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Von der Kalaschnikow zum Rosenkranz

Artikel drucken Skizzen wider den Zeitgeist (Christof Gaspari)
 
   

Das Buch kam mit der Post, unaufgefordert. Und ich habe es in einem Zug ausgelesen. Die Autorin hatte es mir zugesandt mit der Bemerkung, ihr Weg zum wahren Glauben und ihre Verbundenheit mit den Deutschen seien „eine abenteuerliche Gratwanderung, ja eine schwere Geburt“ gewesen. Der Untertitel „Von der Kalaschnikow zum Rosenkranz“ nimmt auf diesen Weg Bezug.
Nach der Lektüre der biographischen Skizzen, die das Buch enthält, meine ich, der Untertitel kennzeichne besser, was den Leser erwartet, als der Titel: Die Hosenverweigerin.
Zwar wird das Thema Kleidung der Frau mehrmals angesprochen. Es liegt der Autorin, Olga Tschepp, am Herzen. Dabei plädiert sie – und das ist meiner Ansicht nach ein wichtiges Anliegen – für eine weibliche Kleidung, die nicht aufreizend, sondern anziehend wirkt. Sie betätigte sich nämlich viele Jahre hindurch, schon als Mutter größerer Kinder, als Model. Ihr Kapital seien ihre schönen grauen Haare, meint sie. Ihre Erinnerungen an ihre Einsätze als Model bieten ihr dann auch viel Gelegenheit, nicht nur über Modefragen zu sprechen, sondern auch interessante gesellschaftspolitische Betrachtungen anzustellen und sich kritisch mit dem Zeitgeist auseinanderzusetzen.
Aber das eigentlich Spannende an ihrem Buch war für mich ihre Wandlung von einer kommunistisch, emanzipatorisch geprägten Jugendlichen zu einer Frau, die Erfüllung in ihrer Aufgabe als Mutter von fünf Kindern gefunden hat.
Das Buch ist lesenswert – und leicht lesbar. Es ist in relativ kurze Abschnitte gegliedert, mit unterschiedlichem Stil: Einerseits persönliche Rückblicke und Erinnerungen, dann Teile, die ein Freund über ihr Leben verfasst hat, und schließlich die erwähnten kritischen Auseinandersetzungen mit dem Zeitgeist. Und in ihnen wird Klartext gesprochen in einer Art und Weise, wie man sie heute kaum vorgesetzt bekommt. Frau Tschepp spricht vieles mit einer Deutlichkeit an, die bei einige Anstoß erregen wird, die allerdings auch typisch ist für Menschen, die sich bekehrt haben, aus der Glaubensferne zu Jesus Christus und nun deutlicher als andere erkennen, wie kostbar der neue Weg ist.
1955 in der kommunistischen Tschechoslowakei geboren, landet die kleine Olga, nachdem sich die Eltern zerstritten und die Mutter einen Beruf angenommen hatte, mit acht Monaten in der Kinderkrippe. „Olgas älteste visuelle Erinnerung aus der Krippenzeit war der Blick durch die weißen abgekratzten Metallgitterstäbe eines Kinderbetts in einem vom Weinen der Kleinkinder lärmerfüllten Großraum, der voll von solchen Kinderbetten war.“ Eine traumatische Erfahrung.
Mit Freude und Engagement hingegen nimmt Olga später an Lagern der „Grenzwächter“ teil, bei denen die Kinder paramilitärisch geschult werden. Am liebsten sind ihr die Schießübungen – auf Zielscheiben in Menschengestalt. „Für einen Kopfschuss oder einen Schuss in die Herzgegend bekam man die volle Punktzahl…“ Und Olga heimst viele Punkte ein. Über den Feind, den es zu bekämpfen gilt, gibt es keine Zweifel: die Deutschen.
In den 70er- und 80er Jahren profitiert Olga Tschepp dann vom aufblühenden westlichen Tourismus in der immer noch kommunistischen Heimat. Als Hotelfachfrau jongliert sie er­folg­reich mit Devisengeschäften, die sich aus ihm ergeben und lebt in Saus und Braus ein mondänes Leben.
Der Wandel tritt ein, als sie ihren künftigen Mann kennenlernt, der ganz anders ist als sie, nicht prahlerisch und überschwänglich, sondern zurückhaltend, mit guten Manieren, sehr gebildet – und gläubig. Allerdings lässt sich Olga den Glauben nicht einfach überstülpen. Vielmehr hinterfragte sie „ihn auch noch jahrelang nach der Hochzeit (…), forschte in der Bibel, studierte eingehend den Katechismus der katholischen Kirche und las weitere katholische Literatur.“
Es beginnt ein Leben, das auf ihre Familie ausgerichtet ist. „Es brachte sie innerlich zum Aufblühen, die Kinder daheim zu hüten und sich von ihrem Mann versorgen zu lassen…“ Wie schon erwähnt, trägt sie jedoch auch mit ihren wiederkehrenden Einsätzen als Model dazu bei, dass ihr neu gebautes Domizil im Unterallgäu nach einer Übersiedlung finanziert werden kann.
„Was bleibt?“, fragt die Autorin am Ende des Buches und antwortet: „Für mich das Gebet!“ Und sie wünscht Deutschland, ihrer neuen Heimat – dem ehemaligen Feind –, „ein gutes, mutiges und gottgefälliges Erwachen in Jesus Christus…“

Die Hosenverweigerin – Von der Kalaschnikow zum Rosenkranz – Biographische Skizzen wider den Zeitgeist. Von Olga Tschepp. Gerhard Hess Verlag 2022, 331 Seiten, 22,80€.

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