VISION 20004/2020
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Raus aus den Drogen, jetzt!

Artikel drucken Sasha Zemann: Ein Weg aus dem Drogenkonsum zu erfolgreicher Firmen- und Familiengründung (Von Alexa Gaspari)

Diesmal ging es nach Wiesen im Burgenland zu einem Treffen mit Familie Zemann: Sasha, Jana und ihren beiden Buben, Nico und Marco.
Wie immer bin ich gespannt, was mich erwarten wird. Georg, Leiter des Cenacolo in Kleinfrauenheid, den ich nun schon seit vielen Jahren kenne (Portrait Vision 4/11), hatte mich auf der Suche nach einem Portrait an sie verwiesen. Vom ersten Augenblick an, als wir vom Hausherrn begrüßt werden, bin ich sicher: Das wird ein gutes Gespräch werden. Jana und die Buben kommen uns im Haus entgegen und bestätigen meinen ersten Eindruck. Eine sehr sympathische Familie. In ihrem nett eingerichteten Wohnzimmer beginnen wir dann ein richtig entspanntes Gespräch.
Sasha Zemann wird 1984 in Salzburg geboren. Er ist ein Einzelkind. Als er auf die Welt kommt, sind die Eltern – beide Saisonarbeiter im Gastronomiebetrieb und alle zwei, drei Jahre anderswo beschäftigt, der Vater als Disc Jockey – gerade in Salzburg. Glaube ist kein Thema in der Familie. „Alles, was ich über Kirche und Glaube wusste, war aus dem Religionsunterricht in der Volksschule,“ von der er die ers­ten Jahre in zwei verschiedenen Städten Deutschlands absolviert. Der ständige Wechsel von Schulen und Freunden ist wohl etwas, was dem Kind nicht gut tut.
Was den kleinen Sasha aber so richtig aus der Bahn wirft, ist die Scheidung der Eltern. Er ist damals acht Jahre alt. Auch wenn die Eltern zunächst die Zerrüttung ihrer Ehe vor dem Buben zu verbergen versuchen, wird die Scheidung unvermeidbar. Den Rosenkrieg tragen sie zum Teil auf dem Rücken des Buben aus, der nicht versteht, was da abläuft. „Es war eine total brutale Zeit. Ich war einfach vor vollendete Tatsachen gestellt worden und verstand gar nicht, was da passiert ist.“
Die Mutter geht mit ihrem Sohn nach Deutschland. Später zieht sie mit ihm in die Steiermark, aus der sie ursprünglich stammt. Der Vater, ursprünglich ein Wiener, lebt in Salzburg. „Damals habe ich gelernt, Unangenehmes zu verdrängen. Dass ich mich nie mit der Wirklichkeit auseinandergesetzt habe, wurde wohl später zu meinem Problem,“ erkennt er heute. Er hat auch kein wirkliches Familien- oder Freundesnetz, das ihn mit seinem Kummer auffangen könnte: Durch den häufigen Orts- und Landeswechsel der Eltern sieht er die Großeltern – die einen wohnen in der Steiermark, die anderen in Wien – nur ab und zu in den Ferien. So entsteht nicht wirklich eine enge Beziehung zu ihnen. Und zum Knüpfen enger Freundschaften war er wohl nie lange genug an einem Ort.
In der Steiermark beendet Sa­sha die Volksschule und an­schließend drei Klassen der Hauptschule. Dann wird wieder übersiedelt: Diesmal nach Bad Sauerbrunn, wo die Mutter und ihr damaliger Lebenspartner ein Grundstück erwerben, und Sasha die Hauptschule beendet. „Das war der Beginn meiner Beziehung mit dem Burgenland, wo ich auch jetzt lebe und wo ich mich heimisch fühle,“ sinniert er.
Nach der Hauptschule folgt der Eintritt in eine private Hotelfachschule. Er ist in der Pubertät und, wie er sagt, „ein Revoluzzer“, der sich nicht gerne vom Lebenspartner der Mutter etwas sagen lässt, „der zwar nett war, den ich aber nie als Vater akzeptiert habe“. Auch der Kontrolle der Mutter entzieht er sich immer mehr.
Er will alles alleine entscheiden und kapselt sich von zu Hause ab. In der Privatschule trifft er auf recht wohlhabende Jugendliche. So begegnet ihm das Thema Drogen: „Das war genau meines. Damit – habe ich damals geglaubt – kann ich mein Leben in den Griff bekommen und hatte den Eindruck, dass es mir gut geht.“ Er ist gerade 15 und geht bereits häufig abends aus: Der Alkohol ist dabei nicht so sehr das Problem, doch mit den Drogen – er beginnt mit Marihuana – verhält es sich anders. „Wenn ich etwas mache,“ erklärt er mir, „muss ich es g’scheit – also radikal – machen.“
So kommt er mit der Zeit über das Rauchen von Marihuana zu Aufputschmitteln, Amphetaminen, die auch drei Tage Diskothek ermöglichen, da sie euphorisierend wirken. „Eine Spaßkultur, die alles andere – Verantwortungsgefühl und Verpflichtungen – einfach ausblendet. Oder man glaubt, dass Aufgaben, die man erledigen muss, einfacher und leichter mit Drogen zu bewältigen sein werden. Hat man einmal diese Einstellung, geht es nicht mehr ohne sie. Die Motivation, etwas zu erledigen, erhält man nur mehr durch sie. Ein Teufelskreis.“ Und doch verhelfen die Drogen nicht zu den Lernerfolgen, die er in der Schule erreichen müsste. Er muss die Schule verlassen. „Ich war auch einfach faul, machte nichts, außer dem, wozu ich selber Lust hatte. Das geht natürlich nicht in so einer Schule…“, weiß er heute.
Glücklicherweise kann er während des Jahres in die Hotelfachschule von Oberwart wechseln. Dort schafft er das erste Jahr. „Bis zur Matura war es aber mit meiner damaligen Lebenseinstellung nicht zu machen.“ Bei einem Praktikum arbeitet er im Kurzentrum in Bad Sauerbrunn und beschließt, mit der Schule aufzuhören, stattdessen eine Lehre im Kurzentrum zu beginnen. Das erste Jahr der Hotelfachschule wird ihm bei der Lehre angerechnet und somit bleiben zwei Jahre, die er dank des Drucks seiner Mutter, der er dafür heute sehr dankbar ist, dann doch noch schafft. Immerhin hat er eine Ausbildung beendet.
Und die Drogen in dieser Zeit? „Es war ein ständiges Schulden machen. Kaum habe ich etwas verdient, hätte ich schon das Doppelte für Drogen gebraucht. So habe ich überall Geld ausgeborgt. Das war aber nicht genug, also habe ich gestohlen.“ Er habe zwar nichts wirklich Kriminelles angestellt, wohl aber „meiner Mutter viel Geld entwendet.“ Diese merkt es lange nicht bzw. will es wohl nicht wahrhaben.
Nach Beendigung der Lehre arbeitet er bei der Mutter, die eine Firma leitet. Zweimal wird er in Wien von der Polizei  aufgegriffen. Er hatte irgendwo etwas „mitgehen lassen, konnte mich aber an nichts erinnern. Dann war Feuer am Dach.“ Und doch ist das noch lange nicht das Ende der Drogenkarriere. „Mit Herausreden wurde alles zugedeckt.“ Wie ernst es um den Sohn bestellt ist, will Sashas Mutter – wie wohl die meisten Mütter – nicht sehen. Sein Leben besteht nach wie vor aus: Aufstehen und der drängenden Frage: Wo bekomme ich etwas her, damit ich funktioniere?
Nach etwa vier Jahren Drogenkonsum landet er bei Heroin, seiner „Wohlfühldroge“. „Was wir genommen haben, war weit entfernt von qualitativ hochwertig, was letztendlich gut war. Einwandfreies Heroin ist wesentlich stärker und gefährlicher. So gesehen war ich kein ,Superdrogenjunkie’.“ Konnte er aber kein Heroin auftreiben, kamen die Entzugserscheinungen: „Dann war ich schwer bedient: Fieber, heiß, kalt, Kribbeln in den Extremitäten, nicht schlafen können….“ Immer wieder versucht Sasha, wenigstens für ein paar Tage davon loszukommen. „Heroin, so sagt man, ist wie eine warme Decke. Es deckt alles zu, lässt alles vergessen…“
Doch alleine schafft er den Entzug nicht. Dann geschieht etwas Schreckliches. Ein Cousin erzählt ihm am Telefon, dass er eine stärkere Dosis Substitol, eine relativ starke Ersatzdroge – probieren möchte. Sasha rät ab. Zwei Tage später ruft die Tante an: Ihr Mann habe den Sohn tot in seinem Zimmer gefunden. Bei der Beerdigung erkennt Sasha klar den Ernst seiner eigenen Lage. Ohne Genaues zu wissen, vermuten alle in der Familie, dass Sasha ähnliche Probleme haben könnte. Weil es in der Familie einen Burschen gibt, der wegen Drogenproblemen in die Gemeinschaft Cenacolo – gegründet von Mutter Elvira Petrozzi (VISION 1/2004) zur Heilung Suchtkranker – eingetreten ist, drängt man den mittlerweile 22-jährigen Sasha, sich dafür zu interessieren.
Er zögert, entschließt sich dann aber zu einem Vorgespräch und trifft dabei auf Georg , dem Leiter der Gemeinschaft in Kleinfrauenhaid. Dieser erklärt ihm, Sashas Vergangenheit sei ihm ganz gleich, denn sollte er in die Gemeinschaft eintreten, würde er bei null anfangen. „Da habe ich mir gedacht: Das ist genau das, was ich brauche. Alles vergessen, was schief gelaufen ist und neu beginnen.“ Er weiß sofort, das sollte er probieren. Vier Wochen dauern die Vorgespräche, eine Zeit, in der sich jedoch die Möglichkeit eines Rückziehers ins Altgewohnte anbietet. „Das typische ‚Giftlerdenken’,“ erklärt er.
Doch er bleibt im Gespräch, merkt bald: G’schichtln erzählen funktioniert hier nicht. Dann wird er zu vier Arbeitstagen nach Kleinfrauenhaid eingeladen. Lächelnd gibt er zu: „Begeistert war ich dort nicht. Fasziniert hat mich aber, dass alle Italienisch (die Umgangssprache in jedem Cenacolo) gesprochen haben. Das könnte ich auch lernen, habe ich mir gedacht.“ Während dieser Tage bekommt er – wie es üblich ist beim Eintritt –  einen „Schutzengel“ zur Seite, der ihn 24 Stunden täglich begleitet. Nach diesen ersten Tagen ist Georg einverstanden, dass Sasha in die Gemeinschaft eintritt.
Und es geht gleich los: Bereits am folgenden Montag führt ihn die Mutter nach Livorno in Italien, in sein erstes Cenacolo-Haus. Hier ist sein „Schutzengel“  zum Glück ein Wiener, der erklärt, was er alles beachten muss, und ihm beim Eingewöhnen hilft. „Das muss man behutsam machen, denn, wenn man einen der gerade von der Straße kommt, überfordert, dreht der um und geht.“ So beginnt seine Zeit in Livorno. „Eigentlich sollte man clean eintreten, also eine Entzugszeit hinter sich haben. Clean heißt aber noch nicht geheilt, bedeutet nur den körperlichen Entzug hinter sich zu haben. Entzug hatte ich bis dahin mit Ersatzmedikamenten nur 5 bis 6 Tage geschafft.“ Nun muss er im Cenacolo, wo es keine Medikamente gibt, ohne Drogen und ohne Ersatz auskommen. „Wirklich schlecht ist es mir nicht gegangen, doch die Nachwirkungen dauerten an. Da musste ich durch. Bis ich schlafen konnte hat das ungefähr zwei Wochen gedauert.“
Wie so ein Tag in der Gemeinschaft ausschaut, frage ich Sasha. Ich wusste, dass es weder Fernsehen, noch Zeitungen, noch Alkohol oder Zigaretten in der Gemeinschaft gibt und auch, dass jeder Neuankömmling den „Schutzengel“ meistens für 1 Monat hat, bis man alle Regeln kennt und bereit ist, sich daran zu halten, weil das auch für den Schutz der Gemeinschaft wichtig ist. Sasha erzählt nun: „Die Regeln sind in allen Häusern gleich, je nach Leiter variieren sie ein bisschen. Vor dem Aufstehen ist eine halbe Stunde Anbetung vor dem Allerheiligsten in der Kapelle angedacht, die jedoch nicht verpflichtend ist.“ Auch dass es tagsüber viel Gebet: Anbetung, Rosenkranz, Messe…gibt wußte Sasha. „Anfangs ist das schon heftig, wenn man das gar nicht gewohnt ist,“ meine ich und Sasha bekräftigt: „Ja, am Anfang denkt man sich: das will ich nicht, da mach ich nicht mit.  .“  
Mir fällt ein, dass Mutter Elvira  mir erzählt hatte: „Wenn ein Neuankömmling sagt, er könne nicht glauben, so antworte ich: ,Macht nichts. Ich glaube für dich’.“ Sasha bestätigt das: „Genauso war’s bei mir. ‚Schau’s dir an, mach deine eigenen Erfahrungen,’ hat es geheißen. Also kein Zwang. Und da ich mein Leben ändern wollte, habe ich nichts grundsätzlich abgelehnt.“
Seine Beziehung zu Gott – alles andere als gut. Mit Ihm hadert er heftig: „Seit meiner Kindheit habe ich einen irrsinnigen Zorn auf Gott gehabt und Ihm für alles die Schuld gegeben. Habe wirklich schlimm geschimpft, geflucht, war wütend auf Ihn, weil es mit der Familie so gar nicht funktioniert hat.“ Das sollte sich ändern. „In Livorno habe ich einen Satz gut behalten: Nimm dir ein Beispiel an den Burschen, die hier sind und es gut machen. So habe ich geschaut: wer macht es hier gut und warum tut er den anderen gut?“
Das wendet Sasha auch bei der Anbetung an: „Also bin ich konsequent jeden Tag vorzeitig aufgestanden. ,Was sollst du beten?’, fragt man sich anfangs. Man hat halt so seine Gedanken. Doch irgendwann kommt ein Prozess in Gang, der schwer zu beschreiben ist. Für mich war das der neue Einstieg in den Glauben.“ Pause „Ich habe viel hinterfragt,“ fügt er lächelnd hinzu, „tu das auch heute noch.“ Und wir sind uns beide einig, dass es ja auch „Glauben“ und nicht „Wissen“ heißt.
Weiter im Tagesablauf: Nach dem Aufstehen wird in der Kapelle der erste Rosenkranz gebetet. Anschließend eine Lesung, die jeweils einer der Mitbewohner vorbereitet und einen Satz daraus herausgeschrieben hat. Nun soll er über die Bedeutung und Verbindung dieses Satzes für sein vergangenes und  jetziges Leben berichten.
Was der Sinn dieser Aufgabe ist, frage ich mein Gegenüber: „Das ist das große Konzept in der Gemeinschaft: Man muss lernen über sich, die eigenen Schwächen, über das eigene Leben zu sprechen – und dabei in der Wahrheit bleiben, damit die anderen einen kennenlernen und einem helfen können. Also Dinge des Lebens anzusprechen, auch wenn das unangenehm ist. In der Wahrheit zu leben, ist ganz wichtig: Nicht irgendwelche G’schichtln zu erzählen, wozu Süchtige meist neigen. Wer das tut, wird von den anderen darauf angesprochen und die Lügen fliegen auf. So wird man zum Nachdenken gebracht. So entdeckt man, wie wichtig die Wahrheit ist und dass man unbedingt wieder in die Wahrheit kommen muss. Dafür sind diese Mitteilungen.“ Lachend fügt er hinzu: „Hin und wieder eine verbale Watschen, ein Bloßstellen vor der Gruppe wirkt Wunder. Es dient dir zum Aufwachen.“ Ein Freundschaftsdienst unter Freunden.
Und der Arbeitsalltag? Da gäbe es verschiedene Standardaufgaben: Küchen- und Putzdienst, Wäscherei, Werkstatt, Garten und Feldarbeit, Maurer- und Waldarbeiten, die einem für den ganzen Tag zugewiesen werden. . Das fängt bei den leichteren Arbeiten an und wird immer komplexer. Es soll eine Herausforderung für die Burschen geben. Die Arbeiten werden nur durch das Mittagessen und einer kurzen Pause unterbrochen.
Während dieser Arbeit wird ein zweiter Rosenkranz gebetet. Ob da jeder für sich alleine betet, frage ich. Nein. „Es wird mindestens zu zweit gebetet.“ Ein dritter Rosenkranz ist vor dem Abendessen. „Danach starten Gesprächsrunden. Da macht man sich untertags aus, mit wem man sich zusammen setzt. Es gibt jeweils zwei Gesprächsrunden, je eine halbe Stunde, damit man alle im Haus mit der Zeit kennenlernt. Meist wohnen 10 bis 40 Bewohner in einem Haus.“ Ein- bis zweimal in der Woche – und natürlich sonntags – ist Heilige Messe.
Und wie lange hat es gedauert, bis er sich in den Alltag im Cenacolo eingewöhnt hatte? „Etwa zwei Monate. Anfangs waren da schon die Gedanken des Flüchtens, da kommen Gedanken wie ‚Das tu ich mir nicht an, ich geh wieder’. Da ist es gut den Schutzengel zu haben, der das kennt, und mir beim Überbrücken dieser Zeit – durch Unterstützung, Reden – auf andere Gedanken bringt und hilft.“ In vier Häusern der Gemeinschaft, eines davon in England, hat Sasha gelebt. In jedem fängt alles von vorne an: neue Mitbewohner, neue Aufgaben.
„ Was waren die wichtigsten Erfahrungen in dieser Zeit? „Die Gemeinschaft ist eine Schule des Lebens. Man lernt viel über sich selbst, gewinnt wieder an Selbstvertrauen, lernt mit schwierigen Umständen umzugehen, Unsicherheiten zu überwinden, wird darauf trainiert, scheinbar sinnlose Arbeiten durchzuführen (wochenlang in der Hitze Unkraut zupfen), ohne dass einen das aus der Bahn wirft. Der Wechsel der Häuser –jeweils nach einem Jahr – soll dir für die spätere Berufslaufbahn helfen: Dieses Raus aus der Gemütlichkeit, der Gewohnheit, wo du es dir bequem gemacht hast, ist wichtig: neue Leute, neue Aufgaben, neue Herausforderungen, wie es im Berufsalltag einmal sein wird.
Für mich war der Weg zu Gott hin ganz wichtig. Meine Geschichte mit dem Glauben ist total mit der Gemeinschaft Cenacolo verbunden,“ erklärt mein Gegenüber. „Ich habe durch das Gebet eine andere Sicht des Glaubens, eine neue Beziehung zu Gott  bekommen. Eine radikale Richtungsänderung, ein bisschen wie bei Paulus: Vorher habe ich über Gott gelästert, Schlechtes erzählt und jetzt ist es das Gegenteil: Tagtäglich mache ich neue, gute Erfahrungen mit Gott. Das war für mich das Wichtigste.“ Das schenkt auch den inneren Frieden: mit sich selbst und mit Gott im Reinen zu sein, „sich so anzunehmen, wie man ist, mit allen Schwächen. Also in der Wahrheit zu bleiben und zu leben, ohne – wie man im Cenacolo sagt – verschiedene Masken aufsetzen zu müssen, um anderen etwas zu beweisen oder vorzuspielen was man nicht ist. Denn das treibt Menschen dazu in Süchte zu flüchten.“
2010 verlässt Sasha die Gemeinschaft, in Livorno, wo sein Cenacolo-Leben begonnen hatte.
Und danach? Da geht er wieder zurück in die Firma der Mutter, macht dort eine zweite Lehre als Bürokaufmann. „Das war der gemütlichere Weg. Zurück ins gemachte Nest. Als hätte ich nichts in der Gemeinschaft gelernt,“ gesteht er lächelnd. Doch in der Firma der Mutter gibt es finanzielle Probleme. Es ist also keine so einfache Zeit. Wir schreiben 2011 und Sasha ist mit seinem Leben nicht wirklich zufrieden.
„Es ging mir nicht schlecht, aber ich ging wieder Abends aus, trank Alkohol. Es war nicht das, was die Mutter Elvira sich so vorstellt,“ lächelt er. Bei den himmlischen Mächten deponiert er eines Abends, dass er auf seriöse und ehrliche Art ein Mädel kennenlernen möchte. Am nächsten Tag loggt er sich in die Facebook-Seite der ehemaligen Cenacolo-Mitglieder, die hier ihre Erfahrungen austauschen, ein und trifft dabei auf Jana, eine junge Slowakin. Schnell verstehen sich die Beiden gut . „Mit ihr wollte ich zunächst eine gute Freundschaft aufbauen. „Das war der Heilige Geist,“ weiß er heute und strahlt. „Das ist so eine Erlebnis, wo man sich denkt: Es muss da einfach was sein.“ Ja den Himmel, den gibt’s. „In einem Drehbuch wäre das fast kitschig,“ lacht er.
Das erste Mal trifft er Jana, die in der 24-Stunden-Betreuung in Wien tätig ist, nach einem Monat, als er sich anbietet, ihr bei einer Präsentation für ihre Berufsschule – sie macht die Matura nach – zu helfen. „Wir haben dann auch viel miteinander gebet. Obwohl ich lieber für mich alleine bete. Doch da hat es gepaßt“ wie er zufrieden feststellt. So lernen sich die Zwei auf ganz andere Art, als dies normal geschieht, sehr gut kennen. Und es tut ihnen gut. „Der gemeinsame Draht war zunächst die Gemeinschaft, dadurch dass sie ja auch viele Jahre in der Gemeinschaft und später in der Mission der Gemeinschaft in Peru tätig gewesen war,“ fügt er hinzu. Ein Jahr nachdem sie sich kennengelernt haben, heiraten sie 2012. „Für uns war das ganz klar.“
2013 stellt er sich auf eigene Füße, gründet die Firma „Fensterfolien Zemann“: Sonnenschutz-Sichtschutz-Sicherheitsfolien..... Der Anfang ist sehr schwierig. Er „klopft an jede Haus­türe“. Ein Sohn, Nico, stellt sich bald ein, und sie verwenden das Karenzgeld für die Miete. „Eine Firma aufzubauen, ist eben schwer. Aber es war die richtige Entscheidung. Jetzt ist alles gut,“ resümiert er. Mittlerweile hat ein zweiter Bub, Marco,  er ist jetzt fünf Jahre alt, die Familie vergrößert.
Es war ein wirklich sehr bereichender Nachmittag in Wiesen für mich. Man sieht Sasha und Jana richtig an, dass sie ihren inneren Frieden, den beide lange im Leben entbehrt hatten, nun schon seit vielen Jahren gemeinsam gefunden haben. Ja, und über Jana erzähle ich dann in der nächsten Ausgabe.

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