffen – gleichwertig, aber unterschiedlich, in einer lebensträchtigen, fruchtbaren Polarität und zur Einheit berufen, zum untrennbaren Einssein. Und Er fand dieses Werk sehr gut. Denn an dieser unzertrennlichen Einheit von Personen – dem Mann, der Frau und den aus deren Einheit hervorgehenden Kindern – lässt sich das Wesen Gottes ablesen. Es tritt gewissermaßen erfahrbar in der Schöpfung in Erscheinung.
Daher auch die fundamentale Bedeutung der Ehe für das Heil der Welt. Auf diesem Hintergrund wird dann auch die Aussage von Sr. Lucia dos Santos, einer der Seherinnen von Fatima, verständlich: In einem Brief an den kürzlich verstorbenen Kardinal Carlo Caffara schrieb sie: „Die letzte Schlacht zwischen dem Herrn und der Herrschaft des Satans wird um die Ehe und die Familie geschlagen.“ Tatsächlich entscheidet sich alles an der Gestalt von Ehe und damit Familie und an deren Gelingen: die Zukunft der Welt.
An dieser Stelle sei festgehalten: Bei der Verteidigung der Ehe geht es nicht darum, eine lebensfremde Idylle zu malen, wohl aber klar zu erkennen: Jetzt, da dieses von Gott gewollte, lebensträchtige, dem Wesen des Menschen entsprechende Lebensmodell nicht mehr von außen gestützt, ja im Gegenteil sogar gesellschaftlich angefeindet und infrage gestellt wird, ist es umso notwendiger, sich auf die Grundwahrheit der Ehe zu besinnen, um sie in unseren Tagen lebbar zu machen.
Gott will, dass Ehen auch heute gelingen – und Er gibt die Kraft und die dafür notwendigen Mittel zur Hand. In deren Genuss zu kommen, setzt voraus, dass wir zur Kenntnis nehmen: Die Ehe ist kein „weltlich Ding“. Der Volksmund sagte, Ehen würden im Himmel geschlossen. Und das stimmt.
Durch die sakramentale Eheschließung entsteht ein Bund zu dritt: Der Mann, die Frau und der lebendige, gegenwärtige und in unserem Leben wirkende Gott gehen einen Bund ein, der vor allem deswegen von Dauer sein wird, weil der Herr selbst sich zum Garanten des Fortbestehens – gerade in schwierigen Zeiten – macht. Und diesen Bund mit Gott können nur ein Mann und eine Frau schließen. Denn nur er kann fruchtbar und Kindern das Leben schenken. Retortenzeugungen sind ein Ärgernis vor Gott.
Dieses unverbrüchliche Fortbestehen des Bundes ist von entscheidender Bedeutung für alle, die diesen Raum bevölkern. Alle Beteiligten, Vater, Mutter, Kinder machen die Erfahrung, dass sie aufgenommen, angenommen sind – komme da, was wolle. Das ist die Grunderfahrung, die der Mensch zu seiner Entfaltung braucht: Es ist gut, dass es mich gibt, denn die anderen nehmen mich an, unbedingt, auch wenn ich versage, falle, Böses tue – ich bin angenommen. Es kann immer wieder einen neuen Anfang geben. Ehe und Familie sind Schulen der Liebe.
Natürlich spielt sich all das nicht in einem Zustand dauernder Harmonie ab. Da gibt es Konflikte, Spannungen, Dürreperioden… Klar. Aber gerade das unbedingte Ja, das die Ehepartner einander am Anfang zusagen, eröffnet die Möglichkeit, dass alle auftretenden Schwierigkeiten zu Chancen werden, persönlich zu wachsen, zu reifen, die Liebe zu vertiefen.
Wesentlich dafür: das Vertrauen, dass Gott gegenwärtig ist und mitwirkt. Dann darf man erleben, wie kostbar es ist, immer mehr zusammenzuwachsen und Sorgen und vor allem Freuden zu teilen; wie wunderbar das Vertrauen der Kinder, ihre spontane Zuneigung, ihre Lebensfreude, das Teilnehmen an ihrem Lebensweg; wie bereichernd die Erfahrungen der Vorfahren, ihr Wohlwollen… Und dann die Freude an den Enkeln: eine weitere Generation, neue Perspektiven, wir dürfen sie im Gebet begleiten, der Herr wird auch sie führen…
Noch einmal sei es gesagt: Das alles ist in der Tretmühle des oft so anstrengenden Alltags gefährdet. Damit wir dadurch also nicht die Freude an unserem Zusammenleben verlieren, gilt es, immer wieder den Herrn, die Quelle und den Garanten dieser Freude miteinzubeziehen. „A family that prays together, stays together,“ wurde die heilige Mutter Teresa nicht müde zu wiederholen: Gemeinsam zu beten, erschließt die Gegenwart Gottes unter uns, hilft, Spannungen abzubauen, Sorgen zu relativieren, lässt uns die Kostbarkeit des anderen wieder neu entdecken. Wo die Schwierigkeiten von außen sich mehren, müssen die Quellen in unserem Inneren reichlich erschlossen werden.
Dann werden unsere Ehen und Familien zu Orten der Hoffnung für die Welt, die dabei ist, in die Irre zu gehen. An diesen Orten wird erfahrbar, dass jeder Mensch kostbar und liebenswert, dass Gott gegenwärtig ist, dass Kinder ein Segen und Quellen der Freude sind, kurz: dass das Leben, trotz aller Mühen, Lasten und Sorgen, die es auch gibt, schön ist und wert, gelebt zu werden.
Und die Menschen werden die Botschaft gerne annehmen. Denn jeder trägt die Sehnsucht nach diesem Lebensmodell im Herzen. Man sieht es an den verklärten Blicken der Gäste bei Trauungen.



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