VISION 20005/2019
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Menschen zu Jesus führen

Artikel drucken Missionarische Bemühungen einer Pfarre (Von Erich Neidhart)

Missionarisch zu wirken, dazu sind klarerweise auch die Pfarren berufen. Was das konkret bedeuten kann, berichtet im Folgenden der Pfarrer eines ganz im Osten Österreichs gelegenen Pfarrverbandes: Orth an der Donau.

Wie kann der klare Auftrag Jesu zur Mission „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern. Tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“ verwirklicht werden? Was für große Teile Europas zutrifft, gilt auch für unseren Pfarrverband mit acht Kirchen. Die Kirche spielt im Leben der Menschen eine immer geringere Rolle, und viele Getaufte haben Gott aus dem Blick verloren bzw. nie kennengelernt.
Bei der Mission geht es darum, Menschen zu Jesus zu führen und zu seinen Jüngern zu machen. Es geht um die Rettung der Menschen im Hinblick auf die Erreichung ihres Lebenszieles, die Anschauung Gottes im Himmel. Jesus ist der Retter, der Inhalt und der Mittelpunkt jeder Mission. „Nur aus der inneren Verankerung in Jesus Christus erwächst ein glaubwürdiges Zeugnis“ (Johannes Paul II., Ansprache an die deutsche Bischofskonferenz, 18.11.1980).
Aus diesem Grund kommt im Pfarrleben dem Gebet und der Feier der Eucharistie als Quelle und Höhepunkt des kirchlichen Lebens oberste Priorität zu. Mission in der Pfarre bedeutet, die Getauften zu einem aktiven sakramentalen Leben zu ermutigen. Durch die Sakramente schenkt Gott uns das Heil. Ich nenne einige Schwerpunkte missionarischen und pastoralen Tuns bei uns im Pfarrverband:
An den Sonntagen werden mehrere Eucharistiefeiern angeboten, eine halbe Stunde vor jeder heiligen Messe (wochentags und sonntags) wird der Rosenkranz gebetet.
Mindestens dreimal wöchentlich besteht die Möglichkeit zur Eucharistischen Anbetung, einmal im Monat am Samstag den ganzen Tag über.
Das Sakrament der Versöhnung, die hl. Beichte, hat im Pfarrverband einen hohen Stellenwert. Während der Anbetungszeiten ist Beichtmöglichkeit, vor Ostern und Weihnachten wird sie in jeder der acht Kirchen angeboten. Aufgrund der zahlreichen Möglichkeiten, das Sakrament der Versöhnung zu empfangen, werden die Gläubigen immer wieder an die Notwendigkeit der Beichte für das Leben mit Gott erinnert. Dadurch ist mit den Jahren die Zahl derer, die regelmäßig beichten, erheblich gestiegen.
Im Zuge der Erwachsenenfortbildung wird seit 2012 wöchentlich eine Glaubensvertiefung angeboten, im vergangenen Jahr haben wir große Heilige besprochen. Als Lektüre dienten die Generalaudienzen von Papst Benedikt XVI., der von 2006 bis 2011 große Gestalten der Kirchengeschichte vorstellte. Die Auseinandersetzung mit Glaubensinhalten und mit den Heiligen wird dabei ergänzt durch Gebet und Austausch von konkreten Glaubenserfahrungen.
Das Pilgern gehört zum geistlichen Programm im Pfarrverband. Da jede Wallfahrt auch ein Abbild des Lebensweges zum ewigen Ziel ist, veranstalten wir Wallfahrten zu wiederkehrenden und wechselnden Zielen.
Dazu zählen die Fußwallfahrt nach Mariazell und Maria Ellend, die Wallfahrt nach Medjugorje sowie jährlich eine große Pilgerfahrt nach Rom, Lourdes, Fatima, Santiago de Compostela, ins Heilige Land sowie zu verschiedenen Gnadenorten in der Schweiz, in Frankreich, Polen, Italien und Kroatien.
Die Wallfahrt nach Medjugorje bringt immer Früchte. Die Pilger engagieren sich und stützen das pfarrliche, vor allem das geistliche Leben.
Zahlreiche missionarische Initiativen sind noch zu nennen: eine Anbetungsnacht, Abende der Barmherzigkeit, eine Bibelrunde, Einkehrtage in der Fastenzeit, Gebetskreise, Hauskreis, Seniorennachmittage, regelmäßiger Besuch der Volksschule und der Kindergärten, Krankenbesuche und Spitalsbesuche, Unterstützung sozialer Projekte und eine Wallfahrt im Dorf, wo wir zu den Heiligtümern der Ortschaft (Marterln, Friedhof, Kirche) pilgern, um für die Menschen zu beten.
Gelungene missionarische Initiativen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es wenige „sichtbare Erfolge“ gibt. Nur selten gelingt es, dass die Vorbereitung auf ein Sakrament die Gläubigen tiefer an die Kirche bindet (Taufe, Ehe, Erstkommunion, Firmung).
Aber einer, der umkehrt, ist den Aufwand für Hunderte wert. Jede missionarische Initiative braucht daher Christen mit einem Herzen, das für Jesus brennt, Christen, die sich Zeit für das persönliche Gespräch mit anderen nehmen und die selbst fest im Glauben stehen. Die Christen, die sich den Glauben etwas kosten lassen, bringen auch die Mission voran.


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