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Geprägt wird der Mensch von der Liebe

Artikel drucken In der Familie erfährt der Mensch Orientierung (Christian Spaemann)

„Ein Plädoyer für die Mutterschaft“ lautete der Titel des Vortrags von Christian Spaemann, indem er zunächst die Bedeutung der Mutterschaft und die besondere Begabung der Frauen für diese Aufgabe herausarbeitete. Zum Schluss kam der Facharzt für Psychiatrie auch auf die Hindernisse, die das Mutter-Sein heute  erschweren, zu sprechen. Im Folgenden drei Passagen aus diesen Ausführungen.

   
 Christian Spaemann  

Wenn man auf die Homepage irgendwelcher Gleichstellungsbehörden schaut, dann erkennt man, dass es im Letzten immer um die Werte Macht und Geld geht. Das sind vor allem männliche Werte. Die Frauen werden da irgendwie hineingepresst: Es muss alles fifty-fifty sein. Schaut man aber, was Frauen wollen, so stellt man fest, dass da eigentlich eine Diskriminierung vorliegt. Man hängt dem ganzen das Label Frauenemanzipation um, aber das Label ist eigentlich ein männliches Label. Dahinter stehen natürlich die Interessen der Wirtschaft. Ich plädiere daher dafür, dass man von dieser Art subtiler Diskriminierung wegkommt und eine Art Zielgerechtigkeit einführt.
Der Staat soll Lebensziele nicht einseitig werten. Es geht um eine gerechte Bewertung der Lebensziele. Wenn es Lebensziele wie Familie, Kinder oder Fürsorge gibt, dann müssen auch diese Anerkennung finden. Im Grunde genommen sind die letztgenannten Ziele ja für unsere Gesellschaft sogar wesentlicher. Und das braucht Anerkennung.

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Politisch wird es heute gefördert, dass die Kinder möglichst bald in eine Kinderkrippe kommen. Es wird so hingestellt, als wenn das mehr oder weniger unproblematisch wäre. Das Label ist wieder dasselbe wie das oben erwähnte: Emanzipation, Gleichheit von Mann und Frau. In Wirklichkeit geht es um die Wirtschaft, die Arbeitskräfte braucht. Es gibt ja auch viele Firmen, die das pushen, etwa mit Krippen in den Unternehmen. Zwar möchte ich diese Einrichtungen nicht grundsätzlich verteufeln, aber wir wissen es aus den Erfahrungen in den kommunistischen Ländern, wir wissen es aus der Statistik, dass es für die Kinder nicht schön ist. In den Untersuchungen hat die Krippenbetreuung keine guten Ergebnisse. Selbst bei personell gut ausgestatteten Einrichtungen kommt man zu negativen Ergebnissen.

Alle Diktaturen haben nach den Kindern gekrallt: die Nazis, die Kommunisten… Sie wollten die Kinder früh haben und beeinflussen, gesellschaftsgerecht formen. Auch heute haben wir die Tendenz des Zugriffs auf das Kind. Eigentlich aber leben wir in einem Verfassungsstaat mit freien Bürgern. Wir müssen bedenken:
Die Familie ist der Ort, wo die Kinder geprägt werden, wo sie Solidarität, Identität lernen, wo sie sich durch Ähnlichkeit spiegeln können: bei den Eltern, den Großeltern. Sie lernen Lebensgeschichten kennen. Diese Familiengeschichten machen sie stark, schaffen eine Familien- und eine Eigenidentität. So wird Orientierung gegeben, Werte gebildet. Familie ist ein vorstaatlicher Raum, in dem der Mensch geprägt wird, um in der Gesellschaft zu wirken. Dort wird ihm Freiheit vermittelt.
Familie ist nicht berechenbar. Wer eine Familienidentität hat, der hat zur Gesellschaft einen Außenbezug. Für gewisse Kreise in der Gesellschaft ist das unangenehm. Sie haben Vorstellungen, wie die Gesellschaft zu funktionieren hat, wie das Verhältnis der Geschlechter zu sein hat oder die Familienverhältnisse.
Im Kern kommt der Mensch aus der Liebe. Da wird der Mensch geprägt, da kann er sich entfalten, sich entwickeln. Das ist das Eigentliche, das Zentrum. Deshalb ist die Mutterrolle die wichtigste Rolle der Welt – auch wenn sie nicht gewürdigt wird. Eine Gesellschaft, ein Staat, ein Volk – sie alle haben nur Zukunft, wenn es Kinder gibt. Diese Zukunft ist umso besser, je besser die Kinder beisammen sind, je besser ihre Kindheit war, umso besser sie geprägt sind, je mehr sie emotional gestärkt worden sind.
Eine Gesellschaft, in der nicht die Familie, nicht die Kinder im Zentrum stehen, ist krank. Egal, was die Medien verbreiten, Mütter können sich zurücklehnen und sich sagen: Wir sind die Wichtigsten in der Gesellschaft, unsere Kinder sind das Wichtigste – wir geben das Wichtigste weiter. Das gilt auch für den Glauben. Und wird der Glaube warm und gut weitergegeben, so wird das Kind später irgendwann darauf zurückkommen.

Der Autor ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin. Er hat eine Praxis in Mattighofen/Oberösterreich und war zuletzt Leiter der Klinik für Psychische Gesundheit in Braunau. Auszüge aus seinem Vortrag beim Mama-Kongress.


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