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Ein Weg unter Marias Augen

Artikel drucken Biographie von Schwester Luzia, der Seherin von Fatima (Christoph Hurnaus)

Schwester Luzia dos Santos, die am 13. Februar 2005 in Coimbra verstarb, war als Seherin von Fatima eine Persönlichkeit, die das Leben der katholischen Kirche fast ein ganzes Jahrhundert lang prägte. Das Buch Ein Weg unter den Augen Mariens, das zum 100. Jahrestag der Erscheinungen der Muttergottes in Fatima (1917) erstmals in portugiesischer Sprache erschien, ist eine Art Testament der Seherin, die gemeinsam mit ihren Verwandten Francisco und Jacinta die Muttergottes schaute.
Das vom Kloster der Karmelitinnen in Coimbra verfasste Werk zeichnet die Geschichte der Erscheinungen von Fatima aus der Sicht von Schwester Luzia nach und bietet einen interessanten Einblick in das Leben und die Spiritualität der Schwester.
Luzia wurde 1907 in Aljustrel bei Fatima als sechstes Kind einer armen Bauernfamilie an einem Gründonnerstag geboren. Zwei Tage später, am Karsamstag, taufte der Ortspfarrer das Mädchen, während die Glocken der Pfarrkirche die Auferstehung Christi verkündeten. In den einfachen Verhältnissen der Bauernfamilie dos Santos lernte Luzia die Grundtugenden christlichen Lebens: Bescheidenheit, Nächstenliebe, Großherzigkeit und Gastfreundschaft.
Bereits im Alter von sieben Jahren musste Luzia gemeinsam mit ihrem Cousin Francisco und ihrer Cousine Jacinta die Schafe der Familie hüten. 1916 erlebten die Kinder drei Erscheinungen eines Engels, der sich als „Engel von Portugal“ bezeichnete, der sie ein Gebet lehrte. Nach den Begegnungen mit dem Engel bemühten sich die Kinder, Opfer zur Bekehrung der Sünder zu erbringen, um so Jesus zu trösten. Sie behielten die Besuche des Engels für sich.
Dies änderte sich, als sie am 13. Mai 1917 zum ersten Mal die Muttergottes sahen. Sie bat die Kinder, jeden Tag den Rosenkranz um den Frieden der Welt und ein Ende des Krieges zu beten und fragte sie, ob sie bereit wären, Leiden zu ertragen als Wiedergutmachung für die Sünden, mit denen Jesus beleidigt wird. Die Kinder willigten ein und lebten diesen Auftrag mit bewundernswerter Hingabe. Die Muttergottes kündigte ihnen fünf weitere Erscheinungen, jeweils am 13. des Monats an.
Die Kunde davon verbreitete sich in ganz Portugal, so dass die Hirtenkinder kein normales Leben mehr führen konnten. Luzia litt besonders darunter, dass ihre Mutter ihren Erzählungen nicht glaubte und dem Mädchen große Vorwürfe machte. Zur Bekräftigung der Echtheit ihrer Erscheinungen kündigte die Muttergot­tes ein großes Sonnenwunder an, das am 13. Oktober 1917 zehntausende Menschen miterlebten.
Wie die Muttergottes es den Kindern offenbart hatte, verstarb Francisco Marto 1919 an der Spanischen Grippe, seine Schwester kurz danach 1920. In dieser Zeit verstarb auch der Vater von Luzia. Das kleine Mädchen trug die Geschehnisse um die Erscheinungen von Fatima nun ganz einsam in ihrem Herzen. Auf Anregung des Ortsbischofs von Leiria trat Luzia 1926 ins Kloster der Dorotheerinnen von Tuy in Spanien ein, wo sie unter dem Ordensnamen Maria das Dores (Maria der Schmerzen) fortan lebte.
1948 durfte sie mit Erlaubnis von Papst Pius XII. in den Karmel von St. Theresa bei Coimbra übertreten. Damit ging ein langersehnter und großer Wunsch Luzias in Erfüllung. Während ihres Klosterlebens erlebte die Schwester immer wieder Erscheinungen der Muttergottes, die ihr bereits während der ersten Erscheinungen angekündigt hatte, sie niemals zu verlassen. 1941 schrieb Luzia das von der Muttergottes diktierte erste und zweite Geheimnis nieder, 1944 folgte die Niederschrift des sogenannten dritten Geheimnisses, das während des Besuchs von Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 in Fatima veröffentlicht wurde.
Damals erlebte Luzia nicht nur eine Begegnung mit dem im Geheimnis beschriebenen „Bischof in Weiß“, sondern durfte auch Zeugin der Seligsprechung von Francisco und Jacinta Marto werden. Die beiden Hirtenkinder wurden inzwischen von Papst Franziskus heiliggesprochen. Nachdem Luzia dos Santos am 13. Februar 2005 verstorben war, wurde sie wenig später in der Rosenkranzbasilika von Fatima neben Jacinta und Francisco beigesetzt. Seit 2008 läuft auch für das dritte Seherkind von Fatima ein Seligsprechungsprozess.
Dieses lesenswerte Buch gibt Einblick in das Leben der letzten Seherin von Fatima, die schon als Kind dem Ruf nach Heiligkeit folgte und in heroischer Weise zur Zeugin einer großen und noch immer aktuellen Botschaft des Himmels wurde. Denn wie Papst Benedikt XVI. während seines Besuchs 2010 in Fatima sagte, irrt wer glaube, dass die prophetische Mission Fatimas beendet sei.

Ein Weg unter den Augen Mariens, Parvis Verlag, 624 Seiten, 32€.

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