VISION 20004/2019
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Immer mein Begleiter

Artikel drucken (Joseph)

Wie wahrscheinlich viele Jugendliche im Alter von 14, 15 Jahren habe ich allerlei Gedanken und wahre, wie auch erfundene Geschichten niedergeschrieben. Knappe 60 Jahre danach habe ich die meisten wiedergefunden, und beim Lesen ist mir etwas Unerwartetes aufgefallen. Ich hatte all die Jahre in der Meinung gelebt, wir hätten in der Familie nie gemeinsam gebetet, abgesehen von einem Kinder-Gute-Nacht-Gebet. Alle diese kleinen Geschichten endeten zu meinem Erstaunen jedoch immer mit dem Lieben Gott!
Meine Eltern hatten nach dem Niedergang und Verlust ihrer Heimat in Mähren beschlossen, Europa für immer zu verlassen, um sich in Süd Amerika ein neues Leben aufzubauen. Ihre Erinnerungen und ihre kulturellen und religiösen Überzeugungen waren trotz eines tiefen animistischen, von christlichen Elementen durchdrungenen neuen Lebensraums, immer beispielgebend für ihre Haltung und ihren Respekt allen Menschen gegenüber, und wir Kinder konnten in ihren Handlungen immer eine Finalität erahnen, die ich dann als erwachsener, nach Europa zurückgekehrter, bekehrter Christ auf Gott ausgerichtet erkannte.
Beten, wie es in den christlichen Familien in Österreich Tradition ist, habe ich nicht gekannt. Dass der Liebe Gott jedoch immer mein bewusster oder auch oft verborgener Begleiter war, mit dem ich alles, was mich umgab und besonders interessierte, besprechen konnte, ist bis heute die Art und Weise meines Gebetes. Wenn ich auf einen Berg gehe und die Gegenwart und Allmacht Gottes in der Schönheit der Natur erahne, breite ich meine Arme aus und rede mit Ihm. Ich darf Ihm dann alles zeigen und für alles danken, was ich sehe und in meinem Herzen aufnehme.


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