Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ Das erste ist eine Ermahnung zur Umkehr, ein Wort, das in seinem außergewöhnlichen Ernst verstanden werden muß, indem man die überraschende Neuheit erfaßt, die von ihm ausgeht. Der Aufruf zur Umkehr entblößt und zeigt die leichtfertige Oberflächlichkeit, die ganz häufig unser Leben kennzeichnet. Umkehren bedeutet, auf dem Weg des Lebens die Richtung zu ändern: nicht durch eine kleine Justierung, sondern durch eine regelrechte Kehrtwendung. Umkehr bedeutet gegen den Strom zu schwimmen, dort wo der „Strom“ ein oberflächlicher, inkonsequenter und trügerischer Lebensstil ist, der uns häufig mitreißt, uns beherrscht und uns zu Sklaven des Bösen oder jedoch zu Gefangenen moralischer Mittelmäßigkeit macht.
Mit der Umkehr jedoch, strebt man nach dem hohen Maßstab des christlichen Lebens, vertraut man dem lebendigen und persönlichen Evangelium: Christus Jesus. Seine Person ist das letzte Ziel und der tiefe Sinn der Umkehr, Er ist der Weg, auf dem im Leben zu gehen alle berufen sind, indem sie sich von Seinem Licht erleuchten und von Seiner Kraft tragen lassen, die unsere Schritte führt.
Auf diese Weise zeigt die Umkehr ihr strahlendstes und faszinierendstes Antlitz: Es handelt sich nicht um eine einfach moralischen Entscheidung, die unsere Lebensführung begradigt, sondern um eine Glaubensentscheidung, die uns ganz in die enge Gemeinschaft mit der lebendigen und konkreten Person Jesu einbezieht. Umkehren und an das Evangelium glauben sind nicht zwei verschiedene oder in gewisser Weise nur nebeneinanderstehende Dinge, sondern sie bringen dieselbe Wirklichkeit zum Ausdruck. Die Umkehr ist das vollkommene „Ja“ dessen, der sein Dasein dem Evangelium übergibt, indem er Christus frei antwortet, der sich als erster dem Menschen als Weg, Wahrheit und Leben anbietet, als derjenige, der allein den Menschen befreit und ihn rettet.
Gerade das ist die Bedeutung der ersten Worte, mit denen Jesus dem Evangelisten Markus zufolge, die Verkündigung des „Evangeliums Gottes“ einleitet: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,15)
Das „Kehrt um, und glaubt an das Evangelium“ steht nicht nur am Beginn des christlichen Lebens, sondern es begleitet alle seine Abschnitte, es bleibt, indem es sich erneuert und breitet sich aus, indem es sich in all seine Ausdrucksformen verzweigt. Jeder Tag ist eine Zeit der Gnade, denn jeder Tag drängt uns dazu, uns Jesus zu übergeben, Ihm zu vertrauen, in Ihm zu bleiben, Seinen Lebensstil zu führen, von Ihm die wahre Liebe zu lernen.
Ihm darin zu folgen, täglich den Willen des Vaters zu erfüllen, ist das einzige große Gesetz des Lebens. Das gilt für jeden Tag, auch wenn es nicht an Schwierigkeiten und Mühsal mangelt, an Erschöpfung und Stürzen, auch wenn wir versucht sind, die Straße der Nachfolge Christi zu verlassen und uns in uns selbst, in unseren Egoismus zu verschießen, ohne uns die Notwendigkeit klarzumachen, uns der Liebe Gottes in Christus zu öffnen, um dieselbe Logik der Gerechtigkeit und der Liebe zu leben.
In der jüngsten Botschaft zur Fastenzeit habe ich in Erinnerung rufen wollen, daß es Demut braucht, „um anzunehmen, daß ich jemand anderen nötig habe, der mich aus dem ,Meinen’ befreit, der mir freigiebig das ,Seine’ schenkt. “
Auszug aus der Ansprache bei Generalaudienz am 17.2.10