VISION 20005/2019
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Fortschritt ins Uferlose

Artikel drucken Über die fehlgeleiteten Verheißungen der Transhumanisten (Juliette Levivier)

Ein weitgehend unbefragtes Dogma in unseren Tagen heißt: Fortschritt muss sein. Fortschritt auf allen Gebieten. Hauptsache, es gibt Veränderung. Neue Wünsche werden geschaffen und erfüllt. Wachstum heißt die Parole: mehr Wohlstand, mehr Wissen, mehr Vergnügen, ein längeres (vielleicht unendliches?) Leben hier auf Erden… Von „Grenzen des Wachstums“ war einst die Rede. Heute längst überwunden, so scheint es. Im Folgenden Gedanken dazu:
Man muss auf der Hut vor den Ingenieuren sein: Sie fangen mit den Nähmaschinen an und landen bei der Atombombe.“ Marcel Pagnol wäre erschrocken, hätte er gewusst, wie recht er hatte. Vor allem, weil sich seine Feststellung auf so viele Bereiche des wirtschaftlichen und sozialen Lebens bezog. Auf der Hut müsste man auch vor den Landwirten sein: Dort fängt es mit dem Misthaufen hinter dem Haus an und landet bei den Nitraten. Und den Ärzten: Hier steht am Anfang das Penicillin und es endet mit dem Klonen, dem assistierten Selbstmord, der Euthanasie, dem Transhumanismus… „Es ist eben,“ so seufzte Pagnol, „Fortschritt.“
Nicht so sicher! Fortschritt, das hieße zu Besserem unterwegs sein: Der wahre Fortschritt erzeugt ein größeres Gut. Da stellt sich allerdings sofort die Frage, was gut ist – und da drückt der Schuh. Im Relativismus, in dem die Subjektivität regiert, ist der Sinn für das objektiv Gute (für die Gemeinschaft wie für den Einzelnen) und der Wille, sich diesem anzunähern, nur bei Wenigen ausgeprägt. Heute verbindet man mit Fortschritt Neuheit, die Möglichkeit, unsere verrücktesten Wünsche zu erfüllen oder den Willen, sich der Begrenzungen durch die Realität zu entledigen.
Letzteres ist die Spielwiese der Transhumanisten, die uns einen „verbesserten“ Menschen mit einem „verbesserten“ Leben versprechen. Unausgesprochen schwingt die Hoffnung mit, den Tod, den man als Absturz ins Nichts ansieht,  zu besiegen. Wie viele wackere Leute sind doch felsenfest davon überzeugt, dass, den Tod um einige Jahre hinauszuschieben, der Gipfel des Fortschritts sei?
969 Jahre zu leben wie Methusalem, 500 Kinder zu zeugen wie Noah – was für ein Fortschritt! Man stelle sich vor: Unser angeblich schon übervölkerter und allzu stark ausgebeuteter Planet belastet mit Milliarden von an massivem Jugendwahn leidenden Alten, erhalten von einer ausgebluteten Minderheit von Jungen. Ein Traum, keine Frage. Wie sehr muss man die Menschen hassen, wenn man ihnen eine solche Zukunft in Aussicht stellt? Wenn das nicht die Hölle ist, so sieht es ihr doch sehr ähnlich. Auf diesem Weg besiegt man nicht den Tod, sondern das Leben, die Freude, die Hoffnung.
Um den Sinn des Lebens hier auf Erden wiederzufinden, muss man dessen Ziel kennen und dessen Ende akzeptieren. Das Ziel ist das Leben mit Gott; das Ende ist der Tod, der Tod, der nicht das Ende von allem und jedem, sondern der notwendige, zweifellos auch beängstigende Übergang zum Herrn ist. Der Tod, der uns aus einem begrenzten Leben izn einem eingeschränkten Leib hinübergehen lässt zu einem ewigen Leben in einem verklärten Leib. Das „verbesserte“ Leben, den inneren Frieden, die Freude am Leben, all das werden wir nicht im Transhumanismus und seinen Fantasievorstellungen finden, sondern bei Gott.
Das wahre Glück besteht nicht darin, ein endloses Leben hier auf Erden, sondern ein Endziel im Leben. Wenn man ein Ziel hat, bekommt das Leben Sinn, dann will man voranschreiten. Der wahre Fortschritt also? Sich auf den Weg zum wahrhaft Guten machen, sich der Wahrheit annähern, seine Hoffnung festigen, seinen Glauben vertiefen, zu mehr Gerechtigkeit unterwegs sein, den Frieden such, immer mehr zu lieben und sich auf die große Begegnung mit dem Herrn vorzubereiten. Es geht nicht darum, es sich hier zu „verbessern“, sondern „erfüllt“ zu leben, das heißt, mehr und mehr zum Guten voranschreiten, um so viel wie möglich von der eigenen Menschlichkeit für sich, die anderen und für Gott einzusetzen, dem Gebot Jesu entsprechend.
Der wahre Fortschritt? In der Heiligkeit wachsen…

Famille Chrétienne v. 20.-26.4.19



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