VISION 20004/2003
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Zwischen Himmel und Erde war Wien

Artikel drucken Wenn Menschen aufeinander zugehen

Unglaublich intensiv und segensreich hat Maria Loley an der Stadtmission mitgewirkt. Seit Wochen liegt sie nun im Spital. Bei einem Besuch haben wir sie nach ihren Eindrücken gefragt.

Du hast sehr intensiv an der Stadtmission mitgewirkt, nicht wahr?

Maria Loley: Während dieser Tage war ich in verschiedenen Kirchen der Stadt, in Kaffeehäusern, in zwei Einkaufszentren.

Waren die Veranstaltungen gut besucht?

Loley: Ja. Aber man darf nicht immer von der Zahl der Leute ausgehen. Ich denke an das Publikum in der Kirche von der Heimsuchung. Da haben nur die sichtbaren Flammen gefehlt, so erfüllt war der Raum. Die Offenheit der Menschen hat mich erfaßt, und ich war für sie erfaßt. Es war ein geistliches Geschehen besonderer Art. Ich konnte sprechen wie getragen. Jedes Wort wurde mir auf die Zunge gelegt. Das war eines der beeindruckendsten Erlebnisse.

Hast Du das nur in dieser Kirche erlebt?

Loley: Auf Schritt und Tritt konnte man solche Erfahrungen machen, sodaß ich gesagt habe: Zwischen Himmel und Erde war Wien. So gewaltig, so pfingstlich gewaltig war der Eindruck, den nicht nur ich gewonnen habe. Auch andere waren in ähnlicher Weise beeindruckt. Es haben sich die Herzen über die Grenzen hinweg geöffnet. Viele Freundschaften sind entstanden, was viele als überwältigend erlebt haben. Es war ein offenes, herzliches Aufeinander-Zugehen.

Waren Deinem Eindruck nach auch Fernstehende dabei?

Loley: Durchaus - in den Einkaufszentren. Sie haben bei den Gesprächsrunden interessiert zugehört. Im Kaffee Diglas war besonders beeindruckend, wie zwei der Podiumsteilnehmer miteinander geredet, sich füreinander geöffnet haben. Sehr beeindruckt war ich auch vom Workshop im Jesuiten-Foyer: Der Raum war bis zum letzten Winkel voll. Auch da war diese Offenheit zu spüren und die Bereitschaft, etwas anzunehmen. Nun hoffe ich, daß der Same, der ausgestreut wurde, aufgeht. Dazu muß wirklich gebetet und die Anbetung gepflegt werden. Bei Jugendlichen habe ich eine solche Ergriffenheit erlebt, daß ihnen die Anbetung ganz wichtig geworden ist. Bei manchen ist auch die Frage in Bewegung geraten: Was will Christus von mir.

Wie stellst Du Dir vor, daß es weitergehen soll?

Loley: Es wird nicht so sehr um Aktionen, sondern um intensives Gebet gehen, um Anbetung und Schriftlesung: das Wort des Herrn aufnehmen und Seinen Geist wirken lassen. Eine andere Evangelisation gibt es nicht. Diese Woche war ja erst der Anfang. Jetzt geht es um die Fortsetzung. Wenn ich jetzt hier im Krankenbett liege ohne Aussicht, je gesund zu werden, dann weiß ich auch, mich dieser Herausforderung zu stellen. Ich war bis zum letzten Tag der Mission aktiv - und am ersten Tag danach hat es mich in die Ecke geschleudert, buchstäblich. Das ist für mich die Fortsetzung der Mission, völlig im Dienst der Evangelisation. Viel habe ich nicht mehr vor mir. Vielleicht einzelne Gespräche. Aber insgesamt muß ich liegen und das Wort aufnehmen wie Brot. Leibhaftig Ihn aufnehmen. Mich persönlich bewegt das, weil es jetzt in die Endphase geht, darum, sich dem Wollen des Herrn wirklich zu stellen. Das ist ja auch für die ganze Kirche die große Herausforderung: Sein Kommen - Er sagt ja: Ja, ich komme - wird Wirklichkeit.

Das Gespräch führte Alexa Gaspari.

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