VISION 20005/2018
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Alles Roger

Artikel drucken Verkündigung in Gedichtform (Christof Gaspari)

Es ist viele Jahre her, dass ich in Maria Enzersdorf am Faschingssonntag eine Predigt in Gedichtform gehört habe, eine nette, auch lustige, die das Geschehen in der Pfarre aufs Korn nahm. Anlässlich unseres heurigen Aufenthalts beim Jungfamilientreffen in Pöllau hat uns der Ortspfarrer Roger Ibounigg sein Buch Alles Roger geschenkt: Predigten in Gedichtform.
Zunächst war ich überrascht. Einmal im Jahr, zur Faschingszeit, ok – aber kann man über die Brotvermehrung, die Verklärung, den reichen Fischfang, die Ehebrecherin in Gedichtform Gewinn bringend Wesentliches sagen, ohne dass es gekünstelt wirkt?
Ja, man kann, wenn man es wie Pfarrer Ibounigg tut. Heute habe ich noch einmal in Alles Roger gelesen und fand meinen positiven Eindruck bei der ersten Lektüre bestätigt. Zweifellos ist es einerseits eine lockere Art der Verkündigung, die dem Leser oft ein Schmunzeln entlockt. Aber, weil der Pöllauer Pfarrer ein missionarisch engagierter Mann ist, enthalten die Gedichte stets eine ernstzunehmende und eingängige Botschaft, eben die Botschaft des Evangeliums. Vielen Lesern, die sonst nicht zur Heiligen Schrift greifen würden, könnte das Buch einen Zugang eröffnen – umso mehr als die entsprechenden Evangelienstellen ebenfalls abgedruckt sind.
Dieser Meinung war offenbar auch Bischof Wilhelm Krautwaschl, der ein Vorwort – ebenfalls in Versform – für Alles Roger geschrieben hat:
Sich einen Reim auf das Evangelium zu machen,
gehört klarer Weise zu Pfarrerssachen,
dies mit Witz und Verstand zu tun,
zeigt Pfarrer Ibounigg in diesem Büchlein nun.
Das Buch ist hübsch aufgemacht mit vom Pfarrer entworfenen Zierleisten und netten Karikaturen von Josef Promitzer: ein geeignetes Weihnachtsgeschenk für jemanden, dem man dafür gewinnen will, sich etwas mehr mit dem Glauben zu beschäftigen – oder für jemanden, dem ein bisschen Lockerheit im Glaubensleben gut täte…
Am liebsten hätte ich Ihnen, liebe Leser, eine ganze Predigt als Kostprobe vorgestellt. So begnüge ich mich mit einem Ausschnitt aus dem Gedicht zum Thema „Zeitgeist“:
Man hört und staunt in diesen Jahren,/ in exklusiven Seminaren,/ verkünden weise Hochgelehrte:/ „Wir brauchen Ethik, brauchen Werte!“
An solch illuminiertem Ort/ erklingt das Humanismus-Wort./ Auch wenn es innen drinnen hohl,/ Herr Zeitgeist nickt bedeutungsvoll. (…)
Frau Zeitgeist hätt’ ich fast vergessen:/ Im Wellness-Tempel unterdessen/ lebt esoterisch „very well“,/ das Schlagwort heißt „spirituell“. (…)
Auch kirchlich hat man sich beeilt/ und präsentiert sich neu gestylt;/ „Wozu die alte Kathedrale?,/ wir brauchen neue Rituale!“
Nur ganz verhalten hört’ man Klagen,/ als sie das Kreuz hinausgetragen:/ Die neue Einheitsreligion/ verträgt ihn nicht, den Gottessohn.
O ja, welch wunderbarer Tausch,/ statt Messe, Humanismus-Rausch./ Auf neue Weise kehrt zurück/ die alte Mär vom „Hans im Glück“.

Alles Roger. Gedichte von Pfarrer Roger Ibounigg. 120 Seiten. Bestellung: Schloss 1, A-8225 Pöllau, roger.ibo@htb.at,  Tel: 0676 8742 6656

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