VISION 20002/2008
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Eine Bilderpest, die Seelen zerstört

Artikel drucken Pornographie verwüstet die Seele, verdunkelt die Sicht auf Gott (Von Urs Keusch)

Pornographie überschwemmt den Alltag : via Pornoläden, Fernsehen, Internet, Erotikmessen... Pornographie sei Teil der Kultur, so eine deutsche Tageszeitung. Eine bedrohliche, katastrophale Entwicklung, der sich Christen stellen müssen, vor allem, um die Kinder zu schützen.

In Dostojewskijs Brüder Karamasow ruft der Heilige Sosima den Leuten zu: “Liebt besonders die Kinder, denn auch sie sind sündlos wie Engel und leben, um uns zu rühren, um unsere Herzen zu läutern und als ein Hinweis für uns. Wehe dem, der einem Kinde etwas zuleide tut."

Kein Mensch kann erfassen, was Wunderbares, Heiliges, ja, Unantastbares es um ein Kind ist. Das weiß im Tiefsten nur einer: Jesus Christus. Denn Er selbst ist ein Kind, das vielgeliebte Kind des Vaters (Mt 3,17). Alles an Ihm ist wahr, ist wahrhaftig, rein, unschuldig, ursprünglich, unbefleckt, gerade, ehrlich. Er ist die ewig junge und unberührte Schöpfung, der ewige Frühling aus dem Schoß der Liebe Gottes.

Jedes Kind, das in unsere Welt hineingeboren wird, ist aus dieser überströmenden Liebe Gottes geboren. Es ist sichtbar gewordene Liebe, es riecht noch ganz nach den Wohlgerüchen des Himmels.

Darum ruft uns Jesus zu: “Laßt die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht daran! Denn ihnen gehört das Himmelreich." (Mk 10,14) Sie sind meine Lieblinge, sie sind meine auserwählten Kinder. Nach ihnen sehnt sich mein Vater, der im Himmel ist. Ihm gehören die Kinder, denn schon jetzt schauen ihre Engel unentwegt das Angesicht meines himmlischen Vaters. “Hütet euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten!"

Es gibt keinen größeren Schmerz für Jesus, als zusehen zu müssen, wie heute seine Kinder “verachtet" werden: wieviele von ihnen schon im zartesten Kindesalter seelisch, ja, menschlich ganz verunreinigt werden. Wir haben heute Angst vor den Dingen, die da kommen sollen als Folge der Klimaerwärmung: Überflutungen, neue Infektionskrankheiten, Hungerkatastrophen, soziale Verelendung etc...

Aber was sind das für Bedrohungen angesichts jener, die unser ewiges Leben gefährden? Ich meine die globale Überflutung der Menschheit, vor allem unserer Kinder und Jugendlichen mit jener dunklen Bilderflut, die ihre Seelen verunreinigt und ihr inneres geistliches Leben erstickt, bisweilen ertötet.

Sprach man vor Jahren noch von einer Sexualisierung der Öffentlichkeit, spricht man heute von einer Pornographisierung der menschlichen Gesellschaft. Allein im Internet, so die Schätzung, gibt es 200.000 Sexanbieter. Monatlich werden über 100 pornographische Filme ausgestrahlt, zu denen junge Menschen über Internet und auch Handys (!) Zugang haben. Rund 50% der Kinder unter 12 Jahren haben zumindest eine solche Darstellung gesehen. “Die Kinder sind voll mit diesen Bildern. Und die kriegen sie nicht aus dem Kopf", schreibt eine Sozialarbeiterin, die sich vor allem sozialer Problembezirke annimmt.

Bereits Anfang der neunziger Jahre stellte eine Forschungsstelle fest: “83% aller Jungen und 43% aller Mädchen in Deutschland haben Pornoerfahrung... Die wichtigsten Pornomedien sind mittlerweile das TV, Videofilme und der Computer, 34% der zehnjährigen Kinder in Deutschland besitzen einen eigenen Fernsehapparat im Kinderzimmer. Sie haben freien Zugriff auf Filme der Privatsender." (Tagespost v. 27. 11. 99)

Die Feder sträubt sich, weitere Zitate anzuführen. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes “himmelschreiend". Denn pornographische Bilder sind entwürdigende, entmutigende, todbringende Bilder. Sie zersetzen und verdunkeln die menschliche Seele. Sie zerstören die Liebesfähigkeit der kindlichen und jugendlichen Seele, die Freude am Heiligen, Schönen, Wahren und Reinen. Sie verdunkeln die Sicht auf das göttliche Geheimnis. Und sie haben in den Seelen der Kinder und Jugendlichen eine nach außen gerichtete aggressive Wirkung.

Von daher kommt viel Gewalt unter den Jugendlichen, blinde Zerstörungswut und unbemerkt schleichen sich Abstumpfungserscheinungen gegenüber dem realen Leben ein. Von daher kommt auch viel Depressivität auf den Gesichtern der Jugendlichen, ein beängstigendes Lichterlöschen weit und breit. Die schwarze Bilderpest hat den Frühling ihrer Seelen sterben lassen, ehe er sich mit sanften Strahlen angekündigt hat.

Viele Kinder und Jugendliche sind unendlich traurig und antriebslos, sie fühlen eine bedrückende innere Leere, das Leben erscheint ihnen als absurde Last, sie fühlen sich verunreinigt, entwertet und wollen nicht mehr leben. Viele von ihnen erfahren die Macht des Bösen in ihrem Leben ganz real als eine unheimliche innere Gefangenschaft, der sie nicht entrinnen können. Es ist “der Geist der Unzucht", der diesen Menschen die Sicht auf das Reich Gottes verschließt (vgl Gal 5,19-21).

Als Christus die selige Mutter Teresa rief, ihr Kloster zu verlassen und in die Slums von Kalkutta zu gehen, zu den Kindern, zu den Elenden, sagte Er zu ihr (siehe das empfehlenswerte Buch: Mutter Teresa, Komm, sei mein Licht!): “Wie es mich verletzt - wenn du nur wüßtest -, diese armen Kinder mit Sünde beschmutzt zu sehen. Ich sehne mich nach der Reinheit ihrer Liebe."

“Ich sehne mich nach der Reinheit ihrer Liebe." Dies gilt nicht bloß für die Kinder in den Slums von Kalkutta, dies gilt für alle Kinder auf der Welt, die vom Schmutz der Sünde betroffen sind. Ist nicht mit der Globalisierung der Medien die Welt - geistlich gesehen - mehr oder weniger zu einem Slum geworden?

Christus weint und klagt heute vor vielen Türen unserer Häuser und Wohnungen, in denen christliche Familien wohnen. Viele dieser Kinder und Jugendlichen leben heute geistigerweise in Slums: Überall dort, wo sie weitgehend unkontrolliert im Internet surfen, TV schauen, sich Videos anschauen können.

“Wenn du nur wüßtest, wie es mich verletzt!" Das sagt Jesus nicht bloß zu Mutter Teresa. Er sagt es zu Dir und zu mir, zu Dir als Vater, zu Dir als Mutter, zu mir als Priester. “Wenn du nur wüßtest, wie es mich verletzt, diese armen Kinder mit Sünde beschmutzt zu sehen."

Hören wir Sein Klagen? Empfinden wir noch etwas von Seinem unendlichen Schmerz über das Schreckliche, das an unseren Kindern geschieht, an ihren unsterblichen Seelen? Oder haben wir das Gespür für die Sünde, für die Not einer verunreinigten Seele ganz verloren? Haben wir die Ewigkeit, für die jede Seele geschaffen ist, ganz aus unserem Bewußtsein verdrängt, auch die schreckliche Gefährdung, daß wir für die Ewigkeit verloren gehen können?

Es gibt die Hölle, es gibt sie wirklich, (es gibt sie auch ohne Bibel): Sie beginnt nämlich für viele schon hier in diesem Leben. Viele junge Menschen erleben sie, fühlen sich in ihr gefangen, gefangen in einer namenlosen inneren Verzweiflung. Sie erleben sie und erzählen manchmal davon. Nicht von ungefähr ist die Selbsttötung unter Jugendlichen die zweithäufigste Todesursache: oft ist es der tragische Versuch, der eigenen erlebten inneren Hölle zu entfliehen.

“Bring die Seelen der armen kleinen Straßenkinder zu mir", sagte Jesus ferner zu Mutter Teresa... Wenn du nur antworten und mir diese Seelen bringen - sie dem Zugriff des Teufels entziehen würdest! Wenn du nur wüßtest, wie viele Kleine jeden Tag der Sünde verfallen."

So hat Mutter Teresa ihren klagenden Herrn vernommen, als Er sie rief. Und Er sagte ferner zu ihr: “Du bist nicht für Seelen gestorben - deshalb kümmerst du dich nicht darum, was mit ihnen geschieht - Dein Herz war nie so in Kummer getränkt wie das meiner Mutter." Hören wir dieses Klagen? Wollen wir Jesus überhaupt noch hören? Oder laufen wir einfach davon?

Auf diesem Hintergrund verstehen wir vielleicht ein wenig besser, warum uns Christus den Barmherzigkeitssonntag “als letzten Rettungsanker für die Menschheit" geschenkt und anvertraut hat. “Seelen gehen verloren", schreibt Mutter Teresa an Erzbischof Périers, “weil man sich nicht darum kümmert, wegen des Mangels an Liebe".

Daher sollen wir an diesem Festtag - und nicht nur an ihm - für die ganze Welt einstehen, für jedes Kind, für alle jungen Menschen Barmherzigkeit erflehen und darum bitten, daß die Macht des Bösen, die Macht Satans, des Widersachers Christi, in unserer Welt zurückgedämmt werde.

Wir wollen am Barmherzigkeitssonntag miteinander auch um die Gnade beten, daß viele Eltern für die große Not, in der unsere Kinder sich befinden, erwachen, daß sie den Mut aufbringen, mit offenen Augen hinzuschauen und konkrete Schritte zu tun. Zum Beispiel, indem sie sich mit andern christlichen Eltern zusammentun, um sich gegenseitig auszutauschen und Hilfen anzubieten, um Initiativen zum Schutz unserer Kinder zu ergreifen.

Dieses Thema kann heute in den Familien, den Schulen, Pfarreien, in Geistlichen Bewegungen..., ja, auf allen Ebenen und in allen Bereichen der Gesellschaft und der Kirche nicht ernsthaft genug angegangen werden!


Die Kinder schützen

Eltern sollten sich über die Gefahren informieren, denen die Kinder heute durch die Medien ausgesetzt sind. Lernen Sie daher selbst den Umgang mit dem PC, um Einblicke in diese Welt zu gewinnen. Sprechen Sie mit Ihren Kindern vertrauensvoll über die erwähnten Gefahren.

Wichtige Tips:

* Stellen Sie Computer und TV so, daß Sie jederzeit einen Blick auf den Bildschirm werfen können (kein PC, TV, Internet im Kinderzimmer!).

* Sorgen Sie dafür, daß Ihre Kinder nicht unkontrolliert online gehen können, beobachten Sie Ihre Kinder, kündigen Sie Kontrollen an.

* Bestimmen Sie gemeinsam, wann und wie lange Ihre Kinder surfen dürfen. Erstellen Sie zusammen eine Liste mit kindgerechten Internetseiten.

* Versehen Sie den Computer mit Kinderschutzprogrammen (Erotikfilter etc.)! Lassen Sie sich von Fachleuten beraten.

Siehe auch: www.stopp-kinderpornografie.ch

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