VISION 20003/2023
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Es ist nie zu spät zu glauben

Artikel drucken Emmanuel Tran, ein Manager bekehrt sich, als er die wunderbare Heilung seiner Tochter erlebt (Von Alexa Gaspari)
 
Emmanuel Tram mit Frau und den beiden Töchtern  

Haben Sie, liebe Leser, schon einmal etwas von Pauline Marie Jaricot gehört oder gelesen? Emmanuel Tran jedenfalls wusste nichts über sie, bis seine kleine Tochter Mayline im Jahr 2012 um ihr Leben gerungen hat. Bei einem Symposium von Missio Austria, das Pauline Marie Jaricot (S. 21) gewidmet war, gab er ein berührendes Zeugnis der wunderbaren Heilung seiner Tochter, die Paulines Fürsprache zugeschrieben wird. Sie war auch der Grund für deren Seligsprechung am 22. Mai 2022. Gleich am nächsten Tag traf ich Emmanuel Tran zu einem Interview – und später las ich auch sein Buch „Sauvée par un miracle“ (Durch ein Wunder geheilt).
Geboren wurde Emmanuel in der Nähe von Paris. Seine Kindheit und Jugend bezeichnet er als fast normal, allerdings sei er nicht in einem katholischen Milieu aufgewachsen. Der Vater hätte zwar als Kind eine Jesuitenschule besucht und sei jahrelang Ministrant gewesen, habe jedoch als Jugendlicher dem Glauben gänzlich abgeschworen. Die Mutter war nie gläubig, meint er nur kurz. Emmanuel wird jedenfalls nicht getauft. Der Großvater war Vietnamese, daher der Name Tran.
Nachdem Emmanuel in Paris seine Schullaufbahn beendet hat, zieht er in die USA, nach Boston, wo er Außenhandel studiert. Nebenbei kümmert er sich um Frauen, die auf der Straße leben. Er bringt ihnen am Abend Essen und hilft ihnen, wieder auf die Beine zu kommen. Dabei macht er zum ersten Mal eine tiefer gehende Erfahrung: Sollte er sich nicht mehr für andere Menschen einsetzen? Ein schwerer Autounfall, eine zeitlang gelähmte Beine und der Satz einer Krankenschwester: „Seien Sie dankbar, dass Gott Sie am Leben gelassen hat,“ sind prägende Erfahrungen.
Mit 24 kehrt er nach Paris zurück. Es folgen Militärdienst und weitere Studien. Ab und zu, erzählt Emmanuel, hat er mit eigenen Worten zu Hause gebetet und auch manchmal mit jemandem über Glauben gesprochen. Das alles intensiviert sich, als er Nathalie, eine geborene Koreanerin, kennenlernt. Die beiden verlieben sich und machen schon bald Pläne für eine gemeinsame Zukunft. Mit Nathalie geht der junge Mann nun öfter in die Kirche, denn sie ist gläubig.
Da Emmanuel nicht getauft ist, beginnt er mit einem Priester eine Katechese als Vorbereitung auf Taufe und kirchliche Trauung. Ein beruflicher Umzug nach Amsterdam, wo er als Manager für das Hard Rock Café arbeitet, versetzt die Katechese ins Standby. Die ältere Tochter Lou-Anh wird noch in den Niederlanden geboren, die kleine Mayline kommt erst nach der Rückkehr nach Frankreich, in die Nähe von Versailles, zur Welt. Da der Job des Vaters in vollem Aufbau begriffen ist, verlangt er dessen ganzen Einsatz. Die Katechese muss warten. Von Versailles übersiedelt die Familie an die Hänge des Beaujolais, nach Luceray. Ab und zu geht Emmanuel mit Nathalie und den Kindern mit in die Messe. Das Geschehen dort ist ihm jedoch nach wie vor fremd. „Es war wie das Eindringen in eine Gruppe – im Blindflug.“
Am 29. Mai 2012 feiert die Familie mit Freunden eine Art Abschiedsfest, da diesmal in die Nähe von Nizza übersiedelt wird. Die dreijährige Mayline hat sich gerade mit einer kleinen, als Kugel geformten Wurst auf ein Sofa zurückgezogen. Plötzlich steht sie hinter dem Vater beide Hände um den Hals verkrampft, stampft auf den Boden, bringt keinen Ton heraus. Der Vater begreift sofort: Das Kind hat sich verschluckt.
Noch bevor er ihr helfen kann, fällt das Mäderl in Ohnmacht. In Erster Hilfe ausgebildet, versucht er gleich, mit dem „Heimlich Handgriff“ (eine Oberbauchkompression) den Fremdkörper aus der Luftröhre zu befördern. Ohne Erfolg. Die Rettung wird verständigt. Bis sie kommt: ein zweiter und ein dritter Versuch misslingen. Auch Schläge auf den Rücken bringen das Wurststück nicht wieder herauf. Es ist zu weit unten in der Luftröhre. Schnell treten Herz- und Atemstillstand ein. Der Vater beginnt mit Herzmassage, Mund-zu-Mund-Beatmung. Als die Sanitäter eintreffen, übernehmen sie. Mayline blutet aus Mund und Nase. Schließlich gelingt es den Helfern, den Fremdkörper zu entfernen, doch immer wieder versagt das kleine Herz. „Wir verlieren sie,“ hören die entsetzten Eltern die Rettungsleute sagen.
Endlich ist Maylines Zustand stabil genug, um sie ins Krankenhaus zu bringen. Die Eltern fahren mit. In der Nacht hat Mayline noch drei Herz- und Atemstillstände – sowie eine Lungenembolie. Die Gehirntätigkeit nimmt bereits Schaden, stellen die Ärzte fest. Sie raten den Eltern, nach Hause zu fahren, das Kind werde die Nacht wohl nicht überleben. Was für ein schrecklicher Rat! Natürlich bleiben die Eltern im Krankenhaus. In der Früh stabilisiert sich der Zustand insoweit, als Mayline mit Unterstützung atmen kann. Der Herzschlag wird auf über 205 Schläge pro Minute eingestellt, um den Herzmuskel wieder zu trainieren.
Mit Grauen erinnert sich der Vater an den Anblick seiner kleinen Tochter in diesen Tagen. Ihr ganzer Körper vibriert auf Grund der Pumpe, die das Blut aus der Lunge absaugt. In diesem Zustand bleibt die Kleine ca. eine Woche. Als die Ärzte meinen, sie von den Apparaten abhängen zu können, verkrampft sich der kleine Körper. Kein gutes Zeichen, denn es bedeutet, dass das Gehirn Schaden genommen hat. Mayline wird ins künstliche Koma versetzt.  In Abständen von mehreren Tagen werden die Gehirnströme der Kleinen gemessen: Die Gehirnaktivität lässt immer mehr nach. Bereits nach dem 10. Tag wird ein „endgültiger“ Befund erstellt: Die Ärzte erklären den Eltern, dass keine Gehirnströme mehr zu messen sind (nähere medizinische Erklärungen, die den Eltern als Beweise geliefert wurden, erspare ich Ihnen hier). Das Gehirn ist wegen Sauerstoffmangels geschrumpft und gewissermaßen löchrig. Kurz gesagt, das Mädchen sei „gehirntot“ und würde wahrscheinlich in den nächsten Tagen sterben, erklären die Ärzte.
Den Eltern wird erklärt, dass nach dem Gesetz Leonetti die Ärzte nun nicht mehr verpflichtet seien, im Fall einer Infektion Wiederbelebungsversuche zu machen. Die Eltern sollten einem „Lebensendeprojekt“ zustimmen. Projekt klingt zwar eher positiv, doch in diesem Fall heißt das: Nathalie und Emmanuel sollen dem Ende der künstlichen Ernährung zustimmen. Mayline würde durch Dehydrierung dann einige Tage später sterben. Diesen Vorgang könnte man durch starke Morphiumgaben beschleunigen. Was für ein Ansinnen!
Die Eltern geben nicht ihr Einverständnis: „Man kann doch Eltern nicht daran hindern, sein Kind zu ernähren und ihnen zumuten zuzuschauen, wie es langsam elend verhungert und verdurstet,“ ist Emmanuel noch heute fassungslos. Nein, die beiden wollen sich nicht entmutigen lassen, nicht aufgeben, sondern abwarten, was weiter geschieht. Die kleine Patientin wird in die Neuropediatrie überstellt. Mayline bekommt die Krankensalbung.
In dieser Zeit sind die Eltern auch öfter in der Schule, da die ältere Tochter ja erst sieben ist und gerade jetzt eine intensive Betreuung und ein möglichst normales Leben braucht. Sie hat auch bald Geburtstag, den sie mit Freundinnen verbringen möchte. „Es war nicht einfach, nach Hause zu kommen und zu lächeln, obwohl wir vom Schmerz um die kleine Schwester erdrückt waren – ein Schmerz, wie wenn dir jemand alle Eingeweide innerlich zerreißt. Wie soll man sich je davon erholen?“, leidet der Vater in der Erinnerung noch heute.
Elisabeth, die Mutter einer Schülerin – sie hatte selbst bereits zwei Kinder verloren – macht bei einer Gebetsbewegung, dem „Lebendigen Rosenkranz“ mit (ein Zusammenschluss von Menschen, die versprechen, in einem besonderen Anliegen täglich mindestens ein Gesätzchen Rosenkranz zu beten). Sie kann den Schmerz der Eltern gut nachvollziehen und schlägt vor, eine Novene zu Pauline Marie Jaricot  –1826 hat sie den Lebendigen Rosenkranz gegründet – zu beten, damit sie sich für eine Heilung der kleinen Mayline bei Gott einsetzen möge. Für die Novene holt sie die Erlaubnis bei Kardinal Barbarin ein.
Alle Schüler von Lou-Anhs Schule versprechen für ihre Schwester zu beten. Durch den Lebendigen Rosenkranz, der in vielen Ländern gebetet wird, sowie durch Freunde verbreitet sich die Novene weltweit. Emmanuel erinnert sich bewegt: „Nathalie und ich haben jeder  für sich gebetet und Pauline Marie um ihre Fürbitte angefleht. Es war das einzige, was uns ein wenig Entspannung und Hoffnung gegeben hat. Erst später wurde uns bewusst, dass tausende Menschen gemeinsam mit uns Pauline um Fürsprache beim Herrn gebeten hatten. Es war berührend, wie wir dann aus der ganzen Welt Zeichen von Menschen bekamen, die für unser Kind gebetet hatten.“
Die Übersiedlung in die Nähe von  Nizza steht bevor. Daher wird Mayline nach Nizza ins Spital überstellt. „Wir hatten unsere Tochter vor ihrem Transfer gesehen: Ihr Blick war leer. Ohne Leben. Die Pupillen riesengroß. Als wir sie dann in Nizza wiedersahen, war der Blick ihrer Augen toal verändert : er war wieder da, lebendig, ganz normal. Maylines Augen strahlten und ließen wieder das Leben durchscheinen.“
„Was ist passiert, was hat man mit ihr gemacht?“ fragen die Eltern die Krankenschwestern. Nichts sei geschehen, antworten diese und haben offensichtlich Angst man würde ihnen etwas vorwerfen . „ Nein wir wollten nur verstehen. Wir waren in einem Zustand zwischen größter Verwunderung und Unverständnis, aber einfach sicher, dass etwas Großes geschehen war,“ erzählt mein Gegenüber.
Das Projekt „Lebensende“ in der Krankenakte bleibt jedoch aufrecht. Immerhin erklärt der Arzt in Nizza, Mayline werde nicht in diesem Spital sterben, denn die Krankenakte entspräche nicht dem klinischen Zustand der Kleinen. Auf Heilung gäbe es aber keine Hoffnung. Die Tochter werde bestenfalls die Augen bewegen, keinesfalls aber mit den Eltern kommunizieren können. Für die Eltern, die sich täglich bei der Tochter abwechseln, wird aber immer klarer, dass ihre Tochter zunehmend lebendiger wirkt. Bald schon formt sie die Worte Mama und Papa, auch wenn das nicht zu hören ist. Mayline will wieder zurück ins Leben, daran haben die Eltern nun keinen Zweifel: Sie lacht, wenn man sie kitzelt, scheint imaginäre Kerzen auszublasen, als vom Geburtstag einer Tante die Rede ist, und sie weint, wenn die Eltern abends die Klinik verlassen müssen.
Für die Ärzte sind das alles nur neurologische Reflexe. Doch dann: „Eines Tages bei einer Arztvisite, als unsere Kleine in den Armen Nathalies ist, können es alle hören: Mayline schaut ihre Mutter an und sagt:’Mama’. Auch wenn sie die Lippen dabei kaum bewegte, so explodierte der Klang dieses Wortes in uns wie eine Atombombe – und der Arzt hatte es auch gehört! Endlich.“
Es geht bergauf: Mit einem speziellen Rollstuhl, der sie total umschließt, kann Mayline eines Tages ihren ersten Ausflug mit den Eltern auf die berühmte „Promenade des Anglais“ machen. Sie strahlt. Ernüchternd jedoch ein neuerliches MRT des Gehirns: Sie zeigt nach wie vor eine globale Hirnschädigung, das Absterben des Gewebes in beiden Gehirnhälften, eine Schrumpfung des Gehirns. Dessen Wiederherstellung scheint absolut unmöglich. Das Kind wird in eine 150 km entfernte Einrichtung, extra für schwerstbehinderte Kleinkinder, verlegt, was Besuche leider erschwert.
Trotz aller negativen Vorhersagen, macht Mayline weiter Fortschritte: Sie sagt auch „Papa“, zeigt, wie man Zähne putzt, kann Breiiges schlucken. Nun können die Eltern sie auch selber füttern. Wieder ein Schlauch weniger! Am 2. September setzt sie sich erstmals alleine auf und bleibt im Gleichgewicht. Kann das eine Gehirntote? Es gibt nun Ausflüge ans Meer. Am 23. September zeigt Mayline auf ihre Puppe und sagt: „bébé“. Und dann: Nathalie kommt zu Besuch, und als Mayline sie sieht, zieht sie sich an den Stäben ihres Bettes hoch und steht! Die Mutter ist sprachlos.
Mayline lacht und wiederholt das Kunststück immer wieder. Es geht stetig bergauf: Wenn der Vater sie unter den Achseln stützt, gelingt es ihr, zwar unbeholfen und ruckartig, die Beine wie zum Gehen zu bewegen. Oktober: Mayline greift nach Nathalies Händen, zieht sich hoch, deutet auf den Boden und sagt: „Schuhe!“ Und der Tag ist nicht mehr fern, da sie an der Hand der Eltern alleine gehen kann. Verbesserung auch beim Spechen: „Will das!“, „pardon“ und schließlich „bonjour“ zu allen Vorübergehenden, die nicht wissen, was für ein Wunder ihnen da gerade begegnet.
Die Fortschritte nehmen kein Ende. Nun möchten die Trans sie nach Hause nehmen, denn Mayline weint heftig, wenn die Eltern sich verabschieden. Alle leiden unter dieser Situation. Emmanuel erklärt mir das: „Es ist schwierig, in Frankreich ein schwerkrankes Kind wieder nach Hause zu bekommen. Erst müssen Ärzte Untersuchungen durchführen. Es wird geprüft, ob die Eltern imstande sind, ihr Kind selbst zu betreuen, und, und… Da unser Kind als irreversibel gehirngeschädigt eingestuft war und diese Diagnose trotz aller Fortschritte nach wie vor bestand, galt sie immer noch als ‚menschliches Gemüse’.“
Und dabei: Welche Wandlung hat der Gesundheitszustand des Mäderls bis zum Oktober erfahren! Sie isst alleine, spricht, geht, ja läuft sogar, sie zeichnet… Doch die Erlaubnis, sie heim zu nehmen, lässt auf sich warten. Und dann endlich: „Es wurde mein schönster Geburtstag: Denn knapp davor am 25. November 2012 waren wir alle vier endlich wieder zuhause vereint!“ Weitere Therapien bekommt Mayline nun in einem nahe gelegenen Therapiezentrum.
Die ersten Essen zu Hause sind aufregend: „Iss langsam, du musst gut kauen. „ Ja,“ meint Mayline, „ sonst…“ – und sie legt ihre Hände um den Hals und macht mit offenem Mund schreckliche Geräusche. Sie hat also Erinnerungen an den Unfall, stellen die Eltern etwas entsetzt fest. An einem anderen Tag sagt sie zur Mutter: „Ich habe viel geweint, wo warst du?“ Nathalie erklärt, dass sie nicht ständig da sein konnte, weil sie auch gearbeitet und sich um Lou-Anh gekümmert habe. Darauf Mayline: „Aber ich habe sehr viel geweint und du warst nicht da.“ Und dabei hatten die Eltern gehofft, sie habe das alles nicht so mitbekommen.
Den Arzt, der vor Monaten die verheerende Diagnose gestellt hatte, fragt Emmanuel einmal, wie er sich erklären könne, dass Mayline nicht gestorben sei, sondern gehen, stehen, laufen, zeichnen und sprechen könne. Seine Antwort: „Ihre Tochter ist wie ein Wagen, der obwohl er keinen Sprit hat, fährt und fährt und fährt.“ Es sei einfach unerklärlich. „Da hatte ich nun einen Arzt, der mir gestanden hatte, dass   Maylines Rückkehr in ein normales Leben wissenschaftlich, medizinisch undenkbar sei.
Das war für Nathalie und mich der Zeitpunkt, da wir endgültig überzeugt sagen konnten: „Es ist tatsächlich ein Wunder geschehen.“
„So oft ich konnte, war ich zwar in all der Zeit in die Kirche gegangen,“ fährt Emmanuel fort, „und hatte Pauline Marie angefleht: ‚Mach bitte alles, was möglich ist, um meine Mayline zu retten.’ Doch erst jetzt begann ich, über das, was geschehen war, intensiver nachzudenken und daran zu glauben. Ich war ja damals trotz allem, noch weit vom Glauben entfernt, auch wenn ich weniger Zweifel als früher hatte. Ich war nicht getauft, glaubte hin und wieder an Gott, hatte nichts besonders Gutes in meinem Leben getan. Nun aber wusste ich mit Sicherheit: Es war Gott, der vor Monaten zu mir in einem Traum gesprochen hatte. Ich hatte geträumt, dass meine Hände in Flammen standen und eine Stimme sagte: ,Leg die Hände auf den Kopf deiner Tochter und sie wird geheilt werden.’ Ich habe mich aber dann nicht getraut, denn ich dachte: Vielleicht bin ich verrückt. Ein Teil von mir dachte zwar: ,Vielleicht ist es Gottes Stimme gewesen.’ Aber wer bin ich denn – ein Nichts, ein ganz gewöhnlicher Mensch. Warum sollte Er gerade mir so etwas sagen?“
Erst jetzt konnte Emmanuel es glauben: „Und so habe ich dann mein Katechumenat begonnen. Der Priester hat mich, wie auch alle anderen in dieser Runde, gefragt warum ich getauft werden möchte. ‚Weil ich Zeuge eines Wunders geworden bin,’ habe ich geantwortet: Meine Tochter war im Koma ohne Gehirntätigkeit. Wir haben zu Pauline Marie Jaricot um ihren Beistand gebetet und neun Tage später hat sich ihr Zustand zu verändern begonnen. ‚Eine schöne Geschichte,’ sagt darauf der Pfarrer. ‚Nein das ist mehr. Es ist ein Wunder,’ war meine Antwort.“
Die kirchliche Anerkennung als Wunder hat übrigens lange gedauert. „Die selbe Dame, die mit der Novene begonnen hatte, brachte das ins Rollen. Sie wollte die medizinischen Unterlagen an das zuständige Bistum weiterleiten. Dazu wurden neue Untersuchungen notwendig, etwa eine neue MRT des Gehirns. Und da zeigt sich: Alles in Ordnung! Der Arzt schaut sich die vorherigen Bilder an: „Das ist nicht möglich und noch dazu hab ja ich die Bilder vor drei Jahren gemacht.“ Das Gehirn hatte wieder  die normale Größe, es gab keine Lücken mehr usw.
Es wird ein Test gemacht, der die Übertragung elektrischer Impulse vom Gehirn auf die Gliedmaßen misst. Das Ergebnis: Zu 100% wieder normale Funktion. Hatte es nicht geheißen, das Gehirn sei unwiderruflich geschädigt? Waren die vorigen Tests fehlerhaft? Aber es war ja mehrfach gemessen worden und der Zustand hatte sich jedes Mal sogar verschlechtert, bis eben keine Gehirnströme zu messen waren: Glasgow3:  Auch für diesen Arzt bleibt das unerklärlich.
Wegen des Seligsprechungsprozesses werden auch in Rom Untersuchungen gemacht. Mayline ist damals 7-8 Jahre alt. Sie erträgt diese Strapazen sehr geduldig. Dann endlich, am 26. Mai 2020, anerkennt der Heilige Vater, dass ein Wunder durch Pauline Marie Jaricots Fürsprache bei Gott geschehen war. Und am 22 Mai 2022 wird Pauline Marie Jaricot selig gesprochen.
Immer öfter wird von da an Emmanuel gebeten, Zeugnis von diesem Wunder zu geben. „Ich tu das gerne. Dass Gott das Unmögliche möglich gemacht hat, das hat mein Leben, meinen Glauben komplett verändert. Warum wurde gerade Mayline gerettet? Ich weiß es nicht. Ich habe beschlossen, nicht mehr zu fragen, sondern mich aufs Danken zu konzentrieren. Tut man das nicht so bei Geschenken?“ Und was für ein Geschenk! Mayline ist nicht nur wieder gesund, sondern hat alle durch ihren Mut, ihr Durchhaltevermögen, ihr Lächeln, mit dem sie alle bezaubert, mit der Liebe, die sie ganz natürlich um sich herum versprüht, sehr verändert. „Der Bischof von Nice hat so richtig gesagt : Nicht ihr habt sie gerettet, sie hat euch gerettet’.“
Emmanuel Tran fährt fort: „Seit meiner Taufe 2016 bin ich in eine ganz andere Dimension meines Glaubens eingetreten. Ja, es ist nie zu spät, um zu glauben. Die Taufe zu bekommen und damit in die katholische Kirche einzutreten, war eine erste Etappe. Die zweite Etappe war, als wir begannen, Zeugnis zu geben. Bei meiner Taufe, als man uns sagte, wir seien nun Apostel Gottes und sollten davon Zeugnis geben, hatte ich das noch nicht wirklich verstanden, was das bedeutet:. Zu oft, denke ich, bezeugt man weder die Existenz Gottes, noch seine Liebe, Seine Barmherzigkeit, alles was er für uns jeden Tag tut.“
Jetzt betont Emmanuel, wie gut es ihm selbst tut, Gott zu bezeugen und Menschen, die Zweifel haben oder sich noch gar nicht mit dem Glauben beschäftigt hatten, zu helfen daran zu glauben, dass Gott wahrhaftig hier und jetzt lebt und wirkt. „Die Wunder sind nicht 2000 Jahre alt sind, sie geschehen täglich – und manchmal noch viel größere, um die Menschen daran zu erinnern, dass Gott hier und jetzt existiert. Manchmal ahnt man zwar Gottes Anwesenheit, erlebt Sein Eingreifen, aber nimmt es nicht als Wunder wahr oder will es nicht als Wunder wahrnehmen. Der Bischof von Lyon hat unmittelbar nach der Seligsprechung gesagt, dass ein Wunder nichts anderes als ein Zeichen von Gottes Anwesenheit ist.“
Zeugnis gibt mein Gegenüber auch für die Bedeutung des Gebetes: „Das Gebet ist etwas Starkes, Mächtiges und kann Unglaubliches bewirken. Wir müssen daran glauben, dass es etwas in den Menschen verändert, auch wenn wir keine unmittelbaren Rückmeldungen bekommen. Wieviele Menschen schenkten uns in unserer Not ihre Zeit, ihre Hilfe, soviel Gebet und Liebe, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Das hat sie selbst und uns verändert.
Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie stark die Liebe ist: Sie ist eine dynamische, Heil wirkende Kraft. Wir können sie grenzenlos und bedingungslos einander verschenken. Zögern wir nicht. Aber zögern wir auch nicht sie zu empfangen.
Wenn die Stunden dunkel werden dann wagt es die Hand auszustrecken. Es wird immer jemanden geben der sie ergreift. Und wenn es nur Einer sein wird: ER wird immer da sein.“





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