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Neue Helden für den Lebensschutz

Artikel drucken Berufen, Studenten für „Pro-Life“ zu begeistern (Bethany Janzen)

Mein Name ist Bethany Janzen. Ich bin 27 Jahre alt und komme ursprünglich aus den USA. Vor drei Jahren bin ich nach Österreich gekommen, um die Pro-Life-Arbeit der Jugend an die Unis zu bringen.

Bethany ist rechts im Bild.
Als Gott diesen Weg begann, war ich 14 Jahre alt. Ich spreche zum ersten Mal dieses Gebet: „Gott, mache mich wie Esther zu einer Anführerin, die für Gerechtigkeit einsteht und für jene, die selbst keine Stimme haben.“ Ich habe keine Ahnung, was es genau bedeutet. Ich bin ein etwas seltsamer Teen­ager, der gerade eine Essstörung überwunden hat.
Mit 18 nehme ich an einem politik-fokussierten Sommercamp teil. Ich habe die Möglichkeit, über ein Problem zu sprechen, an dem sich etwas ändern sollte. Meine Mum schlägt Abtreibung vor. Meine Antwort: „Nein, dann bin ich unbeliebt.“ Ich bin Pro-Life aufgewachsen, aber ich will meinen Ruf nicht dafür riskieren. Ja, ich bin Christ und teile auch meinen Glauben mit Freunden oder bei Straßenaktionen, aber über Abtreibung reden? So stark ist mein Glaube nicht.
Im selben Herbst beginne ich mein Studium. Ich war auf der Suche nach gleichgesinnten Freunden, finde eine „Students for Life”-Gruppe an meiner Uni und nehme an einer Veranstaltung teil. Bald darauf werde ich Mitglied. Mir wird klar: Abtreibung ist die größte Menschenrechtskrise unserer Zeit. Und quasi niemand tut etwas dagegen. Wie kann das sein!
Als mein Studienabschluss naht, bin ich mit großen Fragen konfrontiert. Jeder sagt, ich soll mich auf meine Zukunft vorbereiten – meine Berufung finden. Aber was war meine Berufung? Als ich mich hinsetze und zu Gott rufe, wurde mir klar, dass meine Prioritäten falsch geordnet waren. Alle meine Aktivitäten waren auf meinen Lebenslauf abgestimmt – die Leitungspositionen, die ich übernommen hatte, meine ambitionierte Suche nach einem passenden Sommerjob, sogar mein Wunsch, zu wissen, wie genau ich Gott dienen sollte. Würde ich alles aufgeben und nur zur Ehre Gottes leben? Ich will nicht. Dann entschied ich mich aber doch gegen einen prestigeträchtigen Sommerjob und für ein Praktikum bei einer Pro-Life Organisation. Eine Entscheidung, die ich nie bereut habe.
Im November 2015 bin ich für ein Auslandssemester in Regensburg, Deutschland. Auch hier will ich meine Freizeit für die Lebensschutzbewegung einsetzen. Also mache ich mich auf die Suche nach lokalen Lebensschutzgruppen und finde „Jugend für das Leben Österreich“. Ich lerne ihre Aktionen kennen und erzähle, was meine Pro-Life Gruppe in den USA an der Uni macht.
Mitternacht, zwei Wochen später: zu dritt fahren wir über die Alpen von Innsbruck nach Salzburg zu einer Lichterkettenaktion. Ich erzähle wieder von meiner Pro-Life Unigruppe zuhause und frage: „Warum macht ihr das nicht hier?“ – Ein paar Wochen später kommt die Antwort: „Wir starten eine Pro-Life Unigruppe, in Graz.“
Ich spüre in diesem Moment, dass Gott will, dass ich nach Europa zurückkomme und helfe. „Wieso ich?“, kämpfe ich innerlich. „Ich kann gar kein Deutsch.  Es gibt sicher jemand Qualifizierteren…“ Aber das waren alles Ausreden.
Nach meinem Auslandsaufenthalt und meinem Bachelor-Abschluss beginne ich für „Students for Life“ zu arbeiten. Mit meinen Freunden von „Jugend für das Leben“ bleibe ich aber in Kontakt und helfe immer wieder, wenn sie Fragen haben. Im Jänner 2018 treffen wir uns beim „March for Life“ in Washington wieder. Mir wird klar, dass sie ihrem Ziel nicht viel nähergekommen sind. Es gab immer noch keine offiziellen Pro-Life Unigruppen in Österreich oder Deutschland. Ihnen fehlt einfach das nötige Know-How.
Eigentlich hatte ich vor, bei „Students for Life“ eine andere Aufgabe zu übernehmen, doch vor meiner Zusage gehe ich ins Gebet. „Was habe ich dir schon gesagt, dass du tun sollst?“, war alles, was ich hörte. „Mithelfen beim Aufbau von Pro-Life Studentengruppen in Deutschland? Aber wie? Meine Heimat verlassen? Mein Land? Meine Familie?“ So meine Gedanken. Es folgte eine schlaflose Nacht. Mein Kopf war voller Fragen.
In der Früh schlage ich meine Bibel auf und lese diesen Vers: „Höre, Tochter, sieh her und neige dein Ohr, vergiss dein Volk und dein Vaterhaus! Der König verlangt nach deiner Schönheit, er ist ja dein Herr, wirf dich vor ihm nieder!“ (Ps 45, 11-12)
Ein paar Wochen später bekomme ich die offizielle Einladung nach Österreich zu ziehen und eine neue Pro-Life Studentenorganisation für den deutschsprachigen Raum mit aufzubauen. Schon bald erweitert sich diese Vision auf ganz Europa. „Pro-Life Europe“ wird gegründet. Bald darauf helfen wir Studenten die erste offizielle Pro-Life Universitätsgruppe in Freiburg zu gründen. Nach nur zwei Jahren betreuen wir nun 35 Gruppen mit Schülern, Studenten und jungen Erwachsenen in 10 Ländern – mit vielen weiteren in Entwicklung. Seit Jänner dieses Jahres gründen sich erste Pro-Life Studentengruppen in Portugal, Frankreich und Finnland.
Es gab Momente, in denen ich aufgeben, die Bewegung verlassen wollte. Aber mir wurde klar, dass es der Platz ist, an den Gott mich berufen hat. Er liebt mich – er liebt dich – und Er ruft uns auf, unseren Nächsten zu lieben – das verwundete und geschlagene ungeborene Baby, das niemand anschauen will.
Diesen Sommer werden es drei Jahre seit meinem Umzug nach Österreich sein. Dann werde ich zurück in die USA gehen. Meine Aufgabe in Österreich ist erfüllt. Unser Team bei „ProLife Europe“ ist täglich dabei, Studenten und neue Führungspersönlichkeiten zu aktivieren, auszubilden und anzuleiten. Diese Studenten sind mutige neue Helden – so wie Esther. Diese Studenten erreichen tausende Menschen auf Social Media. Sie verändern die Meinung von Menschen über Abtreibung auf der Straße und öffnen ihre Herzen. Sie helfen jungen Frauen in einer Konfliktschwangerschaft, das Leben zu wählen.
Es ist zwar noch eine kleine Flamme, aber ich kann es kaum erwarten, dass diese Flamme der Hoffnung und der Liebe, die „ProLife Europe“ verbreitet, hell und stark in ganz Europa brennt – bis jede Schule, jede Uni und jede Stadt eine Pro-Life Gruppe hat, die aktiv Herzen verändert und Leben rettet – das Leben der Mutter und das ihres Kindes.
Bitte unterstützen Sie ProLife Europe dabei. Der Herr ist am Werk!


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