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Über die neue Sexualmoral Freie Liebe

Artikel drucken (Christian Dick)

Bernhard Meuser, Mitautor des Youcat hat eine nachhaltige Erfahrung gemacht, die er seit fünfzig Jahren nicht vergessen kann: Als Jugendlicher hat er Missbrauch durch einen homosexuellen Priester erlebt. Als Resultat aus seinem Schock über die zögerliche Herangehensweise der Katholischen Kirche an das Thema Miss­brauchsskandale hat der Theologe Meuser nun klar Position bezogen.

In seinem neuen Buch Freie Liebe – Über neue Sexualmoral nimmt Meuser kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Kritik an der „neuen Sexualmoral“ im Rahmen des Synodalen Weges der Katholischen Kirche in Deutschland geht. Deutliche Kritik übt der Autor außerdem an der Gender-Ideologie. Sehr interessant ist ein Kapitel über das Thema „Ökologie des Menschen“, mit dem sich Papst Benedikt XVI. in seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag im Jahre 2011 beschäftigt hat (S. 39 ff.).
Moral ist Bernhard Meuser zufolge etwas ganz Einfaches. Sie hat mit dem Notwendigen, die Not Wendenden zu tun. Moral ist die schützende Haltung, die mit Festigkeit auf den Plan tritt, wo das Schwache ausgeliefert, die Not am größten, das Menschliche am tiefsten bedroht ist. Moral, so legt Meuser dar, ist die Liebe eines Vaters, der seine Kinder vor dem Abgleiten in die Drogenszene bewahrt. Moral ist die Liebe eines Kindes, das eine Schnecke über die Straße trägt. Ja, Moral ist Liebe. Liebe, die nicht mehr zusehen kann, wenn jemand oder etwas vor die Hunde geht.
Moral, so macht Meuser in seinem Buch nachdrücklich klar, ist jedoch nicht der Oberlehrer mit dem erhobenen Zeigefinger. Meuser, erklärt in seinem Buch, dass er es vorzieht, anstatt von „Moral“ von „gutem Leben“ zu sprechen. Moral nennt Meuser alle flankierenden Maßnahmen, die gutes Leben ermöglichen.
„Wenn man so manche Predigt anhört, muss man sagen: Es gibt starke Tendenzen, das Christentum zu „entmoralisieren“, führt Meuser aus und fährt fort: „Alles nicht so wichtig, wie du lebst – Hauptsache, du findest Jesus okay.“ Jesus sei es auf den Glauben angekommen, nicht auf die „Moral“. Das ist natürlich Unsinn. Christus hat den Menschen die heilende Liebe Gottes gebracht, aber natürlich hat er auch in die Erkenntnis der Sünde geführt und zu einem neuen Leben aufgerufen.
Aus Jesu Umgang mit der Ehebrecherin könne man geradezu eine „Jesuslösung moralischer Konflikte“ herauslesen; sie erfolgt in einem Vierschritt.
Erstens: Schreibe mit dem Finger in den Sand! Lasse dich nicht dazu missbrauchen, Partei zu ergreifen, öffentlich zu verurteilen und zu diskriminieren. Zweitens: Schlage der Menge die Steine aus der Hand! Erinnere alle an die Sündhaftigkeit aller. Lass sie verstehen, dass sie den Sündenbock vernichten wollten, der sie selbst entschulden sollte. Drittens: Nimm in Barmherzigkeit an! Und mache einen Unterschied zwischen dem Gesetz und Gott, der größer ist als das Gesetz. Viertens: Eröffne neues Leben! Entlasse in Frieden und erinnere diskret, dass Gottes Liebe anzunehmen heißt: die Sünde verabschieden.“
Das Buch ist populärwissenschaftlich geschrieben und liest sich sehr spannend. Es sollte zur Pflichtlektüre für Studenten in den Priesterseminaren werden. Denn man erfährt, was der Kern des Begriffs Moral ist, und warum die „neue Sexualmoral“ der Katholischen Kirche in Deutschland im Rahmen des Synodalen Weges ein Irrweg und wie wichtig  die Enzyklika „Humanae vitae“ ist.
Zur „neuen Sexualmoral“ stellt Meuser fest: „Dieser Entwurf ist eine Katastrophe. Und doppelt katastrophal ist die Tatsache, dass daran auch noch einige Bischöfe mitstricken. Man hat den Eindruck, den Verfassern geht es hauptsächlich um eines: die kirchliche Anerkennung von Homo­sexualität und allen möglichen sexuellen Selbstverwirklichungen – von Self Sex (so taufen die Reformtheologen die Masturbation), über voreheliche Lebensformen hin zu außerehelichen Lebensformen. In der Kirche gibt es einen uralten, von der Bibel herrührenden Grundsatz: ,Sexualität hat ihren einzig legitimen Ort in der christlichen Ehe“. Diesen Satz muss man natürlich knacken, will man ,Wertschätzung’ für die vielerlei ,legitimen Formen’ von Sexualität außerhalb der Ehe. Man muss natürlich auch eines sagen: Die Kirche hat sich nicht immer gut, hilfreich und barmherzig zu denen verhalten, die nicht mitkamen mit den hohen Anforderungen – etwa Menschen, die daran scheiterten – sagen wir: in einer zivilen Zweitehe nach Scheidung – und sich komplett ausgeschlossen fühlten. Und man muss auch sagen: Wir brauchen tatsächlich eine ,neue Sexualmoral’. Nur nicht diese haarsträubende Anbiederung an den Zeitgeist.“

Freie Liebe – Über neue Sexualmoral. Von Bernhard Meuser. Fontis Verlag, 432 Seiten, Preis: 20€

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