VISION 20005/2019
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Wer Menschen begegnet, die aus dem Glauben leben, wird angesteckt

Artikel drucken Die Begegnung mit Jesus Christus löst den Wunsch aus, diese Erfahrung weiterzugeben (Christof Gaspari)

Mission – ein großes Wort. Viele Christen verbinden damit Bilder vom Aufbruch waghalsiger Männer und Frauen, die in ferne Länder aufbrechen, um die Menschen dort davon zu überzeugen, dass sie ihre eigenen Götter aufgeben und den christlichen Glauben annehmen sollen. Vor allem aber: Das sei in früheren Zeiten notwendig gewesen, in denen die Welt nicht so vernetzt gewesen sei wie heute. Mittlerweile erübrige sich Mission. Im Internet sei ohnedies alles Einschlägige zu finden. Im Folgenden meine Erfahrung, wie wichtig es gerade heute ist, anderen Zeugnis vom eigenen Glauben zu geben.

Warum klappt es mit der Weitergabe des Glaubens heute gerade bei uns in Westeuropa so schlecht? Da ist vor allem das mangelnde Interesse bei vielen an den wirklich lebensentscheidenden Fragen. Ich habe das selbst so empfunden. Nach einer glaubensfernen Kindheit und Jugend, einer Ausbildung in einer laizistisch geprägten Schule, einem Studium während der sechziger Jahre, in der sich die linke Ideologie an den Universitäten breitzumachen begann, war ich ein typisches Kind meiner Zeit: agnos­tisch. Überzeugt, dass die Wissenschaft demnächst alle Probleme gelöst und die Welt in Bahnen des Wohlstands und des Glücks geführt haben werde.
Fragen nach Gott bewegten mich nicht, an meinen Tod dachte ich nicht. Ich lebte ja gut, hatte keine Probleme, einen interessanten Job in der Sozialforschung, war mit meiner Jugendliebe verlobt, dann verheiratet… Was kümmerte mich der Rest!
Schwierig, an Leute wie mich heranzukommen. Und das merkten jene, die versuchten, mich für den Glauben zu gewinnen. Zunächst meine Mutter. Sie war keine praktizierende Katholikin, wohl aber immer schon an den Fragen nach dem Sinn des Lebens interessiert. Nach einem dreitägigen Glaubenskurs, Cursillo, kam sie komplett verändert in unsere glaubensferne Familie zurück.
Mein Vater, mein Bruder und ich nahmen sie nicht ernst. Sie werde sich schon beruhigen, dachten wir. Aber sie beruhigte sich nicht, kam trotz ihrer Miss­erfolge immer wieder auf das Thema zurück. Scheinbar vergebens.
Nachdem ich den Arbeitsplatz gewechselt hatte, geriet ich von anderer Seite ins Schussfeld christlicher Mission. Mein Chef, ein sympathischer Mann, wollte immer wieder Glaubensthemen in unseren Arbeiten unterbringen. Ich leistete Widerstand, so gut ich konnte, und weigerte mich auch, seinem Angebot zu folgen, meine Sichtweise bei dem erwähnten Glaubenskurs zu revidieren. Der Zwei-Fronten-Krieg, dem ich ausgesetzt war (hier Mutter, da Chef), wurde mir zunehmend lästig.
Und dann kreuzte eines Tages ein Freund des Chefs im Büro auf und begann, eindringlich für das schon geschilderte Anliegen zu werben. Richtig peinlich. Dass selbst diese von mir als unangenehm empfundenen Konfrontationen nicht sinnlos waren, zeigte die weitere Geschichte: Denn um künftig ähnlichen Situationen aus dem Weg zu gehen, beschloss ich, mich dem dreitägigen Kurs zu unterziehen, um sagen zu können: Habe es probiert, hat nicht funktioniert. Jetzt lasst mich in Ruhe.
Der Kurs war die große Wende in meinem Leben. Schwer zu rekonstruieren, was diese ausgelöst hat. Zweifellos das Wirken der Gnade. Sicher aber auch das eindrucksvolle Zeugnis der Männer, der Laien, die in den drei Tagen zu Wort kamen: Gestandene Männer, die glaubwürdig erfahrbar machten, dass ein Leben aus dem Glauben an Jesus Christus, schön, ja erfüllend ist und froh stimmt. Dass Gott nicht fern, sondern nahe ist, sich als Mensch in Jesus geäußert hat. Ein Gesprächspartner. Einer, der alles neu machen kann und macht. Ich könnte den Tag, ja beinahe die Stunde nennen, wo mir all das plötzlich klar wurde.
Gott hatte sich offensichtlich dieser Männer mit ihrem Zeugnis bedient, um mir das Geschenk des Glaubens zu machen. Es war nicht intellektueller Diskurs, der die Wende in meinem Leben herbeigeführt hat, sondern die Konfrontation mit Menschen und dem, was sie von ihrem Leben erzählten: dass es sich auszahlt, ein Leben an der Hand Jesu Christi zu wagen.
Die Freude war groß. Klar, dass ich bei meiner Heimkehr sofort meine Frau gewinnen musste, ebenfalls den Kurs zu besuchen. Weil sie – wie sie nachher öfter erzählt hat – damals den Eindruck hatte, in mir habe eine positive Veränderung stattgefunden, nahm auch sie an einem Cursillo teil. Und damit begann ein neuer Abschnitt in unserem Leben, geprägt von dem Wunsch, unbedingt weiterzugeben, was uns geschenkt worden war.
Wir engagierten uns in der Ehevorbereitung, in der Betreuung von Strafentlassenen, wir wurden Mitarbeiter bei Cursillos… mit großer Begeisterung, wohl aber noch mit zu wenig Tiefgang. An der Reaktion unserer Freunde hätten wir es ablesen können, wie wir später feststellten. Sie registrierten mit einer gewissen Neugierde, dass sich in unserem Leben Entscheidendes verändert hatte. Und wir ließen uns natürlich auf die sich daraus ergebenden Gespräche ein. Aber das Ergebnis war mager. Denn unsere Begegnungen arteten meist in Diskussionen aus, denen wir im Grunde genommen nicht gewachsen waren. Da war zwar die Begeisterung, die Freude über die neue Perspektive auf das Leben, das interessant und bunt geworden war – aber da stand noch viel zu wenig wirklich überzeugende Erfahrung im Glaubensleben dahinter.
Später wurde mir klar, warum der Apostel Paulus nach seiner Bekehrung, seiner persönlichen Begegnung mit Jesus Christus vor Damaskus, erst mehrere Jahre in Tarsus verbracht hat, bevor er seine eigentliche Missionstätigkeit beginnen konnte: Der Herr musste ihn erst für diese Aufgabe bereiten, damit er nicht paulinische Klugheit sondern Jesus Christus verkündigen konnte.
Und vor derselben Herausforderung steht jeder Christ: zu erkennen, wozu er ganz persönlich vom Herrn berufen ist, herauszufinden, welchen Sendungsauftrag ihm in besonderer Weise zugedacht ist. In unserer Welt der Manager und Macher ist die Versuchung nämlich auch für uns Christen groß, sich auszurechnen, was für die Kirche in unseren Tagen gut wäre.
Man registriert Schwachstellen, stellt Beratungsfirmen an, macht Meinungsumfragen, erstellt ein klug konzipiertes Lösungskonzept – und geht ans Werk. Natürlich nicht nur so, sondern man setzt sich dann auch zu einem Gebet zusammen und bittet Gott, das Projekt zu segnen. Im Grunde genommen spannt man aber den Herrn vor den eigenen Wagen.
Im Vortrag eines kanadischen Bischofs, den ich vor Jahren gehört, dessen Name ich aber vergessen habe, machte dieser eine wichtige Unterscheidung. Er sprach von zwei Arten von Werken, die in der Kirche durchgeführt werden: Werke für den Herrn und Werke des Herrn.
Erstere sind jene, in denen wir etwas nach eigenen Vorstellungen unternehmen, mit der Intention, etwas Sinnvolles für Gott zu tun, aber nach menschlichen Überlegungen handeln. Was durchaus verdienstvoll sei, meinte der Bischof. Aber was der Herr eigentlich wolle, sei, dass wir zuerst Ihn nach Seinen Vorstellungen fragen und dann erst tun, was Er uns aufträgt: Werke des Herrn. Was uns dann allerdings nicht daran hindern sollte, alle menschliche Klugheit walten zu lassen, sobald wir wissen, was der Herr uns aufträgt.
Wir haben in unserem Leben viele solche Werke des Herrn erleben dürfen: den 12. Internationalen Familienkongress in Wien mit 12.000 Teilnehmern an vier Tagen, der bei vielen zu einer Glaubenserneuerung beigetragen hat; die Entstehung von Radio Maria in Österreich, die Entstehung und die Verbreitung von Vision2000, die Verbreitung der Filme von Juan Manuel Cotelo im deutschsprachigen Raum… Alles missionarische Werke mit enormer Breitenwirkung in unseren Tagen.
Darum geht es in der Mission: Konkret den Herrn nach Seinen Plänen für mein Leben zu fragen. Was ist mein besonderer Auftrag für die anderen? Was ist meine Mission? Wer diese Fragen aufrichtig und geduldig stellt, dem wird Jesus Christus antworten. Es genügt, mit einem offenen Herzen, mit offenen Augen und dem Bewusstsein, dass der Heilige Geist uns führt, durchs Leben zu gehen, um zu entdecken, wie viele Gelegenheit zur Mission sich ergeben.
Und indem wir diese Gelegenheiten nützen, tragen wir zur Erneuerung der Kirche und zur Neuevangelisierung bei und zwar in einer Weise, wie es kein anderer tun könnte. Denn jeder, der Jesus Christus im Herzen angenommen hat, wird vom Herrn als Botschafter gesandt, um zu verkünden, dass der Herr nahe ist und wirkt.



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