VISION 20002/2008
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Zeitgeschehen

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Scharia für Großbritannien?

Rowan Williams, das Oberhaupt der anglikanischen Kirche, hat sich in einem Interview mit der BBC für die Zulassung der Scharia in Großbritannien ausgesprochen. Das Ganze solle denjenigen Moslems offenstehen, die es dem britischen Rechtssystem vorzögen. Für Williams, den Erzbischof von Canterbury, ist das Ganze ein “unvermeidbarer Schritt", da sich einige Bürger nicht mit britischem Recht identifizierten. Wörtlich sagte er: “Es scheint unausweichlich, und de facto sind bereits jetzt einige Bestimmungen der Scharia in unserer Gesellschaft und in unserem Gesetzessystem anerkannt. Es ist also nicht so, daß wir damit ein fremdes und ein zum britischen Gesetz widersprüchliches System hereinholen würden."

Kath.net v. 8.2.08

Jedem sein Rechtssystem - welch genialer Einfall! Dabei ist das einheitliche Recht sozusagen das letzte Band, das die pluralistische Gesellschaft zusammenhält. Wenigstens stieß der Vorschlag auf einhellige Kritik.


Eizellen spenden

Aus Mangel an Eizellenspenderinnen wirbt eine belgische Fortpflanzungsklinik mit lukrativen Angeboten um Studentinnen. Die Klinik “Life" im flämischen Löwen werde speziell unter Studierenden nach Spenderinnen suchen, zitierte die Gazet van Antwerpen eine Mitarbeiterin (...). Für eine Eizellenspende, die gesundheitlich mit hohen Risiken verbunden ist, soll den jungen Frauen 750 Euro Honorar geboten werden. Den Angaben zufolge will die Klinik auf Infoveranstaltungen und in Uni-Kneipen Interessentinnen anwerben.

Frauen in Ausbildung oder aus niedrigen sozialen Schichten werden damit verleitet, mit ihrer Eizellenspende finanzielle Engpässe zu überwinden. De facto ist der Eizellenhandel mit Frauen aus ärmeren EU-Ländern bereits Realität, ebenso in den USA mit Studentinnen von Top-Universitäten.

Imabe-Newsletter 2/08

Im Grunde genommen ist das gesamte Arsenal der Reproduktionstechnik frauenfeindlich: Pille, Spirale, Abtreibung, Sterilisation, künstliche Befruchtung... Der weibliche Leib wird verzweckt. Die Misere 40 Jahre nach “Humanae vitae" zeigt, wie prophetisch die Enzyklika von Paul VI. war.


Fünf Milliarden “verspielt"

Ein einzelner Händler, der 31 Jahre alte Franzose Jérôme Kerviel, hat einen Finanz-Gau verursacht - den größten anzunehmenden Unfall. Ohne Genehmigung spekulierte er mit bis zu 50 Milliarden Euro auf das Fallen und Steigen von europäischen Aktienindizes, ohne sich durch die üblichen gegenläufigen Geschäfte abzusichern. Wie ein Seiltänzer, der seine Sicherheitsleine abnimmt, bewegte er sich auf den Finanzmärkten. Seine nächsten Vorgesetzten müssen Bescheid gewußt haben, behauptet er - zumindest haben sie nicht richtig hingeschaut.

(...) Zu 500-Euro-Scheinen aufgestapelt, würde die Summe etwa die dreifache Höhe des Eiffelturms erreichen. Sie übersteigt auch das Bruttosozialprodukt von Ländern wie Georgien, Burkina Faso oder Kambodscha.

FAZ v. 2.2.08

Eigentlich egal, wer schuld an der Katastrophe ist. Daß es Einrichtungen gibt, in denen man so gigantische Werte vernichten kann, zeigt, wie pervers das globale Wirtschafts- und Geldsystem geworden ist: Eigennütziges, weitgehend unkontrollierbares Agieren in Rieseneinheiten gibt den Ton an:


Bankenstützung

Der Verwaltungsrat der staatseigenen KfW-Bankengruppe hat ein Rettungspaket für die angeschlagene Mittelstandsbank IKB geschnürt. Das teilten Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Mittwoch nach einem Krisengipfel in Berlin mit. Für die IKB, die sich in der amerikanischen Bankenkrise massiv verspekuliert hat, sind laut Steinbrück 1,5 Milliarden Euro als zusätzliche Eigenmittel nötig. (...) Gegen eine Rettung auf Staatskosten war aber auch Widerstand laut geworden. “Es darf nicht sein, daß die Banken in guten Zeiten ihre Gewinne für sich behalten und in dieser Situation ihre Verluste sozialisieren", sagte der CDU-Haushaltspolitiker Steffen Kampeter dem Handelsblatt. (...)

Die IKB war die erste Bank in Deutschland, die wegen der Krise auf dem Immobilienmarkt der USA in schwere Turbulenzen geriet. Ende Juli sprang die KfW der Bank mit einer Kreditlinie von 8,1 Milliarden Euro zur Seite. Sie übernahm auch 2,5 Milliarden Euro einer Risikoabschirmung, die ein Volumen von damals insgesamt 3,5 Milliarden Euro hatte.

Spiegel-online v. 13.2.08

Auch hier: Milliardenverluste - wie in London, in Wien, und, und... Zur Rettung ruft man dann den Fiskus - das sind wir alle.


Der Papst ist unerwünscht

Nach anhaltenden Störmanövern hat Papst Benedikt XVI. seinen für heute Donnerstag geplanten Besuch an der römischen Universität “La Sapienza" (Die Weisheit) abgesagt. Renato Guarini, Rektor der mit 135.000 Studenten und 4.500 Professoren größten Uni Europas, hatte den Papst geladen, beim Festakt zur Eröffnung des Akademischen Jahres zum Thema “Todesstrafe" zu sprechen. Doch 67 emeritierte Physikprofessoren protestierten: “Papa Ratzinger" sei untragbar, da er vor 17 Jahren den Inquisitionsprozeß gegen Galileo Galilei “vernünftig und gerecht" genannt habe: “Das beleidigt uns."

Studenten formten den Protest zum Volksfest um. Sie riefen, bei Spanferkel und Süßwein (“Vin Santo"), eine “antiklerikale Woche" aus: “Befreit die Sapienza aus der Geiselhaft des Papstes!" “Die Wissenschaft braucht weder Väter noch Priester!" Man kündigte an, Benedikts Rede unter Lärm aus mächtigen Lautsprecherwagen zu ersticken und ein “Sit-in" zu veranstalten vor dem Eingang zur Uni, gleich unter der bronzenen Statue der Minerva. Die antike Göttin der Weisheit sei nämlich das “Symbol freier Wissenschaft".

Die Presse v. 16.1.08


Die heidnische Göttin als Patronin der Wissenschaft und der Vertreter des christlichen Glaubens, des eigentlichen Nährbodens modernen Forschens, der Feind - wie verrückt! Gott sei Dank gibt es jedoch noch genügend Menschen mit Durchblick:

200.000 auf dem Petersplatz

“Ecco il giorno di Papa!" (Das ist der Tag des Papstes!) titelte der “Corriere della Sera". Das durfte man laut sagen. Seit dem Mittelalter waren an diesem Sonntag wohl nicht mehr so viele Menschen auf den Petersplatz geströmt. (...)Diesmal waren Hunderttausende allein des Papstes wegen gekommen. 200.000 sollen es den unergründlichen Schätzungen der Agentur-Berichte zufolge gewesen sein. (...) Aus dem ganzen Land waren sie der Einladung Kardinal Ruinis gefolgt, den wenigen Dozenten und Studenten, die vor Tagen den Papst mit einer “antiklerikalen Woche" an seinem Besuch in der Universität “La Sapienza" ausgebremst hatten, vor aller Welt auf dem Petersplatz mit einer Demonstration der Gläubigen zu antworten. (...) Nicht enden wollender Jubel empfing den Pontifex aus Bayern, als er Punkt 12 Uhr mit ausgebreiteten Armen ans offene Fenster trat.

Die Welt v. 21.1.08


Moratorium für Abtreibungen

Am 18. Dezember 2007 verabschiedeten die Vereinten Nationen in New York mit den Stimmen von 104 Staaten ein Moratorium zur Todesstrafe. Die Entscheidung wurde als großer zivilisatorischer Sieg gefeiert und allgemein begrüßt. (...) Im konkreten Fall fordern die Vereinten Nationen alle Staaten auf, keine Todesurteile mehr zu exekutieren. Als die Nachricht aus New York in den Redaktionen eintraf, verfaßte Giuliano Ferrara, Chefredakteur der liberalen italienischen Tageszeitung Il Foglio den Leitartikel für die Ausgabe des nächsten Tages. Daraus wurde ein leidenschaftlicher Appell für das Leben mit der Forderung: “Jetzt auch ein Abtreibungsmoratorium".

Ferrara schreibt in seinem Appell: “Freuen wir uns" über die Verabschiedung des Moratoriums zur Todesstrafe, “beschließen wir nun" - als logische Fortsetzung - “auch ein Abtreibungsmoratorium". Das erreichte Moratorium zur Todesstrafe sei erst das “Kleine Moratorium", “laßt uns nun das Große Moratorium gegen das Blutbad an Unschuldigen voranbringen". (...) Am 3. Januar legt Ferrara nach. Seit die Regierungen der einzelnen Staaten die Abtreibung legalisiert haben, habe sich viel gewandelt, “nicht nur die Ultraschallbilder, die sichtbar machen, wo man so tat, als würde man nichts sehen." Es habe sich aber auch die “Mentalität gewandelt (...)". Deshalb “träume" er von “5 Millionen Pilgern für das Leben und die Liebe", die im kommenden Sommer in Rom mit der Forderung nach einem Abtreibungsmoratorium zusammenkommen und die diesen Wandel bekräftigen und für alle sichtbar machen würden...

www.katholisches.info/?p=1033, 14.1.08

Dank an Signore Ferrara für die klaren Worte. Man stelle sich aber vor: ein Bischof hätte vom “Blutbad an Unschuldigen" gesprochen! Und: Sollten wir nicht alle nach Rom aufbrechen?


Kampagne für das Leben

Kardinal Alfonso Lopez Trujillo, Präsident des Päpstlichen Rates für die Familie, wird sich im Namen des Heiligen Vaters für die Verwirklichung des “Moratoriums gegen die Abtreibung" einsetzen. (...) Kurienkardinal Lopez Trujillo wird sich, wie er am 24. Januar in einem Gespräch mit der italienischen Tageszeitung La Repubblica ankündigte, im Rahmen einer Reise durch die ganze Welt darum bemühen, den Staatsoberhäuptern, Politikern und Kulturinstituten die katholische Lehre über den Schutz und die Verteidigung des Lebens nahezubringen und sie für die Idee des Moratoriums zu gewinnen.

zenit.org v. 25.1.08

Höchste Zeit, den Skandal weltweit - vor allem auch bei uns - zu thematisieren.


Der Westen auf Abwegen

Leider macht der demokratische Westen, was die Religionsfreiheit anbelangt, derzeit denselben Fehler, den er einstmals den kommunistischen Ländern vorgeworfen hat. Gestatten Sie mir, zwei Beispiele zu nennen. Vor der Aufklärung litt Europa daran, daß es Ungläubigen verbot, verantwortliche Positionen in der Gesellschaft einzunehmen. Die Aufklärung führte dann zu einer Angleichung der sozialen Rechte von Gläubigen und Ungläubigen. Sie trug zu einer geistigen Entfesselung des Menschen bei. Heute jedoch verwehrt das Europäische Parlament Rocco Buttiglione, dem ehemaligen Europaminister der Regierung von Silvio Berlusconi, das Amt des EU-Kommissars aus Angst, sein römisch-katholischer Glaube könnte einen negativen Einfluß auf die Menschen haben! Für ukrainische Gläubige war das ein Schock. Zweitens: Das EU-Parlament beschloß ein Gesetz, das die christliche Version der Entstehung der Welt aus dem Schulunterricht an EU-Schulen verbannt. Für mich persönlich sind diese Beispiele doppelt schmerzlich. Ich war nämlich mein ganzes Leben lang ein Fürsprecher der westlichen Demokratie, habe die westeuropäischen Länder als Vorbild für die Ukraine dargestellt. Und heute muß ich leider feststellen, daß Westeuropa in jene Falle tappt, aus der sich Osteuropa gerade erst befreien konnte.

Miroslaw Marinowitsch, Überlebender des Gulag und Vizerektor der Katholischen Universität der Ukraine in “Catholic World Report" 1/08


Bedenkenswert. Die Diagnose wird auch durch folgendes Beispiel bestätigt:

Mama & Papa politisch unkorrekt

Mama und Papa sind politisch unkorrekt. Das befindet die britische Regierung. Sie hat Leitlinien für Lehrer erlassen, in denen bestimmte Begriffe unter die “bad words" fallen, unter ihnen sind auch “mum and dad". Stattdessen sollte der Begriff “Eltern" verwendet werden. Allein die Verwendung von umgangssprachlichen Begriffen wie “gay" - “schwul" - könne als rassistisch empfunden werden, ist weiters zu lesen. Die Regierung hatte die Leitlinien von der Gruppe “Stonewall" erstellen lassen. Es handelt sich um eine Homosexuellenlobby, die von der Labourregierung als kompetente Stimme in allen Anliegen von Homosexuellen anerkannt wurde. Mit der Erstellung von offiziellen Regierungsleitlinien ging die Regierung noch einen Schritt weiter und sprach der Gruppe noch mehr Kompetenz zu. “Preventing and Responding to Homophobic Bullying in Schools" lautet der Titel des Schreibens, in dem es inhaltlich darum geht, wie “homosexualitätsfeindliches Mobbing" in Schulen vermieden werden kann.

(...) Eine einzige Freiheit gestatten die Leitlinien dennoch - zu schweigen. “Ein Mensch kann jede Ansicht haben, die er will", ist zu lesen. “Aber es ist inakzeptabel, Meinungen auszudrücken, die andere schlecht machen."

kath.net v. 31.1.08


Wir nähern uns mit Zeitverzögerung den von George Orwell in “1984" beschriebenen Zuständen an - auch in Sachen Überwachung:

Plädoyer für heilige Räume

“Sicherheit geht über alles", das hat mir dieser Tage ein christsozialer Bundespolitiker im Zusammenhang mit der Terrorbekämpfung gesagt. Ich habe mir dann erlaubt, ihn etwas zu korrigieren. Das Sicherheitsbedürfnis geht nicht über alles, und totale Sicherheit wird es nicht geben, auch wenn manches in diesem Bereich verbessert werden kann. Grenzen sind erreicht, wenn es um das Beicht- und Seelsorgegeheimnis geht. So ist in den vergangenen Wochen bekannt geworden, daß es im Bundesinnenministerium Pläne gibt, im Zuge der Terrorbekämpfung auch Geistliche und Anwälte abzuhören. Sie sind nicht neu. Schon 1997 gab es solche Überlegungen im Rahmen der Diskussion um den Großen Lauschangriff.

Für mich gehört es zu einem demokratisch legitimierten Rechtsstaat, daß es “heilige Räume" gibt, in die der Staat nicht eingreifen darf. (...) In vielen Klöstern ist täglich die Möglichkeit zur Beichte gegeben. Den Ordensfrauen und -männern werden in Seelsorge- und Beratungsgesprächen äußerst private Angelegenheiten anvertraut. Gefängnisseelsorger - unter ihnen auch viele Ordensleute - sind häufig die einzigen Ansprechpartner, denen sich Häftlinge in dem Bewußtsein absoluter Vertraulichkeit anvertrauen können. Wo ein Mensch sich voller Vertrauen an einen anderen oder auch an Gott wendet und sein Innerstes nach außen kehrt, wo er vielleicht auch Schuld und Versagen bekennt, da muß er darauf vertrauen können, daß es ein absolutes Geheimnis bleibt. Es muß also endlich Schluß sein mit Plänen, die dieses Vertrauensverhältnis zerstören.

Die Tagespost v. 29.1.08

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