VISION 20005/2021
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Schwester Maria Paschalis Jahn

Artikel drucken Botschaft an uns (Von Elmar Lübbers-Paal)

Viele Deutschstämmige aus den Ostgebieten, wie Schlesien, Ostpreußen, Pommern, Posen oder aus dem Sudetenland, erleben besonders im letzten Kriegsjahr unsagbar viel Leid und Not. Wer kann, ergreift vor der anrückenden russischen Armee die Flucht. Grausam sind die Brutalitäten der Rotarmisten gegenüber den Volksdeutschen. Diese „Hölle auf Erden“ durchleiden auch viele Ordensleute. Zu ihnen gehören Schwester Maria Paschalis (Maria Magdalena) Jahn und neun weitere Mitschwestern der Kongregation der Heiligen Elisabeth, die auch „Graue Schwestern“ genannt werden.
Die spätere Märtyrerin wird am 7. April 1916 in Neiße (Oberschlesien/Böhmen) als erstes von vier Kindern des Schreiners Karl-Eduard Jahn und seiner Gattin Bertha geboren. Nur wenige Tage darauf wird sie in der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer zu Neiße-Mittelneuland auf den Namen Maria Magdalena getauft. Von 1922 bis 1930 besucht sie die Schule. Der Familie geht es finanziell so schlecht, dass der Vater bereits 1926 nach Herne in Westfalen umzieht, um seine Familie, die noch in der Ferne lebt, ein Auskommen zu sichern. Die Kinder der Familie erleben schon in jungen Jahren, was es heißt in Armut zu leben.
Am Heiligen Abend 1926 übersiedelt auch Mutter Jahn mit ihren übrigen drei Kindern nach Herne. Maria Magdalena bleibt zurück, da sie eine feste Anstellung in einem großen Betrieb mit Obstanbau hat. Im Winter 1934/35 zieht auch sie in den Westen und findet im Ortsteil Barmen eine Anstellung als Hausgehilfin im dortigen Katholischen Gesellenhaus, das von Ordensschwestern geleitet wird. In ihrer jetzigen Heimatpfarrei, St. Bonifatius in Herne, wird sie Mitglied der Jungfrauen-Kongregation. Zur Eigentümerin ihres Geburtshauses hält sie aber weiterhin Kontakt.
Als Maria Magdalena von der Hilfsbedürftigkeit dieser Frau erfährt, packt sie ihren Koffer und reist zurück in die böhmische Heimatstadt, um sich um sie und ihre blinde Schwester zu kümmern. Dabei kommt es auch vermehrt zu Kontakten zum Orden der Schwestern der Heiligen Elisabeth; ist doch auch ihr Leben jetzt schon als marianisch und elisabethanisch anzusehen. Sie verehrt in besonderer Weise die Gottesmutter Maria, die als Magd  dem Herrn gedient hat. Gleichzeitig entspricht ihr herzliches Handeln zu Gunsten der Bedürftigen, welches aus der Liebe zu Gott entsteht, dem Vorbild der einstigen Thüringischen Landgräfin.
Sie ist noch keine 22 Jahre alt, da tritt sie 1938 in die Ordensgemeinschaft ein und erhält den Ordensnamen Maria Paschalis. Überglücklich schreibt sie ihren Eltern über ihren eigenen Ordens­eintritt und den der weiteren neuen Novizen: „Nun gehören wir nicht mehr der Welt an, sondern ganz und gar nur noch unserem himmlischen Bräutigam“.
Sie kümmert sich, dem Ordens­ideal entsprechend, um die Hilfsbedürftigen und Kranken. Stationen sind hier Kreuzburg und Leobschütz. Ab 1942 kümmert sie sich als Köchin um die alten und kranken Mitschwestern in Neiße. Ihre Ahnung, die sie am Allerseelentag 1944 ihren Eltern schreibt, sollten sich bewahrheiten: „...Vielleicht betet man nächstes Jahr an dem Tage auch für unsere armen Seelen. Unzählige werden in der Erde liegen, die noch gar nicht ans Sterben dachten, welche noch jung und gesund waren. Der Mensch denkt, Gott lenkt.“
Als 1945 die Rote Armee vorrückt, wird Schwester Paschalis von der Oberin befohlen mit der Näh-Schwester des Ordens, Schwester Maria Fides, zu flüchten. Sie gehorchen und kommen in Zöptau, Landkreis Mährisch Schönberg/Sudetenland, welches heute tschechisch ist, an. Als im Mai 1945 die Rote Arme auch im Sudetenland einmarschiert, führt der Ortspfarrer Bruno Esch die beiden Ordensfrauen einer Flüchtlingsgruppe von Ordensschwestern, die sich im Ort aufhalten, zu.
Der Pfarrer von Zöptau berichtet über das Martyrium von Schwester Maria Paschalis, welches sich mit weiteren Augenzeugenberichten deckt, wie folgt:
„ … Sie stammt aus dem St.-Elisabeth-Haus in Neiße und wohnte mit Schwester Maria M. Fides bei Familie Thiel. Als die Russen ins Dorf kamen, schlossen sie sich den anderen Ordensfrauen an, die im Schulgebäude die alten Leute betreuten. Am Freitag, dem 11. Mai, kam ein Russe mit dem Fahrrad an der Schule vorbei. Er hielt und betrat das Gebäude.
Schwester M. Paschalis wollte gerade die Treppe hinuntergehen. Erschreckt lief sie in das Zimmer zurück, wo sich die alten Leute aufhielten, zum Teil lagen sie in den Betten. Im nächsten Augenblick riss der Rotgardist die Tür auf und forderte die junge Schwester auf, ihm zu folgen. Gefasst sprach sie: „Ich gehöre Christus“ und wies auf ihr Kreuz am Rosenkranz hin. Der Soldat fasste sie an den Armen. Die Schwester riss sich los und lief auf die andere Seite des Tisches. Der Russe gab einen Schuss in die Zimmerdecke ab. Als er die Schwester nochmals aufforderte, mit ihm zu kommen, erwiderte sie entschlossen: „Erschießen sie mich, Christus ist mein Bräutigam, nur ihm gehöre ich!“ Sie kniete nieder, nahm das Kreuz in die Hand, küsste es und betete: „Ich bitte um Verzeihung, sollte ich ihnen weh getan haben. Mein Jesus, gib mir die Kraft zu sterben“ – Der Russe schoss. Die Schwester fiel nach hinten und war sofort tot. Der Mörder verließ eiligst das Zimmer, er rannte, als wäre der Satan hinter ihm her.
Voll innerer Ergriffenheit habe ich die junge Schwester an der Friedhofsmauer gegenüber der Sakristei der Zöptauer Kirche begraben. Dies zum Andenken an das tapfere Sterben der Schwester Maria M. Paschalis.“ (aus „Letzte Tage im Sudentenland“, W. Richter).
An der Beerdigung dieser Märtyrerin der Reinheit nahmen drei Priester, viele Ordensschwestern und viele Gläubige teil. Durch ihre standhafte Verteidigung der Reinheit, wurde sie als ein zweiter Heiliger Aloisius bezeichnet. Die gläubige Bevölkerung verlieh ihr den Ehrentitel „Die weiße Rose aus Böhmen“. Der Jugend empfahl man sie als Vorbild. Die Klosterfrau genießt in der Bevölkerung, genau so wie im Orden, eine große Verehrung. An ihrem Grab finden sich häufig Pilger zum Bittgebet ein.
Papst Franziskus hat Schwester Maria Paschalis Jahn den heroischen Tugendgrad zuerkannt. Insider sagen, dass die Seligsprechung dieser Braut Christi und neun weiterer Graue Schwestern, die aus ähnlichen Motiven auch alle 1945 ermordet wurden, (M. Rosaria Schilling, M. Adela Schramm, M. Sabina Thienel, M. Sapientia Heymann, M. Melusja Rybka, M. Adelheidis Töpfer, M. Felicitas Ellmerer, M. Edelburgis Kubitzki und M. Acutina Goldberg) reine Formsache sei. Sie werden wohl im Buch der Seligen unter dem Namen „Schwester Maria Paschalis Jahn und Gefährtinnen“ verzeichnet werden.

Bildquelle: https://de.catholicnewsagency.com


 

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